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Anne & Ulrich Richstein | Vietnam

Januar 2009

Unsere Planung einer Vietnam-Reise fing mit der Buchung einer Gruppenreise für den November 2008 an.
Drei Wochen vor Reiseantritt wurden wir darüber informiert, dass die Reise leider in der Gruppe nicht stattfinden könne, da einige Buchungen aufgrund u.a. der globalen Krise storniert worden seien. Wir haben dann auch Abstand von der Reise genommen und uns für eine individuelle Reise mit Umfulana entschlossen, um nicht noch einmal von möglichen kurzfristigen Stornierungen anderer Gruppenreisenden abhängig zu sein.
Somit starteten wir unsere 4-wöchige Vietnamreise Mitte Januar mit Umfulana. Wir wollten Vietnam von der chinesischen Grenze im Norden bis zum Mekong- Delta bereisen.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Es war atemberaubend.
Wir haben viel gesehen und viele positive Eindrücke gesammelt.
Vietnam ist landschaftlich sehr abwechslungsreich und immer wieder für Überraschungen gut.
So haben wir von hohen Bergen (3000 m) bis zum Strand (zwischen 18 und 110 km lang) alles erlebt.
Der Start unserer Reise in Hanoi begann mit der Abholung am Flughafen durch Guide und Fahrer. Für das bevorstehende Neujahrsfest wurden an den Strassenrändern Mandarinen-Pflaumen- und Pfirsichbäume angeboten, die von den Vietnamesen nach intensiver Betrachtung (wie bei uns die
Weihnachtsbäume) gekauft und mit dem Moped nach Hause transportiert wurden. Manchmal hatte man den Eindruck, das der Baum allein auf dem Moped unterwegs ist.

Aus europäischer Sicht hatten wir das Gefühl, dass es in Vietnam keine Verkehrsregeln gibt. Als Fußgänger gibt es nur eine Chance die Strasse zu überqueren. Augen zu und loslaufern. Auf keinen Fall zögern oder stoppen. Für die anderen Verkehrsteilnehmer muß man kalkulierbar sein.
Wir mußten dabei an eine Schafherde denken, die stromlinienförmig um ein Lebewesen oder Gegenstand herumläuft/fährt, ohne ihn zu berühren. Lautes Gehupe untermalt das Ganze.
Wir waren immer wieder beeindruckt, welche Möglichkeiten 2 Räder als Transportmittel zu bieten haben. Ganz zu schweigen von der Packkunst. Ein Schrank, 8 Kisten Getränke, 3 Fernseher, Käfige mit lebenden Tieren sind mühelos mit einem Moped oder Fahrrad transportiert worden. Auch 5 Personen sind kein Problem. Warum brauchen wir für solche Transporte eigentlich Autos, Kombis oder sogar Lieferwagen??
Während der Fahrt vom Flughafen nach Hanoi waren wir direkt in einen Auffahrunfall verwickelt. Unser Fahrer hatte das Pech in der Mitte zu sein, sodaß sein brandneuer Toyota vorne und hinten beschädigt war. Er war nicht sehr glücklich. Ansonsten wurde der Unfall ohne Polizei abgewickelt, obwohl der Schaden nicht zu übersehen war. Wir waren froh, daß wir nicht auf einem Moped, sondern in einem Auto mit Schutzhülle unterwegs waren. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30-40 Stundenkilometer und Höchstgeschwindigkeiten von 80 Stundenkilometer fühlten wir uns in Sicherheit. Ansonsten haben wir einige Unfälle gesehen, waren aber nicht beteiligt. Dies lag vor allem an den sehr umsichtigen Fahrern, die wir während der ganzen Reise hatten. Den Mut einer amerikanischen, durchgestylten Fahrrad-Touristengruppe haben wir bewundert, die sich Vietnam wohl noch als Fahrrad-Nation vorgestellt hatten.
In Hanoi waren wir -wie bereits angemerkt- zum Zeitpunkt der Vorbereitungen auf das Neujahrsfest, auch Tet Festival genannt. Vor Feiertagen bricht anscheinend überall auf der Welt Hektik aus. Da unser Hotel mitten in der Altstadt gelegen war, konnten wir an dem Geschehen um uns herum regen Anteil nehmen. Mulmig wurde uns nur einmal, als wir mit einer Rikscha plötzlich auf einer Schnellstrasse unterwegs waren.
Das war übrigens nicht von Umfulana organisiert........
Wir haben es überlebt.

