04.06.2013

Italienreise von Vlatko Stark

Es ist eine individuelle Reise, die wir selbst zusammen gestellt haben. Umfulana hat uns darauf hin Unterkünfte vorgeschlagen.
Unser Reisebericht ist nicht objektiv, sondern bewusst subjektiv. Es sind unsere Eindrücke und Erfahrungen. Es ist unser Geschmack, den wir bei den kulinarischen Angeboten voll entfalten.
Wir entscheiden uns nicht mit dem Strom aller Touristen am Freitag vor Pfingsten zu fahren. Im Radio werden Staus bis zu 40km durchgesagt.
Es erweist sich als besonders angenehm am Pfingstmontag loszufahren.
Montag, 20.05.2013 – 1.Tag – Anreise mit dem eigenen Fahrzeug
Wir fahren aus dem verregneten Darmstadt ca. 570 km nach Cannobio am Lago Maggiore. Es ist die erste kleine Ansiedlung in Italien hinter der Schweizer Grenze.
Doch bevor wir dort eintreffen, wollen wir einen Spaziergang am ehemaligen, mit dem Scharm der 70er Jahre behafteten, mondänen Schweizer Badeort Ascona machen.
Wir haben Glück. Es regnet gerade mal eine halbe Stunde nicht. An der Uferpromenade geben sich Gaukler, Musiker und Breakdanzer ein Stelldichein. Ein Festival der Straßenkünstler findet vom 17.-20. Mai in Ascona statt.
Die armen Straßenkünstler versuchen dem Wetter zu trotzen. Die Zuschauer auch. Doch beim nächsten Regenguss sind alle in den vielen Kaffees verschwunden. Wohl dem Kaffeebesitzer, der eine überdachte Terrasse hat. Da kann man immer noch sitzen und auf die nächste Regenpause warten.
Unser Ziel ist die Unterkunft in einer Villa bei Cannobio. Das Hotel ist 2006 im Stil einer mediterranen Landhausvilla in einem 15.000 m² großem Park angelegt worden. Viel Liebe zum Detail! Der beheizte Pool lässt uns im wahrsten Sinne der Worte ziemlich kalt. 8°C – gefühlt etwas weniger, kann keinen Gedanken an einen Sprung in dieses Wasser vermitteln. Vom Park Hotel sind es ca. 10 Minuten zur Uferpromenade.
Wir schlendern die Hauptgasse entlang und erfreuen uns an dem dargebotenen „Allerlei“. In einer Weinbar nehmen wir unser Aperitif, ein Glas hiesigen Weines, dass uns „automatisch“ (Originalton des Kneipiers) mit Schinken, Wurst und Speck serviert wird.
Danach verköstigen wir uns mit einem Barbecue, dass heute in einem kleinen Restaurant am Wegrand angeboten wird. Gegrilltes Gemüse als Vorspeise und ziemlich viel Fleisch mit leckeren Bratkartoffeln. Aber bei dem kalten Wetter ist es genau das was wir brauchen.
Zum Park Hotel sind es nur noch weinselige 10 Minuten.

