30.09.2006

Namibiareise von Torsten Spillecke

Sehr geehrter Herr Garstka,

im folgenden mein Reisebericht über die von ihnen zusammengestellte Autotour durch Namibia, Botswana und Zimbabwe:
Also insgesamt war das schon ein supertoller Urlaub mit unglaublich schönen Eindrücken von Mensch, Natur und Landschaft! Der Mietwagen war klasse, ich hatte keine Panne oder andere Probleme mit selbigem. Es gab aber auch ein paar Unwegbarkeiten, die ich am Ende kurz erwähnen werde.
Die Flüge waren allesamt sehr angenehm und vor allem auf den beiden langen Strecken Frankfurt – Johannesburg – Frankfurt war ich vom jeweiligen Platz 62K positiv angetan, da man da ja keinen Sitz vor sich hat und dadurch mehr Bewegungsmöglichkeiten hat. Außerdem wird man als erstes bedient.
Die Lodges waren alle toll ausgesucht und sehr unterschiedlich. Ich habe es wirklich genossen, die herrlichen Dinner(-bufetts) oder das Abendprogramm z.B. in der N'Kwazi Lodge bei Rundu mit afrikanischen Tänzen, Trommeln und Gesängen wie auch in der Chobe Safari Lodge. Wie gesagt, das Essen war prima und unheimlich reichhaltig, die abendliche Atmosphäre sehr schön! Die Aktivitäten, an denen ich teilnahm, sprich Game Drives, Pirschfahrten, Bootstouren, Elefantensafari bei den Victoriafällen waren unglaublich aufregend und lehrreich durch die Erklärungen der kundigen und sehr erfahrenen Guides. Die Tiererlebnisse waren einmalig!!! Löwen im Etosha N.P., Hunderte von Elefanten im Chobe N.P., manche durchquerten bzw. -schwammen den Fluß, sodass man nur noch den Rüssel wie einen Schnorchel aus dem Wasser ragen sah oder im Okavangodelta, wo die Dickhäuter an Palmstämmen rüttelten um an die Früchte zu gelangen, die dann zu Boden fielen. Die Entfernungen zu den Tieren waren teilweise atemberaubend gering, so dass man herrliche Aufnahmen machen konnte, ohne Angst haben zu müssen, angegriffen zu werden, da selbst scheinbar gefährliche Tiere überhaupt keine Agressivität zeigten, sondern unsere Anwesenheit tolerierten. Wahrscheinlich aufgrund der Gott sei Dank guten Erfahrungen mit den Menschen dort, wie auch die Guides bestätigten.
Eine Herde Wasserbüffel, die durchs Wasser stürmen, dass es nur so spritzt oder wunderschöne Vögel wie Fischadler, Kingfisher oder auch diverse Storcharten sowie unzählige Antilopen von Impala über Kudu bis hin zu Springbock oder Oryx lassen das Herz des Tierfreundes höherschlagen...
Ich sah auch viele Flußpferde, nachts auf der Pirschfahrt wie sie an Land in unserem Scheinwerferlicht grasten oder tagsüber immer wieder ihre Köpfe zum Atmen aus dem Wasser streckten. Einmal hat mich sogar ein Flußpferd morgens um 6:45 aus dem Schlaf gerissen, als es direkt unterhalb meines Balkons in der Lodge am Kwando River im Caprivi Streifen durchs seichte Schilf watete und mich ganz überrascht anzublicken schien, als ich es, mich selbst noch im Pyjama befindend, fotografierte.
Im Camp im Okavangodelta hatte ich eine durchaus aufregende Nacht mit mehreren Elefanten verbracht, die stundenlang nicht von meinem Zelt wichen und es immer wieder berührten, selbst nach Nahrung und einem geeigneten Schlafplatz suchend. Diesen hat ein Bulle schließlich in einem Termitenhügel direkt am Zelt gefunden, an dem er sich anlehnen konnte, was Elefanten gerne zu diesem Zwecke machen, wie ich am Morgen vom Guide erfuhr.
Ich habe auch viele Tierbabys aller Spezies gesehen, die wohl gerade jetzt zur Welt kommen, da genügend Wasser vorhanden ist und die eigentliche Regenzeit noch unmittelbar bevorsteht.
Die Menschen sind übrigens alle sehr gastfreundlich und warmherzig. Man wird bestens behandelt, gerade auch in den Unterkünften. Der Gast ist eben König und das spürt man!

