Amerikas Nordwesten: zwischen Küste und Binnenland




Die USA sind ein zerrissenes Land. Und das nicht erst, seitdem Donald Trump für das Weiße Hause kandidiert. Fest in demokratischer Hand sind die Küsten – multikulturell und liberal, urban und gebildet. Unendlich entfernt davon scheint das Inland, wo Bible Belt und Maisgürtel ineinander übergehen. Auf Landkarten, die das Abstimmungsverhältnis verzeichnen, sind die Binnenstaaten regelmäßig tiefrot, also republikanisch, eingefärbt. Dort wohnen die Farmer und die Gebrauchtwagenhändler, die Rassisten und Wunderprediger. So heißt es jedenfalls. Welche Arroganz diesen Staaten entgegenschlägt, zeigt ein Begriff: flyover states. Das besagt: Hier gibt es nichts zu sehen. Das Einzige, was man zu diesen Staaten sagen kann, ist, dass man über sie hinwegfliegen muss, um zur anderen Küste zu gelangen.

 

Hippies im Weizengürtel: Welten treffen aufeinander
Hippies im Weizengürtel: Welten treffen aufeinander

Wir haben eine Reise aufgelegt, die in beide Welten führt. Sie beginnt im bunt schillernden San Francisco und endet im Althippie- und Schwulenviertel von Seattle. Dazwischen wagt sich die Tour in eine fremde Welt. Ungeheure Naturschönheiten warten dort: ein schneebedeckter Vulkan, das größte Lebewesen der Welt und natürlich Kleinstadtidyll zwischen KFC (Kentucky Fried Chicken) und Pfingstkirche. Im Folgenden stellen wir ein paar Highlights vor.

Cable Car: Markenzeichen von San Francisco

beliebtes Verkehrsmittel: Kabelstraßenbahn
beliebtes Verkehrsmittel: Kabelstraßenbahn

Eine sehr kuriose Sehenswürdigkeit und ein weltbekanntes Markenzeichen von San Francisco sind die Cable Cars. Das öffentliche Verkehrsmittel fuhr erstmals im August 1873 die Clay Street hinab. Heute befinden sich noch drei Linien in Betrieb – besonders mit der Powell-Hyde-Line und der Powell-Mason-Line erlebt man das typische Flair auf den steilen Straßen San Franciscos.

Napa Valley: erstklassige Weine und ein Gut von Hundertwasser

Gebäude von Hundertwasser: Quixote-Winery
Gebäude von Hundertwasser: Quixote-Winery

Das Boutique Weingut produziert organische Weine der Spitzenklasse, vor allem Cabernet Sauvignon. Das besondere ist aber das Gebäude: Der damalige Besitzer, Carl Doumani, war überzeugt, dass das Weintrinken zu einem verkrampften und absurd ernsthaften Geschäft verkommen sei. So beauftragte er 1989 den österreichisch-neuseeländischen Künstler Friedensreich Hundertwasser, ein heiteres Weingut mitten in der malerischen Landschaft zu erschaffen. Es ist das einzige Hundertwasser-Haus in den USA geblieben.

Sierra Nevada: Grenzgebirge zwischen Kalifornien und Nevada

über 4000 Meter hoch: Sierra Nevada am Mount Whitney
über 4000 Meter hoch: Sierra Nevada am Mount Whitney

Das „verschneite Gebirge“ erstreckt sich über 650 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und bildet die Grenze zwischen Kalifornien und Nevada. Der Mount Whitney  ist mit 4.421 Höhenmetern der höchste Gipfel der USA außerhalb Alaskas. Von Westen steigt das Gebirge sanft an, während es nach Osten zum Great Basin hin jäh abfällt. Die Felsabbrüche dort gehören zu den steilsten und dramatischsten der Welt. Das Hochgebirge ist zudem eine gewaltige Wetterscheide, die den vom Pazifik kommenden Winden fast alle Feuchtigkeit nimmt. So ist auch das Klima von extremen Unterschieden bestimmt. Im Osten erstrecken sich Wüsten und das Death Valley, während auf den Gipfeln arktisches Klima herrscht.

Rubicon Trail: Paradieswanderung am Lake Tahoe

Lake Tahoe
Lake Tahoe

Der Weg führt am Südwestufer des Lake Tahoe vom Rubicon Point bis zum Emerald Point. Immer wieder tun sich grandiose Blicke über den See auf. Immer wieder ragen Felsen hoch auf, die die Fantasie anregen. Jedenfalls heißen sie Frog Rock, Sleeping Lady oder Gladiator. (3 Stunden, 10,2 Kilometer, auf: 130 Meter, ab: 210 Meter)

Donner Memorial State Park: arktische Landschaften und ein Pionierdrama

grausige Geschichte in arktischer Welt: Donner Lake
grausige Geschichte in arktischer Welt: Donner Lake

1846 brach eine Pioniertruppe unter der Führung von Georg Donner auf, um eine neue Route über die Sierra Nevada zu finden. Wegen des schlechten Terrains verzögerte sich die Expedition bis in den Winter. Anfang Dezember schließlich schneiten die Planwagen auf Passhöhe vollends ein. Erst Mitte Februar war an ein Weiterkommen zu denken. Von den 87 Pionieren überlebten nur 48, und das auch nur, weil sie sich von den Leichen der Verstorbenen ernährten. Im Donner Memorial State Park informiert das Emigrant Trail Museum über diese furchtbarste Tragödie der amerikanischen Westwanderung. Gleich nebenan verläuft die Interstate 80, über die man heute in wenigen Stunden zu jeder Jahreszeit den Pazifik erreichen kann.

