Tessin

Entlegene Bergnester: Maggia-Tal im Tessin

Entlegene Bergnester: Maggia-Tal im Tessin

Paradiesische Seen, entlegene Bergdörfer

Der südlichste Kanton der Schweiz wird wegen seines warmen Klimas auch „Sonnenstube“ genannt. Im Norden durch die Dreitausender am Gotthardmassiv abgeriegelt, wachsen hier Wein, Feigen, Zitronen und Oliven. Als nach mehreren Auswanderungswellen das Tessin Anfang des 20. Jahrhunderts stark entvölkert war, entdeckten zivilisationsmüde Maler, Dichter und Anarchisten die paradiesische Region um den Lago Maggiore, unter ihnen Hermann Hesse. Ihnen folgten die Touristen, die von der idyllischen Landschaft und den 2.300 Sonnenstunden im Jahr angelockt werden. Um die großen Seen liegen die touristischen Hochburgen von Ascona, Lugano und Locarno, die mehrere internationale Musik- und Filmfestspiele beherbergen. In einem reizvollen Kontrast zu dieser reich und mondän wirkenden Urlaubsregion stehen die abgelegenen Täler wie das Verzasca-, Maggia- oder Onsernone Tal, deren wilde Kastanienwälder, ungezähmte Flüsse und grandiosen Felsformationen nur dem Wanderer zugänglich sind. Überall stößt man dort auf verlassene Rustici, mörtellos gebaute Steinhäuser, die von engen, armseligen Lebensbedingungen früherer Generationen im Tessin zeugen.



Sehenswürdigkeiten Tessin


Centovalli

Kastanienwälder, Maultierpfade und verlassene Dörfer

Das Tessiner Tal zieht sich von Intragna am Lago Maggiore nach Westen bis Camedo an der schweizerisch-italienischen Grenze. Seinen Namen hat es von den zahlreichen Seitentälern. Es sind nicht hundert sondern über 150! Durch die Kastanienwälder führen Wanderwege auf ehemaligen Maultierpfaden zu steinalten Ortschaften, die meist verlassen sind oder von Künstlern bewohnt werden. Erschlossen wird das romantische Tal von der Centovalli-Bahn, die über 83 Brücken und durch 34 Tunnel fährt.


Cimetta

Aussichtsberg mit Seilbahn

Nördlich des Lago Maggiore erhebt sich die Cimetta. Über den Hausberg von Locarno, die  Cardada, ist der 1.671 Meter hohe Berg mit Seilbahnen und Wanderwegen gut zu erreichen. Von oben hat man einen sensationellen Blick über den See und das Maggia-Delta. An guten Tagen kann man bis nach Ascona schauen, dem tiefsten Punkt der Schweiz, und zum Monte Rosa, dem höchsten Punkt der Schweiz. Wer dann noch Kraft hat, kann weiter zur Cima della Torosa laufen und über den Stausee der Verzasca absteigen.


Locarno

Mondäner Hauptort am Lago Maggiore

Der Schweizer Hauptort am Lago Maggiore hat seine Stadtrechte von Friedrich Barbarossa. Der mittelalterliche Kern des mondänen Ortes ist die Piazza Grande, an deren Arkaden jeden Donnerstag ein Markt stattfindet. Ursprünglich lag die Piazza am See. Heute ist das Ufer weit entfernt, da der Gebirgsfluss Maggia Jahr um Jahr Schutt anspült. Sehenswert ist auch die romanische Kirche, San Vittore, mit ihrer kunstvollen Krypta.


Luganer See

Uralte Dörfer und ein kaum besiedeltes Südufer

Der nach seinem Hauptort benannte See liegt zwischen dem Comer See und dem Lago Maggiore, ist jedoch mit „nur“ 50 Quadratkilometern merklich kleiner als seine Nachbarn. Dennoch steht er ihnen an Schönheit um nichts nach. Er liegt zwischen kastanienbewachsenen, steilen Bergrücken. Vor allem das Südufer ist kaum besiedelt und stellenweise nur zu Fuß zu erreichen. Am Nordufer finden sich uralte Dörfer wie Carona, Morcote oder Montagnola, wo Hermann Hesse bis zu seinem Tod gelebt hat. Besonders schön ist eine Fahrt von Capolago mit der Zahnradbahn auf den 1.704 m hohen Monte Generoso, von dem man nicht nur über den See sondern an guten Tagen bis Mailand schaut.


Sentiero di Olivo

Autofreier Spazierweg am Luganer Seeufer

Östlich von Lugano kommt man kurz vor der italienischen Grenze oberhalb des Ortes Gandria vorbei. Vom Parkplatz aus führt ein Weg nach unten ins Dorf, wo der Sentiero di Olivo beginnt. Der befestigte Spazierweg führt über wenige Kilometer am Seeufer entlang bis nach Lugano. Die Idylle wird durch keinen Autoverkehr gestört. An wilden Olivenbäumen geht es vorbei durch steinalte Dörfer mit engen Treppengassen. Zwischendurch kann man einfach mal in den See springen.


Tremolastraße

Traumroute am St. Gotthardpass

Elegant schlängelt sich die Gebirgsstraße zum Gotthardpass hinauf. Die denkmalgeschützte Strecke von 1832 gilt als eine der „Traumrouten der Alpen“. Vom Mittelalter bis in 20. Jahrhundert war der Schweizer Pass eine der wichtigsten Verbindungen über die Alpen – im Sommer für Kutschen, im Winter für Schlitten. Heute für Nostalgiker, denn wer es eilig hat, fährt mitten durch den Berg – durch den Gotthardtunnel.

Route:
goo.gl


Verzascatal

Auf alten Maultierpfaden durch ein wildromantisches Tal

Das wildromantische Tal im Herzen des Tessin wird vom Fluss Verzasca durchflossen, der am Talausgang gestaut wird und den Lago di Vogorno bildet. Von den Steilhängen stürzen ungezählte Wasserfälle herab. Die  Rustici aus grauem Stein mit weißen Umrandungen an den Fenstern und schweren Steinplattendächern sind typisch für das Tal. Die Kapellen entlang der Wege zeugen vom religiösen Glauben der Talbewohner. Reben, Kastanienwälder und Palmen gedeihen hier prächtig. Parallel zur Poststraße führen alte Maultierpfade zu verlassenen Höfen und Mühlen.

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