Myanmar: Hoffnungsschimmer am Horizont




Auf dem Weg zur Demokratie? Das frühere Burma öffnet sich. Wer mit dem Boot auf dem Irrawaddy fährt, sieht goldene Pagoden – und Menschen, die jahrelang von der Welt abgeschieden waren. Viele von ihnen haben noch nie einen Europäer zu Gesicht bekommen.

Land und Leute: eine unvorstellbare Vielfalt

Zzvet / Shutterstock.com
Neujahrsfest: Tänzerinnen aus dem Kachin Volk

Dass man auf Myanmar-Reisen einer unvorstellbaren Vielfalt begegnet, liegt auch an der besonderen Geographie. Myanmar ist ungefähr doppelt so groß wie Deutschland und hat 51 Millionen Einwohner. Die Nord-Südausdehnung des Landes, das in Europa noch unter seinem alten Namen, Burma bzw. Birma, bekannt ist, beträgt mehr als 2.000 Kilometer. Es reicht von Meereshöhe bis zum Kachin Gebirge, einem südlichen Ausläufer des Himalaja. Im Dreiländereck von Myanmar, Indien und China liegt der Hkakabo Razi. Mit 5.881 Metern ist er der höchste Berg Südostasiens.

Im Norden und Osten grenzt Myanmar an China, Laos und Thailand, im Süden an den Indischen Ozean. Der westliche Nachbar von Myanmar ist Indien. Im Süden liegt eine unberührte Inselgruppe, der Mergui-Inseln, vor Malaysia. Im Osten des Landes erhebt sich das Shan-Hochland mit Bergen von bis zu 2.500 Metern.

versunkenes Gebirge Mergui Inseln
versunkenes Gebirge: Mergui-Inseln im Südwesten von Birma

Wer in den Süden von Myanmar reisen will, findet auch dort eine große Vielfalt von Landschaften. Vor der Küste liegen zahllose Inseln, die durch das Versinken eines Gebirges im Meer entstanden sind. Hinter der Küste ziehen sich Sumpfgebiete entlang, dann steigt das Land zum Arakan-Joma-Gebirge auf und erreicht eine Höhe von bis zu 3.000 Metern.

Die Mitte des Landes am Irrawaddy ist fruchtbar und wird landwirtschaftlich genutzt. Der bedeutendste Fluss ist jedoch der Mekong, der auch durch Myanmar fließt. Insgesamt sind 40 % der Fläche Birmas bewaldet, jedoch gibt es unkontrollierte Brandrodungen.

Leise Hoffnung: Die Öffnung des Landes

Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die Japaner in Birma eine Marionettenregierung. 1948 wurde das Land in die Unabhängigkeit entlassen. Die kurze demokratische Phase endete 1962. Dann kamen wechselnde Militärregime an die Macht.

Birma schottete sich ab. 1966 wurden alle christlichen Missionare ausgewiesen. Gleichzeitig wurden die Wirtschaftsunternehmen verstaatlicht. 1988 gab es mehrwöchige Proteste gegen das Militärregime, die blutig niedergeschlagen wurden. 1990 gab es freie Wahlen, doch als das Ergebnis dem Regime nicht passte, wurden sie für ungültig erklärt.

jahrelang abgeschirmt: Landvölkerung in Burma
jahrelang abgeschirmt: Landvölkerung in Burma

Als 2007 die Subventionen gestrichen und Benzin um 500 % teurer wurde, kam es zu neuen Aufständen. Ein Jahr später verwüstete ein Tropensturm das Irrawaddydelta. Über 100.000 Menschen kamen nach Schätzungen der UNO ums Leben. Rund eine Million wurde obdachlos. Das Militär verweigerte den Helfern jedoch den Zugang und beschlagnahmte die Hilfsgüter.

2010 fanden die ersten Wahlen seit 20 Jahren statt. Bei den Nachwahlen 2012 beteiligte sich auch die Oppositionspartei unter der Führung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Seitdem findet eine vorsichtige Öffnung des Landes statt, die Voraussetzung für die noch sehr junge Entwicklung des Tourismus ist. Wer nach Myanmar reisen will, wird dort immer noch Menschen begegnen, die noch nie einen Europäer gesehen haben.

Fußgängerbrücke über den Irrawaddy Fluss
Fußgängerbrücke über den Irrawaddy Fluss

Wann ist die beste Zeit für Myanmar-Reisen?

Von November bis Februar herrscht der Nordostmonsun und sorgt für kühles, trockenes und sonniges Wetter. März und April sind heiße und sonnige Monate. Die Regenzeit dauert von Mai bis Ende Oktober, wenn der Monsunwind aus Südwest kommt. Die Temperaturen sinken in dieser Zeit kontinuierlich ab, während die Luft sehr feucht wird. Besonders im Juli und im August können tropische Wirbelstürme von verheerender Kraft auftreten.