Dienstag, 21.05.2013 – 2. Tag
Nach dem sehr guten Frühstück flüchten wir aus dem verregneten Cannobio.
Es ist sehr selten, dass so ein schlechtes Wetter Lago Maggiore knechtet. Normalerweise ist der Lago für sein freundliches Klima sehr gekannt.
Mit 65 Kilometern Länge und bis zu 11 Kilometern Breite ist der See ist der zweitgrößte unter den oberitalienischen Seen. Während sein nördlicher Zipfel zum Schweizer Tessin gehört, reicht er im Süden bis in die Poebene hinein. Dank des ausgeglichenen milden Klimas hat sich um den See eine besonders üppige Vegetation entwickelt. In Seenähe bestimmt eine herrliche Blütenpracht das Bild, während sich im Hinterland alpine Flora breit macht. Mit alpinen Gipfeln im Hintergrund ergibt sich ein einzigartig schönes Landschaftsbild. Unter den vielen Inseln im See ist vor allem die Isole Boromee wegen des herrlichen Barockgartens bemerkenswert, der fast die gesamte Insel einnimmt.
Die Uferstraße hätte mit Sicherheit mehr Reiz, wenn es heute nicht so regnen würde. Am Ufer des Lago Maggiore entlang kommt man in die Po-Ebene und fährt an sehenswerten Städten wie Mailand, Pavia und Cremona vorbei. Bei Parma beginnt die Durchquerung des Appennin, bis man bei La Spezia an einen besonders schönen Abschnitt der ligurischen Küste gelangt.
Das Thermometer steigt unaufhaltsam auf 20°C. Wer hätte das heute Morgen gedacht?
Den ersten Kontakt mit dem Meer möchten wir hautnah erleben und fahren zu der Uferstraße von Marina di Carrara. Es ist erschreckend! Dicht an dicht gedrängt – ein Lokal neben dem anderen. Alle haben Zugang zum „eigenen Strand“. Im Sand wurden exakt aufgereihte Vorrichtungen für die Sonnenschirme und Pavillons errichtet.
Die Sommergäste können also kommen. Wir beschließen, dass wir mit Sicherheit nicht dazu gehören werden.
Zwischen Lucca und der See liegt in einem Olivenhain das vor kurzem restaurierte Bauernhaus. Fünf Gästezimmer befinden sich in dem Anwesen, alle mit Holzfußböden, Holzdecke und wuchtigen Balken. Frühstück wird meist auf der Veranda serviert, wo man abends den Sonnenuntergängen über dem Meer zuschauen kann.

Das Anwesen gehört Mr. & Mrs. Smith. Wir dachten sofort an den gleichnamigen Film mit Angelina Jolie und Brad Pitt.

Hier kann man sich wohl fühlen. Vorausgesetzt, man findet es zwischen den Olivenhainen.
Wir hatten Gott im Herzen, dass wir unser Navi mit den neuesten Daten gefüttert haben.

Vor dem Abend einen Sprung in das beheizte Schwimmbecken und dann den Abend im Nachbarort bei einem Sizilianer ausklingen lassen. Der hat lange in Deutschland gearbeitet und beherrscht die toskanische Küche mit seinem libanesischen Koch bis zur Perfektion.

Abendessen: Mit Pinienkernen gefüllte Sardellen, hausgemachten Nudeln mit Steinbeißer und Hühnchen mit Rosenwasser, Mandeln und gestampften Kartoffeln.
Mit einer Flasche Wein und genügend Wasser € 70
Trattoria il Marzocco, Via del Marzocco 64, in Pietrasanta. Unbedingt vorreservieren, da es ein sehr kleiner Laden ist. Tel.: 0584 71446

Mittwoch, 22.05.2013 – 3. Tag – Ausflug nach Lucca

Wir haben sehr ruhig und gut in unserem Anwesen geschlafen. Nach einem guten Frühstück, die Chefin hat eine Quiche Lorrain mit Pecorino gebacken, machen wir uns auf dem Weg in die 30km entfernte Stadt Lucca.

Lucca ist weniger bekannt als ihre Schwestern Florenz und Siena und darum viel beschaulicher. Im späten Mittelalter war sie dank der Protektion deutscher Kaiser wesentlich bedeutender. Sie ist noch heute ganz von einem mächtigen, mittelalterlichen Wall umgeben. In der einheitlichen, von der Renaissance geprägten Stadt finden sich immer wieder großartige Bürgerpaläste, ein Dom mit prächtiger Fassade und ein Renaissance Platz auf den Fundamenten eines römischen Amphitheaters. Durch die Stadt, die die Heimat vieler bekannter Komponisten wie Boccherini oder Puccini ist, führt ein romantischer Spazierweg.

Wir beschließen Fahrräder zu leihen und auf der 4km langen begehbaren und befahrbaren Stadtmauer, die durch sechs Tore durchbrochen wird, den ersten Eindruck auf uns wirken zu lassen. Mütter führen ihre Kinder spazieren, Radfahrer und Jogger absolvieren ihr Fitnesstraining.

Danach lassen wir uns im „La Bruschetta“ auf dem Piazza dell‘ Anfiteatro zu einer Bruschetta verführen. Der ovale Platz wurde auf dem Fundament des römischen Amphitheaters erbaut. Enge Gassen, Stadtpaläste, zahlreiche Kirchen und malerische Piazzas lassen das Gefühl endlich im Urlaub angekommen zu sein, entstehen.

