26.01.2009

Vietnamreise von Marion Richtmann

Südvietnam und Mui Ne
20.11. – 03.12.2008

Ein rauschender Wolkenbruch über Ho Chi Minh City. Zwei, drei Minuten stocken die Hunderte von Cyclos, hält der Verkehr die Luft an, gerade so lange, wie es dauert, einen Regenponcho anzuziehen und schon geht es weiter, ein quietschbuntes, heilloses, quirliges Durcheinander, begleitet von permanentem Gehupe... und wir mittendrin: ohne Ponchos – die hatten wir zuhause gelassen.

Das waren die ersten Eindrücke von Vietnam, der erste Nachmittag einer wunderbaren Reise in ein Land voller Gegensätze und voller Harmonie. Von der boomenden Metropole Saigon in das Flusslabyrinth des Mekong und schließlich an einen der schönsten Strände am südchinesischen Meer.

Wir haben einen Papst und eine Kardinalin gesehen, Bilder des heiligen Victor Hugo, Jadedächer, Meeresgöttinnen und Schildkröten in fantastisch anmutenden Tempeln.

Mehr oder weniger auf allen Vieren sind wir durch die Tunnel von Cu Chi gekrabbelt und standen fassungslos und betroffen vor den Hinterlassenschaften eines schrecklichen Krieges.

Im kolonialen Luxus und der kühlen Eleganz des Majestic Hotels fühlten wir uns – dank Chaterine Deneuve – in bester Gesellschaft und genauso in der lässigen und entspannten Atmosphäre unter den Kite-Surfern im Sailing Club in Mui Ne.

Was uns aber vor allem immer im Gedächtnis bleiben wird, das sind die Menschen in Vietnam.

Unser guide, immer präsent, immer lächelnd, mit einer Leidenschaft für Motorräder – natürlich – und vielen kleinen Geschichten aus seiner Heimat.

Unser Fahrer, der uns sicher durch Schlaglöcher, über Kreuzungen in Saigon und immer rechtzeitig an unser Ziel gebracht hat. Manchmal sogar mit familiärer Unterstützung durch den Onkel.

Die Köchin der Garküche in Cholon, deren Lächeln noch ein bisschen verschmitzter wurde, als sie sah, wie uns von dem Chili in ihrer Suppe die Luft weg blieb.

Der Portier des Majestic, der uns zwinkernd versprach, uns nach zwei Tagen suchen zu lassen, als wir uns das erste Mal alleine und zu Fuß in den Verkehr von Saigon stürzten.

Das Reisbauernpaar am Mekong, das uns zu Tee und Früchten in seine Hütte einlud und uns stolz das vom jüngsten Sohn aus Holz, Draht und einer alten Batterie selbstgebaute ferngesteuerte Auto vorführte.

Der Kellner in der Strandbar des Sailing Club, der uns mit viel Gekicher erzählte, dass er die letzte Nacht nicht geschlafen hatte, weil sein erster Sohn zur Welt kam. Sein Grinsen wurde dabei nur von den Ohren begrenzt.

Wir werden sie nie vergessen!

Nachdem ich bereits Südafrika mit Umfulana bereist hatte, stand es außer Frage, dass ich mich auch in Vietnam auf Altbewährtes verlassen wollte. Wie auch schon in Afrika hat Umfulana es auch dieses Mal wieder geschafft, für eine hervorragend organisierte und geplante Reise die i-Tüpfelchen zu finden. Jene Details, die das Besondere ausmachen.

Und abschließend noch ein Satz, der uns immer wieder nach Vietnam zurückbringt:

„Man konnte sich nicht vorstellen, dass es jemals sieben Uhr abends und Cocktailstunde sein würde auf dem Dach des „Majestic“, wo ein frischer Wind vom Saigonfluss heraufwehte.“

(Graham Greene, Der stille Amerikaner)



Nach Oben