20.09.2010

Baltikumreise von Klaus und Dorothea B.

Wir können berichten von einer beeindruckenden, abwechselungsreichen und von Umfulana sehr gut vorbereiteten Reise ohne auch nur den kleinsten Missklang.

Mit dem Auto per Fähre von Travemünde nach Helsinki und von Helsinki nach Tallinn. Von dort durch Estland, Lettland, Litauen und Polen nach Deutschland zurück. 3580 km standen nachher auf der Kilometeranzeige.

Reisezeit drei Wochen: Ende August bis Mitte September, d.h. Nachsaison mit wenig Trubel, aber auch meist kühles Wetter mit häufigeren Schauern, wenngleich wir keinen Tag hatten, der völlig verregnet gewesen wäre. Strahlende Tage waren auch dabei.

Man kommt mit Deutsch oder Englisch problemlos zurecht. Häufig kann man mit Euro oder Karte bezahlen. In Estland wird die Karte sogar im kleinsten Kiosk im entlegensten Kaff akzeptiert. Nur bei Museen muss man damit rechnen, dass weder Euro noch Karte akzeptiert werden, sondern nur die Landeswährung.

Das Navigationsgerät bringt uns problemlos überall hin, nur in den Altstädten von Vilnius und Danzig kommt sie mit den Einbahnstraßen nicht zurecht.
Die Straßen sind innerorts meistens schlecht mit Schlaglöchern, die unvermittelt auftauchen und von beachtlichen Dimensionen sind. Außerorts sind die Straßen, besonders in Estland, oft deutlich besser.

Im Detail:
Anreise mit der Fähre ab Travemünde sehr erholsam bei bestem Wetter. Nicht vorbereitet waren wir auf die Tatsache, dass in Helsinki noch ca. 25 km zwischen Anlandung und dem Westhafen (Länsisatama bzw. Länsiterminali), wo die Fähren nach Tallinn abgehen, zurückzulegen waren. Unsere Navi hatte Finnland nicht mit drauf! Hier würden wir Umfulana um Erweiterung der Reisebeschreibung bitten, damit man sich vorher entsprechend Kartenmaterial besorgen kann.

Tallinn: Kleine mittelalterliche Perle mit schönem geschlossenen Stadtkern. Unser Boutique Hotel lag ideal nah zum Zentrum, hatte einen herrlich altmodischen Fahrstuhl und ein dem Design zum Opfer gefallenes Badezimmer (das heißt: sieht schön aus, ist aber ziemlich unpraktisch). Gebührenpflichtiger Parkplatz im Nachbarhotel (20 €). Gemütliche Restaurants gibt es in Tallinn in Fülle. Olde Hansa ist sicher bemerkenswert.

Auf dem Weg nach Muhu ein Stop in Haapsalu: Bischofspalastruinen angeguckt, niedliches Café (Kahvik) entdeckt, dessen Terrasse hinten an die Mauern des Bischofspalastes stößt. Unglaubliche Auswahl an Kuchen – lecker! Beim Besuch des Bahnhofes von Haapsalu kriegt man große Augen. Sehenswert!

Muhu – Pädaste Manor: Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, dann könnte es hier sein. Traumhafte Landschaft, wundervolle Unterbringung, diskreter Service und Dinieren vom Feinsten. Danke an Umfulana, dass das Essen schon mitgebucht war. Es war ein Erlebnis!

In Kurassare (Saaremaa) besichtigen wir die Burg, in der ein Museum über die Geschichte der Insel seit der Steinzeit nformiert. Großen Raum nimmt die Vertreibung der Bevölkerung unter der Soviet- Herrschaft ein.
Auf dem Weg nach Dicli: Stopp in Pärnu. Nettes Städtchen mit Strand, Kurpark und kleinem Kunstmuseum.