Nun noch zu den Unzulänglichkeiten und unangenehmen Dingen meiner Reise durchs südliche Afrika:

Die Grenzübertritte, vor allem der von Botswana nach Zimbabwe, sind schon eine Zumutung. Man hat x Formulare auszufüllen, immer wieder die selben Angaben zum Wagen, sogar Fahrgestell- und Motornummer. Außerdem hat man dann noch horrente Gebühren zu bezahlen! In meinem Fall wurden zusätzliche 86(!)US-Dollar fällig nur an der Grenze zu Zimbabwe. Für den Hubraum des Wagens 21 US§, für eine Zusatzversicherung für Personenschäden 35. Außerdem die obligatorische Visagebühr von 30 US§. Das Prozedere hat mich über eine Stunde gekostet!
Dann hatte ich beim Verlassen Namibias in Richtung Botswana kein sogenanntes CBC-Permit als Nachweis für die Bezahlung der Straßenbenutzungsgebühr für Namibia, da es mir von Avis nicht ausgehändigt wurde und ich auch nicht wußte, dass man sowas braucht. Der Polizeibeamte an der Grenze ließ mich für 20 Namibiadollar trotzdem gewähren, allerdings wollte er erst 30 bzw. 20 US-Dollar. Als ich mich weigerte, dies zu bezahlen, gab er sich auch mit den Namibiadollar zufrieden. Das roch schon stark nach Korruption...
Als ich am Ende der Reise nach Namibia zurückkam, mußte ich ein neues Road-Permit kaufen (immerhin 140 N§ oder etwa 17 Euro), bloß für die letzten 250 km zum Windhoeker Flughafen, da der Mietwagen ein südafrikanisches Kennzeichen hatte und kein namibisches. Für mich doch irgendwie ärgerlich, da ich dann nicht mehr genügend Bargeld für die letzte Tankfüllung hatte und nochmals abheben mußte, was sich später als überflüssig herausstellte.
Denn als ich am Flughafen an der Tankstelle von Avis den Mietwagen nochmals volltanken ließ, wurde das einfach mit auf die Endabrechnung gesetzt und per Kreditkarte eingezogen, so dass ich jetzt auf etwa 300 Namibiadollar sitzengeblieben bin, die man hierzulande sehr schlecht zurücktauschen kann. Wissen Sie da einen Rat, Herr Garstka, außer sie bei der nächsten Namibiareise wieder mitzunehmen, denn solange möchte ich nicht warten.
Hinzu kamen noch zwei fahrtechnische Probleme. Den Flughafen von Maun habe ich lange nicht gefunden, da hätte ich eine detailliertere Beschreibung gebraucht, da fehlende Schilder und Baustellen das Auffinden doch sehr erschwert haben und sich das Flughafensymbol in meiner Karte an der falschen Stelle befand. Auch bei der Fahrt von Maun zur Grenze hatte ich Schwierigkeiten mit der Baedeker-Karte, da veraltet. In Toteng muß man garnicht links abbiegen, wie in der Karte verzeichnet sondern einfach geradeaus über Sahitwa weiterfahren. Nach mehrmaligem Nachfragen bei den Einheimischen kam ich dann doch noch auf die richtige "Fährte".
Zuletzt noch ein Problem durch meine späte Ankunft in Swakopmund in dieser Privatpension Intermezzo. Da ich am Morgen noch an einem Ausflug zu den Dünen bei Sesriem von meiner Lodge Desert Homestead aus teilnahm, welcher leider länger als gedacht dauerte, jedoch sehr lohnenswert war, und ich in Walvis Bay noch zu Abend gegessen habe, kam ich halt erst um 23:00 Uhr im Intermezzo an. Der deutsche Gastgeber war nicht sehr angetan von meinem späten Erscheinen, da er wohl schon geschlafen hatte. Für ihn war es "mitten in der Nacht" und "wo ich denn jetzt herkäme?". Ich habe mich bei ihm entschuldigt, er wollte sich jedoch noch bei Umfulana melden, um sich bei Ihnen zu beschweren. Allerdings hat er sich schnell wieder beruhigt und war am nächsten Morgen auch ganz nett zu mir, zeigte auch etwas Verständnis für meine Tagesplanung vom Vortag. Für mich freilich war der lange Tag, auch die anfangs etwas beschwerliche Anfahrt aufgrund der Straßenverhältnisse, überhaupt kein Problem, da ich das von früheren Autotouren her so gewöhnt bin und ich einen Tag eben gerne von früh bis spät ausnutze, wenn man sich schon mal an einem wunderschönen Ort unserer Welt befindet. Ich hoffe, sie hatten wegen mir keine allzugroßen Unannehmlichkeiten mit dem Betreiber des Intermezzo. Leider hatte ich auch keine Gelegenheit, ihn telefonisch über eine spätere Ankunft zu informieren; es war auch schlecht abzuschätzen, wie spät es würde. Hinzu kommt, dass mir nicht bekannt war, dass die Menschen in Namibia, oder zumindest in Swakopmund, so früh zu Bett gehen und eine spätere Anreise Probleme darstellt...Naja, es haben alle überlebt!

So, dass war es aber jetzt wirklich. Also alles in allem eine großartige Reise, die ich nur weiterempfehlen kann, speziell auch die Route, in 3 Wochen absolut machbar, mal abgesehen von den doch teilweise sehr schlechten Schotterstraßen (Seeheim – Fish River Canyon und zwischen Aus und Sesriem). Da wäre ein Jeep doch angebrachter.

Vielen Dank nochmal für ihre Bemühungen zum Entstehen und Gelingen dieser Reise!

Mit freundlichen Grüßen

Torsten Spillecke, Weinstadt.



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