Barbagia

Reise in die Vergangenheit: Barbagia

Reise in die Vergangenheit: Barbagia © Nick Fox / Shutterstock.com

Ursprüngliche Bergwelt im Inneren Sardiniens

Wer von Olbia auf der Strada 131 nach Süden fährt gelangt bei Nuoro in eine andere Welt: das Hochland von Barbagia. In einer ursprünglichen Bergwelt mit Kastanienwäldern, Wasserfällen und Kalksteinklippen finden sich mehrere mittelalterliche Granitstädtchen. Eines davon ist Orgosolo, das weit über die Insel hinaus als Banditenstädtchen berüchtigt war. Heute haben sich dort Künstler, Maler und Kunsthandwerker niedergelassen, die zum Ärger des Bürgermeisters aber noch nicht die Bekanntheit der sagenumwobenen Banditen erreicht haben. In einem der tiefsten Canyons von Europa, der Schlucht „Gola di Su Gorroppu“ finden sich noch heute die Ruinen eines 4.000 Jahre alten Nuraghendorfes Tiscali. Etwas weiter östlich thront die Punta la Marmora, mit 1.834 m der höchste Berg Sardiniens. Wer ihn besteigen will, tut das am besten von Desulo aus.



Sehenswürdigkeiten Barbagia


Dolmen Sa Coveccada

4000 Jahre altes Riesengrabmal

Dolmen nennt man die aus monolithischen Blöcken errichteten Bauwerke, die während der Steinzeit in ganz Europa entstanden und meist als Grabstätte genutzt wurden. Sa Coveccada, der größte Dolmen auf Sardinien, besteht aus nur fünf Platten und ist weitgehend erhalten. Er hat eine Höhe von fast drei Metern und ist über fünf Meter lang. Sein Alter wird auf mindestens 4.000 Jahre geschätzt. Damit wäre das Sippengrab ebenso alt wie die Cheops-Pyramide. Heute wird Sa Coveccada von einer improvisierten Dachkonstruktion geschützt, die leider nicht sehr schön anzusehen ist und gute Fotos unmöglich macht.


Foresta Montarbu

Sardischer Wald mit reicher Tier- und Pflanzenwelt

Das 2.800 Hektar große Naturreservat schützt einen der schönsten Wälder Sardiniens mit reicher Tier- und Pflanzenwelt. Von den Bächen ist vor allem der Rio Ermoliosu zu nennen, dessen kristallklares Wasser an Sonnentagen in allen Farben glitzert. Aus dem Wald ragen Felsen empor, von denen die höchsten die Punta Margiani Pubusa, die Serra Middai und der Monte Arbu sind. An der Forstmeisterei Mario Falchi beginnt ein Wanderweg, der die Schönheiten des Waldes erschließt.
 


Gola Gorropu

Schlucht mit 500 Meter hohen, senkrechten Wänden

Im Supramonte-Gebirge hat sich der Riu Fiumineddu eine der tiefsten Schluchten Europas gegraben. Die bis zu 500 Meter hohen, senkrechten, teilweise sogar überhängenden Wände beheimaten eine reiche Tier- und Pflanzenwelt. Die Steineichen beherbergen viele Nistplätze. Der Eingang zur Schlucht 18 Kilometer südlich von Dorgali ist über eine kurvenreiche Piste mit dem Auto zu erreichen. Vom Parkplatz vor dem ehemaligen Straßenwachthaus Cantoniera „Genna Silana“ führt ein Wanderweg durch uralte Eichenwälder in die Schlucht. (4:30 Stunden, 8 Kilometer, auf und ab: 600 Meter)

Umfulana Route:
www.komoot.de


Monte Corrasi

Durch ein einsames Hochtal zum höchsten Berg der Sopramonte

Der höchste Berg der Sopramonte ist ein großer weißer Klotz über dem Bergdorf Oliena, der von seiner Form her an die Dolomiten erinnert. Durch ein einsames Hochtal kann man den auffälligen Gipfel (1.463 m) erreichen, wo Raubvögel im Aufwind über der senkrecht abfallenden Wand segeln. (3 Stunden, 7,4 Kilometer, auf und ab: 480 Meter)

Umfulana Route:
www.komoot.de


Monte Ortobene

Aussichtsberg über das Inselinnere

Der Granitberg östlich von Nuoro bietet in fast 1.000 Metern Höhe eine weite Aussicht über das Inselinnere. Der Blick reicht vom Gennargentu über die Barbagia bis zu den Sopramonte. Eine Straße windet sich um den Berg bis zu einer Bronzestatue des Erlösers, die jedes Jahr am 29. August Ziel einer farbenprächtigen Prozession ist. Der Weg führt zwischen riesigen Granitblöcken einher und durch Eichenwälder und Macchia zum Gipfel, wo es ein Restaurant gibt.


