08.09.2010

Botswanareise von Ulrich Schneider

Herzlichen Dank für die exzellente Organisation

Hallo Frau Schloßmacher,

zunächst einmal ganz herzlichen Dank für die exzellente Organisation, die uns eine Reise ermöglicht hat, an die wir unser ganzes Leben mit Freude zurückdenken werden.

Bevor der Reisebericht „in epischer Breite“ folgt, hier einige Aussagen für „Querleser“:

- Wir waren 14 Tage unterwegs, zunächst als Selbstfahrer „um den Norden Botswanas herum“, mit einem Abstecher zu den Viktoriafällen und zum Schluss drei Tagen in einem Camp im Okavango-Delta.

- Die Reise war „dramaturgisch“ perfekt aufgebaut, das Erleben steigerte sich immer weiter bis zum Schluss, auch was die Unterkünfte betrifft, die wirklich sehr individuell waren.

- Außer dem Bestaunen der berühmten Tierwelt gab es auch reichlich Gelegenheit, die Menschen und ihre Lebensumstände und Traditionen kennen zu lernen.

- Alle Unterlagen, die von Umfulana in der in anderen Berichten schon erwähnten „schwarzen Mappe“ zusammen gestellt waren, entsprachen den tatsächlichen Verhältnissen und waren sehr hilfreich und detailliert.

- Zwei (kleine) Kritikpunkte: AVIS Botswana, obwohl zu einem Weltkonzern gehörend, ist wohl von Deutschland aus nicht wirklich im Griff zu halten. Hat für uns zwar keine ernsthaften Probleme verursacht, hätte aber auch anders laufen können (siehe Bericht)... Außerdem wäre gerade für Selbstfahrer von Interesse gewesen, dass die Mobilfunk-Netzabdeckung in Botswana entlang der großen Straßen zwar exzellent ist, die Telekom als größter deutscher Anbieter aber mit keiner botswanischen Gesellschaft ein Roaming-Abkommen hat.

- Bei aller Begeisterung, die wir empfunden haben: jeder muss selbst wissen, was er will.:Wer nur möglichst bequem und schnell die „big five“ sehen möchte und die Qualität einer Unterkunft nach der Größe des Wellnessbereichs oder der Anzahl der Restaurants bemisst, wird von solch einer Reise enttäuscht sein – allen anderen können wir sie nur wärmstens empfehlen! Wir selbst werden Wiederholungstäter, wenn es irgendwie machbar ist!

Und nun zum eigentlichen Reisebericht.

Ankunft in Maun nach ca. 20 h Flug, ein „Dumela, Mma“ bringt gleich ein Lächeln auf das Gesicht der Dame am immigration desk. Einige Brocken auf Setswana sind durchaus manchmal ein „Türöffner“, denn die Menschen in Botswana wirken im Gegensatz zu denen in Zimbabwe oder Südafrika oft en wenig zurückhaltend und scheu. (Wer´s probieren will: siehe http://www.youtube.com/watch?v=1niRGxat1rU oder weniger stressig weil langsamer http://www.botswanatourism.co.bw/language). Draußen zunächst bis auf den allgegenwärtigen feinen weißen Staub wenig Auffälliges, bis uns nach Abholung des Mietwagens eine erste Fahrt durch die Welt der Hütten und der Esel führt. Wir übernachten im Cresta Riley´s Hotel, an dem es aus unserer Sicht als Etappenübernachtung wirklich nichts auszusetzen gibt. Einkaufen ist in mehreren Supermärkten problemlos möglich, so dass wir uns für die Reise mit Wasser und Notproviant ausstatten können.

Am nächsten Morgen geht es auf den 350 km langen Bogen westlich um das Delta Richtung Caprivi-Zipfel in Namibia. Die langen Straßen und die geringe Besiedlung in teilweise sehr ursprünglich-ärmlichen Hütten sind ganz neue Eindrücke für uns. Und immer wieder diese schönen Rinder an den Straßenrändern, an denen wir dann doch lieber recht vorsichtig vorbeifahren. In Anbetracht dessen, dass alle von sehr viel Regen und Wasser (für botswanische Verhältnisse) gesprochen hatten, entschließen wir uns zu einem Abstecher an den Lake Ngami, den einige Beschreibungen schon als endgültig ausgetrocknete flache Pfanne beschreiben – von wegen! Wir kommen gar nicht bis zum See, da die Straße schon weit vorher hoffnungslos überflutet ist. Dies überrascht auch zwei auf dem Weg dorthin befindliche einheimische Wissenschaftler, mit denen wir ins Gespräch kommen, und von denen der eine mehrere Jahre in Koblenz gewohnt hat – die Welt ist wirklich klein.

