Ein Osterspaziergang in Mailand: Da Vincis letztes Abendmahl


Kunststadt Mailand: Der Dom

Wer nach Mailand kommt, sollte sich unbedingt Zeit nehmen für eines der größten Wunder der Welt. Nur eine Viertelstunde. Mehr Zeit wird einem sowieso nicht gewährt.

Die Revolution der Gefühle

Mehr als drei Jahre verbrachte Leonardo da Vinci im Refektorium des Mailänder Dominikanerklosters, Santa Maria delle Grazie. Wo die Mönche ihre Speisen zu sich nahmen, malte er von 1495 bis 1498 ein gigantisches Bild. Sein „Cenacolo“ wurde weltberühmt. Es zeigt das Pessachmahl, das Jesus am Abend vor seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern feierte. Der jüdische Ritus dauert Stunden, doch dann prophezeit Jesus seinen Jüngern, dass einer von ihnen ihn verraten würde. Genau diesen Augenblick wählt Leonardo. Die Apostel, aufgelöst in Dreiergruppen, sind aufs Höchste bestürzt und erregt – jeder auf seine unverwechselbare Weise. Man achte auf die Gesichter und Hände. So viel Emotion auf einem Bild hatte die Welt zuvor noch nicht gesehen.

Auch die großformatige Darstellung war eine Revolution. 4,2 Meter Höhe und 9,1 Meter Breite misst das Wandgemälde! Im Mittelalter wurde das Thema eher auf kleineren Tafelbildern behandelt. Das Kunstwerk muss gewirkt haben wie die Einführung der Breitwand im Kino. Das dramatische Spiel der Hände, die theatralische Anordnung wie auf einer Bühne und die Verschmelzung der Farben – all das hatte das Bild sofort berühmt gemacht. Noch bevor Leonardo die Arbeiten abschließen konnte, zirkulierten bereits erste Stiche mit Kopien.

Leonardos Cenacolo
Das Weltwunder von Mailand: Leonardos Cenacolo

Die Ignoranz der Nachwelt

Doch bereits nach 20 Jahren begann das Fresco zu bröckeln oder wurde mutwillig beschädigt. Überschwemmungen und schwere Zerstörungen haben immer wieder „Restauratoren“ auf den Plan gerufen, aber die machten alles noch schlimmer. Sie fügten nach Lust und Laune Details hinzu, malten Bärte oder Tücher. Am schlimmsten war es während der Besatzung durch Napoleon. Die Mönche wurden verjagt, das Refektorium wurde Pferdestall und später Kaserne. Antiklerikale Soldaten kratzten den Aposteln die Augen aus. Während des Zweiten Weltkriegs zerstörte eine Bombe fast das gesamte Gebäude, doch die Wand mit dem „Abendmahl“ blieb wie durch ein Wunder unversehrt, abgesehen von kleineren Schäden durch die Erschütterungen.

1978 waren nur noch 20 Prozent des Originalgemäldes übrig.

Da entschloss man sich erstmals zu einer Restauration, die den Namen verdiente. Der Raum wurde versiegelt und klimareguliert. Ein Restaurationsteam entfernte die falschen Bärte und alles, was nach der Fertigstellung im Jahr 1498 hinzugefügt worden war. Im Zweifelsfall nutzte man Bildkopien, die kurz nach der Fertigstellung gemacht wurden. Die Arbeit war akribisch und manchmal quälend langsam. Oft konnte an einem Tag nur eine Fläche so groß wie eine Briefmarke gereinigt werden. Nach 21 Jahren war die Restauration endlich fertig. Leonardo hatte vier Jahre gebraucht, die Restauratoren ein Vielfaches.

Als das Gemälde im Jahre 1999 erstmals wieder ausgestellt wurde, erntete es überschwängliches Lob, aber auch Kritik. Das Cenacolo sei viel zu dramatisch geraten, meinen manche Kunsthistoriker.

Wer sich selbst ein Urteil bilden will, muss sich vorher anmelden (telefonisch oder via Internet). Dann darf man zusammen mit anderen 25 Personen für 15 Minuten das ehemalige Refektorium  des Dominikanerklosters von Santa Maria delle Grazie betreten. Zuvor muss man durch mehrere Schleusen, damit man möglichst wenig Verunreinigungen mit in den langen Saal bringt.

Öffnungszeiten sind Di-So 8.15-18.45 Uhr. Anmeldung unter Tel. 0289421146 oder online

Adresse: Piazza Santa Maria delle Grazie 2,  Metro: M 1 Conciliazione, M 2 Cadorna, Tram 16

Santa Maria delle Grazie
beherbergt Leonardos Kunstwerk: Santa Maria delle Grazie

Unser Übernachtungstipp: ein B&B in der Via Cesena

Fünf originell eingerichtete Gästezimmer hat das kleine Gasthaus mit der Hausnummer fünf. Alle Zimmer sind klimatisiert und mit viel Liebe zum Detail, zur Farbe und Mailänder Traditionen eingerichtet. Die sympathischen Gastgeber, Michaela und Sandro, helfen gern bei der Tagesplanung. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man schnell in der Innenstadt.

Via Cesena
unser Tipp für Mailand: B&B in der Via Cesena

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