Monte Tiscali

Wanderung zu einem Nuraghendorf

Die vorgeschichtliche Siedlung aus der Nuraghenzeit wurde um das 3. Jahrhundert vor Christus in der Einöde östlich von Oliena bei Dorgali erbaut. Rund 40 Hütten schmiegen sich an eine Felswand mit überhängenden Wänden. Ob es sich um eine Fliehburg, ein Bergheiligtum, eine permanente Siedlung oder etwas völlig anderes handelt, ist ungeklärt. Aufgrund der Hüttenreste ist zu vermuten, dass dort zumindest zeitweilig bis zu 200 Menschen lebten. Bis heute ist der Ort nur zu Fuß zu erreichen. Am besten folgt man den Koordinaten einer gpx-Tour mit Hilfe eine Navis, da die Wegmarkierung nicht immer sichtbar ist. (hin und zurück: 6,1 Kilometer, 3:45 Stunden, auf und ab 430 Meter)

Umfulana Route:
www.komoot.de


Nuraghe Santu Antine

Königspalast aus der Bronzezeit

Die bronzezeitliche Nuraghe in der Gegend von Torralba gehört zu den bedeutendsten Megalith-Bauwerken im ganzen Mittelmeer. Die gewaltige Festung wurde 1600 vor Christus begonnen. Etwa 800 m Luftlinie entfernt liegt die Nuraghe Oes bei Giave. Die Nuraghe heißt im Volksmund „Sa Domo de su Re“ („Haus des Königs“; der nuraghische Königspalast) – eine Bezeichnung die auf die Dimension des Bauwerks anspielt. Der Hauptturm ist heute noch über 17 Meter hoch erhalten und zählt zu den höchsten auf Sardinien.


Orgosolo

Vom Banditennest zum anarchistischen Künstlerort

Der Ort im Herzen der Barbagia galt über Jahrhunderte als Banditennest. 1894 stürmten 500 bewaffnete Orgosolesen den Ort Tortoli, um das Vermögen eines Großgrundbesitzers zu erbeuten. Raubzüge dieser Art wurden Bardanas genannt und sind bis in die Römerzeit hinein belegt. Ergänzt wurden sie durch die disamistaden, blutigen Familienfehden, die sich über Jahrzehnte hinziehen konnten. In den 1968iger Jahren ließ sich ein anarchistischer Zeichenlehrer in dem inzwischen legendären Ort nieder. Mit seinen Schülern fing er an, die Hauswände des Ortes zu bemalen. Viele dieser etwa 120 Murales orientieren sich am Kubismus in der Art von Picassos Guernica.


Orotelli

Dorf auf malerischer Anhöhe

Auf einer malerischen Anhöhe liegt das Dorf mit 2.000 Einwohnern und einer romanischen Kirche. San Giovanni Battista wurde im 12. Jahrhundert erbaut und seither mehrfach umgestaltet. Bemerkenswert ist der Turm aus dem 14. Jahrhundert. Im Inneren wird eine Statue von Johannes dem Täufer gezeigt. Der Ort hat einen eigenen Karneval mit besonderer Tradition: Männer mit geschwärzten Gesichtern und langen Mänteln aus Schafswolle stellen das Leben der Hirten dar.


Punta La Marmora

Ausblick über fast ganz Sardinien

Der mit 1.834 Metern höchste Berg der Insel bildet ein recht raues Herz im ansonsten mitteleuropäisch anmutenden Gennargentu-Gebirge. Bei der Wanderung sollte man auf Temperaturen vorbereitet sein, die bis zu 15 Grad unter denen an der Küste liegen. Über Desulo im Westen des Berges fährt man bis zur Talstation des Skilifts. Der kürzeste, aber auch steilste Weg führt am Skilift hinauf. Oben soll sich schließlich bei sehr guter Sicht ein Ausblick fast über die ganze Insel eröffnen. (4:30 Stunden, 14 Kilometer, auf und ab: 460 Meter)




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