Claus-Dieter Silbereisen | Australien
Juli 2010
Nachdem wir vor 2 Jahren sehr interessante und wunderschöne fünf Wochen an der Ostküste, im
Norden (Darwin, Kakadu NP, Katherine Gorge) und im Zentrum (Kings Canyon, Uluru)
verbrachten, führte uns die Reise dieses Jahr an die Westküste. Wir waren ziemlich gespannt, da wir kaum jemanden kannten, der an der Westküste war. Und wieder waren die fünf Wochen voller herrlicher Eindrücke.
Touristisch ist diese Gegend noch nicht so erschlossen wie die Ostküste, was aber auch den
Reiz des Westens ausmacht. An keiner Stelle hatte man das Gefühl, dass Sehenswürdigkeiten und Nationalparks überlaufen waren.
Von Perth bekamen wir leider nicht sehr viel zu sehen, da bereits nach einem halben Tag ein
für diese Jahreszeit ungewöhnliches Wetter heraufzog. Wolkenbruchartige Regenfälle standen
in den nächsten 2 Tagen auf dem Programm. Dank des Mietwagens waren wir flexibel und
flohen an einem Tag knapp 300 km östlich in die Sonne zum sehenswerten Wave Rock.
Glücklicherweise hatten wir uns in Perth mit ausreichend Lebensmitteln (Getränke, Kekse usw.)
eingedeckt, denn für längere Zeit gab es keinen gut sortierten und günstigen Supermarkt.
Dann ging es von Perth Richtung Norden zum Nambung NP (Pinnacles), in dem wir zuerst vom Regen durchnässt wurden. Nach zwei Stunden Trockenzeit im Auto kam dann aber die Sonne heraus, so dass wir diesen wunderschönen Nationalpark bei strahlendem Sonnenschein genießen konnten. Auch im Kalbarri NP verfolgten uns die Folgen des Regenwetters noch. Einige Straßen waren wegen Unpassierbarkeit gesperrt. Da wir jedoch genügend Zeit eingeplant hatten, konnten wir die Coastal Cliffs und die zugänglichen Teile des NP erforschen, bevor dann am letzten Tage die Straßen zum Nature Window wieder geöffnet wurden und wir bei Sonnenschein die 4-stündige Wanderung The Loop in Angriff nehmen konnten.
Von Monkey Mia mit seinen Delfinen ging es zu einer eintägigen geführten Tour in den – in Deutschland weitgehend unbekannten – Francois Peron NP, der uns mit seinen Farben begeisterte.
Nach drei Tagen am Ningaloo Reef und im Cape Range NP war der Karijini NP unser nächstes Ziel mit zahlreichen kürzeren und längeren Wanderwegen, faszinierenden Ausblicken auf Wasser-fälle und Pools, die sich trotz des kalten Wassers für eine Erfrischung eigneten. Traumhaft die Zeltunterkünfte (komfortable Zelte mit Doppelbett und einer Dusche/Toilette), in denen man sich – bei Tagestemperaturen um 25 Grad – aber nachts warm anziehen musste (Temperaturen um
4 Grad). Empfehlenswert die astrologische Tour, die bei sternenklarem Himmel und (Fast)-Vollmond faszinierende Blicke auf das Sternensystem und den Mond gestattete.
Eine längere Fahrstrecke – unterbrochen durch eine Übernachtung in Port Hedland – führte uns dann nach Broome. Hier hatten wir das Glück, dass wir gerade in den drei Tagen dort waren, in denen man – außer dem täglichen Schauspiel des Sonnenuntergangs am Cable Beach – das Naturschauspiel Staircase to the Moon beobachten kann, wenn der Vollmond bei Ebbe über der Küste aufgeht und dadurch die Illusion einer Lichtertreppe erzeugt wird.