Dass wir mit unserer individuellen Reise alles richtig gemacht hatten, wußten wir spätestens, als wir eine Gruppe von 20 deutschen Touristen in Rikschas und im Museums-Schnelldurchgang beobachten konnten.

Von Hanoi ging es dann mit dem Nachtzug (Schmalspur) nach Lao Cai an die chinesische Grenze im Norden. Durch die Reservierung eines ganzen Abteils durch Umfulana welches 4 Betten hatte, war die Fahrt und Nutzung der Kabine nur zu zweit sehr angenehm. Wir haben sogar geschlafen.
Der Norden Vietnams, u.a.der Ort Sapa, die Eco Lodge, der Besuch der verschiedenen Märkte,wo man das Zusammentreffen der verschiedenen Völkergruppen in ihrer traditionellen Kleidung beobachten kann und eine Tageswanderung nach Ban Ho und Nam Toong waren einfach faszinierend.
Hier kann man das ursprüngliche Vietnam hautnah erleben. Zwar haben in den Dörfern viele Haushalte einen Fernseher bzw.ein – oder mehrere – Mopeds, aber gekocht wird immer noch über einer offenen Feuerstelle und Kühlschränke gibt es auch nicht. Die Vietnamesen achten sehr auf Sauberkeit und frisch gewaschene Kleidung. Wenn man bedenkt, dass das Wasser über Bambusleitungen von Bächen abgeleitet und die Wäsche noch mit der Hand in kleinen Schüsseln gewaschen wird, ist es besonders beeindruckend. Wäscheleinen mit flatternder Kleidung neben dem Haus oder auf dem Boot gehören einfach dazu. Wir waren mit unserem Guide mittags zu Gast in einem typischen vietnamesischen Haus und haben u.a.frisch geröstete Sonnenblumenkerne gegessen. Köstlich. Die Schalen wurden einfach auf den Boden geworfen. Spätestens da wurde uns klar, warum wir schon morgens um 5.00 Uhr und bis spätabends besenschwingende Vietnamesen gesehen haben.

Nachdem wir mit dem Nachtzug wieder nach Hanoi zurückgekehrt waren, stand eine Autofahrt zur Ha-Long-Bucht und eine Fahrt und Übernachtung auf einer Dschunke an.
Wir hatten uns bereits darauf eingerichtet, dass wir durch Nachtzug und Übernachtung auf einer Dschunke zwei Tage nicht duschen können. Weit gefehlt.........
Das die Ha-Long-Bucht mit den schwimmenden Fischerdörfern allen unseren hohen Erwartungen entsprach, muß hier nicht näher erwähnt werden. Aber dass wir auf der Dschunke ein Super Zimmer und ein eigenes Marmor/Glas Luxusbad hatten, dass hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Ganz zu schweigen von dem 7-Gang-Menü am Abend in festlicher Atmosphäre mit 3 weiteren Ehepaaren aus Amerika, Australien und Schweden. Die Besatzung des Bootes bestand übrigens aus 14 Personen.
Übertroffen wurde dieser Luxus dann noch in den folgenden drei Nächten in Hue im Pilgrimage Village. Dieses Hotel gehört nicht umsonst zu den „Small Luxery Hotels of the World“. Ein fast unbeschreibliches Erlebnis.
Das ganze Ambiente passte hervorragend um dort Uli`s 60. Geburtstag zu feiern. Eine Steigerung war kaum noch möglich, um das Ganze abzurunden.
Aber das i-Tüpfelchen fehlte noch!! Als an unsere Tür geklopft wurde und der „Room Service“ um Einlass bat und in Gestalt unseres Sohnes hereinkam, waren wir sprachlos.
Jetzt war uns auch klar, warum das ganze Personal uns immer wieder abwartend und lächelnd während unserer Ankunft beobachtete.

