21.10.2012

Namibiareise von J.H.

Liebe Frau Schloßmacher,

nach unserem wunderbaren Namibiaurlaub möchten wir uns bei Ihnen für die gelungene Zusammenstellung der Tour danken. Es war für uns ein unvergesslicher Urlaub, in dem wir sehr viel erlebt und gesehen haben, bei dem dennoch die erholsamen Momente nicht zu kurz gekommen sind.

Für uns war die Mischung aus Lodges, Guestfarmen und einem Hotelaufenthalt in Lüderitz perfekt. Wir konnten auf diese Art einen Eindruck über das Farmleben in Namibia erhalten und uns intensiv mit den Farmern unterhalten. Besonders erwähnenswert ist die Hamakari Jagd- und Guestfarm der Familie Diekmann. Das war wie Urlaub mit Familienanschluss – sehr herzlich und offen. Man sollte allerdings keine Probleme mit der Jagd haben, da es nicht ausgeschlossen ist, auch auf aktive Jäger zu treffen.

Nach dieser kurzen Zusammenfassung noch ein Reisebericht, der vielleicht denen helfen kann, die eine Namibiareise planen:

Wir starteten unsere Reise mit dem Flug mit Air Namibia von Frankfurt nach Windhoek. Es ist aufgrund der Direktverbindung empfehlenswert, dennoch freuen wir uns für unseren nächsten Namibiaurlaub schon auf die neuen Flugzeuge der Air Namibia, die ab Herbst 2013 auf dieser Strecke zum Einsatz kommen sollen. Der Sitzabstand war extrem eng und es gibt auch kein Fernsehen am Platz, so dass sich diejenigen, die nicht gut schlafen können/wollen, mit dem Zeitvertreib etwas schwer tun.

Wir haben am Flughafen unseren Mietwagen übernommen und sind sofort in Richtung Windhoek aufgebrochen. Dort haben wir einen ersten Stopp an der Christuskirche und dem Reiterdenkmal eingelegt und festgestellt, dass sich der Kofferraum unseres Fahrzeuges nicht schließen lässt. Das könnte in einem afrikanischen Land durchaus zum Problem werden, so dass wir zum nächstgelegenen Europcar gefahren sind. Dort haben wir unsere erste Windhoek-Stadtrundfahrt erhalten, da wir mit Begleitung zu einer Autowerkstatt in das Industriegebiet am anderen Stadtende gefahren sind. Die konnten den Mangel nicht ohne weiteres beheben, so dass wir wieder zurück zum Europcar gefahren sind und dort wirklich ein tolles Ersatzauto übernommen haben. Ein fast neuer Ford Ranger war unser Begleiter für die nächsten Wochen – wunderbar!

Dann konnte es endlich richtig losgehen. Unsere erste Station war die Kalahari Anib Lodge in der Nähe von Mariental. Die kleinen roten Sanddünen waren teilweise schon von der Straße aus zu sehen. Aufgrund unseres späten Starts in Windhoek konnten wir am nachmittags Game Drive nicht mehr teilnehmen. Das haben wir am nächsten Morgen nachgeholt und sind zu zweit mit dem Guide Francois um 6.00 in die Kalahari gestartet. Wir haben viele Tiere gesehen und viel über die Flora und Fauna erfahren. Nach dem Frühstück sind wir zur zweiten Etappe aufgebrochen. Über Keethmannshoop sind wir zum Fish River Canon gefahren. Auf diesem Abschnitt wartete auch die erste C-Straße, sprich Schotterstraße auf uns. Wenn wir dort schon gewusst hätten, was uns noch erwartet, hätten wir es als Autobahn eingestuft. Nach kurzer Eingewöhnungszeit war es ein relativ angenehmes Fahren mit guter Geschwindigkeit. Im Canon Village haben wir es uns für die nächsten zwei Nächte eingerichtet und nach den sehr heißen Tage die noch kalten Nächte genossen. Der Fish River Canon ist sehr beeindruckend, vor allem wenn man die Aussichtspunkte, die für alle erreichbar sind, noch um ein paar Abstecher ergänzt, die nicht so gut ausgeschildert sind und auch nur wirklich gut mit einem 4x4 zu erreichen sind. Die Aus- und Einblicke sind dort viel besser.