Heute Abend wir in unserem Bauernhaus gekocht. Dies wird für Gäste nur mittwochs und samstags angeboten. Der Koch, ein toskanischer Pfannen-Held entführt uns kulinarisch in seine Heimat.
Selbstgebackenes Brot mit Fenchel, Möhren, Tomaten, Paprika. Danach selbstgemachte Nudeln mit Mandeln, Pinienkernen, Salbei, Schafskäse und Spargel. Als Hauptgang Rindergulasch in Chiantiwein frischen Pfeffer und feine Gewürze, warmer Kartoffelsalat und mit Semmelbröseln überbackener Fenchel. Als Nachtisch wurde eine Schokoladentorte mit flüssiger Schokolade gereicht.
€ 50 pro Person (Wein inbegriffen) waren sehr gut angelegt.

Donnerstag, 23.05.2013 – 4. Tag – Cinque Terre und Carrara

Wir beschließen heute ein Weltkulturerbe, die Cinque Terre zu erkunden. Es gehört zwar streng genommen nicht zu der Toskana, es ist aber in Schlagweite (keine 70km). Cinque Terre, die fünf Erden oder „Ansiedlungen“ reihen sich auf einem Küstenstreifen 12 km nördlich von La Spezia auf. Mehrere hundert Meter hohe zum Teil ins Meer abfallende, sanft gerundete Bergketten lassen kleine Täler zum Meer offen. Farbige Häuser kleben an steilen Hängen. Klitzekleine Häfen mit Barkassen und Hafenkneipen sind wahre Freuden für das Auge.

Cinque Terre ist schon lange kein Insider-Tipp mehr. Trotz vieler Touristen ist die Gegend immer noch faszinierend und tut der romantischen Stimmung immer noch gut.

Wir möchten gerne den „Via del Amore“, den Weg der Liebe direkt an den steilen Hängen begehen. Leider hat der Erdrutsch letztes Jahr viele Abschnitte unbegehbar gemacht. Wir begnügen uns mit den romantischen engen Gassen und schönen Aussichtspunkten mit Essen und trinken. 1L Wasser, ½ L Weißwein Bruschetta und gemischter Salat für € 22 ist für dieses Paradies beinahe zu billig.

Auf dem Weg zur Unterkunft schlendern wir noch in der Altstadt von Carrara. Wer kennt nicht den reinsten weißen Marmor, der seit Jahrtausenden aus dem Berg geschlagen wird.

Das Rathaus, die Schule, der Hauptplatz alles aus weißem Marmor. Michelangelo hat selbst schon Hand angelegt an diesem göttlichen Stein. Er wird uns bei unserer Rundreise noch das eine oder andere Mal in verarbeiteter Form über den Weg laufen.

Den Abend beenden wir im Ristorante Zenzero, Via Vittorio Emaunuele 62, Camaiore.
Heute begnügen wir uns nur mit einer regionalen Pizza, die wir beide nicht packen.

Freitag, 24.05.2013 – 5. Tag – Volterra, San Gimignano

Heute ist es etwas kälter geworden. Wir frühstücken das erste Mal nicht auf der Terrasse.

Wir packen die Koffer und fahren zu unserer nächsten Unterkunft, einer Burg bei Siena. Auf dem Weg dahin machen wir einen Zwischenstopp in Volterra, die in einer bizarren Hügellandschaft auf porösem Tuffstein erbaut wurde. Es ist heute das Alabaster-Zentrum Italiens, vor den Römern eine Etruskerstadt. Durch die Porta Selci vorbei an der Medici-Festung erobern wir uns die befestigte Altstadt.

Wir können uns diesem glänzenden Alabaster nicht entziehen und besuchen eine der vielen Werkstätten. Und natürlich müssen wir einige der wohlgeformten Steine käuflich erwerben.

Für die Fans der Twilight-Saga: hier hat die königliche Vampirfamilie gewohnt. Seitdem ist es auch ein Mekka für Fans des Vampirkults geworden.

