Dienstag, 24. August 2021

„Von der Hardware zur Software“
Astrid Ochensberger im Gespräch

Dass die letzten anderthalb Jahre keine Glanzzeit für den Tourismus waren ist kein Geheimnis. Gute Kooperation und Zusammenhalt waren wichtiger als je zuvor. Daher freut es uns umso mehr, dass wir auch neue Partner finden konnten, mit denen wir jetzt gemeinsam, Seite an Seite, gestärkt aus der Krise hervorgehen. So auch das Gartenhotel Ochensberger. Gastgeberin Astrid Ochensberger hat sich die Zeit genommen, um mit uns über ihre Arbeit und ihre Vision für die Branche zu sprechen.

Gastgeber in der Steiermark: Astrid und Peter Ochensberger – ©© Garten Hotel Ochensberger
Gastgeber in der Steiermark: Astrid und Peter Ochensberger – ©© Garten Hotel Ochensberger

Der Sommer hat die erhoffte Besserung gebracht. Das Reisen ist wieder möglich. Natürlich gibt es zum Teil noch Einschränkungen und mancherorts gestaltet sich die Situation anders als gewohnt. Nichtsdestoweniger überwiegt die Freude und die Reiselust scheint ungebrochen. So zeigt es sich auch im Haus von Frau Ochensberger, denn seitdem das Beherbergungsverbot gefallen ist, herrscht im Hotel wieder reger Betrieb. Bei vielen Gästen handelt es sich um Stammkunden, die man seit Jahren kennt und die endlich wieder an einen liebgewonnenen Ort zurückkehren können. Andere Gäste haben während der letzten Monate eine neue Perspektive gewonnen und richten den Blick nicht länger nur in die Ferne, sondern auch auf das, was es in der Nähe zu erleben gibt.

Herzstück des Hotelgeländes: Gartenlandschaft – ©©Garten Hotel Ochensberger
Herzstück des Hotelgeländes: Gartenlandschaft – ©©Garten Hotel Ochensberger

Und obwohl die Gastgeberin tagtäglich im Hotelbetrieb mit anpackt, auch oft selbst an der Rezeption steht, nimmt sie sich trotz ausgebuchtem Haus die Zeit, mit uns zu sprechen. Ihr ist es genauso wichtig wie uns, dass man weiß, mit wem man zusammenarbeitet. Dass es auch auf der zwischenmenschlichen Ebene gut passt. Und da es noch keine Möglichkeit für einen Besuch gab, findet das Kennenlernen eben – der Technik sei Dank – in lockerer Runde bei einem Videoanruf statt.

Wir erklären, warum wir uns die Zusammenarbeit gewünscht haben. Wir waren begeistert von der hübsch aufbereiteten Website und den traumhaft schönen Fotos. Kurz gesagt, einfach vom stimmigen Gesamteindruck. Aber natürlich möchten wir auch etwas über die Seele des Hauses wissen.

Frau Ochensberger setzt bei ihrer Erläuterung bei etwas ganz Naheliegenden an – dem Namen. Tatsächlich sei dies eine der Sachen, die viele Gäste begeistere und zu ihnen führe. Aber was genau ist unter dem Begriff „Gartenhotel“ eigentlich zu verstehen?

Tatsächlich kann die Bezeichnung auf zwei Arten gedeutet werden. Das Hotel liegt in St. Ruprecht an der Raab in der Oststeiermark. Und diese gilt mit ihren blühenden Obstwiesen und Feldern als „der Garten Österreichs“. Gleichzeitig bezieht sie sich aber auch, oder besser gesagt vor allem, auf den eigenen Garten – das Herzstück des Hotelgeländes.

Naschen erlaubt: Streuobstwiese – ©©Garten Hotel Ochensberger
Naschen erlaubt: Streuobstwiese – ©©Garten Hotel Ochensberger

Als vor 29 Jahren der Familienbetrieb in die Hand der nächsten Generation überging, gab es noch keinen Garten. Auch von den 63 Zimmern war man noch weit entfernt. Stattdessen handelte es sich um eine kleine Pension mit einem Innenhof, der als Parkplatz genutzt wurde. Man fragte sich also, wo es in Zukunft hingehen solle. Und mit einer genauen Vorstellung machte man sich an die Arbeit. Als sich die Möglichkeit bot, benachbarte Grundstücke zu kaufen, packte man die Chance beim Schopfe. Der Parkplatz wurde ausgelagert und in Zusammenarbeit mit einem Gartenkünstler begann jene Umgestaltung, die den Grundstein für das heutige Konzept legte.

Mittlerweile erstreckt sich der Garten über eine Fläche von rund 2.500 m². Im Laufe der Zeit wurde er immer wieder erweitert, mit Naturschwimmteich, Meditationsplatz, Pavillon, Koiteich und lauschigen Sitzecken, eingerahmt von verschiedensten Pflanzenarten. Er soll als Ort der Ruhe dienen, als Kraftquell fernab des Alltags.

