Wo im November noch die Sonne scheint




Der November ist vermutlich einer der traurigsten Monate in Deutschland, fand schon Heinrich Heine. Eigentlich ein guter Monat zum Verreisen. Aber wohin? Auch in Frankreich herrscht dann weitgehend Hochnebel, von den Britischen Inseln ganz zu schweigen. Selbst in weiten Teilen Italiens frieren die Menschen in ihren oft nur schwer zu beheizenden Häusern und haben es noch ungemütlicher als wir.

Kennen Sie Orte in Europa, die eine Reise im November lohnen?

Wie wäre es mit einer Städtereise in den äußersten Süden? Nach Palermo? Schon vor 800 Jahren haben sich dort deutsche Winterflüchtlinge gesonnt und sensationelle Bauten hinterlassen, die zu den beeindruckendsten Denkmälern Siziliens gehören. Wer dann noch weiterfahren will, nimmt die Personenfähre nach Salina und bleibt ein paar sonnige Tage auf der Äolischen Insel.

Byzantinische Mosaiken, deutsche Kaisergräber und Elendsviertel

Palermo: Piazza Pretoria
Palermo: Piazza Pretoria

Die in einer schönen Bucht gelegene Hauptstadt Siziliens vereint in sich denkbar große Kontraste. Der Glanz byzantinischer Mosaiken und Elendsviertel, deutsche Kaisergräber und gesichtslose Vorstädte, arabische Kuppeln, barocke Kirchen, das Grab der heiligen Rosalie und den „Liebestunnel“, die Stille von Museen und das Geschiebe und Gedränge auf Märkten und am Hafen machen die komplexe Wirklichkeit der 700.000 Einwohner zählenden Stadt aus. Sie ist über Jahrtausende gewachsen und besteht aus den verschiedensten Schichten. Von Phöniziern im 7. Jahrhundert v. Chr. gegründet, wurde sie von den Karthagern erobert, die wiederum von den Römern abgelöst wurden. Anschließend wurde sie von Ostgoten beherrscht, danach von Byzanz, den Sarazenen, den Normannen, dem französischen Anjou, dem spanischen Aragon, bis es 1860 zu Italien kam. Der glänzenden Geschichte steht eine schillernde Gegenwart gegenüber, die durch die höchste Arbeitslosigkeit, das niedrigste Pro Kopf Einkommen in Italien, aber auch durch buntes Marktleben und eine interessante kulturelle Szene geprägt ist.

Armenviertel Albergheria: Eintauchen in eine sinnliche Welt

sinnliche Märkte: Albergheria
sinnliche Märkte: Albergheria

Im Mittelalter war das Viertel hinter der Via Vittorio Emmanuele ein Quartier für Händler und Handwerker. Nachdem es im 2. Weltkrieg zerstört worden war, ist es heute das Armenviertel der Stadt. Viele Häuser sind immer noch nicht renoviert; ab und zu stürzt eins ein. Zugleich ist die Albergheria Palermos buntestes Viertel. Abenteuerliche Baumaterialien kommen zur Verwendung. Auf dem Ballarò-Markt werden Fisch, Fleisch und Kupfergeräte in buntem Durcheinander angeboten. Entsprechend sinnlich sind die Gerüche, Geräusche und Farben.

Ruine Lo Spasimo: Groovige Jazzkonzerte in eingestürzter Kirche

spiritueller Ort: La Spasimo
spiritueller Ort: La Spasimo

Einer der schönsten Orte in Palermo ist die Ruine der einzigen gotischen Kirche La Spasimo. Während der Pest 1624 wurde das Gebäude als Lazarett benutzt, danach als Kornspeicher, Armenhaus und Krankenhaus. Nachdem das Dach eingestürzt war, wuchsen Bäume im Kirchenschiff. Heute ist die Ruine wieder zugänglich; sie beherbergt eine Jazzschule und dient als Konzertsaal.

