Frankreichreise von Heiko - Frankreich - 2017
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07.09.2017

Frankreichreise von Heiko

Überall trafen wir in den gut ausgewählten, einzigartigen Unterkünften auf tolle Gastgeber

Als Alternative zu einem USA-Urlaub hatten wir uns recht spontan und ohne feste Erwartungen für die „Schlösserreise durch die Bretagne“ entschieden. Leider waren wir mit einer Anfrage Mitte März für einen Urlaub in den ersten beiden Juli-Wochen wohl schon recht spät dran, denn drei der usprünglich vorgesehen Chateaus waren bereits belegt und mussten durch „Ersatzunterkünfte“ ersetzt werden. Aber auch diese waren durch Umfulana sorgfältig ausgewählt und genau wie in den verfügbaren Chateaus trafen wir überall auf freundliches und hilfsbereites Personal bzw. liebenswürdige Gastgeber. Ein kleines Schwätzchen lohnte sich immer, kamen doch meistens wertvolle Tipps zu Ausflügen oder Restaurants in der Umgebung dabei herum. Auch mit anderen Reisenden, selten Deutsche, kamen wir schnell ins Gespräch, da es in der Regel keine separaten Tische zum Frühstück gab, sondern eine gemeinsame Tafel.

Los ging es in der Champagne, mit Unterkunft in Épernay. Wir erkundeten zunächst das schöne Dorf Hautvillers und später den Champagner-Keller von Mercier neben unserer Pension in Èpernay, dessen kilometerlange Gänge erst mit einem kleinen Zug erkundet wurden, bevor es zur Champagner-Probe kam. Das Hotel hatte uns das traditionell französische Restaurant „Chez Max“ empfohlen, wor wir uns bei einem der in Frankreich üblichen 3- oder 4-Gang-Menüs auf den Urlaub einstimmten.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter in Richtung Loire-Tal. Das geschichträchtige Chateau in der Nähe von Le Mans ist recht abgelegen, dafür allerdings traumhaft. Sonntags gab es nicht viel Auswahl an geöffneten Restaurants, aber die Gastgeberin konnte uns ein hervorragendes, in einem wunderschönen Garten gelegenes Restaurant empfehlen. Zu den Schlössern der Loire hat man dann einen relativ weiten Weg, aber die Anreise lohnt sich. Insbesondere Schloss Chenonceau bietet einen schönen Anblick mit seiner über einen Fluss gebauten Galerie und Schloss Ussé war interessant mit der in Szenen nachgestellten Geschichte von Dornröschen. Schloss Clos Lucé bietet einen Park, der Leonardo da Vinci gewidmet ist und viele seiner Erfindungen zeigt. Gepflegt und riesig sind die Gärten in Villandry.

Die nächste Station lag dann schon näher an der Bretagne und bot uns die Möglichkeit Nantes zu erkunden. Auf dem Weg besuchten wir allerdings Angers und seine beeindruckende Burg mit einer interessanten Ausstellung zu Wandteppichen die Szenen der Apokalypse zeigen. In Nantes folgten wir einen Tag später dem grünen Pfad und kamen so an allen Sehenswürdigkeiten und vielen Kunst-Installationen der sympathischen und lebendigen Stadt vorbei. Insbesondere den einzigartigen „Grand Éléphant“ der Machines de l'île sollte man sich nicht entgehen lassen. Gastgeber Thomas hatte uns einen Tisch in einem Restaurant ganz in der Nähe empfohlen, wo wir direkt an den Weinstöcken ganz gemütlich zu Abend essen konnten. Den nächsten Abend verbrachten wir mit „französischem Fingerfood“, wie Käse, Salami und Brot auf der Terrasse unserer schön gestalteten Unterkunft.

Nun ging es endlich richtig in die Bretagne, wo wir zwar in Quimper eine „Ausweichunterkunft“ hatten, aber auch die herzlichste und liebenswürdigste Gastgeberin der ganzen Reise, die hervorragende Tipps für uns hatte, z.B. das Restaurant in der alten Priorei, und sich mit Herzblut um ihre Gäste kümmerte. Auf dem Weg nach Quimper besuchten wir u.a. die jahrtausende alten großen Steine von Carnac. Der erste Ausflugstag führte uns erst in das wunderbare Örtchen Locronan, bevor wir uns an der Küste entlang Richtung Westspitze Frankreichs bewegten. Zunächst machten wir einen schönen Spaziergang am Pointe du Millier, besuchten dann Pointe du Van und schließlich Pointe du Raz. Vom letztgenannten waren wir allerdings enttäuscht, denn es war dort total überlaufen und es sah aus wie eine Mondlandschaft, da Pflanzen bei den Besuchermassen keine Chance haben. Die beiden anderen Landspitzen waren da wesentlich idyllischer: Weniger Besucher und eine Natur, die auch noch zu ihrem Recht kommt. Nachdem wir noch die Altstadt von Quimper genossen hatten, gönnten wir uns zur Abwechslung mal hervorragendes indisches Essen. Da wir dort drei Nächte untergebracht waren, ging es schließlich noch einen Tag in den Süden nach Pont-Aven und Concarneau, dessen inselartige Altstadt zwar fast nur Souvenirshops und Restaurants bietet, aber trotzdem beeindruckend ist. Auch die Folk-Band, die regelmäßig zwischen den beiden Stadttoren spielt, fesselte für eine ganze Weile unsere Aufmerksamkeit. Den Abschlussabend dieser Etappe verbrachten wir im Restaurant „La Ferme de L'Odet“ mit einem wunderschönen Blick auf den See südlich von Quimper.