Unsere dritte Station führte uns an den Atlantik nach Lüderitz. Auf dem Weg dahin hatten wir das Glück, die Wüstenpferde bei Garub direkt neben der Straße zu sehen und beobachten zu können. Lüderitz selbst ist sehr verschlafen und man darf sich nicht zu viel erwarten. Dennoch war die Peninsula-Rundfahrt zu den Flamingos, zum Diaz-Kreuz und zu den diversen Aussichtspunkten sehr interessant.

Zwei Tage später stand endlich die Fahrt nach Sesriem zum Sossusvlei auf dem Plan, für mich in der Vorbereitung eines der Highlights der Reise. Der Weg dahin war etwas beschwerlicher, da die 400 km nahezu vollständig Schotterpisten waren und doch ein ganzer Urlaubstag für die Fahrt benötigt wurde. Dennoch wurden wir auch auf der Fahrt dafür entschädigt; es war eine sehr beeindruckende und relativ abwechslungsreiche Landschaft – rote Dünen, Gesteinsberge... Auch die Tiere sind nicht hinter Zäunen sondern die leben wirklich frei und wir konnten Oryx und Kudu bestaunen sowie ganze Zebraherden beobachten. Auf die vorkommenden Tiere wird auch auf den Verkehrsschildern hingewiesen, so dass man genau weiß, was kommen kann.

Die Kuala Dessert Lodge liegt in the middle of nowhere und genau das macht ihren Reiz aus. Weite, Stille und die herrlich roten Sanddünen. Man wird willkommen geheißen, als käme man nach Hause. Die Tour mit unserem Guide Jonas war interessant und wirklich auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Leider war das Wetter (bewölkter Himmel) nicht ganz auf unserer Seite, so dass es keine guten Fotos vom Sossusvlei gibt. Der Vorteil dabei war allerdings, dass wir uns gut bewegen konnten, da die Sonne nicht ungehindert auf uns herabbrennen konnte. Es war auch so noch heiß genug.

Die folgenden zwei Tage in Swakopmund brachten wieder etwas Abkühlung. Vorher galt es jedoch, die Namib durch den Namib Naukluft Park zu queren. Das war der anstrengendste Teil der Strecke, da die Straße in weiten Teilen relativ schlecht gewartet ist und durch die kurvenreiche Strecke war höchste Aufmerksamkeit geboten. Eine wunderbare Überraschung erwartete uns auf fast halber Strecke in Solitäre. An einer der wenigen Straßenkreuzungen auf dieser Strecke war ein Camp, ein Laden und eine Bäckerei mit frischem hausgemachtem Kuchen in riesiger Auswahl. Absolut empfehlenswert, dort einen Stopp einzulegen.

Swakopmund ist wirklich noch relativ "deutsch" und man findet sich in Anbetracht der Größe sehr schnell zurecht. In der Villa Margarita waren wir bestens untergebracht und das auch noch sehr zentral. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, v.a. weil uns fast jeder Wunsch von den Augen abgelesen wurde und alles getan wurde, damit unser Aufenthalt erholsam wird. Aus dem riesigen Angebot an Aktivitäten haben wir uns für eine Katamaranfahrt in der Walvis Bay entschieden, da wir im gesamten Urlaub nur wenig am und im Wasser waren. Wir haben Robben, Delfine und Pelikane gesehen und viel Salzluft geatmet – ein wirklich erholsamer Tag.

Mit einem Zwischenstopp auf der Farm von Eugen und Monika Siebold in der Nähe von Omaruru sind wir Richtung Etosha NP gefahren. Auf dem Weg dahin haben wir die Spitzkoppe mit dem Bushmans Paradiese besucht und uns dort körperlich etwas ausgearbeitet. Auch eine Wanderung mit den Buschmännern in der Nähe von Omaruru hatte noch Platz in unserem Tagesplan. Dies war eines der interessantesten Erlebnisse, da die Buschmänner noch mit sehr einfachen Mitteln ihr Leben gestalten. Problematisch ist, dass dieses Nomadenvolk im eingezäunten Farmland Namibia keinen richtigen Platz für ihr Leben hat.

