Hallo Frau Schloßmacher,
mehr als eine Woche ist seit unserer Rückkehr von La Réunion vergangen. Es war unsere zweite Reise, die von Ihnen geplant und organisiert wurde und wie im letzten Jahr hat auch dieses Jahr der Austausch mit Umfulana bestens funktioniert, die Organisation durch Umfulana war hervorragend und hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Urlaub ein voller Erfolg war.
Zehn Jahre hat es gedauert vom ersten Gedanken an La Réunion als Ferienziel (beim damaligen Urlaub 1999 auf Mauritius) bis zur Umsetzung. Als wir nach unseren äußerst positiven Erfahren mit Umfulana anlässlich des letztjährigen Sommerurlaubs in Australien erfuhren, dass Umfulana jetzt auch ganz neu Réunion ins Programm aufgenommen hat, waren wir wohl die Ersten, die sich dazu entschlossen La Réunion und Umfulana zu verbinden. Und die von Umfulana ausgewählten Unterkünfte entsprachen voll den Erwartungen und Erfahrungen, die wir bereits im letzten Jahr in Australien gemacht hatten. Wir haben uns rundum wohl gefühlt.
Dabei war uns von vornherein klar, dass trotz einiger Strände der Urlaub auf Réunion kein Strandurlaub
würde, da Réunion als Wanderparadies im Indischen Ozean bekannt ist. Sicherlich kann man – z.B. in Verbindung mit einem Aufenthalt auf Mauritius – einen Eindruck auch in sechs oder sieben Tagen
bekommen. Richtig erschließt sich einem die Insel aber erst bei einem Aufenthalt von mindestens 14 Tagen mit entsprechenden Wanderungen. Wir hatten uns sogar – wegen eines „7 Nächte übernachten, 5 Nächte bezahlen“-Angebotes im Süden der Insel und der damit verbundenen Aussicht auf einige entspannende Ruhetage – schließlich sogar für 18 Tage entschieden. Rückblickend betrachtet wäre sogar mindestens ein zusätzlicher Tag in Boucan-Canot sinnvoll gewesen, um den Westen der Insel ausführlicher zu erkunden. Bei den Wanderungen müssen es nicht unbedingt 2-3-tägige Extremtouren sein. Auch bei eintägigen (allerdings teilweise schon 6-8-stündigen) Wanderungen erschließt sich vieles von den Reizen der Insel. Wobei eine gute Kondition, gute Wanderschuhe und Wanderstöcke hilfreich sind.
Unsere Anreise auf die Insel La Reunion erfolgte über Paris. Nach einem kurzen Aufenthalt auf dem Flughafen Charles de Gaulle startete unser Flug mit Air Austral zu dem knapp zehnstündigen Nachtflug Richtung La Réunion. Nach der Ankunft dann bei der Gepäckausgabe die erste unangenehme Überraschung. Ein Koffer mit allen Schuhen war nicht angekommen, so dass wir die nächsten 2 ½ Tagen (dann wurde der Koffer glücklicherweise nachgebracht) nur mit unseren Wanderschuhen an den Füßen auskommen mussten. Nachdem wir von der örtlichen Reiseagentur unsere Hotelgutscheine ausgehändigt bekamen, ging es Übernahme unseres Mietwagens, die sich allerdings – da man zuerst unseren Mietwagengutschein nicht akzeptieren wollte – fast 45 Minuten hinzog.
Unser erstes Ziel war das sehr schön gelegene Hotel Boucan Canot, Ausgangspunkt für Fahrten entlang der Westküste und in den Cirque de Mafate. Der Cirque de Mafate ist als einziger der drei Cirques nicht mit dem Auto zu erreichen, sondern nur zu Fuß zu erwandern bzw. per Hubschreiber zu erreichen. Der Wanderweg vom Cap Noir über Roche de Verre Bouteille bot einen guten Einstieg, um sich mit dem Klima und den Wander-bedingungen auf Réunion vertraut zu machen. Von fast allen Stellen hatte man einen grandiosen Blick in den Cirque de Mafate. Auf der Rückfahrt ging es noch zum wohl buntesten Wochenmarkt der Insel in Saint Paul und zum alten kolonialen Landgut der Desbassayns.