Auf dem weiteren Weg machen wir auch noch einen Zwischenstopp in San Gimignano.

Je höher desto mächtiger: Diesem mittelalterlichen Wettbewerb der Eitelkeiten verdankt die Stadt ihre Wahrzeichen, die heute bis zu 54 m hohen „Geschlechtertürme“, von denen noch 15 erhalten sind. Millionen Touristen kommen jedes Jahr ihretwegen in das befestigte Städtchen. Am Hauptplatz, der Piazza dela Cisterna mit ihren Brunnen aus Travertinstein lassen wir die Kulisse auf uns wirken.

Durch den Chianti erreichen wir unsere Bleibe für die nächsten zwei Nächte. Die befestigte Siedlung aus dem 13. Jahrhundert liegt in einem Jahrhunderte alten Wald, wenige Kilometer von Siena entfernt.
An einem Pilgerweg gelegen, der von Canterbury über Frankreich, Deutschland und die Schweiz nach Rom führte, diente sie schon immer als Herberge. Es bietet dem Besucher eine Reise ins Hochmittelalter.

Unsere Suite hat ein Wohn-Essbereich, eine Küche und ein Schlafzimmer. Im Bad einen in die Badewanne integrierten Whirlpool (Jacuzzi).

Heute wird in diesen alten Gemäuern ein vier Gänge Menü mit einer Weinprobe der hiesigen Weine gereicht. Für € 35 pro Person schließen wir uns an. Artischocken Flan, Hausgemachte Pasta, Ochsenschwanz-Ragout und eine Früchte Tarte (Erdbeeren, Banane, Kiwi).

Samstag, 25,05,2013 – 6. Tag – Siena

Heute ist der erste Tag der mit Regen beginnt. Wir haben es nicht eilig nach Siena zu kommen. Wir kriechen über die Landstraße mit 30 km und hoffen dass der Regen aufhört. Kurz nachdem wir angekommen sind und einen Kaffee getrunken haben, hört es auch tatsächlich auf, bis zum Nachmittag, wo wir unsere Besichtigungstour beendet haben.
Der Kern der Altstadt, Dom und Torre del Mangia, bilden ein phantastisches urbanes Ambiente, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Innenstadt ist für den Autoverkehr gesperrt.
Seine Blüte verdankt die römische Gründung den Silberminen von Montiere, die um 110 in ihren Besitz gelangten. Im Gegensatz zu Florenz war Siena immer kaisertreu. Die Kunst erreichte im 13. und 14. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Einen schöneren Dom haben wir nur in Rom gesehen. Diese Pracht in schwarz-weißen sienesischen Farben gehalten, erstaunt den Betrachter.
Außerdem ist Siena eine Stadt in der man sich ganz schnell verlaufen kann.
Wir kaufen in einem Spezialitätenladen Tomaten, eingelegte Artischocken, Schinken, Pecorino-Käse, Wurst, Wein und Vecchia Romagna und lassen es uns zu Hause als Zwischenmahlzeit gut schmecken.

Den Abend lassen wir im Restaurant ausklingen:
Verschiedene Toskatische Bruschettas: Eins mit Olivenöl und Kräuter, eins mit gehackten Tomaten, eins mit Hühnerleberpastete und eins mit Pilzragout.

Sonntag, 26.05.2013 – 7. Tag – Montalcino, Pienza, Montepulciano

Vino e Olio -Tour – Bis nach Montalcino sind es ca. 70 km. Wir möchten den ausdruckstarken und von Kennern sehr gelobten Rotwein „Brunello di Montalcino“ kennenlernen. Auf 570m Höhe ragt das Dorf auf einem Hügel bewacht von einer Festung, in der standesgemäß Wein degustiert wird. Der Brunello kann lange gelagert werden. Die ältesten Flaschen, die zum Verkauf angeboten werden, sind aus dem Jahre 1945. Natürlich unbezahlbar.

