08.07.2010

Italienreise von Andreas Pawlouschek

Zwei Vulkane haben unseren Urlaub bestimmt: ein unaussprechlicher im hohen Norden und der Ätna auf Sizilien. Sie haben wesentlichen Anteil daran, dass trotz widriger Umstände unser Urlaub zwar abenteuerlich geriet aber doch höchst interessant mit sehr vielen großartigen Erlebnissen. Dank Ihrer fast unermüdlichen Hilfe konnten wir die Verschiebungen der Termine fast alle verkraften, die sich zwangsläufig ergaben als unser Flug nach Catania annulliert wurde und wir mit dem eigenen Wagen reisen mussten. Als während der Reise auf Sizilien wegen einer Autopanne am Wochenende – wann denn sonst – erneut Umbuchungen nötig wurden, war es erneut das Team von Umfulana, das uns eine große Hilfe war. Hier gilt unser ganz herzlicher Dank Frau Meier (?). Dass wir dann doch in Fonatanasalsa zwei Übernachtungen abschreiben mussten, kann hingenommen werden. Meine erste Reise mit Umfulana, der ersten Reise von unendlich vielen, die mich um die ganze Welt führten, die ich nicht selbst ausgearbeitet habe, war also ein voller Erfolg und es werden hoffentlich noch viele gemeinsame Unternehmungen folgen.

Lassen Sie mich bitte kurz chronologisch einige Besonderheiten zu den angesteuerten Unterkünften auflisten.

Ortygia: Da wir schneller durch Europa fahren konnten, als vorhergesehen, waren wir auch einen Tag früher als geplant in Syrakus. Das Management des Hotels Gutkowski konnte uns dennoch unterbringen, wenn auch in einem winzigen Zimmer auf dem Dach, zu dem jedoch eine herrliche Dachterrasse mit Meerblick gehörte. Trotzdem entsprach das Zimmer weder in Größe noch in Ausstattung und überhaupt nicht in dem baulichen Gesamtzustand dem restlichen Niveau des Hauses. Nun denn selbst schuld….. Das von Ihnen gebuchte Zimmer bezogen wir dann am Folgetag – es übertraf unsere Erwartungen. Begeistert waren wir von der Innenausstattung des Hauses und vor allem auch des Frühstückraumes im Nachbargebäude. Alles war sehr gepflegt, die Menschen überaus freundlich – ein Etablissement zum Wohlfühlen. Das öffentliche Parkdeck in der Nähe offensichtlich sicher trotz anderen optischen Eindrucks, tags ist es kostenlos, nachts wird ein Euro für zwölf Stunden fällig. Ärgerlich, und von den Rezeptionisten dem Management auch wiederholt vorgetragen, ist die Tatsache, dass für alle Zimmer derselbe Preis verlangt wird, also für das opulente Zimmer mit Balkon zum Meer ebenso viel wie für den Taubenschlag auf dem Dach.

Agrigento: Bevor wir in Agrigento anlanden konnten, mussten wir in einem eher gruseligen Überlandhotel an der Fernstraße Catania-Palermo zwei Nächte verbringen. Der Wagen brauchte eine neue Lichtmaschine – am Samstagnachmittag in Sizilien nicht und wahrscheinlich auch in Deutschland nicht zu besorgen. So ging es erneut darum, eine Buchung zu ändern – kein Problem meinte man in der Villa Athena.

Die Kommunikation per Telefon stellte sich dann als wesentlich sympathischer heraus als später der Empfang im Hotel selbst. Über den Standard der Villa kann nicht diskutiert werden – alles vom Feinsten, fast schon zu fein. Das Zimmer in Schleiflackqualität schien gemacht für angenehme Stunden ohne die eigene Frau. Sensationell der Park und die Terrasse mit unverstelltem Blick auf die Tempel. Das beim Frühstück gleich zwei livrierte Kellner wie Falschgeld herumliefen und wiederholt nur kalten Espresso respektive Cappuccino brachten, dient uns zur Erheiterung. Dass allerdings bereits ab sechs Uhr vor dem Zimmer gelärmt und heftig gehämmert wurde, war höchst ärgerlich. Fazit: Ein Haus nicht so recht nach unserer Kragenweite. Schön, dass Porto Empedocle vor der Haustür liegt, als „Vigata“ durch Camilleris Commissario Mantalbano weltberühmt geworden.

