05.02.2011

Südafrikareise von Andreas Naylor

Sehr geehrte Frau Tiemann,
Sie baten um eine kurze Beschreibung unserer Reise durch Südafrika: Das geht natürlich weder kurz noch vollständig. Deshalb beschränke ich mich auf einige Highlights.

Die Unterkünfte waren originell, komfortabel und einzigartig: Auf „eigene Faust“ hätten wir diese nur zufällig und natürlich nicht alle gefunden. Einige Ziele hätte man gar nicht gesucht. Wer hätte z.B.  Hermannsburg angefahren, wer hätte ausgerechnet Quantas B&B gefunden? Wer fährt freiwillig in Richtung einer Zuckerfabrik auf der Suche nach einem B&B, wenn man nicht fast blind Umfulanas Beschreibung vertraut? Und dann: Diese Offenheit und Freiheit, die das ganze Haus und die großartige Person Quanta austrahlt: Ein Erlebnis positivster Art.

Das war ein großartiges Erfahrung, diese selbstverständliche Exklusivität in fast allen gewählten Unterkünften.

Aber von vorne: Unsere Reise erstreckte sich über Silvester/Neujahr. Was macht man Silvester im Krügerpark? Das wussten wir natürlich auch nicht, aber im Satara  Camp gab’s ein Angebot: Nachtsafari über den Jahreswechsel! Das haben wir natürlich gebucht! Um 23h ging‘s los, in die stockfinstere Wildnis!  Nur 10 andere Touristen hatten sich angemeldet, und so hatten wir viel Platz im Safari – LKW. Unser Guide bat um Ruhe, aber als mitten auf dem dunklen Weg im Scheinwerferlicht ein Stachelschwein auftaucht, schnatterten und kreischten die Mitfahrenden so laut durcheinander, dass das arme Vieh seine Stacheln aufstellte und schleunigst verschwand. In der Folge waren dann alle ganz still….und wir sahen in der Dunkelheit hunderte von leuchtenden Augenpaaren, die uns aus dem Gras anschauten. Unglaubliches Leben in der Nacht: Eine afrikanische Wildkatze starrte uns an, Hyänen kreuzten den Weg…
Mitternacht:  Stop an einem Rastplatz. Und was brachte unser Guide aus den Tiefen des Gefährtes: Sekt satt, Chips, getrocknetes Fleisch (Biltong), getrocknete Früchte! Unser  Jahreswechselmenü….Wir fuhren erst ab, als alle Flaschen geleert waren. Ein Jahreswechsel in der Wildnis: Skurril, ungewöhnlich, einzigartig.

Nach der eindrucksvollen Zeit im Krügerpark gings Richtung Swaziland; Mkhaya Game Reserve. Eine neue Erfahrung des Logierens: Luxus inmitten der Natur. Wir hatten 2 Nächte dort gebucht und konnten diese ungewöhnliche Erfahrung voll geniessen. Für uns war die "Safari zu Fuss" der beeindruckendste Teil dieser Tage: Wir 3 Menschen (wir beide+unser Guide) Auge in Auge mit einer Nashornfamilie! Und aus dem Tümpel daneben räkelt sich ein Hippo hinaus: Wir fühlten uns als Teil der Buschsavanne.
Übrigens ein Tipp: Unbedingt am Treffpunkt auf Abholung warten und auf keinen Fall versuchen, das Camp alleine zu erreichen! Wir sahen eine ganze Familie im Kleinwagen festgefahren im Treibsand mitten im Flussbett! Das macht den Rangern Ärger und zusätzliche Arbeit, einem selbst Riesenstress und nur den zahlreichen dort badenden Kindern Spass.