In der Taverna del Grappolo Blu trinken wir den köstlichsten Cappuccino, der uns bisher auf der Tour angeboten wurde. Schade, dass wir heute Abend mit Abendessen gebucht haben. Die Kneipe von zwei alten Damen geführt, ist gerammelt voll. Alle essen zu Mittag. Ein absoluter Geheimtipp (Scale di Via Moglio 1 / Montalcino)

Eigentlich wollten wir nicht, aber wir machen auf dem weiteren Weg in Pienza einen Zwischenstopp. Papst Pius II hatte sein Heimatdorf 1460 komplett umbauen lassen. In einem alten Kloster ist eine Nobelherberge untergebracht. Man sollte sich Zeit für einen Drink auf der Terrasse mit grandioser Aussicht gönnen.

Und die dritte Station ist von der Tour undenkbar: Montepulciano. Zunächst gehen wir eine endlose Treppe, die in die Stadtmauer eingefügt wurde nach unten, bis zu alten Etruskerhöhlen, in der jetzt fässerweise Weine lagern. Das Weingut Redi bietet dort seine Weine zum Verkauf an.
Auf der Via del Corso treffen sich alle, die sehen und gesehen werden wollen.

Unser heutiges Ziel und Unterkunft für die nächsten zwei Nächte ist Cetona. Damit auch unser südlichstes Ziel in der Toskana. Wir werden von einer Künstlerin erwartet. Eine alte Dame aus Wien ist gerade dabei ihr Tagewerk zu vollenden.

Mit drei weiteren Ehepaaren aus Deutschland, Neuseeland und Australien teilen wir den Tisch mit der deutschen Chefin und ihrem italienischen Mann.
Simonetta, die Köchin zaubert ein typisch toskanisches Abendessen für uns. Diverse in Bierteig gebackene Köstlichkeiten, wie Salbei und Artischocken. Eine Quiche mit Mangold Pinien und Pecorino. Ein Gemüseeintopf aus dem eigenen Garten. Rinfleisch gebraten mit Rosmarin, ganzen Zwiebeln, Bratkartoffeln und grünem Salat. Sahnejoghurt mit Kiwi. Dazu köstlichen Wein vom Winzer-Nachbarn.

Montag, 27.05.2013 – 8. Tag – Cetona (Ruhetag)

Heute wollen wir uns ein wenig ausruhen und die Gegend um unser Atelier erkunden.
In Chiusi gibt es heute einen Klamottenmarkt. Auf dem Markt hat sich ein Taschendieb meine Wenigkeit ausgesucht. Ich habe ihn schon fixiert und die Faust zum Schlag schon vorbereitet, als er von einem polizeigeführten Schäferhund in meiner unmittelbaren Nähe, geschnappt wurde.


Nachmittags ruhen wir uns auf dem Anwesen aus. Der freistehende Palazzo liegt auf einer Anhöhe am Fuße des Monte Cetona in einer typisch toskanischen Landschaft mit Weinbergen, Zypressen und sanften Hügeln. Im 1,5 ha großen Garten sorgt ein Swimming Pool für Abkühlung an heißen Tagen. Die Besitzerin, eine Kunsthistorikerin aus Deutschland, betreibt ein Atelier und bietet Malkurse an. Die toskanische Köchin Simonetta arbeitet mit frischen Zutaten aus dem eigenen biologischen Gemüseanbau und kultiviert die traditionelle Küche der Region. Gern lässt sie sich dabei in die Töpfe gucken. Die Mahlzeiten werden wie in einer italienischen Großfamilie an einer großen Tafel serviert. Auf meine Andeutung hin, dass ihr Mann sehr glücklich sein kann, mit so einer guten Köchin verheiratet zu sein, antwortete sie: „Als ich ihn verlassen habe, hätte er gefragt, wenn ich nun gehen würde, wer dann für ihn kochen sollte. Ich sagte ihm es wäre mir ziemlich egal.“
Dass sie geschieden ist, ist für sie bestimmt ein Unglück, aber für das Haus ein wahrer Segen.

Nachmittags decken wir uns beim nachbarlichen Winzer mit genügend Wein ein.

Den Abend versüßt uns wieder die Köchin.
Toskanische Bruschetti mit gefüllten Peperonchini, Hühnerbrüstchen mit Pilzragout, Reis und Salat, sowie selbstgemachten Apfelkuchen.


