Im kältesten Hotel der Welt




Es ist eines der merkwürdigsten Hotels der Welt: das Ice-Hotel bei Kiruna. Alles ist aus Eis: die Wände und das Dach – das versteht sich von selbst – aber auch die Betten und sogar die Cocktailgläser.

Ich weiß nicht, wie oft ich die Frage verneint habe: Nein, ich habe nicht gefroren im Eis-Hotel. Die Zimmertemperatur war mit minus vier Grad Celsius verhältnismäßig angenehm. Wir kamen von einer Hundeschlittentour durch das wilde Lappland. Dort draußen wehte ein wirklich eiskalter Wind – bei Temperaturen von minus 25 Grad.

Ich hatte schon viel gehört von dem berühmten Hotel in Jukkasjärvi, doch als ich davor stand, war ich ein bisschen enttäuscht. Es sieht halt aus wie ein Haufen Schnee mitten in einer verschneiten Landschaft. Doch spätestens in der Eingangshalle bleibe ich wie angewurzelt stehen. Wohin war ich geraten? In einen Film oder ein Märchen? Die Halle ist ein fünf Meter hohes Spitztonnengewölbe aus purem Eis, das auf durchsichtigen Säulen aus Eis schwebt. Ein unwirkliches Kunstwerk, das an einen Palast oder eine gotische Kathedrale erinnert und andrerseits durchsichtig und schwerelos wirkt.

mein Zimmer im Ice-Hotel

Hinter zwei Eistischen standen zwei schwedische Eisprinzessinnen, die uns in Empfang nahmen. Offenbar war ich doch nicht in einem Märchen, sondern in der Rezeption. Sie erklärten uns, was man wissen muss, um sich in diesem extremen Hotel wohl zu fühlen. Sie gaben uns Jacken und Schuhe aus Fell und einen Schlüssel zum Spind, wo wir unsere Sachen deponierten. Jemand brachte uns zu unseren Zimmern. Auf dem Weg dorthin kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Jedes Zimmer war ein Unikat aus Eis, ein Wunderwerk der Phantasie: mit detailreichen Ornamenten, Fresken und sogar Skulpturen aus Eis. Durch die Fenster, die ebenfalls aus Eisscheiben bestehen, schimmerte das Tageslicht – ergänzt durch geheimnisvolle indirekte Beleuchtung. Unser Begleiter erklärte uns, dass jedes Zimmer seinen eigenen Künstler hat, der völlig frei ist im Design.

ein Kunstwerk im Hotelflur

Mein Respekt für die Bauleistung hat sich noch erhöht, als ich erfuhr, dass das Hotel jedes Jahr neu gebaut wird. Mitte April wird es geschlossen. Im Sommer stürzt es ein und schmilzt. Neu gebaut wird es im Oktober. Dazu werden über 30.000 Tonnen Schnee und 4000 Tonnen klares Eis aufgewendet. Radlader und Schneekanonen rücken an, um Schnee auf Stahlschalungen aufzutragen. Nach zwei Tagen werden sie entfernt und das Tonnengewölbe ist fertig. Nun werden Mauern aus Schneequadern gebaut, um die Räume voneinander abzugrenzen. Schließlich kommen die Künstler, gestalten die Räume und füllen sie mit ihrer Phantasie, der das Eis keine Grenzen zu setzen scheint. Eis brauchen sie in Massen. Es wird bereits im Frühjahr aus dem Tornefluss gewonnen, wenn das Wasser besonders klar ist. Mit speziellen Sägen wird es aus dem Fluss geschnitten. Mitte Dezember ist das neue Hotel fertig für die Gäste.

Die Hochzeitskapelle

Wir haben den Abend in der Bar verbracht, wo wir gemütlich in Eis-Sesseln saßen und aus Eis-Gläsern getrunken haben. Die Stimmung war alles andere als eisig, wozu die Fellschuhe, die wattierten Snowmobil-Overalls und der Wodka beigetragen haben. Vor dem Schlafengehen haben wir uns dann noch einmal richtig aufgewärmt. Der wunderbare Spa-Bereich mit finnischen Saunas ist der einzige Teil des Hotels, der nicht aus Eis ist. Zum Schlafen bekamen wir dann noch einen dicken Schlafsack und ein Rentierfell, das man sich auf den Eisblock legt.

unwirkliche Schönheit

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