18.08.2007

Baltikumreise von Dr. Michael Beinl

Lieber Herr Garstka!

Ich möchte Ihnen von ganzen Herzen danken für die tolle Planung unserer Baltikumreise. Es war eine gute Idee von Ihnen und Herrn "Umfulana"-Bach sich der Planung von Individualreisen anzunehmen. Ihre Hotelauswahl hat ganz unseren Geschmack getroffen. Ich war immer mißtrauisch gegenüber von Reisen die ein Reisebüro plant, weil ich nicht im 19. Stock eines Massenhotels landen wollte. Deshalb hat uns Ihre Auswahl an kleinen aber feinen "Hoteljuwelen" sehr begeistert. – Mit einer Ausnahme waren wir mit allen Quartieren zufrieden, von manchen sogar wirklich hingerissen.

Selten haben wir so einen gelungenen Urlaub erlebt, der durch sein abwechslungsreiches Programm und die ständig wechselnden Wohnorte drei Wochen lang immer spannend blieb. Auch der Reiseführer „Baltikum“ vom Marco Polo Verlag, den Sie uns mit den Reiseunterlagen zugeschickt haben, war ein wesentlicher Bestandteil unserer Reise, weil er in aller Kürze immer die wesentlichen Informationen vermittelt hat, ohne die man sich am jeweiligen Ort nicht zurechtgefunden hätte. Alle anderen Reiseführer und Bücher, die wir auch benutzt haben, waren zwar oft viel umfangreicher aber oft nicht so informativ und aussagekräftig wie dieses kleine Büchlein.

Die genormten Hilton-Zimmer sind mir ein Albtraum. Welch ein erfischender Kontrast war doch z.B. da dagegen unser Zimmer in der Villa in Pärnu: dort war nach der Zimmertüre ein Klo mit Waschbecken, denn eine Treppe in den nächsten Stock, dort war dann das großzügige Wohn-Schlafzimmer, eine Sauna und ZWEI Duschen in einem riesigen Duschraum – dafür aber leider keinerlei Waschbecken oder Wasserhahn zum Zähneputzen. Eine etwas unorthodoxe Raumaufteilung, die sicherlich dadurch entstanden ist, daß es sich halt um ein "lebendes" Haus handelt, das unter ganz anderen Voraussetzungen und Anforderungen gebaut wurde, und das immer wieder irgendwie an die veränderten Anforderungen angepaßt werden mußte. – Das war jetzt ehrlich nicht als Kritik gemeint, sondern es war eine liebenswürdige Absonderlichkeit eines architektonisch sehr interessanten Jugendstiljuwels. Dazu war alles sehr sauber und gepflegt, das Abendessen im hauseigenen Restaurant war ein Gedicht.

Fast der Schlag getroffen hätte uns auch, als wir in unsere Blockhütte im Aukstatija Nationalpark geführt wurden. Wir sind nicht gerade Naturburschen und Almhüttenbewohner. Der erste Reflex war also: schnell umdrehen und woanders hinfahren. Im ersten Moment sahen wir nur die rohen Balken der Blockhütte. Zwar waren die Betten in der Hütte für uns vorbereitet – aber wohin wir auf’s Klo gehen sollten war uns nicht klar. Auch finden wir ein Leben ohne unsere tägliche Dusche unerträglich. Auf eine entsprechende Nachfrage hat uns die Gastgeberin eine unauffällige Tür gezeigt, hinter der sich ein perfekter Sanitärraum mit Dusche und WC, vor allem aber auch mit einer ständig warmen Fußbodenheizung gezeigt hat, die den gekachelten Fußboden auf wohlige Wärme temperiert hat. Unter diesen hygienischen Voraussetzungen war auch dann das Holzhacken und das Feuermachen in dem schönen Eisenofen keine Belastung sondern ein herrliches Urlaubsvergnügen. Durch die große Panoramascheibe des Eisenofens haben wir zufrieden unser Feuer beobachtet und es war eines der liebenswertesten Quartiere auf unserer ganzen Reise. Wir sind später durch Gespräche daraufgekommen, daß andere Gäste dieser Anlage in Doppelzimmern ohne Holzöfen untergebracht waren. Die haben uns sehr um das schöne Quartier beneidet, das wir dank Umfulana erhalten hatten. In diesen Doppelzimmern hätte es mir auch nicht gefallen; aber die einzeln stehende Hütte die wir bekommen hatten war einfach romantisch und tatsächlich „ein Gedicht“.

Daß wir lieber zwei statt nur einer Nacht in dem tollen Schloß Kalvi mit seinem Swimmingpool geblieben wären wird jeder verstehen. Aber wir sehen ein, daß keine andere Terminplanung möglich war, weil das ganze Schloß am Vortag wegen einer großen Hochzeit restlos ausgebucht war. Das als Ausweichalternative angebotene Hotel war zwar recht brav aber keine echte Alternative. Wir haben diesen Tag aber für einen Ausflug nach Narva genutzt, und so war auch dieser Tag nicht verloren.

