Mittelrheintal

Uralte Kulturlandschaft: Rheintal bei Kaub

Uralte Kulturlandschaft: Rheintal bei Kaub © Igor Plotnikov / Shutterstock.com

Burgen, Wein und Fachwerkstädtchen

1.320 Kilometer fließt der Rhein von seiner Quelle am St. Gotthard in der Schweiz bis zu seinen verzweigten Mündungsarmen in den Niederlanden. Seit Jahrtausenden ist er eine der wichtigsten Handelsstraßen Europas. Zwischen Bingen und Koblenz zwängt er sich durch ein tief eingeschnittenes Tal, das zu den schönsten Kulturlandschaften Deutschlands zählt und Welterbe der UNESCO ist. Burgen und Ruinen wechseln mit Weinbergen und malerischen Fachwerkstädten ab. Viele Sagen und Legenden umgeben das Tal; am bekanntesten ist die von der Loreley, die auf einem Felsen sitzend mit lieblichem Gesang und goldenen Haar die Schiffer verzauberte, so dass sie in den gefährlichen Stromschnellen ertranken. Am besten erlebt man das Tal vom Schiff aus auf einer Dampferfahrt von St. Goar nach Kaub.



Sehenswürdigkeiten Mittelrheintal


Bacharach

Mittelalterliches Fachwerkstädtchen im Schatten einer Burg

Victor Hugo notierte während seiner Rheinreise über Bacharach, sie sei „eine der schönsten Städte der Welt“. Hoch über dem Ort thront die mächtige Burg Stahleck aus dem 11. Jahrhundert. Rings umher zieht sich die Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Sie ist eine der am besten erhaltenen Befestigungen am Mittelrhein. Von den 16 Wehrtürmen sind neun bis heute erhalten geblieben. Der Wehrgang an der Rheinfront ist heute öffentlich zugänglich. Seinen offenkundigen Reichtum im Mittelalter verdankte Bacharach dem Weinbau und den Stromschnellen am Binger Loch, die größere Schiffe nicht passieren konnten. Die Ware wurde daher im Hafen von Bacharach auf kleinere Schiffe umgeladen. 


Bahnhof Rolandseck

Vom Treffpunkt der Aristokraten zum Kunstmuseum

Seit dem 19. Jahrhudnert ist der Rolandswerther Rolandsbogen ein Inbegriff rheinischer Romantik. So war es naheliegend, dass die Bonn-Kölner Eisenbahn den Ort als Endbahnhof auswählte. Der Bahnhof sollte so nahe wie möglich am Rhein liegen, um das Umsteigen in die Dampfschiffe zu ermöglichen. Gleichzeitig hat er eine phantastische Aussicht auf den Drachenfels. Von Anfang an war die Bahnhofshalle als klassizistisches Empfangsgebäude für Aristokraten und Prominente ausgestaltet. Tatsächlich kamen Queen Victoria, Kaiser Wilhelm II., Bismarck, Ludwig Uhland, die Gebrüder Grimm, Nietzsche, Brahms, Liszt und viele andere. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte die Bundesbahn das „überdimensionierte Gebäude“ abreißen lassen. Stattdessen wurde er auf Initiative von Hans Arp Atelier für Künstler. 2005 kam ein Neubau des amerikanischen Stararchitekten Richard Meier hinzu. Seit 2007 beherbergt das Arp Museum verschiedene Sammlungen und Ausstellungen.

Zur Website:
arpmuseum.org


Binger Mäuseturm

Von Hungersnöten und menschenfressenden Mäusen

Der ehemalige Wehr- und Wachturm steht auf der Mäuseturminsel im Rhein vor dem Binger Stadtteil Bingerbrück. Er wurde Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut. Sein Name ist vermutlich von der Maut abgeleitet, die hier erhoben wurde. Eindrucksvoller jedoch ist die Erklärung einer Sage: Einst herrschte eine schreckliche Hungersnot im Volk. Der einzige, der noch gefüllte Scheunen hatte, war der Mainzer Erzbischof Hatto. Zu ihm kamen die Leute und flehten ihn um Mehl an. Doch er soll die Bettler in eine Scheune gesperrt und diese anschließend angezündet haben. Die Schreie der Sterbenden lästerte er: „Hört ihr die Kornmäuse pfeifen?“. In diesem Moment stürzten sich Tausende von Mäusen auf den Bischof, der daraufhin in seinem Boot rheinabwärts fuhr und sich in den vermeintlich sicheren Turm flüchtete. Doch die Mäuse folgten ihm auch dorthin und fraßen den hartherzigen Gottesmann. Das alte Gemäuer und die grausige Sage inspirierten während der Rheinromantik im 19. Jahrhundert viele Dichter und Maler.