Diclu- Pils: ein prächtiges, gut erhaltenes Schloss, wie ein Museum; mit erlesenem Mobiliar und integrierter Bildergalerie. Unzählige Originale lettischer Künstler aus den Jahren 1988 – 1995 hängen dort, auch in den Schlafzimmern – leider nicht zum Verkauf.
Unser Zimmer ist groß, altmodisch, und leider kommt das heiße Wasser am Ende des Flügels nur lauwarm an. Tut aber dem Gesamteindruck keinen Abbruch.
Küche des Restaurants im Keller sehr gut. Manchmal stört der Chlorgeruch aus der benachbarten Bäderabteilung.

Im nahen Gauja- Nationalpark besichtigen wir in Césis die alte Burg, wo wir mit Laternen ausgestattet den finsteren Westturm erklimmen und die Aussicht von dort genießen. Auch ins Verließ darf man klettern. Die nahegelegenen Sandstein- Klippen von Erglú sind sehenswert. Pilzsammler allerorten.

Riga – Ainavas Hotel: Dies ist sicher ein sehr freundliches Hotel; aber dass es eines der besten Hotels in Riga sein soll, bezweifeln wir doch sehr. Geräuschvolle Hauselektronik und merkwürdige Geräusche aus der Wand; Jalousetten vor den Doppelfenstern, die verhindern, dass man sie richtig öffnen oder problemlos schließen kann; dazu der nächtliche Lärm der Gasse mit ihren Kneipen bis in die frühen Morgenstunden – das ist Abenteuerurlaub! Auf der Kette der Perlen, die Umfulana für uns aufgefädelt hat, ist dies sicher diejenige, die am wenigsten glänzt.

Aber die Stadt! Vor der Tourist- Info im Schwarzhäupter- Haus werden wir angesprochen von einem jungen Letten russischer Herkunft, der uns zu zweit eine Stadtführung von 80 Minuten anbietet. Daraus werden, weil er so sympathisch ist und wir an einem Tag möglichst viel sehen wollen, 5 Stunden (mit einer kleinen Mittagspause in einem lettischen Restaurant). Mit Hilfe von Alexander und der Straßenbahn sehen wir den Kaiserwald mit seinen imposanten Villen rund um die Hamburgas Iela, den Brüderfriedhof, den Atheisten- Friedhof daneben, winzige Kirchlein und eine große orthodoxe Kirche, und dann natürlich die Jugendstilvillen in der Neustadt, die straßenzugweise erhalten sind und jetzt in frischem Glanz strahlen. Dazu bekommen wir natürlich jede Menge Informationen über Riga. Bevor wir uns trennen, gibt uns Alexander noch Tipps, wie und wo wir den Rest des Tages verbringen sollen, mit Markthallen, Panorama- Aussicht von der gegenüberliegenden Seite der Daugave usw. Alexander ist eigentlich unbezahlbar!
Die Altstadt haben wir am Vortag schon selbst erkundet. In der Troksnu iela nahe des Schwedentors gibt es eine winzige Konditorei, die unbedingt empfohlen werden muss.

Auf der Weiterreise machen wir Halt am Rundale Pils, einem Barockschloss, dessen Restaurierung fast abgeschlossen ist. Von außen prächtig, von innen unglaublich! Dazu ein französischer Garten mit einer beeindruckenden Rosensammlung – wer an Rundale vorbeifährt, verpasst etwas!

Dann geht es auf die Nehrung, wo wir in einer netten kleine Pension "Prie Mariu" bei Nida unterkommen. Das Erlebnis, bei strahlendem Sonnenschein oben auf der Düne zu sitzen, links das Haff, rechts die Ostsee, kann man kaum beschreiben! Im Thomas Mann Haus in Nida wurden wir spontan zu einem Privatvortrag über die Zeit des Schriftstellers in Nida eingeladen.
Wundervoller Radausflug in den Elchwald – leider sehen wir keinen, aber die Elche wissen schon, wo es schön ist.