Dienstag, 28.05.2013 – 9. Tag – Cortona

Nachdem wir 8 Kisten Wein und unsere Koffer verstaut haben, machen wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Bleibe: eine Villa bai San Casciano
Doch zunächst zieht es uns nach Cortona. Auf einem großen Tuffsteinhügel haben bereits die Etrusker sich niedergelassen Unten fruchtbare Täler – Oben Schutz vor neidischen Angreifern.
Steile Gassen und gepflasterte Treppen, die zu stimmungsvollen Plätzen führen. Der Sehnsuchtsort will erobert werden. Der Aufstieg unterhalb der Stadtmauern ist mühsam, aber lohnenswert. Auf der Piazza delle Repubblica hat man sofort alle Mühe vergessen.
Wir schauen uns im Museum nach den Schätzen der Etrusker um. Muss man sich nur bei schlechtem Wetter anschauen. Wir setzen uns auf der Piazza nieder.

In der Villa angekommen empfängt uns eine arbeitslose Massörin. Ich bekämpfe die Arbeitslosigkeit indem ich mich einer Shiatsu Massage beuge.
Nur etwa eine Viertelstunde von Florenz entfernt liegt diese Villa, am nördlichen Rand des Chianti-Gebiets.
Ruhe und eine schöne Aussicht über die sanfte Hügellandschaft, verbunden mit modernem Komfort, machen die Villa zu einem idealen Ausgangspunkt für die Erkundung von Florenz und Umgebung. Die modern eingerichteten Zimmer haben eine Klimaanlage.
Nach heißen Tagen und dem Besichtigungsprogramm kann man sich am Pool, auf der Veranda oder im Garten erholen.
Zum Abendessen (Rindercarpaccio auf Ruccola und Pecorino, Nudeln nach Omas Art und Risotto mit Steinpilzen) treffen wir uns mit den Australiern und Neuseeländern wieder. Anschließen tut sich noch ein schweizer Ehepaar. Nachdem wir alle Cantuccini in Vinsanto getunkt hatten, begeben wir uns in die Bar, wo die Australierin und ich uns am Klavier wetteifern.


Mittwoch, 29.05.2013 – 10. Tag – Florenz

Unserer Meinung nach haben wir uns für die Richtige Reihenfolge der Städtebesichtigungen entschieden. Zuerst die kleineren wie Lucca und Siena und dann erst Florenz, was mit seinen 330.000 Einwohnern schon eine gewisse Größe hat. So haben wir eine stetige Steigerung, auch der Sehenswürdigkeiten.
Beginnen tut man am besten auf der Anhöhe Piazzale Michelangelo.
Es ist gleichzeitig ein großer öffentlicher Parkplatz; der nichts kostet. Für florentinische Verhältnisse reiner Luxus.
Von hier aus (im Rücken die bronzene Kopie des David) hat man die schönste Aussicht auf ganz Florenz.

Wir sind gut zu Fuß, lassen unser Auto auf dem Pakplatz und steigen in ca. 25 Minuten herab zum Domplatz.

Wir haben über den Reiseveranstalter eine exklusive Führung durch Florenz, nur für uns reserviert.
Unsere Führerin, lebt seit 1987 in Florenz, wo sie an der Kunstakademie studiert hat. Seit 1990 bietet die gebürtige Deutsche kunsthistorische Führungen an, die sich nicht auf die üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten beschränken. Eine individuelle Führung mit der leidenschaftlichen Florentinerin ist ein Bildungserlebnis erster Klasse. Wir sind mit ihr zwei Stunden unterwegs und werden von ihr zu folgenden Plätzen geführt:
- Dom (auch Inneres) und das Baptisterium
- Spaziergang durch die mittelalterlichen Gassen zum Geburtshaus des Dante
- Piazza della Signoria (Rathausplatz)
- Palazzo Vecchio, Loggia dei Lanzi, Gebäude der Uffizien
- Ponte Vecchio und
- dem Strohmarkt mit Piazza Repubblica.

In einer klitzekleinen Osteria in der Nähe von Dantes Geburtshaus versuche ich Kutteln in Tomatensoße. Man soll ja überall die regionalen Köstlichkeiten zu sich nehmen. Kutteln gehören, wie der Dom zu Florenz.

