Von Hungerkindern und Piraten: Wie Nikolaus nach Bari kam




In Myra, das heute zur Türkei gehört, half er Kindern während einer Hungersnot. Doch seine Gebeine liegen im süditalienischen Bari. Dort erst wurde er wirklich berühmt – 700 Jahre nach seinem Tod.

Vom kleinasiatischen Bischof zum Heiligen von Bari

Stadt des historischen Nikolaus: Myra in Kleinasien
Stadt des historischen Nikolaus: Myra in Kleinasien

Am 6. Dezember 326 starb der Heilige Nikolaus. Es war Bischof von Myra gewesen, einer antiken Stadt an der kleinasiatischen Küste. Zahllose Wundergeschichten werden über ihn erzählt. Stürme soll er gestillt und Kornwunder vollbracht haben. Historisch belegt ist, dass er während einer Hungersnot einem Getreideschiff Korn abgehandelt hat und dies armen Kindern Kindern zukommen ließ. Er wurde in der Kirche von Myra beigesetzt, wo seine Gebeine angeblich weitere Wunder bewirkten.

700 Jahre nach seinem Tod ist das römische Reich zusammengebrochen. In seinen Ruinen blühen mächtige italienische Seestädte. Sie sind alle christlich und beziehen ihr Renommé auch aus ihren Heiligen: Venedig hatte den Markus, Neapel den Januarius (einen frühchristlichen Märtyrer), Genua hatte die Gebeine von Johannes dem Täufer und Salerno den Evangelisten Matthäus. Nur Bari war leer ausgegangen. So beauftragten die Kaufleute der Stadt eine Piratenbande, nach Myra zu segeln und die Gebeine des Heiligen Nikolaus zu rauben. Sie hatten leichtes Spiel, weil die Bewohner der Stadt vor den fortgesetzten Angriffen der Seldschuken in die Berge geflohen waren. Am 7. Mai 1087 landete das Räuberschiff mit dem legendären Heiligen im Hafen von Bari. Die Ankunft löste ein Freudenfest aus – und einen gewaltigen Pilgerstrom. Mit einem Schlag war Bari einer der wichtigsten Wallfahrtsorte in Europa.

Von dem Geld, das die Pilger in Bari ließen, wurde eine großartige Kirche gebaut, die zum Urbild der apulischen Romanik wurde. Nach über hundert Jahren Bauzeit wurde die Basilica San Nicola vom Papst persönlich eingeweiht. Besonders ihre Krypta, wo die Gebeine des Nikolaus ruhen,  ist ein wunderbarer Ort von spiritueller Kraft. 26 antike Säulen tragen den mystischen Raum, einige von ihnen sind mit Bestien und Fratzen verziert.

Festa di San Nicola

Wo die Gebeine des Heiligen Nikolaus ruhen: San Nicola, Bari
Wo die Gebeine des Heiligen Nikolaus ruhen: San Nicola, Bari

Wer in Bari das Fest des heiligen Nikolaus  feiern will, muss allerdings im Frühjahr kommen. Jedes Jahr wird vom 7. bis 9. Mai die Ankunft des Schiffs gefeiert. Die Straßen und Plätze werden geschmückt. Die Statue des Sankt Nikolaus wird in einer Prozession von der Basilika bis zum Hafen getragen. Über 400 Personen in historischen Kostümen begleiten sie. Auf einem Boot umrundet man dann damit die Bucht.

Bari: eine Reise wert

archaisch und nicht herausgeputzt: Altstadt von Bari
archaisch und nicht herausgeputzt: Altstadt von Bari

Auch ohne den Heiligen Nikolaus ist Bari eine Reise wert. Die Altstadt ist ein mittelalterliches Gewirr aus Gassen und Treppen,  verwunschenen Plätzen und lauschigen Hinterhöfen, Kirchen und vorchristlichen Relikten. Eine Spaziergang durch das Centro Storico führt zu Spuren der Araber und Normannen und vor allem zum deutschen Kaiser, Friedrich II., unter dem Bari einen Aufschwung sondergleichen erlebte. Bis heute wirkt Bari archaisch und süditalienisch chaotisch. Wäscheleinen hängen über die Straße. Geschäftssinn und Weltläufigkeit finden sich direkt neben Armut und Kriminalität.