Bonn

Kurkölnische Residenz in Beethovens Geburtsstadt

Die Stadt am Rhein kann wie das 30 Kilometer nördlich gelegene Köln auf eine 2.000-jährige Geschichte zurückblicken. Ihre Blüte erlebte das römische Castra Bonnensia als Residenz des Kurfürstentums Köln zwischen 1597 und 1794. Gegen Ende dieser Zeit (1770) kam Ludwig van Beethoven hier zur Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg tagte der Parlamentarische Rat und arbeitete das Grundgesetz aus – eine der wesentlichen Voraussetzungen dafür, dass sich Deutschland in der Nachkriegszeit vom Nationalsozialismus lossagen konnte. Von 1949 bis 1991 war Bonn die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Am Marktplatz liegt das 1737 erbaute Alte Rokoko-Rathaus, eines der Wahrzeichen der Stadt. Das Kurkölnische Schloss unmittelbar daneben ist heute das Hauptgebäude der Bonner Universität.


Boppard

Winzerstadt mit großer Geschichte

Die ehemalige Reichsstadt liegt an einer Rheinschleife, dem Bopparder Hamm. Weinbau auf den umliegenden Bergen prägt den Ort ebenso wie der Tourismus. Die Geschichte geht zurück bis in die Altsteinzeit, wie die 13.000 Jahre alten Steinwerkzeugen belegen, die man 2001 in einer Baugrube gefunden hat. Ursprung der Stadt Boppard ist jedoch ein römisches Kastell namens Bodobriga, das die römisch-germanische Grenze sichern sollte und heute ales die am besten erhaltene römische Burg in Deutschland gilt. Die Reste sind im archäologischen Park zu besichtigen. Von der Blüte im Hochmittelalter zeugt die doppeltürmige Severuskirche mit romanischen Wandmalereien. Im Turm der Kurfürstlichen Burg residiert heute das Heimatmuseum.


Gedeonseck

Klettersteig mit toller Aussicht

Den besten Blick über die große Rheinschleife und die Weinbergslage des Bopparder Hamm hat man vom Gedeonseck, zu dem von Boppard ein Sessellift fährt. Oben gibt es ein nettes Aussichtslokal. Im Hinterland beginnt einer der größten Wälder von Rheinland-Pfalz, durch den viele Wanderwege führen. Direkt im Steilhang unterhalb des Gedeonsecks wurde ein Klettersteig eingerichtet, der schwindelfreien und gut gerüsteten Wanderern ein Klettererlebnis mit grandiosem Ausblick bietet. (Hin und zurück: 5 Kilometer, 2:30 Stunden, auf und ab: 260 Meter)

Umfulana Route:
www.komoot.de


Kloster Eberbach

Aufstieg und Fall des mächtigsten Zisterzienserklosters in Deutschland

Am 13. Februar 1136 gründete Abt Ruthard das erste Zisterzienserkloster auf deutschem Boden. Mit zwölf anderen Mönchen war er direkt vom Ordensgründer Bernhard von Clairvaux ausgesandt worden, der die Regel des Heiligen Benedikt besonderds streng auslegte. Die Mönche sollten von der Arbeit ihrer eigenen Hand leben. Die Arbeit begannt mit der Rodung des Urwalds. Bald hatten die extrem hart arbeitenden Mönche ein großes Areal urbar gemacht, auf dem sie Getreide anbauten und Vieh züchteten. Der gut organisierte Betrieb wurde schnell reich. Immer mehr Wein wurde angebaut, der in Köln vermarktet wurde und über die Hanse in alle Welt gelangte. Tochterklöster wurden rheinauf, rheinab gegründet. Zum Reichtum kam die Macht. Die Äbte spielten eine wichtige Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst. Macht und Reichtum waren schließlich Grund für den Niedergang. 1525 plünderten aufständische Bauern das Kloster, das danach aufgelöst wurde und verfiel. Inzwischen ist es wieder aufgebaut. Es gibt ein Weingut, ein erstklassiges Restaurant und ein Hotel. In den mittelalterlichen Räumen finden Konzerte und Tagungen statt. 


