21.12.2004

Südafrikareise von Knut Henke

Lieber Herr Garstka,
Liebe Umfulaner,

vielen Dank für die perfekte und kurzfristige Organisation unserer Reise ins nordöstliche Südafrika. Unsere in vielen Jahren chronisch gewordene Skepsis vor Reiseveranstaltern haben Sie gebrochen: Besser hätten wir diese Reise und ihre Inhalte nicht organisieren können. Nachfolgend möchten wir unsere Eindrücke und Erfahrungen gerne mit Ihnen und allen Interessierten teilen, so wie uns selbst die Reiseberichte anderer Reisender bei der Routenauswahl geholfen haben:

Unsere Fotos zu dieser Reise finden Sie unter www.knudhenke.de. Sie sind so benannt, dass eine Zuordnung zur Route problemlos möglich ist.

Reisedaten:
März-April 2004
Planungsgrundlage: Tourenvorschlag „Südafrikas Osten: abseits der Touristenpfade“ – erweitert auf drei Wochen und entgegen des Uhrzeigersinns.

Unsere Reisehighlights:
Von Johannesburg direkt via Autobahn gen Süden und dann über Nebenstraßen in den Royal Natal National Park. Erste Impressionen einer grandiosen Landschaft. Erste Unterkunft: 2 Nächte „Cleopatra“ –aus kulinarischer Sicht das absolute Tour-Highlight. Hier kocht Fünfstrenekoch Richard für seine Gäste ein 6-Gänge das eine Explosion der Sinne hervorruft! Auch die Zimmer waren sehr persönlich und liebevoll eingerichtet, so dass es wie eine kleine Oase der Ruhe für uns war. Schöne Wandermöglichkeiten. Die Strecke nach Underberg war sehr schlecht und dementsprechend langwierig. Von „Moorcroft Manor“ (idyllisches Gut mit Landhaushotelcharakter) aus haben wir eine unvergessliche Tagestour in eine andere Welt gemacht. Geführt in 4x4s ging es die steile, steinige Straße hoch zum Sani Pass nach Lesotho, für unseren Mietwagen wäre dies schwerlich machbar gewesen! In einem Hochland-Dorf konnten wir Einblicke in die Kultur und Lebensweise der Masotho bekommen.
Mit einem Zwischenstopp in Karkloof, wo wir an Klettergeschirr hängend seilbahnartig durch und über den Wald glitten, führte uns unsere Reise ins Zulugebiet. 3 Übernachtungen blieben wir bei Quanta in Herrmannsburg. Eine sehr leibenswürdige Gastgeberin! Es folgte ein gemeinsamer Tag mit Vic Schütte. Durch jahrzehntelange Erfahrung als Entwicklungshelfer und die guten Beziehungen zu vielen Familien und Institutionen bei den Zulus hatten wir einige der eindrucksvollsten Begegnungen. Vielen Dank noch mal dafür an dieser Stelle!
Auch der Besuch am darauf folgenden Tag im mit einem Aids-Waisen-Projekt verbundenen Kindergarten war ein Erlebnis das wir nicht missen möchten.
Als Abschluss dieses Abschnitts unserer Reise besuchten wir auf Quantas Vorschlag hin noch die große Mission KwaSizaBantu. Das war noch eine neue Facette zum Thema Missionsarbeit in der Region: Die Schwarzen bekommen Essen, Unterkunft und Arbeit in einer der hochtechnisierten Produktionsanlagen – und lassen sich im Gegenzug missionieren.
Nach Menschen, Landschaft und Kultur stand für die nächsten 12 Tage Südafrikas Tierwelt auf unserem Plan. Als Einstieg wählten wir den St. Lucia Wetlands Park. Dort bekamen wir unser erstes Großwild zu sehen, und es war zugleich unser einziger Kontakt mit dem Meer (darin einzutauchen war sehr angenehm, da die Luftfeuchtigkeit hier enorm hoch war). Am späten Nachmittag gingen wir per Boot auf Kroko- und Hippoexpedition und eine Nachtfahrt durch den Park rundete unseren Einstig gelungen ab und unser Wissen über das Wildleben wuchs schnell.
Der Umfolozi und Hluhluwe Park bescherte uns dann eine unglaubliche Anzahl an recht nahen Tierbegegnungen! Der Park ist klein, verfügt aber über ein sehr enges Straßennetz und gute Bird Hides genannte Holzhütten, in denen man (mal außerhalb des Autos!) sitzen kann, um in Ruhe die Umwelt zu beobachten und zu lauschen. Untergekommen waren wir in der „Leopard Mountain Lodge“, wieder einmal eine phantastische Wahl! Wir hatten von unserer Hütte aus eine herrliche Aussicht über das Tal mit traumhaften Sonnenaufgängen. Und wie eigentlich überall war das Personal sehr nett und auskunftsfreudig und das Essen lecker…
