29.07.2010

Großbritannienreise von Irene Feix

Liebe Frau Parkin,

wir haben dank Ihrer guten Vorbereitung eine erlebnisreiche 14-tägige Auto-Rundreise durch Schottland erlebt. Obwohl wir Ihnen in der Planungsphase nur wenig Zeit gelassen hatten, war die Reise bis ins Detail hervorragend organisiert und die Zielorte und die Unterkünfte waren sehr gut ausgesucht, qualitativ hochwertig (und dank der Lagepläne leicht zu finden!) und haben uns eine große Vielfalt an ganz unterschiedlichen Eindrücken ermöglicht, sowohl von der Art des Wohnens als auch von der jeweiligen Umgebung her. Wir konnten uns an jedem Standort ganz nach Lust und Tageslaune zwischen Kultur und Natur entscheiden und hatten vor Ort fast immer kurze Wege zu unseren Tageszielen. Unserem Wunsch nach einer individuellen Reisegestaltung standen also alle Möglichkeiten offen!

Entgegen anderen Reiseberichten hatten wir mit der Übernahme unseres Mietwagens bei Avis keinerlei Probleme. Uns sind keine überflüssigen Versicherungen aufgeschwatzt worden und uns wurde ein Neuwagen gestellt. Selbst eine leichte Schramme am Kotflügel wurde bei der Rückgabe kulant behandelt, wir mussten nichts zahlen.

Erste Station: Ballater
Die umgebaute Kirche atmet förmlich viktorianisches Flair und wir werden sehr herzlich aufgenommen. In der Seitenstraße vor dem Hotel kann man gut parken. Und man muß mindestens 1x Dinner in der Auld Kirk essen. Exzellentes Essen, optisch wunderbar hergerichtet. Dieses Restaurant trägt den Titel "Restaurant of the Year 2009" völlig zu Recht.

Die 3 Tage hier waren gut gewählt. So hatten wir genügend Zeit, um auch innerlich richtig in Schottland anzukommen. Was wir nach unseren verspäteten Hinflug auch gut gebrauchen konnten.

Sehenswert: Schloss Craigievar, ein rosè-farbenes verspieltes Dornröschenschloss, Crathes Castle mit einem Prachtgarten voller Fotomotive – auch im Regen. Und die Cairngorms zum Wandern.
Und der Whisky-Trail – der Besuch mehrerer Destillerien, die auch in allen anderen Teilen Schottlands zu finden sind, hat aus uns anfänglichen Whisky-Abgeneigten mittlerweile Whisky-Freunde gemacht. Je mehr man über Whisky lernt, desto mehr fallen einem die Unterschiede auf. Und desto eher weiß man, was einem schmeckt... nicht zuletzt dank der Verkostungen, die zum Abschluß jeder Destillerie-Führung dazugehören.

Zweite Station: Nähe Elgin.
Vor unserer Ankunft in der alten Kirche sind wir noch etwas skeptisch, ob es wirklich eine gute Idee ist, gleich zweimal hintereinander in einer Kirche zu übernachten. Aber unsere Befürchtungen zersteuen sich schnell, denn die beiden Kirchen sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Erste Überraschung bei der telefonischen Dinnervorbestellung: Andreas und Kris sprechen deutsch. Zweite Überraschung bei der Anfahrt auf die Kirche: wir fahren auf ein fast herrschaftliches Anwesen zu. Dritte Überraschung: die Betreuung und die Unterbringung hier sind so angenehm, dass wir es bereits am ersten Abend bedauern, dass wir hier nicht länger bleiben können. Die Kirche ist ein Fleckchen Erde, auf das man sich zurückziehen kann, wenn man wirklich einmal seine Ruhe braucht. Einsam gelegen, aber nicht völlig von der Welt abgeschnitten. Die Räumlichkeiten sind größzügig und weitläufig und liebevoll gestaltet – nur das blaue Zimmer ist für zwei Personen ein bisschen klein geraten. Hier empfiehlt es sich, die Koffer unter das Bett zu schieben, um um das Bett herumlaufen zu können.
Der Garten, der die Kirche umgibt, ist eine kleine Oase. Wer Ruhe und Natur und unkomplizierte Betreuung mag, sollte hier ruhig eine ganze Woche zubringen.
Einziger Wermutstropfen: der Zimmerservice der Besitzer ist sehr intensiv. Da kann es schon passieren, dass man seine im Zimmer abgelegte Kleidung ordentlich gefaltet im Schrank oder die Schuhe aller Zimmerbewohner in Reih und Glied unter dem Bett aufgereiht wiederfindet, wenn man heimkommt. Wer dies nicht mag, sollte aufräumen, bevor der Zimmerservice kommt... Ansonsten: ein herrlicher Platz zum Aus- und Entspannen! Und man sollte mit Andreas unbedingt auf den Glockenturm steigen,um den Ausblick zu genießen!