Marksburg

Inbegriff deutscher Burgenromantik

Die Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert thront hoch über dem Rhein auf einem 160 Meter hohen Schieferberg. Sie ist die einzige mittelalterliche Rheinburg, die nie zerstört wurde und daher eine lange, wechselvolle Geschichte hat. Wahrscheinlich hat schon um 1117 eine Burg existiert. Hundert Jahre später war sie jedenfalls im Besitz der mächtigen Familie von Eppstein, die die Marksburg als Zollstation nutzte. Mitte des 14. Jahrhunderts erhielt die Burg ihr heutiges, hochgotisches Aussehen. Damals wurde die Markuskapelle gebaut, nach der die Burg fortan benannt wurde. Unter Napoleon war die Burg erst Lazarett und später Gefängnis. Kritzeleien von Insassen sind noch heute in der Kapelle zu sehen. Im Jahr 1900 wurde die vernachlässigte Anlage schließlich restauriert. Heute ist die Marksburg ein Inbegriff mittelalterlicher Burgenromantik und Vorbild für zahllose Fantasieburgen.


Pfalz bei Kaub

Zollburg im Rhein

Die Wasserburg im Rhein gehört neben der Marksburg und der Burg Boppard zu den wenigen unzerstörten und kaum veränderten Burgen im Oberen Mittelrheintal. Sie stammt von Ludwig dem Bayern, der am Anfang des 13. Jahrhunderts auch Pfalzgraf und Deutscher Kaiser war. Da er für dieses Amt viel Geld benötigte, ließ der im Rhein ein Zollburg errichten, um vom regen Handelsverkehr auf dem Fluss zu profitieren. Der barocke Turmhelm, der heute das Aussehen prägt, stammt jedoch erst von 1714. Hundert Jahre später, in der Silvesternacht 1813/14, stand die Burg plötzlich im Fokus der Weltgeschichte, als der preußische Feldmarschall Blücher in einer streng geheimen Aktion mit 60.000 Soldaten, 20.000 Pferden und ebenso vielen Kanonen den Rhein bei Kaub überquerte, um die Truppen von Napoléon Bonaparte zu jagen.


Remagen

Wo die Alliierten den Rhein überquerten

Die Kleinstadt liegt am Rhein zwischen Bonn und der Ahrmündung. Bereits die Römer unterhielten hier ein Kastell. Die Ursprünge sind jedoch vorrömisch. Wahrzeichen der Stadt ist die Apollinariskiche, ein neogotisches Schmuckstück, das der Kölner Dombaumeister Zwirner erbaute. Im Fokus der Weltgeschichte stand Remagen am Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Alliierten die einzige intakte Rheinbrücke in Besitz nahmen und so ihren Siegeszug auf Berlin fortsetzen konnten. Die Brücke stürzte zehn Tage später ein. Im linksrheinischen Brückenpfeiler ist heute ein Friedensmuseum untergebracht. 


Rüdesheim

Weinstuben, Gutshöfe

Die Stadt am südlichen Beginn des Mittelrheins ist zugleich die Hauptstadt des Rheingaus, eines der bedeutendsten Weinbaugebiete Deutschlands. Gleichzeit hat sich der Ort zu einem Magnet für Betriebsausflüge und Busreisen entwickelt. Die zahllosen Weinstuben in der Drosselgasse sind bevölkert von fröhlichen Trinkern. In den Geschäften von Käthe Wohlfahrt kann man ganzjährig Weihnachtsutensilien und Kuckucksuhren kaufen. Hoch über der Stadt erhebt sich das Niederwald-Denkmal, zu dem man wandern oder mit einer Seilbahn fahren kann. Die über zehn Meter hohe Germania-Statue wurde 1871 nach dem Krieg gegen Frankreich errichtet und blickt bis heute drohend nach Westen.




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