Monte Pellegrino: Aussichtsberg von Palermo

Sicht vom Hafen in Palermo: Monte Pellegrino
Sicht vom Hafen in Palermo: Monte Pellegrino

Schon Goethe bestieg den 606 Meter hohen Berg und bezeichnete ihn als „schönstes Vorgebirge der Welt“.  Nachdem man 1625 den Leichnam der Heiligen Rosalia in einer Höhle unterhalb des Gipfels fand, entwickelte sich der bewaldete Berg zu einem Wallfahrtsort. Wer ihn besteigt wird, mit einer fantastischen Aussicht über Palermo und Mondello belohnt. An klaren Tagen kann man bis Cefalù schauen. (4 Stunden, 12,8 Kilometer, auf und ab: 520 Meter)

Monreale: Superlative der Normannenkunst

normannisch, arabisch, byzantinisch: Kathedrale von Monreale
normannisch, arabisch, byzantinisch: Kathedrale von Monreale

Die 30.000-Einwohner-Stadt blickt auf Palermo hinab und lockt mit Superlativen der Normannenkunst. Das berühmteste Bauwerk ist die Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert – eine Symbiose aus romanischer, arabischer und byzantinischer Baukunst. Im stillen Kreuzgang kann man seine Gedanken durch die Jahrhunderte streifen lassen.

Übernachtungstipp für Palermo: Designerhotel am Corso Vittorio Emanuele

geschichtsträchtig und zentral: Hotel am Corso Vittorio
geschichtsträchtig und zentral: Hotel am Corso Vittorio

Wer die Altstadt von Palermo zu Fuß erkunden will, findet in dem Designerhotel am Quinto Canto eine gute Bleibe. Dafür ist es mit dem Auto nicht leicht zu erreichen. Wer dennoch mit dem Auto anreist, kann den Schlüssel einem Mitarbeiter geben, der den Wagen auf einen bewachten Parkplatz bringt. Die Zimmer verteilen sich auf mehrere geschichtsträchtige Gebäude, die ansprechend renoviert sind. Neben der Rezeption in einem überdachten Innenhof gibt es ein Restaurant, das solide sizilianische Küche und ein paar innovative Gerichte serviert. Das Frühstück findet in einem netten Ambiente statt und ist für italienische Verhältnisse gut.

Ausflug zu den Äolische Inseln

azurblaues Wasser: Äolische Inseln
azurblaues Wasser: Äolische Inseln

Das Archipel 30 bis 80 Kilometer nördlich von Messina ist nach Äolos, dem griechischen Gott des Windes, benannt, der hier mächtig weht, weil die Inseln sein Zuhause sind. Schon vor Jahrtausenden hat er Odysseus hier beherbergt. Die Äolischen Inseln sind im Meer versunkene Vulkane, von denen zwei, der Vulcano und der Stromboli, noch aktiv sind. Rings um die Inseln ist das Meer kristallklar und azurblau. Aufgrund des bis in den November warmen Klimas wachsen hier Bananen und viele andere subtropische Pflanzen. An den Steilküsten gibt es wenig Badestrände, weshalb die Inseln weitgehend vom Massentourismus verschont blieben. Wanderer dagegen finden hier hervorragende Möglichkeiten. Ausflüge zu den Äolischen Inseln macht man am besten von Milazzo aus.

Salina: Vulkaninsel mit subtropischer Vegetation

Vulkaninsel vor Sizilien: Salina
Vulkaninsel vor Sizilien: Salina

Salina liegt nordwestlich der Hauptinsel Lipari. Sie ist mit knapp 30 Quadratkilometern die zweitgrößte der Äolischen Inseln. Das Erscheinungsbild der Insel prägen die Zwillingsvulkane Monte Fossa delle Felci (962 m) und Monte dei Porri (860 m). Im Gegensatz zu den anderen Inseln des Archipels hat Salina eine Süßwasserquelle und ist dadurch reich an Vegetation. Bis auf die unmittelbare Umgebung der Orte und einen schmalen Küstenstreifen im Nordosten steht die ganze Insel unter Naturschutz. Der Fährhafen der Insel befindet sich in Santa Marina Salina, eine weitere Schiffsanlegestelle gibt es in Rinella.

Unser Übernachtungstipp für Salina: Strandhotel bei Malfa

schönstes Hotel auf Salina: Weiler bei Malfi
schönstes Hotel auf Salina: Weiler bei Malfi

Das Strandhotel mit Beauty-Spa-Bereich, in Panoramalage auf der Nordseite der Insel, ist aus einem Fischerdorf hervorgegangen, das sorgsam restauriert und umgestaltet wurde. Im Hauptgebäude befinden sich die Bar, Restaurants und alle anderen öffentlichen Räume. Die Chalets für die Gäste liegen versteckt im Garten. Die Küche ist traditionell sizilianisch, verarbeitet also vorwiegend frischen Fisch und Gemüse. Vom Swimmingpool sieht man den Stromboli und Panarea.

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