Den Tag lassen wir in unserem Hotel ausklingen, bei kleinen Tintenfischen in Tomatensoße, hausgemachten Torteloni, Nudeln mit Rindfleisch und Salat.


Donnerstag, 30. Mai 2013 – 11. Tag – Florenz

Für heute haben wir eine Reservierung für die Uffizien. Ohne Reservierung, haben wir gestern gesehen, ist die Warteschlange so lang, dass man die Lust daran verlieren würde. Auch das haben wir über unseren Reiseveranstalter gebucht. Die Karten dazu hat uns unsere gestrige Führerin gebracht.
Vor dem Rathaus steht wohl die meistfotografierte Statue in Florenz, der David von Michelangelo. Wer ihn hier in den Uffizien sucht ist fehl am Platz. Das Original steht in der Galleria dell’Accademia.

In den Uffizien ist das Kunsterbe der Medici Familie untergebracht.
Werke von Botticelli, Leonardo da Vinci, Caravaggio und Michelangelo machen den Besuch im Museum zu einer wahren Augenfreude.

Wir essen spät nachmittags Carpaccio auf Rucola-Salat und Farfalle Arrabbiata in einer kleinen Osteria. Dafür lassen wir das Abendessen ausfallen.

Ermattet, mit runden Füßen, fallen wir rechtzeitig in unser Bett.


Freitag, 31.05.2013 – 12. Tag – Fahrt nach Gardone Riviera

Nach ca. 320 km Fahrt kommen wir in unserem nächsten Domizil am Gardasee an.
Wir erhoffen uns hier noch zwei Tage schöneres Wetter. In Deutschland regnet es seit fast 14 Tagen.

Das Patrizierhaus aus dem 15. Jahrhundert liegt an den grünen Steilhängen über dem Gardasee bei der
Ortschaft Gardone. Herrliche Blicke, eine große Grünanlage und das gepflegte Haus machen den Aufenthalt zu einem Höhepunkt auf jeder Reise.
Antikmöbel und Kunstgegenstände im Inneren spiegeln den noblen Charakter des Anwesens wider. Einzigartig ist aber vor allem die Lage in einem 80.000 qm großen Park, der wegen seiner Schönheit und durchdachten Komposition auch "Garten der Sinne" genannt wird. Jahrhundertealte Bäume, Obstgehölze, Blumen und duftende Kräuter bilden ein kleines Paradies vor der großartigen Kulisse des Gardasees.

Nach dem Begrüßungstrunk durch den Chef, fahren wir auf seine Empfehlung hin nach Salo. Es hat eine wunderschöne Uferpromenade, auf der wir erst etwas flanieren und die untergehende Sonne genießen.
Im Po-Tal waren es noch erstaunliche 25°C hier müssen wir uns mit 18°C begnügen.

Wir finden das uns empfohlene Restaurant Antica Trottoria „Alle Rose“. Wir bekommen gerade noch einen Tisch. Die Trattoria ist gut besucht.

Vier verschiedene Vorspeisen (nacheinander) Zucchiniblüten frittiert – Rindertartar mit Dijon-Senf und Wachtelspiegelei – Grüner Spargel-Flan mit Käsesauce – Parmaschinken mit Zucchinisalat in Knoblauch, Olivenöl und Limonensaft.

Anne isst Kalbsrouladen gefüllt mit Artischockenpaste und gedünsteten Artischocken. Ich nehme die Gardasee-Sardinen mit Polenta. Guter Wein aus dem eigenen Keller (€ 20) rundete die ganze Sache ab.

Samstag, 01.06.2013 – 13. Tag – Gardone Riviera

Nach einem ausgiebigen Frühstück bis 11:30 Uhr zieht es uns an den See. André Heller hat hier einen Garten konzipiert. Den Garten der Sinne. Die Einheimischen halten nicht viel davon, weil er mit der Vegetation der Region nichts zu tun hat. Er ist aber trotzdem schön!

Wir erkunden die Altstadt, von Gardona Riviera und sind erstaunt über die Ruhe die dieses Dörfchen ausstrahlt. Trotz Hochzeitsfeierlichkeit und vielen Touristen, die die hiesigen Pizzerien in der Mittagszeit erobern.