Sehenswertes um Bari: Castel del Monte

rätselhaftes Kaiserschloss: Castel del Monte
rätselhaftes Kaiserschloss: Castel del Monte

Das von Kaiser Friedrich II. selbst entworfene Schloss liegt weithin sichtbar auf einem Hügel rund 18 Kilometer südlich von Adria und gilt als die Krone Apuliens. Der 1240 fertig gestellte Bau ist achteckig und hat an jeder Ecke einen 24 Meter hohen, ebenfalls achteckigen Turm. Von außen wirkt die Burg schroff und abweisend, innen ist sie verschwenderisch mit orientalischen, byzantinischen und antiken Schmuckelementen ausgestattet. Die außergewöhnliche Gestalt des Kaiserschlosses bleibt trotz vieler wissenschaftlicher Theorien und Spekulationen ein Rätsel. Ist der Baukörper nach astronomischen Berechnungen angelegt oder verkörpert das Oktogon die Synthese von himmlischem und irdischem Jerusalem? Seit 1996 ist Castel del Monte Weltkulturerbe und ist im Sommer ganztägig und im Winter vormittags geöffnet.

Ostuni: ein Hauch von Orient

die weiße Stadt Apuliens: Ostuni
die weiße Stadt Apuliens: Ostuni

Ostuni wird auch die „Città bianca“ genannt, weil alle Häuser mit Ausnahme der Kirchen weiß getüncht sind. Ein Hauch von Orient liegt über den engen, von Bögen überspannten Gassen und den unübersichtlich ineinander geschachtelten Häusern mit vielen Außentreppen. Die dunkelgrünen Fensterläden, die zum Trocknen aufgehängte Wäsche und rosafarbene Bougainvilleen setzen Farbtupfer. Schon im Mittelalter war Ostuni weißgekalkt. So wurde es in den engen Gassen heller. Außerdem soll der Kalkanstrich vor der Ausbreitung der Pest schützen. Rund um die Altstadt führt eine Panoramastraße mit weiten Ausblicken über das flache Umland.

Trani: staufische Basilika an der Adria

Trani: Staufische Schönheit an der Adria
Trani: Staufische Schönheit an der Adria

Die Stadt gehört zu den sehenswertesten Städten Apuliens und liegt auf einem Landvorsprung mit einer mittelalterlichen, dem Meer zugewandten Schauseite. Hoch über der See ragt die normannisch-staufische Basilika aus dem 12. Jahrhundert empor. Wegen ihrer geometrisch-plastischen Klarheit wird sie oft mit Castel del Monte verglichen, der nahegelegenen Residenz von Kaiser Friedrich Barbarossa. Von Trani aus läßt sich die nördlich gelegene Halbinsel von Gargano (Sporn des Stiefels) erkunden, deren einzigartige Schönheit heute durch einen Naturpark geschützt ist.

Unser Übernachtungstipp: Masseria Il Frantoio

Apulien von seiner schönsten Seite: Masseria
Apulien von seiner schönsten Seite: Masseria

Masseria nennt man die großen Landgüter in Süditalien und Sizilien, die Hunderte von Tagelöhnern oder Leibeigenen beschäftigten und als Wirtschaftsbetrieb weitgehend autark waren. Eine besonders wohlhabende Masseria mit einem eindrucksvollen Gutshaus aus dem 17. Jahrhundert liegt zwischen dem historischen Ostuni und Fasano. Vor einigen Jahren kauften Armando and Rosalba Balestrazzi das etwas heruntergewirtschaftete Gut, renovierten das Haupthaus mit viel Liebe, Geld und Geschmack und öffneten es für Gäste. Auf dem Land betreiben sie eine Bio-Landwirtschaft, wo Wein, Öl, Marmelade und Kräuter produziert werden. Davon profitiert die Küche des Hauses. Das Dinner gehört zum besten, was die kulinarisch verwöhnte Region Apulien zu bieten hat. Armando, früher ein führender Manager in einem Nahrungsmittelkonzern, ist ein liebenswerter und interessanter Gastgeber. Zum Meer und zum nächsten Badestrand sind es 5 km; es wird auch ein Shuttleservice angeboten.

Weiterführende Links

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