Oregon: wildromantische Küsten, fruchtbare Täler, schneebedeckte Vulkane

einsam und romantisch: Küstenstraße 101 in Oregon
einsam und romantisch: Küstenstraße 101 in Oregon

Mit über 250.000 Quadratkilometern ist Oregon größer als Großbritannien, hat aber nur 3,5 Millionen Einwohner. Und doch hat der Bundesstaat im Nordwesten der USA eine Menge zu bieten: eine stark zergliederte, wildromantische Küste, dahinter ein fruchtbares breites Tal und schließlich die vulkanischen Berge im Hinterland, die bis in den Frühsommer schneebedeckt sind. Vor allem die 570 Kilometer lange Pazifikküste ist ein Paradies für Individualreisende. Kein Ort hat mehr als 10.000 Einwohner. Massentourismus gibt es so gut wie nicht.

Mount Rainier Nationalpark: Outdoorparadies am Gletschervulkan

Berg aus Feuer und Eis: Mount Rainier
Berg aus Feuer und Eis: Mount Rainier

4.392 Meter hoch ist Mount Rainier, der schneebedeckte Vulkan, der auch noch vom drei Stunden nordwestlich gelegenen Seattle einen grandiosen Anblick bietet. Bald nach der europäischen Besiedlung des Nordostens wurde die Wildnis rund um „The Mountain“ 1899 zum Nationalpark erklärt. Heute ist das Gebiet ein Outdoorparadies. Unter der Gletscherzone, die zwei Drittel des Berges bedeckt, wachsen schier endlose Wälder aus Douglasien, Rotzedern und den bemoosten Riesenlebensbäumen, die viele Hundert Jahre alt werden. Ein Netz aus Wanderwegen erschließt den Park, von denen der 150 Kilometer lange Wonderland Trail des bekannteste ist.

Capitol Hill: Szene-Viertel von Seattle

Capitol Hill, Straßenszene
People Watching in Capitol Hill: Straßenszene

Als das Viertel um 1900 gegründet wurde, war es eine Gegend für die besseren Leute. Das merkt man bis heute an den prächtigen Stadtvillen im viktorianischen Stil. Die 14th Avenue wird bis heute „Millionaire’s Row“ genannt. Heute hat sich das gründlich geändert. Es gibt einen fröhlichen Bevölkerungsmix von Hippies, Schwulen und Künstlern. Man kann sich in ein schönes Café setzen und People Watching betreiben.

Weiterführende Links

Hier geht’s zur Vollständigen Reise

 

Zum Schluss noch ein Musikbeispiel:

It Never Rains In Southern California

Albert Hammond schrieb das Lied 1972. Der Song ging auf der ganzen Welt durch die Radios, schaffte es aber nie in die Hitlisten. Dafür ist er heute noch bekannt, was vielleicht an seinem Text liegt. Hier die deutsche Übersetzung:

Ich bestieg eine Boeing 747 Richtung Westen,
hatte einfach nicht genügend nachgedacht, bevor ich meinen Entschluss fasste.
Das dauernde Gerede von den Chancen dort,
die ganzen Fernsehspots und Filme – es klang alles so glaubhaft.Anscheinend regnet’s nie in Süd-Kalifornien –
was in der Art habe ich schon x-mal gehört.
Von wegen es regnet nie in Kalifornien –
ja, hat man dich denn nicht gewarnt, Mädchen:
Es gießt, Mensch, es gießt!Ohne Job, total von der Rolle,
ohne Selbstbewusstsein, ohne Einkommen,
keiner mag mich, nix zu beißen –
ich will nur noch nach Hause …

Ja, ja, es regnet nie in Kalifornien –
hat man dich denn nicht gewarnt, Mädchen: es gießt nur so!

Wirst du daheim erzählen, dass ich es so gut wie geschafft habe,
dass ich mich vor Angeboten kaum retten kann?
Sag ihnen nicht, wie du mich vorgefunden hast, bitte sag´s nicht!
Lass mir nur noch ein bisschen Zeit…

Anscheinend regnet’s nie in Süd-Kalifornien –
wie oft habe ich dieses Geschwätz schon gehört!
Es regnet nie in Kalifornien –
aber Mädchen, hat man dich denn nicht gewarnt?
Es gießt, Mann, es gießt!

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