Für den Etosha Park haben wir in unserer Reise viel Zeit eingeplant, da wir absolute Tiernarren sind. Unsere erste Station war die Etosha Safari Lodge. Es war für uns – auf hohem Niveau – die schlechteste Lodge, weil es eine riesige Lodge ist und die war auch noch rappelvoll. Nach den vielen stillen Momenten und ruhigen Lodges sehr gewöhnungsbedürftig. Darüber hinaus waren alle geführten Touren ausgebucht, so dass wir selbst fahren mussten. Für den Fahrer ein durchaus sehr anstrengender Tag, ohne wirklich in den Genuss der Tierbeobachtung zu kommen. Wir haben das beste daraus gemacht und sind alle Wasserlöcher in der Umgebung von Okaukuejo abgefahren. Wobei uns das Glück an den Wasserlöchern nicht wirklich holt war. Die meisten Tiere haben wir direkt neben der Straße entdeckt. Der Höhepunkt des Tages war ein Leopard, den ich schlafend unter einem Baum entdeckt habe.

Der nächste Tag war für die Durchquerung des Etosha-Parks zum Lindquist-Gate auf der Ostseite des Parks vorgesehen. Wir haben in der Nähe von Okaukuejo noch einen Abstecher zu den Wasserlöchern gemacht, bei denen ziemlich sicher Elefanten auftauchen sollen. Wir hatten wieder kein Glück. Das lag, wie schon am ersten Tag direkt neben der Straße – vier Löwinnen, zwei Elefantenherden und zwei einzelne Elefanten. Neben den vielen Antilopen, Gnus, Vögeln eine relativ gute "Ausbeute".

In der wunderschönen Mushara Lodge hatten wir das Glück, einen Guide für den Game drive am Morgen zu bekommen. Alfred hatte rückblickend mehr als Adleraugen. Wir haben ein black rhino gesehen (ganz nah), ein schlafendes white rhino und drei vollgefressene Löwinnen unter einem Baum. Nicht weit davon lag direkt am Straßenrand der dazugehörige Löwe. Er hat völlig unbeeindruckt an seiner Gnukeule gekaut und wir haben drei Meter daneben gestanden. Faszinierend. Alfred hat mit seinen Augen auch noch einen Geparden entdeckt, den wir niemals gesehen hätten. Durch das Fell verschmilzt er fast mit dem Gras. Wir waren wirklich lucky guys.

Jetzt galt es Abschied vom Etoscha zu nehmen. Unsere vorletzte Station war die Hamakari Jagd- und Guestfarm der Familie Diekmann. Ein schönes Fleckchen Erde, auf dem wir uns sehr wohl fühlten. Wir erwanderten uns ein kleines Stück des Waterbergs und hatten "Afrika zu Füßen". Die Farmrundfahrt mit Willem Diekmann, die sowohl unser Tierinteresse befriedigte als auch das geschichtliche Interesse meiner Schwiegereltern, war sehr interessant und intensiv. Auf Hamakari erlebten wir die zwei schönsten Sonnenuntergänge, einen an einem kleinen See und den anderen während der Farmrundfahrt. Die Stimmung war wie in "Jenseits von Afrika" und wir werden noch lange davon zehren. Abends gab es für interessierte Gäste noch Sternkunde, so dass wir uns jetzt auch am südlichen Himmel etwas orientieren können.

Wir haben das Hereroland verlassen und fahren zu unserer letzten Station – Windhoek. Es gibt es Spruch, dass man bei der Ankunft in Windhoek denkt, es sei ein Dorf und wenn man von der Rundreise zurück kommt, meint man, es sei eine Weltstadt. Es ist genau so, da man sich nach der Stille und endlosen Weite wieder an Menschen und Enge gewöhnen muss – auch im Straßenverkehr.

Für uns geht in Windhoek ein wunderschöner Urlaub zu Ende. Eine letzte Nacht verbringen wir im Olive Grove exklusiv Guesthouse – ein wunderbarer Ort zum Entspannen, an dem wir gerne länger verweilt wären.

Zusammengefasst war es ein traumhaftes Land in dem man sich, gerade im Vergleich zu Südafrika, frei bewegen kann. Das Essen war absolut vorzüglich und selbst mitten in der Wüste hat man das Gefühl gehabt, der nächste Supermarkt muss um die Ecke sein. Die Menschen waren durchgängig nett, absolut hilfsbereit und offen. Wir haben viel über Land und Leute erfahren.

Wir werden sicherlich wiederkommen!



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