Auf der Fahrt nach Vilnius nehmen wir zwischen Jurbarkas und Kaunas die Landstraße am Nemunas, dem größten Fluss Litauens, entlang. Wunderschöne Strecke mit ganz naturbelassenem Flußlauf.

Kaunas ist im Zentrum ganz nett. Wir erfreuen uns an diversen Brautpaaren, die auf dem Rathausmarkt feiern und vor schicken Autos posieren. Das Museum von Konstantinas Curlionis, dem Komponisten und Maler, enttäuscht uns. Vielleicht haben wir zu viel erwartet, wo man ihm im Reiseführer so viel Raum gewidmet hat. Aber das angegliederte Museum lettischer Volkskunst zeigt dann doch Sehenswertes.

Vilnius: Hotel Grotthuss – wunderbares Hotel, kann man nur empfehlen! Fühlen uns dort sehr wohl. Stadtführung ein Muss, bei den vielen Kirchen, Klöstern und Kathedralen. Am Abend Public Viewing auf dem Rathausplatz beim Basketballspiel Litauen gegen USA im Rahmen der WM in Istanbul. Enorme Stimmung, denn Basketball ist Volkssport in Litauen.
Nächstes Jahr ist Basketball EM in Litauen.

Trakai mit seiner Burg in einer lieblichen Seenlandschaft wird noch besucht, bevor wir Litauen verlassen.
Dann 280 km nach Polen zur sehenswerten Burg Reszel, wo wir rustikal und gemütlich, mit Blick in den Burghof untergebracht werden. Burgrestaurant auch sehr rustikal, aber mit einer erwähnenswerten Küche!

Wenn man auf Burg Reszel unterkommt, darf man die Kirche Heiligelinde (Swietej Lipce) nicht auslassen. Die Orgel mit den sich bewegenden Figuren ist einmalig!
In Masuren lassen wir uns auf der Krutynia in einem Boot flussaufwärts staken und genießen himmlische Ruhe und eine zauberhafte Landschaft.

Auf der Fahrt nach Danzig besuchen wir Fromborg mit seiner Bischofsburg, wo Nikolaus Kopernicus begraben ist. Danach Malborg, das frühere Marienburg, mit der größten Burganlage der Welt. Drei Stunden lang erkunden wir mit dem Audio- Guide das Gemäuer. Lohnenswert!

Dann geht es auf einer brandneuen Autobahn, für die allerdings auch Maut bezahlt werden muss, nach Danzig. Das Hotel Podewils ist schon ein Ereignis – inclusive livriertem Diener und guter Küche.
Zu Fuß erläuft man sich Danzig, das mit seiner Pracht beeindruckt. Man kann einfach laufen und schauen und fotografieren. Leider ist das Wetter etwas unfreundlich.

Wir hätten von Danzig aus eine Fähre nach Deutschland nehmen sollen. Denn die 350 km bis Wasowo, westlich von Posen, gehen durch landschaftlich und kulturell wenig attraktives Gebiet. Der Verkehr nimmt aber deutlich zu, so dass man auf den engen Straßen nur mäßig vorwärts kommt und die Fahrt sehr anstrengend wird. Wir sind (mit kleiner Pause in Gniezno) froh, als wir im ungewöhnlichen Wasowo- Park mit wunderbarem Ambiente ankommen. Um am nächsten Tag Posen anzuschauen, hätten wir wieder 55 km zurückfahren müssen. Das ist uns dann zuviel. So schön kann Posen gar nicht sein. Und wegen des trüben Wetters am nächsten Tag beschließen wir, den Urlaub abzubrechen und einen Tag eher nach Deutschland zurückzukehren. Die Fahrt Richtung Westen ist wegen der noch nicht vorhandenen Autobahn und dem unglaublichen Schwerlastverkehrs noch anstrengend genug.

In Berlin machen wir wegen Familienbesuchs noch einen Tag Zwischenhalt.

Von diesem Urlaub werden wir noch oft und gerne sprechen!



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