Die zwei Inlandsflüge von Hanoi nach Hue und von Da Nang nach Saigon haben sehr geholfen, die großen Entfernungen des Landes zu überbrücken.
Fast hätten wir allerdings den Flug von Hanoi nach Hue verpasst, weil wir immer auf die Anzeigetafel des Schalters sahen, die sich allerdings nicht veränderte..........
Erst nachdem die Flugnummer deutlich ausgerufen wurde, haben wir uns am Schalter gemeldet und waren dann die letzten Fluggäste, auf die gewartet wurde.
Es wäre noch sehr viel zu berichten von Hoi An (auch wir haben dort etwas schneidern lassen), dem Besuch einer Seidenfabrik, Höhlen, Stadtrundfahrten, Museen, weiteren guten Hotels etc., aber das würde den Rahmen dieses Berichtes doch sprengen.
Aber die Übernachtungen im Majestic Hotel in Saigon bleiben mit dem Frühstück auf der Terrasse im 5. Stock mit Blick auf den Saigon-Fluß und dem Absacker abends auf der Dachterrasse im 8. Stock mit gleichem Blick und Live-Musik in allerbester Erinnerung.
Auch das Mekong Delta hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. In der Beschreibung unserer Reise war z.B. nach dem Ausflug zu heimischen Werkstätten und schwimmenden Märkten kurz erwähnt, dass wir in einer schilfgedeckten Villa Lunch einnehmen würden.....
Die Villa, das Essen, der Service... alles war traumhaft schön. Es war filmreif, man fühlte sich in eine andere Welt versetzt, einfach schwer zu beschreiben.
Das wir das Boot wegen eines Wellenschadens auf dem Mekong wechseln mussten sei am Rande erwähnt, aber das waren eben auch spannende Momente als wir auf dem Mekong trieben.... und abgeschleppt werden mussten.
Die letzten 5 Tage haben wir uns dann zur Erholung noch Strandurlaub an einem fast menschenleeren 16 km langen Strand gegönnt. Im einem Beach Resort mit Spa in Mui Ne in einer „ kleinen “ 80 m3 Suite.
Da Märkte auf uns eine magische Anziehungskraft ausgeübt haben sind wir von Mui Ne auch in die Fischereihafen-Stadt Phan Thiet gefahren. Zwar ist im Reiseführer nachzulesen, dass man über strenge Gerüche erhaben sein sollte, wenn man den allmorgentlichen Fischmarkt besucht, aber........... wir wagten es trotzdem.
Es war ein tolles Erlebns bis zu dem Zeitpunkt, wo wir in der Haupthalle des Marktes kaum noch atmen konnten und unglücklicherweise eine Ratte fast über unsere Füße hinweg auch die Flucht ergriff. Danach brauchten wir erst einmal eine kleine Pause und viel frische Luft. Der Hafen mit der Armada der bunten Fischkutter kam da gerade recht.
Wir konnten nach diesem Besuch verstehen, warum es weiter im Reiseführer hieß „ein spannender, wenn auch zuweilen den Magen umdrehender Anblick“.
Allein der Geruch reichte uns schon.

Auch wenn wir an dieser Stelle nur einen Bruchteil unserer Eindrücke wiedergeben konnten, es war ein wunderschöner Urlaub.
Seit diesem Urlaub sind wir wahrscheinlich für Gruppen- oder Pauschalreisen kaum mehr geeignet................, sofern eine individuelle Alternative besteht.
Ein großes Lob noch an die Organisatoren von Umfulana."

Beste Grüße aus Hannover
Anne und Uli Richstein