Am nächsten Tag sollte es vom Aussichtspunkt Le Maido (2200 m hoch gelegen) mit einem beeindruckenden Blick in den Cirque de Mafate in 7 Stunden (hin und zurück) auf den Grand Bénare gehen, dem zweit-höchsten Inselgipfel. Auf dem Weg boten sich fantastische Ausblicke in den Cirque. Leider zogen ca. 45 Minuten vor dem Gipfel so dichte Wolken auf, dass wir uns wegen fehlender Sicht zum Rückweg entschlossen.
Von Boucan Canot ging es – bei zunächst noch schönem Wetter – über den Jardin Botanique de Mascarin (Colimaçons) und die stillgelegte Zuckerfabrik Stella Matutina weiter von der Küste über ungefähr 350 Kurven in den Cirque de Cilaos. Von der Panoramaausblicken bekamen wir aber nichts mit, da es auf diesem Teilstück in Strömen regnete und die Sicht maximal 30 m betrug. Wir waren froh, dass unser Zimmer im gemütlichen Hotel Tsilaosa einen Whirlpool hatte und der Inhaber abends eine Weinprobe anbot, denn regnerische Wetter hielt auch den ganzen nächsten Tag an, so dass wir bei diesen Sichtverhältnissen auf eine längere Wanderung verzichteten. Erst am zweiten Tag in Cilaos wachten wir morgens bei blauem Himmel auf und machten uns gleich auf zum Aussichtspunkt Roche Merveilleuse und zur Wanderung zu den Cascades de Bras Rouge. Allerdings war der Weg nach den heftigen Regenfällen teilweise sehr rutschig. Ein Sturz auf den Rücken war glücklicherweise doch nicht so schlimm wie anfänglich befürchtet, machte sich aber noch fast den ganzen Urlaub mit Rückenschmerzen bemerkbar. Nachdem es ab 14 Uhr wieder in Strömen schüttete, war die Bilanz von Cilaos: ½ Tag Sonnenschein, 1 ½ Tag strömender Regen und keine Sicht.
Am Tag der Weiterfahrt in den Süden konnten wir dann bei strahlendem Sonnenschein die Panoramastrecke bergabwärts genießen. Ein kurzer Abstecher zum Aussichtspunkt La Fenêtre bot nochmals einen schönen Blick in den Cirque de Cilaos.
Beim Erreichen unserer Unterkunft in Grand Anse waren wir von unserem Hotel begeistert. Das 4-Sterne-Palm Hotel & Spa liegt in der Nähe von Saint-Pierre, in Petite-Ile, im Süden der Insel, und ist einerseits ein hervor-ragender Ausgangspunkt für viele Sehenswürdigkeiten, andererseits aber mit einer Poollandschaft von knapp 400 m², einem Wellness-/Spa-Bereich und einem hervorragenden Restaurant (auf alle Fälle empfehlenswert das wöchentliche Buffet „Rund um den Indischen Ozean“) auch zum Entspannen bestens geeignet. Sieben Übernachtungen standen hier auf dem Programm.