Von Broome aus hatten wir eine Tour zum Cape Leveque mit Besuch von zwei Aboriginal Communities und Bademöglichkeiten gebucht. Das Farbspiel von roten Sandsteinfelsen, weißem Sand und blauem Meer ist am Cape (ähnlich wie im Peron NP und am Gantheaume Point bei Broome) beeindruckend und verlockt zu zahlreichen Fotos. Hier hätten wir durchaus noch
mindestens einen Tag länger bleiben können.
Weiter ging es nach Fitzroy Crossing mit einer Bootstour in die unerwartet schöne Geikie Gorge.
Kununurra war dann nur ein Zwischenstop. Gebucht war eine 3-tätige Tour in den Purnululu NP (Bungle Bungles). Von Kununurra ging es mit dem Flugzeug zur Argyle Diamantenmine.
Nach einer kurzen Besichtigung der weltgrößten Diamantenmine ging der Flug weiter in den Purnululu NP. Leider war beim Anflug das Wetter bedeckt, so dass man keine klare Sicht hatte. Im NP selbst warteten im Piccaninny Campground wieder komfortable Zeltübernachtungen auf uns mit Gastgebern, die uns (und eine Luxemburger Familie als einzigen Gästen) mit hervorragendem Abendessen verwöhnten. In den beiden folgenden Tagen gab es geführte Wanderungen in die
Mini Palms Gorge, Echidna Chasm, den Piccaninny Creek und in die Cathedral Gorge. Dieser Nationalpark mit seinen bienenkorbartigen, farbenprächtigen Felsformationen und den engen Schluchten und Palmen war sicherlich der Höhepunkt unserer Reise. Beim Rückflug nach Kununurra war strahlender Sonnenschein, so dass wir den Purnululu NP und den Lake Argyle nochmals von oben genießen konnten.
Am letzten Tag hatten wir kurzfristig einen ganztätigen Rundflug über den Norden der Kimberleys
gebucht. Der Flug über die Küste der Timorsee, die King George Falls, Cape Talbot, den Admiralty Gulf, das Mitchell Plateau mit den Mitchell Falls und den Drysdale River National Park bot phantastische Ausblicke und vermittelte einen Eindruck von der unglaubliche Größe der
Kimberleys.
Auf dem Rückflug hatten wir noch 2 Übernachtungen in Singapur, so dass wir an zwei Tagen zu Fuß bzw. mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die asiatische Metropole reinschnuppern konnten.
Insgesamt war es ein wunderschöner Urlaub mit zahlreichen Nationalparks, die in Deutschland weniger bekannt sind, die aber den Parks an der Ostküste bzw. im Zentrum nicht nachstehen und deren Besuch sich auf alle Fälle lohnt. In Küstennähe sieht man oft mit bloßem Auge Delfine, Haie und Wale vorbeiziehen. Und in Monkey Mia kann es durchaus passieren, dass beim Schwimmen
man plötzlich Gesellschaft von Delfinen bekommt.
Die Reise wurde von Umfalana sehr gut organisiert. Die vorgebuchten Unterkünfte waren sehr schön. Wie schon im Osten hat uns auch hier die Gastfreundschaft in den B&Bs sehr gut gefallen. Schade war nur, dass es an einigen Orten keine B&Bs gab (Monkey Mia, Kununurra) und wir daher auf zwar komfortable, aber relativ unpersönliche Hotels ausweichen mussten.
Selbst wenn man – abzüglich der Flugzeit und des Zwischenstops in Singapur – fast 4 Wochen Zeit
hat, sind bei über 6.000 Fahrkilometern doch einige Tage durch reine Fahrzeiten belegt, bei denen
man kaum anderen Fahrzeugen begegnet. Die Nationalparks an den Zielorten entschädigen dann aber für einige langweilige Strecken.
Nach den 5 Wochen waren wir uns einig, dass wir nach dieser rundum gelungenen Reise nicht das letzte Mal in Australien waren. Schließlich gibt es ja noch den Süden und Tasmanien zu erkunden.