Nach einem vergeblichen Versuch, in der Siedlung Etsha 6 die dort angekündigte Kooperative von Korbmacherinnen zu finden und einem bemerkenswerten Tankstop an einer Open-Air-Markentankstelle (ohne Dach, ohne Hütte, nur zwei Zapfsäulen auf einem freien Platz und eine recht unfreundliche Tankwartin) in Shakawe sammeln wir die erste Erfahrung mit einem Grenzübertritt: die Einreise nach Namibia steht an. Hierfür ist ein „permit“ erforderlich, da amtlich festgestellt werden muss, dass es auch der richtige Wagen mit der richtigen Fahrgestellnummer, der richtigen Motornummer etc. ist, der hier das Land verlässt. Dieses permit war von Umfulana vorab beantragt und sollte uns schon bei der Anmietung ausgehändigt werden. Dies besonders, da wir später auch nach Zimbabwe einreisen wollten, was wohl noch verdächtiger ist. Nur wussten die freundlichen Damen bei AVIS in Maun davon nichts, was uns dann doch einen gehörigen Schrecken einjagte, da unsere Route ja insgesamt vier Grenzübertritte vorsah. Für Namibia sei das aber kein Problem, so beruhigte man uns, da würden sie selbst ein Formular ausfüllen, nur Zimbabwe, da müssten wir in Kasane auf die Polizei gehen, aber die Kolleginnen dort würden uns dabei helfen. Ein ungutes Gefühl blieb jedenfalls. Auch ohne polizeilichen Stempel wird unsere Nummernsammlung an der Grenze nach Namibia akribisch in diverse Listen kopiert, und nach Zahlung einer Gebühr für diesen wichtigen Verwaltungsakt sowie Ausfüllen der obligatorischen Einreiseformulare geht es dann auch ohne Probleme weiter. Bei allem Umstand in den Prozeduren sind wir übrigens an keiner Grenzen jemals unfreundlich oder unkorrekt behandelt worden.

Die Mahangu Lodge erweist sich trotz eines fatal an Werbesprüche in spanischen Ferienhochburgen erinnernden Schildes („Wir sind deutsch“) als ebenso nette wie landschaftlich reizvoll am „Pfannenstiel“, wo der Okavango noch ein ungeteilter großer Fluss ist, gelegene Unterkunft. Der Sprache nach hat die Chefin, die morgens übrigens ein sagenhaft gutes Omelette serviert, aber eher niederländisch/burische als deutsche Wurzeln. Abends sehen wir eine Elefantenherde am Fluss, und am nächsten Morgen geht es auf unseren ersten „game drive“ in den Mahangu-Nationalpark. Der wird eine ziemlich kalte (bei 5oC auf dem offenen Geländewagen – im Juli und August ist wohl eine richtige warme Jacke eher angebracht als ein Pullover) aber auch sehr persönliche Angelegenheit – nur Theo, der sehr aufmerksame Guide, und wir. Auch wenn wir später mehr Tiere auf engerem Raum sehen werden – verschiedene Antilopenarten, Flusspferde, Büffel und Affen neben einer Vielzahl teilweise äußerst bunter Vögel finden wir für den ersten Tag nicht schlecht. Und das setzt sich bei der abendlichen Bootsfahrt auf dem Fluss noch fort.

Der nächste Tag ist ein Reisetag, nach einem Besuch der Popa Falls genannten, na ja sagen wir mal: Stromschnellen, geht es schnurgerade den „Golden Highway“ nach Westen Richtung Kongola. Da wir früh dran sind, fahren wir von dort ca. 15 km nach Norden zum „Living Museum“ des Mafwe-Stammes (Siehe http://www.lcfn.info/en/mafwe/mafwe-home). Für ca. 12 Euro pro Person erhalten wir zwei Stunden exklusiven Einblick in traditionelle Musik und Tänze, Handwerk und Ernährung, wobei wir von der offensichtlichen Freude, mit der alle bei den Vorführungen mitmachten, sehr angetan waren. Wir selbst wären als Fallensteller allerdings eher Versager gewesen... Für einen Gang durch das „modern village“ fehlt uns leider die Zeit – von außen sieht es für uns jedenfalls nicht soooo sehr viel anders aus als das traditional village.

