Barbagia

Reise in die Vergangenheit: Barbagia

Reise in die Vergangenheit: Barbagia © Nick Fox / Shutterstock.com

Ursprüngliche Bergwelt im Inneren Sardiniens

Wer von Olbia auf der Strada 131 nach Süden fährt gelangt bei Nuoro in eine andere Welt: das Hochland von Barbagia. In einer ursprünglichen Bergwelt mit Kastanienwäldern, Wasserfällen und Kalksteinklippen finden sich mehrere mittelalterliche Granitstädtchen. Eines davon ist Orgosolo, das weit über die Insel hinaus als Banditenstädtchen berüchtigt war. Heute haben sich dort Künstler, Maler und Kunsthandwerker niedergelassen, die zum Ärger des Bürgermeisters aber noch nicht die Bekanntheit der sagenumwobenen Banditen erreicht haben. In einem der tiefsten Canyons von Europa, der Schlucht „Gola di Su Gorroppu“ finden sich noch heute die Ruinen eines 4.000 Jahre alten Nuraghendorfes Tiscali. Etwas weiter östlich thront die Punta la Marmora, mit 1.834 m der höchste Berg Sardiniens. Wer ihn besteigen will, tut das am besten von Desulo aus.



Sehenswürdigkeiten Barbagia


Orgosolo

Vom Banditennest zum anarchistischen Künstlerort

Der Ort im Herzen der Barbagia galt über Jahrhunderte als Banditennest. 1894 stürmten 500 bewaffnete Orgosolesen den Ort Tortoli, um das Vermögen eines Großgrundbesitzers zu erbeuten. Raubzüge dieser Art wurden Bardanas genannt und sind bis in die Römerzeit hinein belegt. Ergänzt wurden sie durch die disamistaden, blutigen Familienfehden, die sich über Jahrzehnte hinziehen konnten. In den 1968iger Jahren ließ sich ein anarchistischer Zeichenlehrer in dem inzwischen legendären Ort nieder. Mit seinen Schülern fing er an, die Hauswände des Ortes zu bemalen. Viele dieser etwa 120 Murales orientieren sich am Kubismus in der Art von Picassos Guernica.


Monte Corrasi

Durch ein einsames Hochtal zum höchsten Berg der Sopramonte

Der höchste Berg der Sopramonte ist ein großer weißer Klotz über dem Bergdorf Oliena, der von seiner Form her an die Dolomiten erinnert. Durch ein einsames Hochtal kann man den auffälligen Gipfel (1.463 m) erreichen, wo Raubvögel im Aufwind über der senkrecht abfallenden Wand segeln. (3 Stunden, 7,4 Kilometer, auf und ab: 480 Meter)

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Gola Gorropu

Schlucht mit 500 Meter hohen, senkrechten Wänden

Im Supramonte-Gebirge hat sich der Riu Fiumineddu eine der tiefsten Schluchten Europas gegraben. Die bis zu 500 Meter hohen, senkrechten, teilweise sogar überhängenden Wände beheimaten eine reiche Tier- und Pflanzenwelt. Die Steineichen beherbergen viele Nistplätze. Der Eingang zur Schlucht 18 Kilometer südlich von Dorgali ist über eine kurvenreiche Piste mit dem Auto zu erreichen. Vom Parkplatz vor dem ehemaligen Straßenwachthaus Cantoniera „Genna Silana“ führt ein Wanderweg durch uralte Eichenwälder in die Schlucht. (4:30 Stunden, 8 Kilometer, auf und ab: 600 Meter)

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Monte Ortobene

Aussichtsberg über das Inselinnere

Der Granitberg östlich von Nuoro bietet in fast 1.000 Metern Höhe eine weite Aussicht über das Inselinnere. Der Blick reicht vom Gennargentu über die Barbagia bis zu den Sopramonte. Eine Straße windet sich um den Berg bis zu einer Bronzestatue des Erlösers, die jedes Jahr am 29. August Ziel einer farbenprächtigen Prozession ist. Der Weg führt zwischen riesigen Granitblöcken einher und durch Eichenwälder und Macchia zum Gipfel, wo es ein Restaurant gibt.


Punta La Marmora

Ausblick über fast ganz Sardinien

Der mit 1.834 Metern höchste Berg der Insel bildet ein recht raues Herz im ansonsten mitteleuropäisch anmutenden Gennargentu-Gebirge. Bei der Wanderung sollte man auf Temperaturen vorbereitet sein, die bis zu 15 Grad unter denen an der Küste liegen. Über Desulo im Westen des Berges fährt man bis zur Talstation des Skilifts. Der kürzeste, aber auch steilste Weg führt am Skilift hinauf. Oben soll sich schließlich bei sehr guter Sicht ein Ausblick fast über die ganze Insel eröffnen. (4:30 Stunden, 14 Kilometer, auf und ab: 460 Meter)


Grotta del Bue Marino

Höhlensystem am Fuß der Supramonte

Das Höhlensystem am Fuß der Supramonte im Golfo di Orosei hat seinen Namen von den Mönchsrobben, die bis in die 1980iger Jahre in den Meerwassertunneln lebten. Heute sind die bis zu drei Meter langen und 350 kg schweren Tiere weitgehend verschwunden. Etwa 900 Meter der Wasserhöhle können besichtigt werden. Innen gibt es ein paar Felsgravuren von tanzenden Menschen, die aus der Jungsteinzeit stammen sollen. Die Grotta del Bue Marino ist nur mit dem Boot erreichbar. Die Straße, die vom Ferienort Cala Gonone aus an der Küste nach Süden führt, endet ein paar hundert Meter vor der Grotte in einer Sackgasse.