Azienda Fontanasalsa: Da wir zwei weitere Tage einsparen mussten entschieden Frau Meier und wir uns aus Kostengründen dafür, den Aufenthalt in der Azienda zu Gunsten der Beibehaltung der Buchung in Palermo zu kürzen. Wir haben diese Entscheidung nicht bedauert, doch wäre der Aufenthalt auf der Azienda sicherlich ein großes Vergnügen geworden. Lage und Ambiente sind großartig. Alle Mitarbeiter können ohne Übertreibung als gute Geister bezeichnet werde. Das Essen, an dem seit dem Nachmittag sicht- und riechbar gewerkelt wurde, war sehr gut und entsprach den von SlowFood geforderten Kriterien originärer, regionaler Küche. Mein Kompliment an die Beteiligten. Zimmer und Bad waren sehr groß, rustikal aber angenehm ausgestattet – und behindertengerecht! Wir führten manch angeregtes Gespräch auch mit Frau Angela, die versprach, sich bei der Gutsbesitzerin dafür einzusetzen, über eine teilweise Rückerstattung nachzudenken – offenbar vergeblich. Davon unabhängig steht dieser Hort sizilianischer Landkultur ganz oben auf unserer Prioritätenliste.

Le Terrazze: Palermo haben wir bei der Planung gegen einen zögerlichen Dr. Crippen durchgesetzt- glücklicherweise! Von der Unterkunft, die ich als B&B auf hohem Niveau bezeichnen möchte, hatte sich Dr. Crippen kurz zuvor selbst überzeugt. Unsere Eindrücke sind sehr zwiespältig. Schon an den Klingeln kann man verzweifeln, denn nichts weist auf eine hotelähnliche Behausung hin. Zum Glück hat der „berühmte“ Mann am Eck-Kiosk Erfahrung mit Neulingen und weist Ihnen zwei (!) Klingeln zu, die es beide zu betätigen gilt. Beim Eintritt in diesen kleinen Palazzo empfängt infernalischer Lärm in Form metallischen Kreischens den Besucher. Im Parterre ist die Überdruckpumpe installiert, die jedes Mal anspringt, wenn in einer der Wohnungen Wasser läuft…. Der Hausherr entschuldigte auf Englisch das nicht aufgeräumte Zimmer damit, dass Umfulana unseren Aufenthalt storniert habe, was nicht den Tatsachen entsprach. Der Hausherr war nicht zu überzeugen, italienisch mit uns zu sprechen. Da wir ihn in fast drei Tagen nur noch einmal ganz kurz zu sehen bekamen –störte dies allerdings nicht sonderlich. Der Herr war entweder überaus schüchtern oder arrogant. Ich hatte persönlich den Eindruck, als würde er seine Zimmer nur widerwillig vermieten, um durch die Einnahmen den gesamten herrschaftlichen Bereich halten zu können. Dass seine Hilfskraft außer seiner Muttersprache keine weitere Kultursprache beherrscht, wurde verschmerzt. Sein Service beim Frühstück in einzigartigem Ambiente auf der Dachterrasse war trotz der Sprachprobleme derart liebevoll und zuvorkommend, dass wir ihm verziehen, dass er das Zimmer nicht aufgeräumt und die Betten nicht gemacht hatte. Eine kleine Loggia, die ins Dach eingebaut ist, ließ uns die Abende inmitten der Stadt zum Genuss werden- bei gutem Wein und Früchten des reichen Landes. Die Lage ist für eine Erforschung Palermos „per pedes“ ideal. Allerdings muss der Besucher wissen, dass Parkplätze nicht im Sonderangebot sind und hinter dem Palazzo die Wildnis Palermos beginnt mit dem Markt Ballarò und allen Schattenseiten dieser berüchtigten Stadt und ihren Sicherheitsproblemen. Wir hatten diesbezüglich keinerlei Problem. Es spricht viel für die Wahl dieses Etablissements- manches jedoch auch dagegen.