Von mehreren Wanderungen im Bereich des Piton de la Fournaise war sicherlich die Besteigung des Vulkans das beeindruckenste (aber auch anstrengenste) Erlebnis. Der Piton de la Fournaise ist ein 2.600 Meter hoher Schildvulkan. Er gehört zu jenem Typ von Vulkanen, die regelmäßig und dauerhaft aktiv sind, ganz ähnlich den Vulkanen auf Hawaii. Nach einer 1 ½--stündigen Anfahrt regnete es im letzten Teilstück so stark, dass wir bei 50 m Sicht schon umkehren wollten. Am Ende der Route de Volcan setzte sich dann aber die Sonne durch. Am Parkplatz am Pas de Bellecombe ging es zunächst 150 m in die Tiefe. Über den Sandkrater Formica Leo ging es über Lavagestein hoch zu dem eigentlichen Vulkan, dem Piton de la Fournaise. Keiner wusste genau, ob der Weg jetzt offen oder gesperrt war. Nachdem aber das Absperrband am Fuß des Vulkans geöffnet war und alle Wanderer sich an den Aufstieg machten, entschieden auch wir uns für diesen Weg. Der Anstieg auf knapp 2650 m Höhe bei strahlendem Sonnenschein und entsprechenden Temperaturen war anstrengend und schweißtreibend, wurde aber durch einen hervorragend Rundumblick über die Kraterlandschaft mit zahlreichen kleineren erloschenen Kratern und einen Einblick in den Cratère Dolomieu und den Cratère Bory belohnt. Nach insgesamt 6 Stunden waren wir wieder am Ausgangspunkt der Wanderung, dem Pas de Bellecombe, angelangt. Die Anstrengung der Wanderung stand uns sicherlich ins Gesicht geschrieben. Aber alles in allem ist diese Tour ein Erlebnis. Nach dem Besuch des Vulkans lohnt sich auch noch ein Besuch im Vulkanmuseum in Bourg-Murat, mit grundlegenden Informationen über Vulkane, aber auch spezielle Informationen und Filme über den Piton de la Fournaise.
Sehr gut eignet sich das Palm Hotel & Spa auch zur Erkundung der Ostküste. Wir haben dies in zwei
Etappen gemacht, da allein die sehr informativer und kurzweilige Führung durch den Jardin des Parfums et des Epices bei Souffleur d’Arbonne 1 ½ Stunden dauert und es neben den Cascades de la Grande Ravine und dem Lavafeld Le Grand Brûlé zahlreiche „kleinere“ Sehenswürdigkeiten gibt (z.B. das Maison du Curcuma, die Kirche von Piton Sainte-Rose, die „kitschige“ Kirche von Sainte-Anne, Führungen durch Zuckerrohr- und Rumfabriken). Zuckerrohrfelder, an der Küste gelegene Dörfer, Lavafelder wechseln sich mit Ausblicken auf die Küste ab. Leider kam die Entspannungsphase an der Poollandsschaft des Hotels etwas zu kurz, da es mehrmals ab 15.00 Uhr regnerisch wurde.
Gegen Ende unseres Aufenthaltes im Süden wollten wir einen Hubschrauberrundflug über die drei Cirques und den Vulkan machen. Beim ersten Versuch fuhren wir früh morgens bei strahlendem Sonnenschein zum Flughafen nach Pierrefonds, um dort zu erfahren, dass wegen tief hängender Wolken in den Cirques kein Flug möglich war. Also: Zweiter Versuch am nächsten Vormittag. Diesmal waren zumindest der Cirque de Mafate und der Cirque de Cilaos frei, so dass wir einen Rundflug über diese beiden Cirques machten mit beeindruckenden Einblicken aus der Luft.
Als letzter Cirque stand der Cirque de Salazie auf dem Programm. Über die Transversale ging es über Plaine des Palmistes, einer Besichtigung der Vanillekooperative in Bras-Panon und Salazie, vorbei an den Braut-schleierfällen, nach Hell-Bourg. Die üppige Vegetation verdankt der Cirque de Salazie dem feuchtwarmen Klima des Ostens. Berühmt wurde er vor allem für sein Chou-chou, eine Gemüsepflanze.
