06.10.2012

Italienreise von Yvonne Winkler

Flug von Leipzig nach Trapana verlief ohne Probleme, ebenfalls die Organisation des Mietwagens, ein kleiner Fiat Panda, wie er auf Sizilien überall herumfährt. Nach kurzer Eingewöhnung in die Fahreigenschaften und Hupgewohnheiten der Sizilianer, die sich in den bergigen und kurvigen Regionen als sehr nützlich erweisen, fuhren wir über Palermo nach Cefalu. In Palermo erkundeten wir die vier Stadtteile und waren froh, ihrer Hektik in Richtung Cefalù entfliehen zu können. Das Landhaus bei Cefalu war schwer zu finden, aber nach Kilometerzähler gefahren, fand sich der unscheinbare und richtige Abzweig, der auf den ersten Blick eher wie eine Einfahrt aussieht. Die Straße schlängelt sich den Berg hinauf und auch da findet sich kein Hinweis auf Landhaus bei Cefalu, so dass wir erst vorbei fuhren und nach einigen Kilometern wieder drehten. Wir entschieden uns, das Haus mit den meisten Autos davor anzusteuern und das stellte sich als richtig heraus. Die Hausherrin Maria nahm uns freundlich auf, versorgte uns mit Wasser und zeigte uns unser schönes Zimmer mit Blick über die Berge. Das Bad war sehr appetitlich, alles pieksauber und täglich frisch, ebenso das Zimmer ansprechend mit frischen Kräutern beduftet. Montags kocht Maria nicht, aber Dienstag und Mittwochabend konnten wir an ihren leckeren Menus für je 20 Euro teilnehmen, die sie für ihre Hausgäste kocht. Nachts empfehle ich, sich für geschlossene Türen und Klimaanlage zu entscheiden, da irgendein Hund immer bellt und Stechmücken willige Opfer suchen. Alles in allem eine sehr angenehme und entspannte Unterkunft.

Die nächsten drei Nächte verbrachten wir oberhalb von Taormina in Castelmola in der Villa. Die drangvolle Enge dieser Touristenhochburg wurde etwas dadurch entlastet, dass wir in der Villa einen Schlafplatz für unseren PKW bekamen. Die Villa hat ihre besten Jahre hinter sich. Das Schlafzimmer war sauber und in Ordnung. Das Badezimmer mit etwas abgeschabter und ungepflegter Pracht, zwar sauber, aber seit langem nicht entkalkt. Balkon zur alleinigen Nutzung mit Blick auf den Ätna lud etwas zum Verweilen ein. Wir haben in der Villa nur gefrühstückt. Wenn man als erster kam, waren die Tischdecken noch sauber, bei Nachnutzung nicht. Auch die Frühstücksbedienungen schienen mir unambitioniert und erschöpft. Alles in allem würden wir das Hotel Schuler bevorzugen oder etwas, was außerhalb dieses Getümmels beider Orte liegt. Zu sehr sind sie aus unserer Sicht im Fokus des Massentourismus.

Nächster Standort war Siracusa. Genial, puristisch, schlicht. Mir gefiel es ausgesprochen gut, nach der verblichenen Pracht der Villa über Taormina. Umfangreiches Frühstück, nettes Publikum und die Möglichkeit sowohl im blauen Haus, als auch im Frühstückshaus auf der Dachterasse sich abends hinzusetzen und ein Weinchen zu trinken. Ortigia ist mehr als eine Reise wert. Also alles in allem sehr schön.

Agrigento mit der Villa am Tal der Tempel stand als nächstes auf dem Plan. Mal abgesehen davon, dass die Servilität der herumwieselnden Servicekräfte und das Publikum eines 5 Sterne Hotels nicht unser Ding sind, war das Zimmer sehr schön, mit Balkon und perfektem Bad. Eine Spur zu aktive Bedienungen, die einem sofort die Entscheidung ùber das Abendessen, kaum ist man angekommen, abverlangen, aber sei es drum. Wir hatten keine Lust an diesem Abend nochmal loszufahren und haben uns darauf eingelassen. Es ist nicht zu empfehlen. Erstens steht die Qualität des Abendessens in keiner Relation zum Preis, jeder Gang kostet 20 Euro, wir waren mit 160 Euro für uns beide dabei, inklusive Aperitif. Es ist auch nur ein Teller voller Nudeln ohne besonderen Pfiff oder ein Stück Schellfisch mit gemüsiger Beilage und fast kalten zu wenig durchgekochten Kartoffeln, also keinesfalls eine Qualität, die dem geforderten Preis entspricht. Der Wein bewegt sich ebenfalls 10 Euro höher als vergleichbare Qualitäten in anderen sizilianischen Restos. Entschädigt hat der romantische Blick auf die Tempelanlagen und die musikalische Untermalung durch einen Pianisten. Für uns war es alles in allem kein Wohlfühlgenuss und das lag an der Atmosphäre in diesem Hotel und mutmaßlich daran, dass das nicht unsere Welt ist.

Als letztes folgten zwei Nächte in Scopello. Überschaubare Pension mit Abendessen für Hausgäste. Sehr angenehm. Wir hatten einen Balkon mit Blick auf das Meer. Alles schön sauber. Nett waren die Abendessen mit gemeinsamem Aperitiv aller Hausgäste, sodass man hie und da ein wenig plaudern konnte mit Menschen aus aller Herren Länder. Das Essen war schlicht und lecker.

Geschlafen haben wir in allen Betten vorzüglich, da gab es nichts zu meckern. Die vorhandenen Pools haben wir nicht genutzt, da wir für Chlorwasser nicht so viel übrig haben und den Sprung ins Meer bevorzugen.
Durch Umfulana fühlten wir uns gut und umfassend betreut und haben sie gleich weiter empfohlen. Ich persönlich habe es geschätzt, mich um die Auswahl und Bucherei nicht kümmern zu müssen und ich bin sicher, dass ich die Hotels (bis auf die beiden Grossen) nicht selbst gefunden hätte. Die Verweildauer bei den einzelnen Hotels war in Ordnung. Man kann sich dort so viel ansehen, dass man die Zeit problemlos füllen kann und hin und wieder eine Faulenzerrunde von zwei Stunden am Meer mit drin waren.

Szilien ist sicher mehr als eine Reise wert, vor allem für diejenigen, die ein wenig kunsthistorisch interessiert sind, aber auch für Berg- und Wanderfreunde.



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