Come rain, beautiful rain




In Afrika gibt es keine Jahreszeiten im europäischen Sinn. Das Jahr wird von Trocken- und Regenzeiten bestimmt. Das bringt Menschen zur Verzweiflung – und zur Verzückung.

In Südafrika – außer am Kap – fällt Regen zwischen Oktober und März. Danach verziehen sich die Wolken. Wenn die Sonne ihren tiefsten Stand erreicht – also im Juni – strahlt die Sonne zehn Stunden lang vom Himmel. Nachts wird es dann empfindlich kühl, mancherorts sinkt die Temperatur unter null Grad. Dafür kann man sich am Tag aufwärmen und eine Hülle nach der anderen fallen lassen.

So schön die Trockenzeit ist – gegen Ende macht sie nervös, besonders wenn die Auguststürme kommen. Die Farmer schlafen dann mit dem Handy am Kopfkissen. Jeder Funke kann in kürzester Zeit ganze Plantagen vernichten. Staub schwebt dann überall in der Luft. Auf den ungeteerten Pisten werden die Autos von kilometerlangen Staubfahnen verfolgt. Die Vegetation nimmt eine silbrig-graue Farbe an. Am Ende sehnt sich alles nach Regen – Mensch und Kreatur gleichermaßen.

Wenn die letzte Quelle versiegt ist, migrieren die Tiere.
Wenn die letzte Quelle versiegt ist, verlassen Mensch und Tier ihre Heimat.

Und was, wenn der Regen ausbleibt? So etwas kommt alle paar Jahre vor. Wenn eine Dürre mehrere Jahre währt, verlassen Mensch und Tier ihre Wohnorte auf der Suche nach sicheren Quellen. Bevor es Zäune um die Nationalparks gab, wanderten Elefanten tausende von Kilometern – von Südafrika nach Ostafrika und zurück – immer den Wolken nach. Historiker vermuten, dass es jahrelange Trockenzeiten waren, die die Wanderung der Bantu-Stämme ausgelöst haben. Geändert hat sich das erst, als die Europäer im 19. Jahrhundert begannen, Brunnen zu graben. Zum ersten Mal gab es dauernde Sesshaftigkeit in Afrika, wodurch ein ungeheures Bevölkerungswachstum ermöglicht wurde.

Doch auch die tiefsten Brunnen können austrocknen – wie jüngst im südlichen Afrika. Das Wetterphänomen El Nino hat dafür gesorgt, dass sich die Luftströme auf der gesamten Südhalbkugel umkehrten. Zwei Jahre lang gab es bis auf ein paar Tropfen Regen nichts. Der Mais verdorrte oder wurde gar nicht erst ausgesät. In der Millionenmetropole Durban wurde das Wasser rationiert. Nur noch zu bestimmten Zeiten floss das kostbare Nass aus dem Hahn. Schlimmer war es im Nordosten. In Paulpietersburg gab es gar kein Wasser mehr. Die Bevölkerung wurde mit Tankwagen versorgt. Farmer trafen sich zum Gebet für Regen. In den Dörfern und Townships beschworen Ilangas und Sangomas (die traditionellen Heiler und Hexen) das „Rain-Maker-Animal“ – ein mythisches Wesen, das schon vor Jahrtausenden dem Volk der San Regen brachte.

Nun ist auch diese Regenzeit im südlichen Afrika schon fast wieder vorbei – ohne dass es nennenswert geregnet hätte. Aber jetzt das: Letzte Woche goss es in Strömen! Bis zu 80 Millimetern, also 80 Liter auf einen Quadratmeter! Die Menschen sind buchstäblich aus dem Häuschen. Wie herrlich ist es, sich in Pfützen zu wälzen oder von oben bis unten nass regnen zu lassen. Farmer danken Jesus auf Facebook und bezeichnen den Regen als Wunder. Zwar ist die Ernte heuer miserabel oder fällt ganz aus. Zwar reicht der Regen noch längst nicht aus. Aber die ganze Schöpfung scheint ihren Durst zu stillen. Selbst der Bach, an dem wir sechs Jahre wohnten. Der Hlimbitwa führte in den letzen Jahre kaum noch Wasser und war zuletzt ganz versiegt. Doch nun gibt es ihn wieder.

Seit Jahren wohne ich wieder im Bergischen Land, wo es wahrlich keinen Mangel an Regen gibt. Aber ich werde nie vergessen, wie schön es ist, wenn nach einer langen Dürre die ersten Tropfen fallen. Ich stand dann meist mit einem Glas Wein auf der Veranda und hörte zu, wie der Regen aufs Wellblechdach trommelte. Es gibt auf der ganzen Welt kein schöneres Geräusch.

schönstes Geräusch der Welt: Regen trommelt aufs Wellblechdach
schönstes Geräusch der Welt: Regen trommelt aufs Wellblechdach

Der Song: Come Rain, beautiful Rain

Ladysmith Black Mambaso war eine relativ unbekannte Band aus KwaZulu Natal, bevor Paul Simon sie entdeckte und ihre traditionellen Gesänge in seine Songs integrierte. Hier einer ihrer besten Songs. Er beruht auf einem traditionellen Sprechgesang.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.