Abazia Flores: Hier kann ohne Übertreibung von einem erdgewordenen Paradies gesprochen werden. Sämtliche Erwartungen wurden weit übertroffen. Die Lage ist einzigartig – hoch über dem Meer, doch nah genug, um zum Baden an den Strand oder zum Bummeln nach Cefalù zu fahren. Das angekündigte „small appartment“ bot sich uns als großzügiges Haus dar, wunderbar inmitten einer üppig gestalteten Gartenanlage gelegen mit weitem Blick über das Meer. Die Ausstattung ist exzellent und erkennbar von den Besitzern auf die eigenen, kultivierten Ansprüche zugeschnitten. Möblierung und Ausstattung der Küche ließen keinerlei Wünsche offen. Das Frühstück im ehemaligen Refektorium serviert zu bekommen bedeutete ein i-Tüpfelchen. Groß war die Enttäuschung der Gastgeberinnen, als wir nach zwei Tagen abreisten. Durch einen Fehler, den wir nicht aufklären konnten, waren als Dauer unseres Aufenthaltes zwölf Tage (sic!) vermerkt worden. Wenn auch unschuldig – wir bedauerten die enttäuschten Damen sehr. Mit den Hunden hatten wir längst Freundschaft geschlossen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in diesem sensationellen Ambiente.

Taormina: Die „Pensione Svizzera“ im Herzen Taorminas war leicht zu finden, das Haus entspricht den Vorstellungen, die man sich von einem Haus nach Schweizer Muster macht – gediegen! Das Zimmer im real fünften Stock des fahrstuhllosen Hauses, die Rezeption ist im Souterrain untergebracht, entspricht dem Niveau einer durchschnittlich ausgestatteten Jugendherberge, ist also mit Sicherheit überteuert. Ein wenig entschädigte die meerwärts gelegene Terrasse, die tatsächlich einen umwerfenden Blick bot. Der Service war höchst zuvorkommend. Vor allem das üppige Frühstück in einer schönen, neu erbauten Veranda, und der charmante Service von Frau Sonja, waren ein Hochgenuss. Dies kann von Termini nicht gesagt werden, einem heruntergekommenen Tummelplatz einheimischer wie ausländischer Touristen, der verzweifelt versucht, vom abgeblätterten Lack längst vergangener Zeiten zusammenzufegen und zusammenzukleben, was noch zu finden ist. Die Stadt ist gut als Ausgangpunkt für Ausflüge auf den Ätna und nach Catania, wer den Mut dazu hat. Ausgezeichnet und mit 15 Euro/24 Stunden billig ist die sichere Parkmöglichkeit in unmittelbarer Nähe zum Hotel.

Es war eine Reise mit viel Abenteuercharakter – wir haben sie in vollen Zügen genossen. Die Annäherung fällt nicht leicht und der Reisende muss wissen, dass Sizilien nicht Italien ist. Uns umwehte immer ein Hauch unserer alten, nordafrikanischen Heimat –vielleicht war es deshalb so schön. Dass aus einer Reise durch Europa mit 6.500 Kilometern kein Erholungsurlaub werden kann ist einsichtig – die Mühen sind jedoch längst vergessen. Umfulana und Ihnen Herr Dr. Crippen sei herzlich für das Zustandekommen und den Ablauf der Tour rund um Sizilien gedankt.

Traute & Andreas Pawlouschek im Juli 2010



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