22.10.2007

Italienreise von Helmut Nägeli

War das ein Dauertief oder ist es im Oktober einfach normal ? Jedenfalls gab es in unseren zwei Wochen auf Sizilien fast nur Wolken, viel Regen und wenig Gelegenheit zum Baden.

Abazia Floris (oberhalb von Campofelice) wird jeden begeistern, der einige Tage in einem alten ursprünglichen Bauernhaus inmitten eines riesigen Olivenhains verbringen will. Vor allem dann, wenn er, wie wir, in dem vor dem Hof einzeln stehenden kleinen Häuschen übernachten darf. Wir haben den Hof auch auf Anhieb gefunden. Ein kleines Schild vor der Einfahrt zum Hof wäre dennoch eine sinnvolle Investition. Das Frühstück hat uns geschmeckt. Nett zu Abend gegessen haben wir im il Paiolo, einem kleinen Lokal am oberen Ortsrand von Campofelice. Die Inhaberin ist Französin. Zufällig ist während unseres Urlaubs in der örtlichen Presse ein Artikel über das Lokal erschienen, in dem die Küche und die Auswahl an Weinen gelobt wurden.

Valle Maira (oberhalb von Tortorici) haben wir dagegen erst im dritten Anlauf gefunden. Ein sehr ruhiges Plätzchen, sehr weit weg vom Schuss. Wir waren in der gesamten Anlage die einzigen Gäste. Das Personal hat für uns gekocht, das Frühstück gemacht, den Wintergarten eingeheizt, uns mit allem Möglichen versorgt – und dann die Anlage ebenfalls verlassen. Es macht keinen Spaß, allein zu zweit in einer Ferienanlage festzusitzen. In spärlich möblierten und kalten Zimmern. Vor allem nicht bei 8 Grad Celsius und abendlichem Dauerregen.

Ganz anders Taormina – Leben pur. Das Hotel „la Pensione Svizzera“ ist in der Tat ein Familienhotel mit Charme. Frühstück und Service haben gepasst. Wenn da nicht die vielen Treppen bis in den vierten Stock gewesen wären! – Die tolle Aussicht aus dem Zimmer auf die Küste haben dafür aber entschädigt. Auch der Aufstieg auf den Ätna war ein Erlebnis. Hat man an der Talstation der Seilbahn noch vor lauter Nebel die Hand vor dem Gesicht nicht gesehen, wurde die Sicht, je höher wir gestiegen sind, immer besser. Und der Ätna hat extra für uns ein paar Mal gegrollt und Rauchwolken ausgespuckt..

18 € für ein kleines Bier, einen Orangensaft und ein Wasser! Ein teurer Blick auf die Tempel von der Terrasse des Hotels „Villa Athena“ in Agrigento. Das Hotel ist nicht mehr das Neueste. Aber es hat eine exponierte Lage. Das Frühstücksbuffet war vielseitig und sehr gut – mit einigen organisatorischen Mängeln, die aber eher zur Unterhaltung beigetragen als gestört haben.

Und zu guter letzt die „Hazienda Agricola Fontanasalsa“. Wie zum Beginn der Reise ein Bauernhof, wie man ihn sich so vorstellt. Modern und dennoch sehr ursprünglich. Die Autobahn, die unmittelbar an dem Grundstück vorbei führt, stört eigentlich nicht. Das Frühstück findet zwar ohne Wurst und Käse statt, ist aber dennoch sehr gut. Bis auf den Kaffee. Ohne viel Milch oder gar Wasser war der nicht zu genießen. Das angebotene Abendessen war dagegen ausgezeichnet. Was von außen nicht sehr vertrauenserweckend ausgesehen hat, hat sich als ein richtig guter Tipp herausgestellt: Auch in dem Restaurant „zu Mommo“, nicht weit von der Hazienda entfernt, kann man ausgezeichnet essen.

Auch wenn das Wetter nicht das gehalten hat, was wir uns versprochen haben, hat eine Reise im Oktober nach Sizilien doch einen ganz wesentlichen Vorteil: Nichts war überlaufen. Am Gole dell’Alcantara kein Reisebus, viel Platz am Strand der Isola Bella, den Parco dello Zingaro fast für uns allein. Und weil auch alles andere – Essen, Leute, Landschaft, Flair – gepasst hat, war der Urlaub gelungen.



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