Afrika für Genießer: die Winelands




Den ersten Kontakt mit Südafrika machen viele Deutsche am Weinregal im Supermarkt. Inzwischen werden am Kap Weine erzeugt, die es mit jedem französischen Spitzenwein aufnehmen können. Südafrikas Weinbautradition geht bis in 17. Jahrhundert zurück.

Am Anfang war der Skorbut

Vor über 350 Jahren hatte die Amsterdamer Ostindien-Kompagnie ein Problem: auf dem Weg in die niederländischen Kolonien gingen immer ganze Schiffsladungen verloren, was zu ärgerlichen Profiteinbußen führte. Der Grund dafür waren kranke Matrosen. Auf der monatelangen Schiffsfahrt starben ganze Mannschaften an Skorbut, einer Vitaminmangelkrankheit. Um die Ausfälle in Grenzen zu halten, wurde auf halbem Weg zwischen Malaysia und Amsterdam eine Station errichtet, an der die Besatzungen mit frischen Lebensmitteln versorgt werden konnten. Die Wahl fiel auf die Bucht am Tafelberg. Dort – ganz im Süden von Afrika – schienen die Bedingungen für Landwirtschaft günstig. Sogar Weinbau schien in dem mediterranen Klima am Kap möglich. 1652 gründete Jan van Riebeeck die Kapkolonie. Doch woher sollte der ehemalige Schiffsarzt die Bauern nehmen, die die Lebensmittel erzeugten?

wo die Winzer an Land gingen: Bucht am Tafelberg
wo die Winzer an Land gingen: Bucht am Tafelberg

Die Buren: Rheinländer, Holländer und Franzosen

Sie kamen ganz von allein. Viele Rheinländer waren dabei. Unter den ersten acht Burenfamilien stammten drei aus der Umgebung von Köln. Der Dreißigjährige Krieg in Deutschland hatte sie entwurzelt. Doch zu einem Ansturm auf die Auswanderungsbehörden kam es erst einige Jahre später. 1685 wurde Amsterdam von einer „Flüchtlingslawine“ überschwemmt. Zu Tausenden kamen Hugenotten aus ganz Frankreich, vor allem aber aus Paris. Unter den protestantischen Franzosen, die in ihrer Heimat religiös verfolgt wurden, waren Winzer und Obstbaumzüchter. Als die ersten nach einer dreimonatigen Reise am Tafelberg landeten, machten sie eine Gegend im Osten urbar, die bis heute Franschhoek, also Franzosenwinkel, heißt.

in den Weinbergen: reformierte Kirche von Franschhoek
in den Weinbergen: reformierte Kirche von Franschhoek

Der Anfang war schwer. Die ersten Jahrgänge waren fast ungenießbar. Es dauerte eine Weile, bis man erkannte, dass die starken Winde die Ursache waren. Die Ergebnisse besserten sich, als Baumhecken angepflanzt wurden. Doch langezeit galten die Kapweine als billiges Massenprodukt. Das änderte sich erst in den letzten 20 Jahren. Seit dem Ende der Apartheid entwickelt sich die südafrikanische Weinlandschaft stetig weiter und ist heute ein wichtiger Faktor für den Tourismus, Export und damit für den Arbeitsmarkt. Insgesamt produzieren über 400 Weingüter zusammen um die 870 Millionen Liter Wein am Western Cape. Schätzungen zufolge sind rund 340.000 südafrikanische Arbeiter im Weinanbau beschäftigt. Zu den bekanntesten Anbauregionen gehören Stellenbosch, Constantia, Paarl und Franschhoek.

Groot Constantia: ältestes Weingut Südafrikas

kulturhistorisches Weingut: Groot Constantia
kulturhistorisch bedeutsam: Weingut Groot Constantia

Das älteste Weingut Südafrikas ist zugleich das bekannteste. 1685 wurde dem Gouverneur von Kapstadt ein 750 Hektar großes Stück Land übereignet, auf dem er Gemüse für die Matrosen auf ihrem Weg nach Java anbauen sollte. Bald schon spezialisierte er sich auf Wein, der in dem kühlen, aber sonnenreichen Mikroklima besonders gut gedeiht. Kurze Zeit später hatte er genug Geld für ein Herrenhaus, das heute als eines der schönsten kapholländischen Häuser gilt. Zum Gut gehören ein Weinmuseum und zwei erstklassige Restaurants. Im Weinkeller von 1791 kann man probieren und kaufen.

Neethlingshof: Weingut mit First-Class-Restaurant

Neethlingshof: Spitzenrestaurant und edler Keller

Das Gut bei Stellenbosch ist ein Publikumsmagnet, nicht nur für Gourmets und Weintouristen. Es wurde 1692 von einem deutschen Emigranten gegründet. Eine Kiefernallee führt zum ehrwürdigen Haupthaus von 1814 im klassischen kapholländischen Stil. Dort ist auch das Lord Neethling, eines der besten Restaurants in Südafrika. Verkostungen werden im Palm Terrace nebenan angeboten.

Jonkershoek Nature Reserve: Wandern und Mountainbiking im Quellgebiet

Paradies für Wanderer und Biker: Jonkershoek Nature Reserve
Paradies für Wanderer und Biker: Jonkershoek Nature Reserve

Wer in die Winelands kommt, kann in den Bergen immer noch ursprüngliche Wildnis erleben. Das 11.000 Hektar große Jonkershoek Naturreservat schützt das Tal, wo der Eerste River und der Berg River entspringen. Es umschließt das Assegaaibosch-Reservat, durch das ein kurzer Wanderweg führt. Auch für Mountainbiker ist das Jonkershoek Valley interessant. Von Stellenbosch fährt man acht Kilometer mit dem Rad auf leicht ansteigender Straße bis zum Eingang des Reservats. Von dort geht es auf einer Schotterpiste weiter.

Unser Übernachtungstipp: De Leeuwenhof Estate

De Leuwenhof Estate: historisches Gut, südafrikanische Gastfreundschaft

De Leeuwenhof wurde 1689 gegründet und ist eines der ältesten Weingüter in Paarl. Heute wachsen hier auf 15 Hektar Chardonnay, Shiraz und Cape-Riesling sowie 3500 Obstbäume. Den Mittelpunkt bildet das Herrenhaus im kapholländischen Stil, das von einem stillen, parkähnlichen Garten umgeben ist.
Die Gästezimmer sind im historischen Haupthaus, in der restaurierten Scheune oder in den alten Ställen untergebracht. Alle sind komfortabel, großzügig und haben eine Klimaanlage. Zwei Zimmer haben eine eigene Küchenzeile, für die weiteren gibt es eine gemeinsame Gästeküche. Zwei Swimmingpools sind vorhanden.
Führungen durch die Obst- und Weinfelder. Reiten und Wandern werden angeboten. Das Restaurant bietet von Oktober bis April Abendessen an fünf Tagen an.

Weiterführende Links

Umfulana bietet mehrere Reisen an, die in die Winelands führen. Alle Reisen werden individuell auf Ihre Bedürfnisse angepasst.

Kapstadt und Gardenroute

Strand und Tiere – Südafrikas Südküste

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