03.09.2009

Baltikumreise von Ulrich Kormann

Vilnius – Kurische Nehrung – Riga
2 Wochen im Juni 2009 mit dem eigenen Auto

Gesamteindruck / Resümee
Es war ein Urlaub wie Urlaub sein soll. Interessant, abwechseungsreich, erholsam mit optimalem Wetter (Einschränkungen kommen später).
Als Baltikum-Neulinge haben wir schnell Vorurteile und falsche Klischees abgebaut. Das ist (in den Städten) nicht „Osteuropa“, sondern hat eher mitteleuropäisches Ambiente. Es ist oft preiswerter als zu Hause, aber es ist nicht billig. Die Menschen sind zurückhaltend, aber freundlich, sprechen kaum deutsch aber oft – besonders jüngere Leute – gut englisch.
Logistisch war die Reiseroute aus unserer Sicht nicht optimal. Offensichtlich hat Umfulana uns als Fährenreisende die Standard-Flugreise „aufgepfropft“. Dadurch mussten wir zunächst von Klaipeda (Ankunft der Fähre) nach Vilnius – dem Startort der Standardreise aus dem Katalog – um anschließend (nach dem Aufenthalt in Vilnius) wieder zurück nach Klaipeda und von dort auf die Kurische Nehrung zu fahren.
Auch für die konkrete Reisedurchführung hätten wir uns von Umfulana etwas mehr Unterstützung gewünscht. Die Hotelanfahrten in Vilnius und Riga sind nicht trivial und auch die Fähre zur Kurischen Nehrung ist nicht leicht zu finden. Ein paar Wegskizzen an Stelle von maschinell zusammengestellten Textbausteinen wären da hilfreich.

Die Fähren
- DFDS LISCO Maxima Kiel – Klaipeda
- Scandlines Urd Ventspils – Rostock
Die Fähren sind nicht so schlecht, wie sie in anderen Reiseberichten gemacht werden. Es sind eben Lkw-Fähren, die auch Pkw’s mitnehmen und keine Kreuzfahrtschiffe (wie die Fähren von Kiel nach Oslo). Die Kabinen sind eng, aber für eine Übernachtung ausreichend. Die Verpflegung war – gerade auf der Urd – nicht luxuriös, aber gut und reichlich. Man gibt sich Mühe.
Die dritte Fähre – von Klaipeda auf die Kurische Nehrung – wird zwar nirgenwo erwähnt und ist auch sehr dürftig ausgeschildert. Wir haben sie aber trotzdem gefunden.

Vilnius
Eine schöne Stadt mit prächtigen Fassaden und Gassen mit buckligem Kopfsteinpflaster (in der Regel Einbahnstrassen, die in die „falsche“ Richtung führen). Die zum Unesco Weltkulturerbe zählende Altstadt gilt als die schönste Barockstadt Nordeuropas. Das Hotel „Grotthuss“ zu finden (an unserem ersten Tag in Litauen), war eine kleine Odyssee, zumal die Straßen miserabel ausgeschildert sind. Das Hotel hat uns aber dann für alles entschädigt. Schöne Zimmer, sehr gutes Restaurant, ein gutes Frühstück (bei schönem Wetter im Garten) und sehr nette Bedienung.
Ausflugsziele, die wir empfehlen können, sind die Wasserburg Trakai, das Nationalsymbol Litauens, Kaunas, die heimliche Hauptstadt und das „Litaische Ethnographische Freilichtmuseum“ Rumskises. Für Rumskises sollte man sich mehrere Stunden Zeit nehmen und am Eingang Fahrräder ausleihen.

Nida / Kurische Nehrung
Hübsche kleine Orte am Haff, umgeben von weitläufigen Kiefern- und Birkenwäldern und der gewaltigen „Großen Düne“. Dazu ein endloser, fast menschenleerer herrlicher Sandstrand an der Ostsee. Man sollte das alles besuchen, bevor die hübschen kurischen Fischerhäuser von „Steigenberger-Resorts“ o.ä. verdrängt sind.
Unser Quartier, die „Villa Elvyra“, liegt direkt am Haff, hat hübsche Zimmer mit Balkon, nette Betreuung und ein großartiges Frühstück. In der Küche sieht man die Großmutter, die nur darauf wartet, neue „Blinys“ (Eierpfannkuchen) zu braten, die mit süßem Quark gefüllt oder mit saurer Sahne übergossen werden – lecker!
Im Ort gibt es kleine Geschäfte, gute Gaststätten, eine Marina und etliche Fahrrad-Ausleihen mit Rädern auf dem neuesten technischen Stand. Wir konnten auch das Mitsommernachtsfest am Hafen mit einem großen Feuer, Folklore, Musik und Tanz erleben. War sehr schön.

Riga
Auf dem Weg nach Riga lohnt sich ein Abstecher zum „Berg der Kreuze“, eine nationale Gedenkstätte Litauens. Riga ist eine sehr schöne, im Vergleich zu Vilnius große Stadt, die durch ihre vielen prächtigen Jugendstilbauten beeindruckt. Der Stadtkern gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Viele Strassencafés, Strassenmusikanten, das Leben und Treiben bis in die Nacht erinnern ein wenig an südeuropäische Städte.
Das Hotel „Gutenbergs“ war allerdings eine Enttäuschung. Das Zimmer war groß und stockfinster. Dem mittelalterlichen Flair zuliebe hat man wohl ein altes Speicherhaus genutzt, wodurch es keine Fenster, sondern nur in einer Ecke des verwinkelten Zimmers eine kleine Luke gab. Originaltext Umfulana-Reisebeschreibung: „Das Hotel erstreckt sich über zwei repräsentative Gebäude. Das erste stammt aus dem 19.Jahrhundert, wärend das zweite ein viel älteres Kaufmannshaus ist.“ Das erste hat richtige Fenster, schade, daß sich Umfulana für das zweite entschieden hat.
Das Frühstück war – besonders, wenn man verwöhnt aus Nida kommt – eine schlichte Katastrophe. Neben dem spärlichen Büfet standen (für alle!) eine Thermoskanne mit Kaffee und zwei Toaster mit den entsprechenden Warteschlangen davor. Die Bedienung beschränkte sich auf das gelegentliche Abräumen der Geschirrs. Von vier Sternen trennen dieses Hotel Welten!



Nach Oben