Vom Hotel Le Relais de Cimes, das am Ende des Dorfes steht, hat man tolle Ausblicke auf die umliegenden Berge. Das Zimmer sind einfach, sauber und ruhig. Höhepunkt war hier der Aufstieg zur Gîte de Bélouve und weiter zum Höllenloch (hin und zurück ca. 7 Stunden). Der steile Weg zur Gîte (670 m Höhenunterschied) ist gekennzeichnet von einer vielfältigen Vegetation, die ab der Gîte durch einen Tamarindenwald gekennzeichnet ist. Von der Gîte ging es – im Vergleich zum Aufstieg nun relativ gemütlich – weiter zum Trou de Fer (Höllenloch). Dort angekommen war anfänglich wegen dichter Wolken nichts zu sehen. Nach ca. 15 Minuten Wartezeit verzogen sich die Wolken und wir hatten einen schönen Ausblick auf den Wasserfall.
Neben Ausflügen in die nähere Umgebung stand ein Spaziergang durch das kreolische Dorf Hell-Bourg, das mit seinen kreolischen Holzhäusern und den alten Kolonialvillen zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählt, am zweiten Tag auf dem Programm. Das 1870 erbaute Maison Folio zählt zu den Hauptsehenswürdigkeiten von Hell-Bourg und gewährt Einblicke in das Leben Kolonialgesellschaft des 19. Jahrhunderts. Besonders der Garten mit seiner Blumensammlung, den Kräutern und Obstbäumen, über den man sehr fachkundige Erklärungen erhält, ist schon einen Besuch wert.
Besonders erwähnenswert war das Abendessen im Hotel Le Relais de Cimes. Wir hatten Übernachtung mit Frühstück gebucht, hatten uns aber direkt bei der Ankunft erkundigt, ob wir Halbpension buchen könnten.
Dies können wir angesichts des wirklich hervorragend Menus (Vorspeise, Potpourri aus drei regionalen
Spezialitäten, Dessert) nur empfehlen.
Über Saint-André mit seinen kunstvollen und farbenfrohen Hindutempeln und die Cascades de Niagara
ging es schließlich nach Saint-Denis. Hier war das in einer ruhigen Seitenstraße gelegene Hotel Le Juliette
Dodu vorgebucht. Das Zimmer war extrem klein, aber für eine Nacht o.k. Ideal gelegen ist es für eine
Besichtigung des Stadtkerns von Saint-Denis mit Stadtkern mit kreolischen Villen, Kolonialhäusern und bunten
Märkten.
Am nächsten Nachmittag (das Hotel ermöglichte uns ein Late-Check-Out um 15.00 Uhr) ging es dann
zurück nach Paris, wo wir einen dreitätigen Zwischenstop hatten, bevor wir zurück nach Frankfurt flogen.
Noch einige grundsätzliche Hinweise:
Auf Réunion sind während unserer Sommerzeit die Tage aufgrund der geografischen Lage relativ kurz, d.h. spätestens gegen 18:00 Uhr geht die Sonne unter. Man sollte also früh aufzustehen, damit man mehr von der Insel hat. Außerdem ziehen im Laufe des Vormittags oft Wolken in den Bergen auf, so dass dann nicht mehr viel zu sehen ist. Und ein Nachtleben ist – außer vielleicht in den Strandhochburgen im Nordwesten – so gut wie nicht vorhanden.
Bei den Kilometerangaben muss man berücksichtigen, dass es aufgrund der Berge und Kurven die Fahr-zeiten oft relativ lange sind. Außerdem sollte man in vielen Orten an der West- und Südwestküste wegen zahlreicher Baustellen auch außerhalb des Berufsverkehrs mit Staus rechnen.
Man muss sich auf sehr unterschiedliche Temperaturen einstellen. An Meer war es meist warm (auch im dortigen Winter ca. 22 – 25 °. In den Bergen kann es aber auch oft kühl und regnerisch werden, so dass man auch bei nur eintägigen Wanderungen immer Pulli und Regenjacke mitnehmen sollte. Nicht zu vergessen: Sonnenschutz (auch wenn es morgens noch kühl ist) und ausreichend Getränke.
Insgesamt war es eine sehr informative Reise und eine sehr beeindruckende Insel, die man allen Naturlieb-habern und Wanderfreunden wärmsten empfehlen kann.
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