Die beste Zeit für Myanmar-Reisen liegt nach unserer Einschätzung daher zwischen Mitte Oktober und Februar.

Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten:

Das an sich arme Land Myanmar ist reich an Baudenkmälern und kunsthistorischen Schätzen. Wir stellen eine Auswahl vor:

Bagan

alte Königstadt: Bagan
alte Königstadt: Bagan

Die historische Königsstadt besteht aus 2.230 Sakralbauten, die sich auf fast 40 Quadratkilometer verteilen. Heute wird die gewaltige Tempelstadt wieder von der Natur zurückerobert. Wald wächst zwischen den Pagoden und umhüllt sie mit einem mystischen Zauber. Heute ist Bagan zugleich die größte archäologische Stätte in Südostasien.

Der Aufstieg des Königreichs Bagan begann bereits kurz nach 1000 n. Chr. 500 Jahre später erreichte das Königreich seine größte Ausdehnung und entsprach etwa dem heutigen Myanmar. Die Stadt Bagan wuchs zu einer der größten des Mittelalters an und war  um 1500 n. Chr. 15 Mal größer als London! Die meisten Tempel entstanden zwischen 1100 und 1300 n. Chr. und sind neun Feldern zugeordnet. Die acht äußeren repräsentieren die acht (damals bekannten) Planeten, das mittlere Feld ist für Buddha selbst reserviert. Der Bau und der Erhalt der Tempel verschlang gewaltige Summen und führte auch zu einer Erschöpfung der Arbeitskräfte, die an anderen Stellen fehlten. Als der Mongolenführer Kublai Khan das birmanische Reich erreichte, war das Ende des Königreichs schnell besiegelt und es zerfiel.

Hsipaw

Landleben in der Shan Hochebene: Hsipaw
Landleben in der Shan Hochebene: Hsipaw, ©gagarych / Shutterstock.com

Der kleine Ort in der Shan-Ebene hat ein angenehmes, relativ kühles Klima und eine schöne Umgebung. Auf Wanderungen und Radtouren kann man die Padaung- und die Shan-Dörfer erkunden. Im weiteren Umkreis liegen abgeschiedene Bergdörfer, wo bisher nur wenig Touristen hin gelangten.

Inle See

Rundern auf einem Bein: Fischer auf dem Inle -See
Rudern auf einem Bein: Fischer auf dem Inle -See

Der zweitgrößte Süßwassersee in Myanmar ist bekannt durch seine Einbeinruderer sowie die schwimmenden Dörfer und Gärten. Die Häuser der 17 Ortschaften stehen auf Pfählen. Auch die Gärten schwimmen auf dem See. Basis der Felder ist eine fruchtbare, feste Masse aus Sumpferde und Wasserhyazinthen, die mittels Bambuspfählen am Seeboden befestigt sind. Durch die schmalen Kanäle fahren Kanus, die vom Heck aus mit einem Bein gerudert werden. 31 endemische Fischarten kommen im See und den Sümpfen der Umgebung vor, darunter viele Karpfenarten.

Der Goldene Fels von Kyaiktiyo

Buddhistisches Heiligtum: Goldener Fels von Kyaiktiyo
hängt an nur einem Haar Buddhas: Goldener Fels von Kyaiktiyo

Der Golden Rock von Kyaiktiyo gilt den Buddhisten als einer der heiligsten Orte in Myanmar. Der gewaltige Findling, der einem menschlichen Schädel ähnelt, scheint über einem tausend Meter tiefen Abgrund zu schweben. Der Legende nach wird er nur von einem Haar Buddhas gehalten, die Buddha selbst einem Eremiten geschenkt hat. Auf dem vergoldeten Felsen ist ein Stupa errichtet, die 5,5 Meter hohe Kyaiktiyo-Pagode. Im Lauf der Jahrhunderte haben Pilger den heiligen Fels mit Goldblättchen beklebt. Frauen dürfen das Heiligtum allerdings nicht berühren.

Yangon

multikulturelle Hauptstadt Birmas: Yangon mit Shwedagon Pyramide
multikulturelle Hauptstadt Birmas: Yangon mit Shwedagon Pyramide

Die Stadt mit dem deutschen Namen Rangun ist mit fünf Millionen Einwohnern die größte in Myanmar und war bis 2005 auch Hauptstadt. Mehr als in anderen Städten Südostasiens ist das koloniale Erbe zu spüren. An breiten Boulevards stehen noch viele Villen mit prachtvollen Fassaden aus der britischen Epoche. Der Grundriss ist schachbrettförmig, die Straßennamen sind auf Birmanisch und Englisch geschrieben. Eindrucksvoll ist ein Streifzug durch die multikulturelle und multireligiöse Stadt, deren Mittel- und Orientierungspunkt die Shwedagon-Pagode ist. Das bedeutendste Heiligtum des Landes ist zugleich Pilgerstätte für Buddhisten aus aller Welt.

Weiterführende Links

Umfulana-Reisen nach Myanmar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.