Durch Swaziland wählten wir die östliche Route, da wir so zum Mkhaya Game Reserve kamen. (Achtung, pünktlich am Treffpunkt sein. Hier sieht’s aus wie auf einem Schrottplatz, aber man ist richtig!) Im Reservat werden u.a. verschiedene bedrohte Spezies zum Teil in abgetrennten geschützten Bereichen aufgezogen. Das Besondere an diesem Reservat war für uns – neben dem unbeschreiblich romantischen Camp (da es ohne Strom und geschlossene Räume auskommt und wir fast die einzigen Gäste dort waren) – die Menge an Jungtieren hier. …und die Nähe – die erste Begegnung mit Elefanten samt Junger war für mich nicht fotografierbar, weil ich so NAH nicht mehr fokussieren konnte! Wer hier nicht zwei Nächte bleibt, um die Tageswanderung mitzumachen, ist selber schuld! Daywalks werden in jedem Camp angeboten und bringen einem in 30 – 60 Min die südafrikanische Flora und Fauna näher. Der hiesige Daywalk dauert mehrere Stunden und hat das Ziel, zu Fuß auf das Großwild zu treffen. Es ist ein ergreifendes Gefühl ohne „schützende“ Autohülle einer Nashornmutter mit ihrem Jungen Auge in Auge gegenüber zu stehen. Auch viele Kleintiere (Mistkäfer, Schildkröten …) konnten wir so in Ruhe beobachten.
Unsere Route führte uns weiter an die südliche Grenze des Krügerparks. Wir brauchten erst einmal einen Tag Pause von all den überwältigenden Eindrücken und sind in Nelspurit in einer Mall gewesen, statt wie geplant eine Rundtour durch den südlichen Kruger Park zu machen. Paddy und Pauline waren unsere liebenswürdigen Gastgeber („Izinyoni“ mit zwei Gästezimmern). Das Essen war spitze, genauso wie die wertvollen Tipps und Routenvorschläge für den Kruger Park. Sehr ergreifend ist auch die Lebensgeschichte von John, der als Flüchtling aus Mosambik beim Marsch durch den Park – im Gegensatz zu vielen anderen nicht den Löwen zum Fraß fiel – und heute mit im Haushalt lebt.
Tags drauf sind wir dann wie geplant durch den südlichen Kruger Park zum angeschlossenen privaten Park Elephant Plains gefahren. Zwar haben wir dabei nicht viel Großwild zu sehen bekommen, dafür aber eine ungeahnte Vielfalt an Vögeln in allen Größen, Farben und Formen! (Tipp1: Es gibt ein neues, wenig bekanntes Gate zwischen „Numbi“ und „Paul Kruger“ bei den Albasini Ruinen – ohne Wartezeit, Tipp2: Direkt am Orphan Gate führt eine, gut befahrbare und ausgeschilderte Piste zu Elephant Plains. Der lange Umweg über Acornhoek ist nicht nötig). Das Besondere an den Game Drives in einem privaten Park ist, dass mehrere offene Landrover gleichzeitig unterwegs sind. Sobald ein Wagen interessante Tiere entdeckt hat, werden die anderen per Funk dorthin gelotst. So ist es eigentlich garantiert, dass man die meisten der Big Five hier zu sehen bekommt. Nach kurzer Zeit hatten wir uns auch daran gewöhnt, dass hier auch schon mal quer durch bzw. über den Busch gefahren wird.
Als letzten Abschnitt unserer Wildtier-Tour hatten wir den mittleren Kruger Park (Olifants Camp) gewählt. Hier gilt es auch auf die anderen Touristen zu achten, denn wenn andere schon etwas entdeckt haben, kann man es ja nutzen – von alleine hätten wir z.B. die versteckt am Straßenrand schlafenden Tüpfelhyänen nie gefunden.
Als Abschluss unserer Reise, fast wie eine Art Wiedereingewöhnung an Zivilisation und Vorbereitung auf die Rückkehr, sind wir von Hazyview („Jackalberry Farm“ – schöne Hütten neben Flusspferden, gute Küche und führsorgliche Gastgeber) aus die Panorama Route entlang gefahren und haben immer wieder neue, wunderbare Ausblicke in den Blyde River Canyon und die Bourke’s Luck Potholes genossen!

Auch wenn unser Bericht nicht ganz kurz ist, ist dies doch nur eine knappe Zusammenfassung unserer tollen Reise.


Allgemeines, was wir gerne weitergeben möchten:

Flughafen Joburg:
Keinen Kulturschock bei all den „Helfern“ bekommen, die einem den Weg zeigen wollen – Die Autovermietungen findet man auch gut alleine: sie sind links vom Ausgang im ersten Gebäude rechts.
Stromadapter:
Keiner der uns in Deutschland vorgestellten Modelle für Südafrika hätte gepasst. Am Flughafen in ZA gibt es passende Modelle für ein Zehntel des hiesigen Preises.
Postamt:
Eine gute Möglichkeit, Übergewicht bei der Rückreise zu vermeiden (Paket nach Hause senden) und Einheimische kennen zu lernen… Wartezeiten bis zu zwei-drei Stunden einplanen.
Highways:
Schnell, aber sehr hässlich. Wer die Zeit hat, sollte die größeren(!) Nebenstrecken wählen. Wir haben hier die eine oder andere Schönheit entdeckt.
Sand/ Schotterpisten:
Sie bilden natürliche Wellenkämme über die der unerfahrene Tourist mit 20 km/h von Huppel zu Huppel hüpft! Kurz Gas geben und ab 60 km/h fährt man wie auf einer normalen Straße, kommt rechtzeitig ans Ziel und verärgert auch keine Mitmenschen.
Unbekannte Städte:
Man hat sich nicht unbedingt verfahren, wenn man sich in einer Stadt wieder findet, die, da inoffiziell / illegal, auf keiner Karten verzeichnet ist.
Lebenseinstellung:
Es war für uns enorm beeindruckend, wie positiv die Südafrikaner die Zukunft ihres Landes sehen. Andersherum merkt man doch noch eine Art Rassentrennung – so wurden wir z.B. in Swaziland als Weiße durch jede Straßenkontrolle gewunken.
Tagesetappen:
Südafrika ist groß! Sehr groß!!! Wir haben einige getroffen, die die Ambition hatten das ganze Land in drei Wochen zu sehen und nur im Auto saßen um letztlich gar nichts gesehen zu haben außer 8 Stunden Betonhighway zwischen Sonnenauf- und –untergang ;-)
Kriminalität/Sicherheit:
Südafrika ist eines der Länder mit der höchsten Kriminalitätsrate weltweit. Dieses ist jedoch sehr differenziert zu betrachten. Mord und Totschlag konzentrieren sich auf die Großstädte. In vielen der Unterkünfte gab es nicht einmal einen Schlüssel. Wer sich an die allgemeinen Verhaltensregeln hält (Reichtum nicht offen zeigen, keine Townships … ) braucht keine Angst zu haben, auch mal in den Dörfern spazieren zu gehen und das Leben und Treiben auf sich wirken zu lassen. Man ist dann scheinbar Einheimischer und wird auch so behandelt. Nur einmal wurden wir angesprochen, ob wir nicht Arbeit zu vergeben hätten.
Bettelnde Kinder:
Hatten wir sehr selten und haben von uns grundsätzlich nichts bekommen, um diesen mancherorts aufkommenden Trend nicht zu verschlimmern. Ein unverhoffter Lolly ist auch viel schöner.
Mitbringsel:
Wir hatten einiges Spielzeug, Kulis und Süßigkeiten für die Waisenhäuser dabei. Im Vergleich scheint die Durchschnittsfamilie jedoch noch weniger zu haben.
Tramper:
Auf den Hauptstrecken fahren Privatbusse, ansonsten laufen Südafrikaner oft mehrere Stunden zur Arbeit. Fußgänger mitzunehmen ist eine schöne Möglichkeit, Menschen glücklich zu machen. Es ist ein Gefühl der Dankbarkeit, welches einem entgegengebracht wird. Für uns waren diese Kontakte immer eine schöne Erfahrung, auch wenn kaum jemand Englisch sprach.
Tiere beobachten:
Großwild gibt es nur noch in den Parks. Hier bleibt man im Auto und auf den Wegen, deshalb Fernglas nicht vergessen (oder private Game Reserves nutzen). Es gibt ein preiswertes Heft „Maps of the Zululand and Maputaland Reserve“ mit Detailkarten und Abbildungen aller in den jeweiligen Parks heimischen Tiere. Die mit Abstand höchste Tierdichte hatten wir im Umfolozi (Tierbewegungen sind Klimaabhängig, deshalb Ranger vor Ort fragen).
Fotografieren:
Unsere Fotos sind auf 200 ASA (Tag) und 400 ASA (Dämmerung / Nacht) entstanden. Ein vernünftiges Zoomobjektiv (bis 1300, analog ~10x optisch auf Digitalkamera) garantiert traumhafte Bilder. Ein Beutel mit Reis oder Linsen ergibt eine ideale Auflage fürs Fenster.
Reiseorganisation /Selbstorganisation:
Als Individualtourist hat man seine konkreten Vorstellungen von dem was man möchte und vor allem von dem, was man nicht möchte. Umfulana war für uns ein Experiment, aber eines, welches wir uneingeschränkt weiterempfehlen können. Das Team war sehr flexibel und hat unsere Wünsche aufgenommen und, was für die Qualität spricht, diesen teilweise auch nachvollziehbar, begründet widersprochen.
Wie auch andere die wir getroffen haben, haben wir zuerst daran gedacht, die Reise auf Basis der Daten selber zu organisieren – Es lohnt nicht: 1. wäre es bei gleicher Route nicht preiswerter, Umfulana finanziert sich anscheinend aus den von den Unterkünften eingeräumten Rabatten. 2. hätte man die Organisation an den Hacken und keine Rücktrittsversicherung. 3. fehlen die besonderen Kontakte, die diese Reise für uns zu einem unvergessenen Erlebnis gemacht haben.

In diesem Sinne: Danke und bis zum nächsten Mal.
Göntje Kühl & Knud Henke



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