Dritte Station: Nähe Isle Ornsay.
Das einzige Hotel, bei dem wir uns verfahren. Denn zum einen sind die Entfernungen auf Skye in der Praxis viel kleiner, als man auf der Landkarte vermutet. Zum anderen steht es in unseren Reiseunterlagen als Country House angekündigt, so dass wir am Hotel erst einmal vorbeifahren – auf der Suche nach dem Country House...
Das Hotel hat ein sehr edles Flair, dass durch die ausgesuchte Herzlichkeit, die Zuvorkommenheit und den ausgeprägten Humor des Personals den ansprechenden Touch einer großen, fürsorglichen und liebevollen Familie bekommt. Tolle Zimmer mit einem genialen Seeblick, so dass das Beobachten des wechselhaften Wetters richtig Spaß macht. Für mich das schönste Hotel auf unserer Reise.!
Absolut sehenswert: die Woodwalks rund um das Hotel herum, ein "Waldgarten", in dem nicht Rhododendronbüsche, sondern uralte Rhododendronbäume stehen!!
Auch empfehlenswert: die Whisky-Exhibition in der Nähe des Hotels, die allerdings nicht einfach zu finden ist. Die Einheimischen kennen den Weg... Eine Verkaufsaustellung, die die Unterschiede und Qualitäten von blended whiskies hervorragend erklärt, natürlich inklusive Verkostung.
Das typische Wetter auf Skye ist Regen, deshalb sollte man sich davon nicht von seinen Naturerkundungen abhalten lassen. Irgendwann reisst der Himmel schon noch auf...aber er wechselt auch schnell wieder... Naturbegeisterte sollten für Skye mindestens drei Tage einplanen, sonst erschliesst sich einem die Insel nicht wirklich. Die landschaftlichen Highlights liegen relativ weit auseinander und sind nur über wenige Strassen erreichbar, so dass man viel Zeit mit Fahren verbringen muss. Wer hier Wandern will, braucht mehr ZEIT.

Auf dem Weg nach Oban landschaftlich von der Road to the Isles begeistert gewesen. Wer seinen Nachmittagskaffe gern einmal im alten Eisenbahnwaggon der 1950er einnehmen will, sollte in Glenfinnan im "Diner`s cars" Station machen (Hinweisschild VOR Glennfinnan an der Hauptstraße bergauf folgen).

Vierte Station: Oban.
Colin ist ein absolutes Original. Sein Lachen wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben. Und man kann ihn fragen, was man will – er hat für alles eine Antwort oder einen Hinweis, der einem weiterhilft.
Nur der Wasserdruck des Hotels macht das Duschen bisweilen etwas schwierig. Die Zimmer sind von Eindruck und Wirkung her sehr unterschiedlich. Von klein und hell bis groß und dunkel ist alles vorhanden, die Unterbringung also Geschmacks- und Glückssache, aber akzeptabel.
Oban selbst ist ein eher unspektakuläres Hafen- und Industriestädtchen, dass seine industrielle Herkunft geschickt zu verbergen weiß – wenn man nicht gerade vom Mac Craig`s Tower auf Oban herunterschaut... Aber es ist auch Ausgangspunkt für viele spektakuläre Inseltouren. Und auch die Küsten um Oban herum haben einiges zu bieten.

Letzte Station: Edinburgh.
Wir tauchen wieder ins Großstadtleben ein. Da wir den Mietwagen aufgrund unserer verspäteten Anreise und auf Anraten von Avis bis zum letzten Tag behalten und wieder am Flughafen abgeben werden, sind wir froh um den kostenlosen hoteleigenen Parkplatz, den das Hotel hat. Man muss zweimal links abbiegen und in die Lynedoch Pl Lane fahren, um am Ende der Straße besagten Parkplatz zu erreichen. Dies sollte man bereits VOR dem Einchecken tun, denn die Polizei ist hier sehr schnell mit Tickets zur Stelle.
Dieses Hotel ist sicher die exquisiteste unserer gebuchten Unterkünfte. Die Zimmer sind großzügig, modern, alle individuell gestaltet und lassen keinen Komfort vermissen. Trotzdem wirkt die Atmosphäre in diesem Hotel ein wenig steril und unpersönlich. Als Gast wird man relativ allein gelassen. Das ist besonders auffällig nach der unglaublichen Herzlichkeit und Fürsorglichkeit, mit der man uns in ALLEN anderen Unterkünften bisher begegnet ist.
Im Gegensatz zu den anderen Quartieren zeigt man uns z.B. nicht den Weg zu unseren Zimmern, obwohl das Hotel, das sich über drei Stadthäuser erstreckt, relativ verschachtelt und unübersichtlich angelegt ist. Der Roomservice gerät des öfteren mit der Zuordnung der Bestellungen und der Zimmernummern durcheinander, so dass wir mehrfach mit Anfragen für Bestellungen behelligt werden, die wir nicht geordert haben – und uns im Stillen bereits fragen, was wir wohl später alles auf unserer Zimmerrechnung vorfinden werden.... Es sind viele Kleinigkeiten, die nicht ganz mit dem Anspruch, den dieses Hotel hat und vermittelt, übereinstimmen,die aber den Gesamteindruck des luxuriösen Hotels um einiges schmälern.

Resümee:
Wir haben unglaublich viel gesehen und wissen jetzt, in welche Ecken Schottlands wir gern noch einmal und dann etwas intensiver reisen würden. Diese Reise hat uns einen guten ersten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, die Schottland landschaftlich und kulturell bietet, vermittelt.
Wenn wir die Reise heute noch einmal planen würden, dann würden wir aber lieber etwas mehr Zeit an den einzelnen Stationen verbringen. 2-3 Tage pro Ort waren uns oft ein wenig zu knapp, wir würden nach dieser Reiseerfahrung mindestens 3-4 Tage an jedem Ort bleiben wollen.

An sie, Frau Parkin, und an das ganze Umfulana-Team noch einmal ein Herzliches Dankeschön für eine perfekt organisierte und betreute Reise voller schöner Überraschungen! Wir kommen gerne wieder nach Schottland!

Herzliche Grüße, Ihre Familie Feix



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