Nach insgesamt 60 km auf sehr gut instandgehaltenen Staubpisten erreichen wir Lianshulu Lodge am Kwando River, den wir nach zweimaligem Namenswechsel später als Chobe River bei Kasane wiedersehen werden. Die Lodge gefällt uns außerordentlich gut – wo gibt es schon ein großes Hauptgebäude eines Hotels, von dem man praktisch gar nichts sieht. Vollständig in einen alten Baumbestand auf dem hohen Flussufer hineingebaut, mit vielen natürlichen Baumaterialien und zum Fluss hin komplett offen wirkt alles sehr gepflegt und freundlich, was auch ganz dem Wesen des neuen Managers Johann, eines Namibiers mit jahrzehntelanger Erfahrung im Führen solcher Unterkünfte, entspricht. Das Essen auf der großen Terrasse am Flussufer ist sehr gut, und die Sonnenuntergänge, die wir in Lianshulu erlebt haben, waren die spektakulärsten auf unserer Reise.

Die Vorschrift, nach Einbruch der Dunkelheit nur in Begleitung von Angestellten durchs Camp zu gehen, halten wir zunächst für Folklore – bis wir am nächsten Morgen den frischen Elefantendung vor unserer sehr großzügigen und mit einer schönen kleinen Veranda zum Fluss hin gelegenen Hütte finden. Auf den mangels großer Tierzahlen von „game drive“ in „nature drive“ umbenannten Ausflug verzichten wir und fahren dafür selbst in ein weiteres, nahegelegenes traditional village, Lizauli. Auch das ist sehehenswert, aber nach unserer Empfindung schon etwas touristischer als das Mefwe-Dorf. Nachmittags machen wir dann eine Bootsfahrt auf dem Kwando River, die uns eine mit weiten Sümpfen und Inseln eine ganz andere Landschaft zeigt als in Mahangu. Elefanten, Hippos, einer der scheuen Buschböcke, Paviane, Seeadler und wieder viele Vögel, darunter ein Malchiteisvogel aus nächster Nähe sind die „Ausbeute“ der wunderschönen Fahrt.

Nach der relative ereignislosen Weiterfahrt mit dem Auto nach Kasane zur Chobe Safari Lodge, einer relativ großen aber angenehmen Hotelanlage (Essensangebot vielfältig, aber eher uninspiriert), steht am folgenden Tag der flussnahe Teil des Chobe Elephant Parks auf dem Programm. Wir entschließen uns, wenigstens einmal unser 4x4 zu nutzen und selbst in den Park zu fahren. Die Beobachtungsmöglichkeiten für Tierwelt an der „Waterfront“ und auch im Parkinneren sind, zumindest zu dieser Jahreszeit, fantastisch und werden zu Recht in allen Führern gelobt. Der Sand auf den Pisten ist aber so tief, dass wir uns doch sicherheitshalber an die viel befahrenen halten und auf allzu individuelle Abstecher verzichten – zu sehen gibt es auch so mehr als genug.

Leider müssen wir uns sputen, um rechtzeitig vor der Mittagspause den zweiten Teil des Abenteuers „Ausreise-permit für den Mietwagen“ anzugehen. Die Dame bei AVIS ist freundlich bemüht, weiß auch um was es geht, kann aber vor Mittag nicht helfen, da sie allein ist und noch Abholer erwartet. Also Verabredung für Viertel vor zwei im Polizeihauptquartier von Kasane. Um es kurz zu machen: nach etlichem Verhandeln und Improvisieren habe ich eine Stunde später das gestempelte Papier in der Hand, und zwei Minuten vor Abfahrt des Bootes für die Tour auf dem Chobe River erreiche ich den Steg an der Chobe Safari Lodge, wo meine Frau schon überlegt, ob sie wirklich ohne mich fahren soll. Fünf Minuten später, und nicht nur das Geld für die Tour wäre futsch gewesen, sondern ich hätte auch einen der Höhepunkte der ganzen Reise verpasst, und das alles wegen einer Bescheinigung, die vorab auszustellen AVIS offenbar keine Lust hatte.