Lädt zum Verweilen ein: Liegen am Naturteich – ©©Garten Hotel Ochensberger
Lädt zum Verweilen ein: Liegen am Naturteich – ©©Garten Hotel Ochensberger

Angeschlossen an den Garten ist die hoteleigene Streuobstwiese mit über 4.000 m² Fläche. Zwischen den unzähligen bestehenden Apfelbäumen hat man hier auch andere altherkömmliche Obstsorten wie Birnen, Kirschen und Zwetschgen angepflanzt. Die Wiese ist für alle frei zugänglich und sobald die Früchte reif sind, ist jeder herzlich dazu eingeladen, nach Herzenslust zu ernten und zu kosten. Um Pestizide muss man sich dabei keine Gedanken machen. Sowohl die Gartenlandschaft als auch die Obstwiese kommen ohne schädliche Hilfsmittel aus und erfüllen die Kernkriterien der Initiative „Natur im Garten“.

Und auch die Gäste finden hier wieder ein Stück weit zurück zur Natur. Frau Ochensberger erzählt uns, dass es gerade das Entspannen unter freiem Himmel ist, das etwas bei den Gästen auslöst. Viele Leute reduzieren kurzerhand ihr geplantes Programm, weil sie vor Ort feststellen, dass sie ihre freie Zeit doch lieber nutzen möchten, um im Grünen zu verweilen. Einer der Gäste entschied sich nach seinem Aufenthalt sogar dazu, sein Leben in der Stadt mit einem eigenen Schrebergarten zu bereichern.

Letztendlich ist der Wohlfühlfaktor des Hotels das Ergebnis einer bewussten Entscheidung. Man möchte sich nicht an der „Materialschlacht der Branche“ beteiligen. Es soll nicht darum gehen, mit dem längsten Pool, der teuersten Kunst oder der größten Suite aufzuwarten. Stattdessen hat man den Fokus darauf gelegt, einen Wohlfühlort zu schaffen, an dem die Menschen die Chance haben, in einer stressfreien Umgebung zur Ruhe zu kommen. Es geht um die Emotion, nicht um die Ausstattung.

Für die richtige Balance: Wellness, Massagen und Yoga – ©©Garten Hotel Ochensberger
Für die richtige Balance: Wellness, Massagen und Yoga – ©©Garten Hotel Ochensberger

Frau Ochensberger hofft, dass der Trend für die ganze Branche in Zukunft generell wieder mehr von „der Hardware zur Software“ geht. So ist ihr Geheimnis für drei erfolgreiche Jahrzehnte eigentlich auch gar kein Geheimnis. Vielmehr ist es die richtige Software, das harmonische Zusammenspiel aus der aufrichtigen Begeisterung für den Beruf, der wertschätzenden Zusammenarbeit im Team, dem Zeitnehmen für die Gäste und einem umsichtigen Umgang mit dem Planeten.

Für seine nachhaltige Handlungsweise ist das Hotel bereits mit dem Österreichischen sowie dem Europäischen Umweltzeichen zertifiziert worden. Hierfür müssen Kriterien erfüllt werden, die von Regionalität bis zu alternativer Energieversorgung reichen. Es wurden deutlich mehr Kriterien erfüllt als notwendig – kein anderes Hotel in Österreich hat bisher mit vergleichbaren Werten abgeschlossen. Wahrscheinlich auch, weil die Liebe zur Nachhaltigkeit tief in der DNA des Familienbetriebs verankert ist.

Im hauseigenen Restaurant: hier serviert man „Gerichte mit G – ©©Garten Hotel Ochensberger
Im hauseigenen Restaurant: hier serviert man „Gerichte mit G – ©©Garten Hotel Ochensberger

Auch in der Gastronomie, wo Herr Ochensberger als gelernter und leidenschaftlicher Koch mitunter selbst hinter dem Herd steht, ist die Devise klar definiert. Die verwendeten Lebensmittel sind nicht immer Bio, aber immer fair produziert. Man arbeitet mit privaten Lieferanten, deren Arbeitsweisen man kennt. Über 30 landwirtschaftliche Produzenten sind seit vielen Jahren verlässliche und geschätzte Partner. Serviert werden also „Gerichte mit Geschichte“, bei denen man genau weiß, woher die Zutaten stammen.

Dennoch hat man die Zeit des Lockdowns aber auch im Hause Ochensberger für die Pflege der Hardware benutzt. So wurde unter anderem die Website, die uns so begeistert hat, von Grund auf neu gestaltet. Alles ist also bereit, um wieder richtig durchzustarten. „Gerade jetzt kann die Touristikbranche glänzen und zeigen, was sie gelernt hat“ sagt Frau Ochensberger. Denn es handele sich doch ganz klar um „die schönste Branche der Welt“.