So, ein Höhepunkt ganz anderer Art: Während unserer Reise durchquerten wir in der Nähe von Richards Bay auf einer kleinen Strasse grosse Wohngrebiete der schwarzafrikanischen Bevölkerung. Wir reisten in einer Viertel Stunde von einer Form der Zivilisation in eine andere, und in unserem Auto fühlten wir uns wie in einem Raumschiff. Wir schauten raus, die Menschen schauten herein... das Ganze war nicht bedrohlich, aber sehr gefühlsbewegend. Sicherlich...weil wir unvorbereitet in die Situation kamen...wir hätten mehr aus dieser Nachmittagsfahrt machen können: So blieb das Gefühl zurück, einen Blick in eine völlig andere und spontan unerklärliche Welt getan zu haben. Es war Samstag, viele Menschen waren auf dem Weg zu Feiern offenbar religiöser Art: Ganz blau gekleidete Frauen, prächtig angezogene Familiengruppen. Uns war nicht danach, zu fotografieren: Wir schauten nur. Und verstanden nicht (Später besprachen wir das Erlebte mit Vic Schütte und anderen, konnten so im Nachhinein einordnen, was wir gesehen hatten).

Der Aufenthalt in Herrmansburg war insgesamt großartig: Hier beschränke ich mich auf die hochinteressante Fahrt mit Vic Schütte in die Umgebung und die Stadt Tugela Ferry. Dabei beeindruckten Szenen, die für sich betrachtet völlig unwirklich erscheinen: Meine Frau musste dringend eine Toilette aufsuchen. Och, sagte Vic, kein Problem: Wir gehen gleich ins Krankenhaus! Vorbei an allen Wartenden, den "normalen" Patiententoiletten und der Anmeldung spazierte Vic voran die Treppe hinauf selbstverständlich auf ein "besseres" Clo:Um uns anschliessend die Klinik zu zeigen und zu erklären. Diese fraglose Selbstverständlichkeit mit der sich das alles abspielte: Der unangemeldete Besuch in Frauenstation, Kinderstation usw... für sich genommen – selbst wenn man um die Stellung von Vic weiss – nach unserem Verständnis eine Ungeheuerlichkeit. Aber...niemand regte sich auf, das wurde selbstverständlich toleriert. Das gilt auch für alle die Patienten, die es gelassen hinnahmen, dass wildfremde weisse Menschen sie in intimsten Situation antrafen. Natürlich habe ich meine Kamera ganz tief in der Tasche gelassen...

Der anschliessende Besuch mit Vic in einem Rundhaus (...keiner, auch Vic, wusste nicht warum Zulu runde Häuser bauen...)war dann aufschlussreich und interessant, erreichte aber nicht die Intensität des Krankenhauses.

Aus unserer Sicht ein landschaftlicher Höhepunkt der Reise: Das Thendele – Camp in den nördlichen Drakensbergen. Es ist atemberaubend...diese Kulisse, dieses Licht! Auch in den Wolken bietet die Gebirgsformation "Amphietheater" ein beeindruckendes Bild: Aber wolkenlos! Grandios!

Ein Besuch der Stadt  Graaff Reinet darf nicht enden ohne wenigstens einige Stunden in Nieu-Bethesda, ca. 20 km nördlich mitten in der Karoo. Das unglaubliche Owl-House der Künstlerin Helen Martins lässt einen ergriffen stehen, geerdet wird man dann wieder bei einem fantastischen Bier in der alten Brauerei (Das "Bitter" ist super!). Und dazu: Eine deftige Brotzeit mit Ziegenkäse und Antilopen-Salami!

Jetzt zu einer schönen Erfahrung ganz anderer Art: Das B&B "The Anchorage" und hier besonders die Inhaber Annette und Craig: Lebensfrohe, mutige Menschen. Wenn jemand eine Familie sucht, die das Wort "Glück" verkörpert, dann diese. Wir fanden es schade, Stillbay nach 2 Nächten zu verlassen...

Zum Schluss: Natürlich!! Kapstadt. Die Stadt und ihre Fasziniation wurde schon hundertmal beschrieben. Fährt man mit offenen Augen durch diese beeindruckende Stadt, sieht man in jeder windgeschützten Ecke, unter jeder Brücke Menschen leben: Menschen! Die soziale Schieflage des Landes wird deutlich, wenn man dann in das mehrfach verriegelte Heim von Barry und Mina einkehrt: Das Jambo Guest Haus. Unwirklich und fantastisch! Exklusivität, Kunstgeschmack, Harmonie! Der Garten ein kleiner Regenwald! Mina und Barry: aufmerksame Gastgeber! Das Haus ein Kleinod! Leider ist Mina krank: Von hier aus wünschen wir noch einmal gute Besserung! Besucht uns in Deutschland in 2012!



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