Weiter ging es in den Norden nach Perros-Guirec. Wieder „nur“ eine Ersatzunterkunft, dazu noch Halbpension, von der wir eigentlich auch nach Möglichkeit Abstand nehmen, aber wir hatten großes Glück: Das Hotel liegt direkt an den Klippen, die Zimmer bieten einen fantastischen Blick aufs Meer und zudem wirklich eine ausgezeichnete Küche, sofern man Fisch und Meeresfrüchte mag. Auf dem Weg zum Hotel machten wir noch Station an der ein oder anderen alten Kirche und in Morlaix, wo wir zufällig auf ein bretonisches Volksfest stießen und traditionellen Tanz und Gesang bewundern konnten. In Perros-Guirec waren wir froh, mal eine zentralere Unterkunft in direkter Strandnähe zu haben und mal nicht fahren zu müssen. Wir wanderten an der Küste mit ihren einzigartigen rosafarbenen Granitfelsen entlang, bestaunten Granitskulpturen in einem kleinen Park und gönnten uns auch eine Auszeit am Strand.

„Ostwärts“ hieß dann die Devise, die uns über Cap Fréhel und das direkt an der Küste gelegene und windumtoste Fort la Latte weiter nach St. Malo und zum Mont St. Michel brachte. Die von einer Stadtmauer umgebene alte Korsarenstadt St. Malo hat eine einzigartige Ausstrahlung und ist nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs wirklich mit Rücksicht auf die Historie wieder aufgebaut worden. Am Weltkulturerbe Mont St. Michel kommt man in einem Bretagne-Urlaub quasi nicht vorbei, obwohl er streng genommen natürlich bereits in der Normandie liegt. Nach dem Rückbau des Damms und bei frühem Eintreffen lässt sich der Zauber dieses Ortes tatsächlich noch empfinden. Interessant war für uns auch der Vergleich zum bedeutend unbekannteren St. Michael's Mount in Cornwall, der auch auf einer der Küste vorgelagerten Insel aufgebaut wurde. Besonders freuten wir uns über die Empfehlung unseres Schlossherrn dieser Etappe, nämlich nach Dinan zu fahren: Eine wunderbare alte Stadt mit Stadmauer und steilem Weg zum Hafen runter. Damit die oft spät anreisenden Gäste nicht mehr fahren müssen, wird im Schloss ein Abendmenü angeboten. Im Nebengebäude isst man bei einer jungen auf dem Chateau beschäftigten Familie gemeinsam an einer großen Tafel. In herzlicher und familiärer Atmosphäre verbrachten wir bei Erika und Jan einen geselligen Abend mit anderen Gästen aus Schweden und den Niederlanden. Es ist also sehr zu empfehlen, nach dem Menü des Tages zu fragen, was auch spontan von unterwegs geht.

Der Abschluss der Reise ließ uns in im Tal der Somme Station machen, die touristisch ganz auf den ersten Weltkrieg ausgelegt ist. Man trifft dort auf Amerikaner, Australier, Neuseeländer, Südafrikaner und natürlich viele Briten, die um die halbe Welt reisen, sich Soldatenfriedhöfe, Gedenkstätten und Schlachtfelder anzuschauen. Die Pause auf der Anfahrt legten wir in Honfleur ein, einem netten normannischen Küstenstädtchen. In der Gegend gab es noch viel mehr zu sehen, aber da wir gemächlichen Urlaub machen, ließen wir vieles aus. Man kann ja noch mal wiederkommen. Interessant und mal was anderes war die Cité souterraine de Naours, eine unterirdische Stadt mit Gängen und Räumen, wo die Dorfbewohner der Gegend über Jahrhunderte Unterschlupf in Kriegen gefunden haben. Auch Amiens ist eine Stippvisite wert, z.B. für die beeindruckende Kathedrale oder das Jules Vernes Haus. Mit frischem Bio-Gemüse von unserer letzten Unterkunft, dem dritten und jüngsten Chateau in der Auswahl, im Gepäck, machten wir uns schließlich zufrieden und gut erholt wieder auf den Heimweg.

Fazit: Für uns war das eine schöne, 3500 km lange „Rundreise durch Nordfrankreich mit Schwerpunkt Bretagne und gelegentlicher Unterkunft in Chateaus“. Wir haben bei meistens bestem Wetter viele spektakuläre Dinge gesehen, seien es tolle Küstenlandschaften, historische Gebäude, riesige Kathedralen, Weingüter oder unterirdische Städte. Überall trafen wir in den gut ausgewählten, einzigartigen Unterkünften auf tolle Gastgeber und viele andere nette Reisende. Nicht einmal erhielten wir einen schlechten Tipp und schlecht gegessen haben wir auch nie :-) Die Bretagne mit ihrem einzigartigen Charakter hat uns begeistert, teilweise erinnert sie landschaftlich ans ebenfalls keltisch geprägte Cornwall. Wir hatten auch das Gefühl, dass Bretonen kein Problem damit haben, Englisch zu sprechen, während das in den anderen Regionen manchmal nicht so recht hinhaut. In die Normandie fahren wir aber auch noch mal für ein paar Tage, da mussten wir viel auslassen.
Zu knabbern hatten wir nur an der Abgelegenheit mancher Unterkünfte, weil zu den an sich teilweise schon ausgeprägten Fahrtzeiten von Station zu Station auch noch weite Anreisen zu Sehenswürdigkeiten der Region oder halbstündige Fahrten zum Abendessen kamen. Da lobe ich mir die englische Pub-Kultur, wo in fast jedem Dorf mindestens ein traditioneller Pub Speis und Trank bietet. Bei einem Schnitt von 71 km/h haben wir immerhin 49 Stunden alleine im Auto verbracht, aber ansonsten gibt es nichts zu Mäkeln.



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