Ein Tipp für die Bootsfahrt: schon bei der Buchung darauf bestehen, auf ein kleines Boot zu kommen. Dort gibt es zwar weder Oberdeck noch Dixie-Toilette, aber dafür fahren die kleinen Boote wesentlich dichter ans Ufer und damit an die Tiere heran. Frühzeitige Buchung (Reisepass nicht vergessen!) am Vortag oder frühen Morgen ist unbedingt ratsam! So viele verschiedene Tiere auf engem Raum haben wir nirgendwo sonst gesehen, und mit unserem Bootsführer haben wir einen extrem kompetenten Guide „erwischt“, der sehr viel Neues und Interessantes zu erzählen wusste und mit Flusspferden und Elefanten geradezu „per Du“ zu sein schien.

Das vermeintliche Abenteuer Einreise nach Zimbabwe am folgenden Tag erweist sich eher als etwas langwierig bzw. langweilig, und nach dem tatsächlichen Sinn der verschiedenen offiziellen Gebühren etc. fragen wir gar nicht erst, wir sind ja darauf vorbereitet. In Anbetracht des Devisenbedarfs des Landes sollte man die 80 km/h Beschränkung jenseits der Grenze übrigens durchaus ernst nehmen... Der Ort Victoria Falls ist sehr touristisch geprägt, und wie erwartet gibt es auch jede Menge bettelnde Kinder und fliegende Händler, die alte zimbabwesche Geldscheine verhökern wollen. Wir schauen uns daher nur den Bahnhof und die umfangreiche Anlage des Victoria Falls Hotels als Relikte kolonialer Vergangenheit an, was auch problemlos möglich ist, da wir als Touristen nicht von den Hausgästen zu unterscheiden sind. Tee auf der Terrasse ging leider nicht, weil gerade lunch time war.

Dann fahren wir, teilweise über eine reifenzerfetzende Stein- und Sandpiste, zur Gorges Lodge gut 20 km außerhalb. Wenn es die nicht gäbe, würden wir anderen Reisenden eher vorschlagen, die Victoria Fälle in einem Tag von Kasane aus mit einem Tour-Operator zu besuchen, aber dann würde man den fantastischen Aufenthalt in den „hängenden Gärten“ auf der Kante der Sambesi-Schlucht verpassen und die große Gastfreundlichkeit von Management und Personal der Lodge – wir haben viel geredet und gelacht dort. Und falls jemand da hinfahren sollte: bitte für Phineas eine kleine deutsch/englische Grammatik mitnehmen – Versuche, ihm so etwas zu schicken, scheiterten wohl bisher an den Forderungen des zimbabweschen Zolls. Der ultimative Höhepunkt war, als er zum „Abschiedsfrühstück“ die Butter mit dem schön eingerahmten Spruch „Ende gut, alles gut!“ verzierte

Am nächsten Tag dann wieder der mühsame Weg in die Stadt und die Besichtigung der Wasserfälle. Der Eintrittspreis beträgt für Ausländer inzwischen happige 30 Dollar, trotzdem ist dieses Naturwunder natürlich einen Besuch wert. Lohnenswert auch trotz der erneuten Grenzkontrolle ein Fußmarsch auf die legendäre Brücke über die Sambesischlucht, die sich im „Niemandsland“ zwischen Zimbabwe und Sambia befindet und heute ein Mekka für Bungee-Jumping und ähnliche magenverdrehende Aktivitäten ist. Spannend auch zu beobachten, wer so alles mit welchem Gepäck diesen Grenzübergang passiert. Für den Rest des Tages ist für uns dann relaxen im zauberhaften Ambiente der Gorges Lodge angesagt.

Vor der Etappe zurück über die botswanische Grenze und dann südlich nach Nata (rund 400 km) hatten wir ziemlichen Respekt. Es erweist sich aber als nicht gar so schlimm. Die ersten 100 km südlich von Kazangula sind in sehr gutem Zustand, dann folgen 135 km Baustelle (!), wobei aber auf weiten Strecken eine geteerte Ersatzpiste neben der eigentlichen Baustelle herführt, die sich gut befahren lässt. Der Rest nördlich von Nata ist bereits fertiggestellt. Wir kommen daher recht früh in der unserer Meinung nach ganz originellen Nata Lodge an – die Holzhäuser, u.a. mit Badewanne mitten im Zimmer und Außendusche, haben durchaus Charme, und auch ansonsten ist die Anlage sehr gepflegt.