Der einzige Flop auf unserer Reise war leider die Villa in Sigulda. Das ist sehr schade, denn eigentlich handelt es sich um ein sehr phantasiereich und liebevoll ausgestattetes kleines Hotel. Die amerikanische Investorin, die das Hotel geplant und finanziert hat, hätte sich wahrhaft besseres Personal verdient, damit ihre Mühe und ihr Einsatz auch entsprechend in Kundenzufriedenheit umgesetzt werden können. Als wir ankamen sahen wir sofort, daß das Bettzeug unseres Bettes keineswegs frisch war, sondern an mehreren Stellen sichtbar schmutzig. Wir haben das auch fotografiert. Nach unserer Urgenz ist das nicht sehr interessierte Zimmermädchen mit zwei anderen Garnituren Bettzeug gekommen, von denen leider keine einzige gepaßt hat. Es blieb im Moment keine andere Wahl als durch Umdrehen der fleckigen Bettdecke die Illusion eines sauberen Bettes zu erzeugen. Wohl gefühlt haben wir uns nicht. – Als wir am nächsten Morgen duschen wollten, hat sich herausgestellt, daß die Dusche in unserem Zimmer keinen einzigen Tropfen Wasser hergibt. Der Schlauch der Dusche war kaputt und der Wasserhahn gebrochen. Hatten dort Vandalen gehaust?? Als wir daraufhin dem Hotel unsere Abreise angekündigt haben hat man sich doch entschlossen uns ein anderes Zimmer zu geben. Das hatte sogar ein sauberes Bett und ein funktionierendes Badezimmer. Warum man das nicht schon am Abend vorher gemacht hat ist mir ein Rätsel. Hatten die Herrschaften gehofft, daß wir die Dusche schon nicht benützen würden? Zu diesem Zeitpunkt unserer Reise haben wir uns sehr nach Österreich zurückgesehnt, denn ein derart uninteressiertes und unprofessionelles Personal habe ich hier noch nie getroffen. Nebenbei bemerkt: ein paar mal auf dieser Reise haben wir mit unprofessionellem und hilflosem Personal zu tun gehabt. Aber die Villa Alberta hat auf diesem Gebiet leider den Hauptpreis gemacht. – Aber: Schwamm drüber – wir wollen uns nur an die schönen Dinge erinnern!

Wir waren mit allen Reisezielen und Hotels sehr glücklich. Die Hauptstädte mit ihren Hotels waren wirklich toll. Das Manor House auf der Insel Muhu war sehr romantisch. Es war auch sicherlich gut von Ihnen gemeint uns vor dem Abschluß unserer Reise drei Nächte auf der kuhrischen Nehrung zu verordnen, damit wir uns während zweier kompletter Badetage am Sandstrand der Kurischen Nehrung von der doch anstrengenden Reise ein wenig erholen können. Nur sind wir leider keine Strandhocker, und so hatten wir nach einem Tag genug von all dem Sand. Das Meer wird für uns auch erst von 26 Grad aufwärts eine wirkliche Versuchung. Das Thomas Mann Museum hatten wir besichtigt und die große Wanderdüne bestiegen. Also haben wir uns von Madam Elvira vorzeitig verabschiedet und ihr gesagt, sie soll das bereits bezahlte Geld ruhig behalten. Wir sind lieber nach Riga gefahren und haben dort noch einen Tag verlebt, bevor wir mit dem Mezotnes Pils die endgültig letzte Station dieser herrlichen Reise aufsuchten.

Nochmals vielen Dank für die perfekte Planung unserer Reise. Die Sache mit den Reservierungen hat tadellos geklappt, und die Reisebeschreibungen und Reiseführer, die Sie uns zugesandt haben, waren sehr hilfreich und ein wichtiger Bestandteil unseres Urlaubserlebnisses. Wir hoffen in Zukunft noch so manche Reise mit Ihrer Hilfe erleben zu dürfen und grüßen Sie voll Dankbarkeit.

Hochachtungsvoll

Dr.Beinl –Seitenstetten – Österreich


PS: Eine Sache sollte man nach unserer Meinung in den Reisebeschreibungen noch anführen: Wenn wir ein Lokal betraten oder an einer Hotelrezeption erschienen, haben wir, wie wir es gewohnt sind, zuerst einmal höflich gegrüßt. Als Reaktion erhielten wir oft erstaunte Blicke und meist erwiderte man unseren Gruß nicht. Wir waren deshalb sehr verwundert über die anscheinende Muffigkeit und Unfreundlichkeit vieler Leute. Beobachtungen haben dann ergeben, daß auch andere Gäste nicht gegrüßt wurden, und daß sich die Balten gegenseitig auch nicht grüßen, wie es bei uns üblich ist. Auch haben wir, jetzt wo wir wieder zu Hause sind, mit einer russischen Studentin aus Moskau gesprochen, die bei uns ein dreimonatiges Praktikum macht: sie hat uns erzählt, daß sie sich erst an die dauernde Grüßerei bei uns in Österreich gewöhnen mußte. Bei ihr zu Hause sei es nicht üblich sich gegenseitig so zu grüßen wie es bei uns als normal und höflich gilt. Wenn man auf diese Lebensart ein wenig vorbereitet ist, dann macht man sich weniger Gedanken, was man denn falsch gemacht, oder ob man jemanden unwissentlich beleidigt hat.



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