Altopiano Su Golgo

Wandern über die unberührte Hochebene

Die wildromantische, unbesiedelte Basalthochebene Su Golgo zählt zu den eindrucksvollsten Naturgebieten Sardiniens. Man erreicht sie durch ein Tal von Baunei aus, das die Einheimischen s'Isterru (Abgrund) nennen. Etwas weiter entfernt kommt man zu zwei Teichen, die zwischen Basaltbrocken schimmern. Von dort geht ein eineinhalbstündiger Wanderweg bis zum Strand. Trinkwasser sollte man mitnehmen. (3:15 Stunden, 7,3 Kilometer, auf und ab 470 Meter)

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Punta Goloritze

Markante Felsnadel in traumhafter Bucht.

Die Cala Goloritze ist mit ihrem glasklaren Wasser auf fast weißem Kies und dem markanten Felsbogen wohl die schönste Bucht im Golf von Orosei. Da sie in einem Naturschutzgebiet liegt, dürfen keine Boote anlegen. Anzutreffen sind nur Wanderer und Schwimmer, die von ihrem Boot kommen. Der Wanderweg führt durch eine Schlucht an die Küste. Dabei kann man eine spitze Felsnadel, die Punta Goloritze, von oben bewundern. (4:30 Stunden, 9,7 Kilometer, auf und ab 630 Meter)

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Orotelli

Dorf auf malerischer Anhöhe

Auf einer malerischen Anhöhe liegt das Dorf mit 2.000 Einwohnern und einer romanischen Kirche. San Giovanni Battista wurde im 12. Jahrhundert erbaut und seither mehrfach umgestaltet. Bemerkenswert ist der Turm aus dem 14. Jahrhundert. Im Inneren wird eine Statue von Johannes dem Täufer gezeigt. Der Ort hat einen eigenen Karneval mit besonderer Tradition: Männer mit geschwärzten Gesichtern und langen Mänteln aus Schafswolle stellen das Leben der Hirten dar.


Santa Maria Navarrese

Wo Berge und Küste einander treffen

Das traditionelle Dorf verdankt seinen Namen einer Legende, nach der eine Prinzessin aus dem spanischen Navarra aus Seenot gerettet wurde und zum Dank die noch heute existierende Dorfkirche erbauen ließ. Nirgendwo auf Sardinien kommen die Berge so nah an der Küste vor wie hier. Auf der gut ausgebauten Straße erreicht man schnell eine Höhe von 500 Metern – und Plätze mit phantastischer Aussicht. Kalksteinfelsen, Klippen und Sandbuchten wechseln einander ab. In der intakten Mittelmeermacchia mit Feigen-, Oliven- und Johannisbrotbäumen leben Wildschweine, Muflons (Wildziegen), Königsadler und Wanderfalken. Überreste von vorzeitlichen Nuraghendörfern machen den abgelegenen Küstenstreifen auch für Archäologen interessant. (5 Stunden, 15,5 Kilometer, bergauf: 390 Meter, bergab: 850 Meter)

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Foresta Montarbu

Sardischer Wald mit reicher Tier- und Pflanzenwelt

Das 2.800 Hektar große Naturreservat schützt einen der schönsten Wälder Sardiniens mit reicher Tier- und Pflanzenwelt. Von den Bächen ist vor allem der Rio Ermoliosu zu nennen, dessen kristallklares Wasser an Sonnentagen in allen Farben glitzert. Aus dem Wald ragen Felsen empor, von denen die höchsten die Punta Margiani Pubusa, die Serra Middai und der Monte Arbu sind. An der Forstmeisterei Mario Falchi beginnt ein Wanderweg, der die Schönheiten des Waldes erschließt.
 


Orosei

Spaziergang durch mittelalterliches Dorf

Von der frühen Bedeutung des verschlafenen Ortes zeugen viele historische Gebäude, zu denen ein Rundweg führt. Im Mittelalter wurde das Städtchen mit einer Mauer und einer Burg befestigt. Zu seinem Niedergang ab dem 16. Jahrhundert trugen die Piratenüberfälle und die Malaria bei, die aus den benachbarten Sümpfen kam. Heute gibt es dort einen Stausee zur Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Umgebung. An der Küste befindet sich ein kilometerlanger Sandstrand.