Zum Glück entschließen wir uns, dem Nata Bird Sanctuary noch einen spätnachmittäglichen Besuch abzustatten. Zum einen erleben wir so noch etwas von der eigentümlichen Landschaft der Makgadikadi Pans, die in diesem August noch erhebliche Wassermengen enthalten, und von denen am nächsten Tag beim Durchqueren des gleichnamigen Nationalparks auf der Hauptstraße rein gar nichts zu sehen ist. Zum anderen sind – vielleicht wegen des noch reichlich vorhandenen Wassers – für uns unerwartet viele Flamingos zu bestaunen, wenn auch nur aus einiger Entfernung mit dem Fernglas. Da wir gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Schwedinnen unbedingt den Sonnenuntergang in diesem Ambiente abwarten wollen, haben wir mangels eines Plans des Parks einige Mühe, rechtzeitig vor Torschluss in der Dunkelheit zum Eingang zurückzufinden. Es klappt dann aber gerade noch so.

Einen Tag mehr hätten wir uns hier Zeit nehmen sollen, aber hinterher ist man immer schlauer... So fahren wir am nächsten Tag früh los, um den Wagen pünktlich in Maun abzugeben und unser Gepäck für den Flug ins Delta zu ordnen. In Anbetracht der radarkontrollierten neuen Geschwindigkeitsbeschränkung im Nationalpark und der unvermeidlichen Polizeikontrolle unterwegs können wir nur raten, mehr als drei Stunden für diese Fahrt einzuplanen!

Die Organisation und Betreuung durch Ker&Downey ist perfekt, und der Flug ins Delta mit einer kleinen Maschine bereits ein Erlebnis für sich. Als der Jeep, mit dem uns Aubrey, unser Guide für die nächsten drei Tage, von der Landpiste abholt, am völlig unter hohen Bäumen versteckten Shinde-Camp ankommt, werden wir von einem mehrstimmigen Willkommensgesang des Personals empfangen – und von Snory, dem „Hauselefanten“ der gerade an Zelt Nr. 1 ein paar Büsche niedermacht und uns deshalb zu einem kleinen Umweg zu unserem Luxuszelt Nr. 3 zwingt. Die offene Freundlichkeit aller Angestellten, mit denen wir es zu tun haben, vom „housekeeping“ Personal bis zum Manager, und auch die Atmosphäre unter den Gästen ist sehr angenehm. Schön finden wir auch, dass insbesondere die Guides bei allen Mahlzeiten zusammen mit den Gästen an der Tafel sitzen und essen.

In Anbetracht der Reisestrapazen der letzten zwei Tage entschließen wir uns für den Nachmittag zu einer entspannenden Fahrt im Mokoro (Einbaum). Unser Guide warnt uns, dass wir vielleicht nicht viel an Tieren sehen würden, aber das spielt keine Rolle in Anbetracht des Gefühls, durch diese exotische Flusslandschaft zu gleiten und einfach nur zu genießen. Das Abendessen ist vorzüglich, was auch durchgehend für die anderen Mahlzeiten gilt. Schnell wird uns klar, dass etwas Zurückhaltung angebracht ist, wenn wir nicht in den letzten drei Tagen noch einige Pfund zulegen wollen... Zum Abschluss des Abends versammeln sich alle um ein Feuer auf der Aussichtsterrasse und tauschen bei einem Glas Wein oder Gin Tonic die Erfahrungen des Tages oder andere Reiserlebnisse aus – es gibt durchaus weniger angenehme Ambiente und Themen!

Der Weckdienst am nächsten Morgen bringt gleich je nach Wunsch Kaffee oder Tee ins Zelt, so dass man sich schon für den Weg zum Frühstück stärken kann. Für den Vormittag haben wir uns zu einem game drive entschieden. Es ist wieder bitterkalt, aber dank winddichter Decke und Wärmflaschen (!) auf den Sitzen des Jeeps kein Problem. Aubrey erweist sich als exzellenter Beobachter und Fährtenleser und Fanatiker in punkto Aufsuchen von Raubtieren. Uns ist es recht, denn die „großen Katzen“ fehlen noch in unserer „Sammlung“. Aber zunächst sehen wir etliche andere Tiere, bevor über Funk die Meldung kommt, es seien Löwen gesichtet worden. Und wirklich: kurze Zeit später sehen wir zwei Löwinnen und ein junges Männchen nicht nur aus nächster Nähe, sondern haben auch ausführlich Gelegenheit, ihre (erstaunlich erfolglosen) Jagdversuche zu beobachten.