Unser Weg führt uns auch zu der Uferpromenade direkt am Grand Hotel, die nicht so groß und so prächtig wirkt, wie die gestrige in Salo.

Auf Empfehlung des Herbergmeisters, der mit Sicherheit zum alten italienischen Adel gehört, machen wir eine Reservierung in der Osteria Antico Brolo, Via Carere 10, 25083 Gardone Riviera (0365 21421).
Wir werden den Besitzer morgen beim Frühstück noch über seine Vergangenheit befragen. Er (Originalton): „Wir haben noch irgendwo eine Familienkapelle. Ich weiß nicht wo, aber ich bekomme immer die Rechnung zugestellt, wenn mal wieder Ziegeln heruntergefallen sind oder frische Farbe gebraucht wird.“
Nachdem wir uns auf unserer Terasse ca.200 Meter über dem Gardasee ausgeruht haben stürzen wir uns auf unser letztes Abendessen in Italien.
Käsewaffeln – Hackfleischbällchen mit Tomatensoße – 4 versch. Vorspeisen – Maccheroni mit Käsesoße – Jungschweinbraten mit Zitronengras – Zabaione – Vanille Speiseeis mit Sternfrucht
Abgerundet mit einer Flasche hiesigen Rotweins und Grappa. Danach fallen wir rechtschaffend ins Bett.

Die nächsten drei Tage verbringen wir auf dem Heimweg noch in Badenweiler, um uns von den Strapazen der Rundreise zu erholen. Darüber wollen wir aber nicht mehr berichten.

Fazit:
20.05.2013 – 1 Nacht; zu Gast in einem Patrizierhaus in Cannobio – Cannobio (VB)
Doppelzimmer; Bed & Breakfast
Unserer Meinung nach die beste Adresse. Ein wunderschönes Anwesen, dass uns mit Sicherheit noch einmal sehen wird.

21.05.2013 – 3 Nächte; zu Gast in einem Bauernhaus bei Lucca – Camaiore Doppelzimmer; Bed & Breakfast
Super Anwesen – Schöne Atmosphäre – wirklich beheizter Swimmingpool – wenn gekocht wird, dann vom Besten.

24.05.2013 – 2 Nächte; zu Gast in einer Burg bei Sienna
Suite; Bed & Breakfast – Restaurant
Die Burganlage hat mit Sicherheit seine Reize an heißen Tagen. Wir hatten ca. 100 m² zur Verfügung, die wir bei dem kalten Wetter nicht warm bekommen haben. Restaurant im Hotel erspart die Suche nach dem Abendessen.

26.05.2013 – 2 Nächte; zu Gast in einer Landhausvilla bei Cetona – Doppelzimmer; Halbpension
Anwesen zum absoluten Relaxen. Es war das kleinste Zimmer, dafür Abendessen inklusiv. Bei guter Witterung schöne Gartenanlage. Schon alleine wegen der Köchin würde ich wieder hinfahren.

28.05.2013 – 3 Nächte; zu Gast in einer Villa bei San Casciano – Doppelzimmer; Bed & Breakfast
International gut geführtes privates Hotel mit sehr gutem Restaurant. Abgeschiedenheit und Nähe zu Florenz zeichnet dieses Haus aus. Sehr persönlicher Service. Höchster Standard.

29.05.2013 Stadt-Führung: Man sollte sich dieses Vergnügen der persönlichen Führung gönnen. Wir haben für 2 Stunden €160 bezahlt. Drei Stunden sollte die Führung aber mindestens gebucht werden.

31.05.2013 2 Nächte; zu Gast in einer Villa über dem See – Gardone Riviera – Doppelzimmer; Bed & Breakfast
Natur Pur in einem 80ha großen Garten mit grandioser Aussicht von der Terasse. Ich hoffe, dass der ältere Mann noch viele Jahre mit seinem Haus, seinen Zitronen- und Olivenbäumen, seinen Hühnern und sechs Hunden erlebt. Dann werden wir uns wieder sehen. Er verkauft auch selbst gekeltertes Olivenöl – einfach Spitzenklasse.



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