Punta Catirina

Auf einen Aussichtsberg im Monte Albo

Der Punta Catirina ist mit 1.127 Höhenmetern einer der schönsten Aussichtsgipfel im Monte Albo. Besonders im Frühjahr, wenn zum grünen Eichenwald und den weißen Felsen die blühende Macchia kommt, verwandelt sich die Natur zu einem Kunstwerk aus Formen und Farben. Der Weg führt um den Gipfel herum und schließlich von Süden hinauf. (4 Stunden, 9,8 Kilometer, auf und ab 550 Meter)

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Brunnenheiligtum von Santa Vittoria

3000 Jahre alte Wasserkultstätte

An der Abbruchkante der Hochebene von Giarra di Serri, wo man eine fantastische Aussicht genießt, liegt der nuraghische Brunnentempel aus dem 10. Jahrhundert vor Christus. Bisher wurden auf Sardinien mehr als 50 Brunnenheiligtümer gefunden. Da Wasser in den sardischen Bergen knapp ist, war es für die Nuraghenkultur ein besonders wertvolles Gut. Quellen, Brunnen und andere Gewässer wurden als Ursprung von Leben und Wachstum verehrt. Wo das Wasser sprudelte, legten die Nuragher Wasserkultstätten an. Santa Vittoria ist eine der größten von ihnen und noch heute gut erhalten. Die Anlage besteht aus einer kleinen modernen Kirche und mehr als 50 prähistorischen Bauten. Um mehrere Plätze sind Rundhütten angeordnet, die den Pilgern wahrscheinlich als Unterkunft dienten. Der Brunnen Santa Vittoria selbst ist der älteste Teil der Anlage. Eine schmale Treppe führt in den drei Meter tiefen Brunnenschacht. 
Das Brunnenheiligtum Santa Vittoria ist ein interessantes Zeugnis der Kultur der Nuragher und ermöglicht Besuchern einen Einblick in deren religiöse Vorstellungen. Bei einem Ausflug in die sardische Hochebene Giara di Serri lässt sich außerdem eine herrliche Aussicht und die schöne Natur genießen.


Dolmen Sa Coveccada

4000 Jahre altes Riesengrabmal

Dolmen nennt man die aus monolithischen Blöcken errichteten Bauwerke, die während der Steinzeit in ganz Europa entstanden und meist als Grabstätte genutzt wurden. Sa Coveccada, der größte Dolmen auf Sardinien, besteht aus nur fünf Platten und ist weitgehend erhalten. Er hat eine Höhe von fast drei Metern und ist über fünf Meter lang. Sein Alter wird auf mindestens 4.000 Jahre geschätzt. Damit wäre das Sippengrab ebenso alt wie die Cheops-Pyramide. Heute wird Sa Coveccada von einer improvisierten Dachkonstruktion geschützt, die leider nicht sehr schön anzusehen ist und gute Fotos unmöglich macht.


Posada

Verwunschene Altstadt um einen Aussichtsberg

Die malerische Altstadt ist schon von weitem zu sehen. Sie gruppiert sich um einen Aussichtsberg, der von einer Burgruine gekrönt wird. Vom Castello della Fava, ist allerdings nur der massige quadratische Turm übrig geblieben. Wer durch die Altstadt schlendert, wird versteckte Höfe entdecken und über Treppengassen zu Torbögen und verwunschenen Plätzen gelangen, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.


Nuraghe Santu Antine

Königspalast aus der Bronzezeit

Die bronzezeitliche Nuraghe in der Gegend von Torralba gehört zu den bedeutendsten Megalith-Bauwerken im ganzen Mittelmeer. Die gewaltige Festung wurde 1600 vor Christus begonnen. Etwa 800 m Luftlinie entfernt liegt die Nuraghe Oes bei Giave. Die Nuraghe heißt im Volksmund „Sa Domo de su Re“ („Haus des Königs“; der nuraghische Königspalast) – eine Bezeichnung die auf die Dimension des Bauwerks anspielt. Der Hauptturm ist heute noch über 17 Meter hoch erhalten und zählt zu den höchsten auf Sardinien.


Nuraghe Genna Maria

Bronzezeitliches Dorf am Rande der Ebene

Nuraghen nennt man die Prähistorischen Türme aus der Bronzezeit Sardiniens. Sie dienten als Kultstätten, Burgen oder Grabbauten. Der Komplex auf dem Hügel von Genna Maria war jedoch ein ganzes Dorf. Der zentrale Turm stammt von etwa 1350 v. Chr. und wurde 300 Jahre später durch Rundbauten, sogenannte Tholoi, erweitert. Zur Befestigung wurde die Anlage von einer Mauer mit schießschartigen Öffnungen umgeben. Im Innern gab es einen Brunnen. Im 8. Jahrhundert vor Christus müssen die Bewohner den idyllischen Ort fluchtartig verlassen haben. Was sie dazu bewegt hat, wissen wir nicht.




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