Trotz der Löwen fahren wir am Nachmittag mit dem Speedboot auf dem Fluss, da wir eine Kolonie von Marabu Störchen sehen wollen. Auf dem Weg dorthin muss der Bootsführer hinter einer Kurve „die Notbremse ziehen“, da uns ein ausgewachsener Elefantenbulle entgegengeschwommen kommt. Er ist über die Begegnung offenbar mäßig erfreut, und so treten wir einen vorsichtigen Rückzug an, bis er auf einem Hippo-Pfad den Fluss verlassen kann, was er dann unter lautstarkem Trompeten auch tut. Die Marabu-Kolonie erweist sich als weiteres Highlight, zu kurios wirken die riesigen Vögel in ihrem Aussehen und ihrem Verhalten. Den „Sundowner“ gibt es auf einer großen Lagune, und wieder einmal macht der afrikanische Sonnenuntergang seinem Ruf alle Ehre.

Gerade zurück im Camp fragt Aubrey, ob wir Lust hätten, in zehn Minuten vor dem Dinner noch auf eine kleine Löwentour zu gehen. Na klar. Zwei Stunden und ebensoviel erfolglose Jagdversuche später meint er, jetzt sollten wir aber besser mal zum Essen zurückfahren, wir könnten ja nachher noch einmal nach den Löwen sehen. Plötzlich sehen wir Lichter im Busch, und staunen nicht schlecht, als dort eine komplette Tafel für die 16 Gäste des Camps aufgebaut ist, inklusive Buschtoilette und Waschbecken. Die Atmosphäre ist absolut zauberhaft, aber wenn wir das geahnt hätten, hätten wir wohl doch eine Fleecejacke mehr mitgenommen... Trotzdem fahren wir anschließend noch einmal in die Vollmondnacht hinaus, um die Löwen zu beobachten. Es ist fast Mitternacht, als wir todmüde aber sehr glücklich im Camp ankommen.

Den nächsten Morgen nehmen wir uns „frei“, auch wenn Aubrey mit einigen anderen seiner Schützlinge schon wieder auf „Löwenjagd“ ist. Aber: die Löwen kommen zu uns! Aufregung im Camp, als die beiden Weibchen recht nahe am Camp vorbeiziehen, offenbar auf dem Weg in ein Jagdrevier auf der anderen Seite des Flusses. Nachmittags dann ein weiterer game drive, auf dem wir die wunderschöne savannenartige Landschaft, Giraffen, Leierantilopen und eine riesige Herde von Rote Litschi Antilopen im Nachmittagslicht genießen können. Auch Löwen sehen wir erneut: zwei ausgewachsene Männchen, die sich erst faul im Gras räkeln, um dann bei Einruch der Dunkelheit auf Jagd zu gehen – diesmal ohne uns.

Viel zu schnell bricht unser letzter Tag an. Den Morgen können wir noch nutzen, und wir entscheiden uns für eine walking safari, auch in Anbetracht des langen Sitzens im Flugzeug auf der bevorstehenden Rückreise. Es ist schon ein anderes Gefühl, „auf gleicher Augenhöhe“ mit den Tieren zu sein, als auf dem Jeep zu sitzen, auch wenn man von dort aus sicher besser sieht. Unser Guide, der mit einem Gewehr vorausgeht, hört auf den beruhigenden Namen „Relax“ (!) – und so wirkt er auch. Ein zweiter Guide bildet die Nachhut, damit kein Schäfchen verloren geht. Ein kleiner Gewissenskonflikt ergibt sich, als nach zwanzig Minuten per Funk die Nachricht kommt, ein Leopard sei gesichtet worden, ob wir nicht kommen wollten. Wir entscheiden uns trotzdem fürs Weitergehen. Dass wir den Leoparden nachher nicht mehr gesehen haben, ist für uns ein willkommener Grund mehr, irgendwann noch einmal in dieses wunderschöne Land zu fahren!

Martina Gehle und Ulrich Schneider



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