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Die Sonne geht über einem Weinberg unter
©Sabine und Ulrich Becker
Eine Braut sitzt auf einem Balkon und schaut aus dem Fenster
©Sabine und Ulrich Becker
Ein Mann geht auf einer Straße in der Nähe einer Kirche
©Sabine und Ulrich Becker

Sabine und Ulrich Becker | Italien

Juni 2008

Liebe Frau Parkin, liebes Umfulana-Team,

etwas verspätet erhalten Sie den Bericht unserer 2wöchigen Apulien-RAD-Reise vom 12.06.-27.06.2008, die uns immer noch in wunderbarer Erinnerung ist.

Die Masserias vor und nach der Radreise waren toll ausgewählt, die Organisation war auch bei unserer 2. Reise mit Umfulana perfekt. Dafür ein herzliches Dankeschön. Auch die Betreuung von HIKBIK während der Radtour war sehr zufrieden stellend.
Nachfolgend möchten wir die einzelnen Stationen unserer Reise etwas genauer vorstellen:

Die zwei ersten Urlaubstage verbrachten wir zum Relaxen in einer Masseria in Mola di Bari.
Diese liegt ca. 3,5 km außerhalb von Mola, umgeben von Weinbergen und Obstplantagen. Wir wohnten hier in einem ca. 300 Jahre alten Gut, in welchem die Besitzerin nach Möglichkeit alles im Originalzustand erhalten will. Alte Möbel aus Familienbesitz prägen die Zimmer, gegessen wird gemeinsam am großen Küchentisch. Wir wurden wunderbar bekocht, führten anregende Gespräche über Land und Leute und erfuhren viel vom Alltag. Das Frühstück nahmen wir im Freien ein, zum Relaxen ist ein riesiger, fast ein wenig verwunschen wirkender Garten vorhanden. Die Besitzerin Rita kümmerte sich rührend um uns. Zur Fahrradtour bekamen wir beispielsweise einen handgeschriebenen Guide und Obst – natürlich frisch gepflückt. Alle Wünsche wurden uns förmlich von den Augen abgelesen.

Leider mussten wir nach zwei Tagen weiter und wurden von HIKBIK nach Alberobello gebracht, wo wir unsere Fahrräder für die anschließende 6tägige Tour übernahmen.
Diese standen für uns im Depot schon bereit und waren in einem sehr guten Zustand, entsprechende Taschen konnten wir uns auswählen.
In Alberobelllo erfolgte die Übernachtung im Trulli mitten im historischen Zentrum. Dieser bestand aus kleiner Küche, Wohnraum, Schlafraum und Bad. Das Frühstück war im Kühlschrank als Self Service vorbereitet. Die Räder konnten wir mit in den Vorraum nehmen. Alberobello selbst ist witzig anzusehen mit seinen vielen Zipfelmützenhäusern. Es gibt auch ein Trulli-Museum.

Der erste Radtag führte uns bei angenehmen Temperaturen durch leicht hüglige, sehr abwechslungsreiche Landschaft über Locorotondo und Martina Franca – wo wir jeweils einen kurzen Stopp zur Besichtigung einlegten – nach Ostuni. Dort wohnten wir in einem wunderschönen kleinen Altstadt-Hotel. Riesige Zimmer, großes Bad und ein sehr guter Service luden zum Entspannen ein. Das Abendessen und Frühstück nahmen wir im wenige Schritte entfernt liegenden Restaurant ein.
Ostuni, die weiße Stadt auf drei Hügeln erbaut, hat eine nette Altstadt mit vielen kleinen, teils als Treppen angelegten Gässchen und natürlich Kirchen. Jede Menge Restaurants und kleine Geschäfte laden zum Bummeln und Verweilen ein.

Die zweite Tagestour führte uns nach Manduria. Eine schöne Stadt mit vielen alten, leider noch nicht so gut restaurierten Häusern. Das kleine Hotel, in der Häuserzeile einer Seitenstraße gelegen, hatte kleine aber sehr saubere Zimmer mit Balkon, allerdings ohne jegliche Gastronomie. Die Chefin holte uns dafür persönlich zum Abendessen ab und brachte uns zu dem ca. 10 Min. Fußweg entfernt liegenden Restaurant Morpheus. Ein einfaches Restaurant – anfangs nahmen wir an, wir befinden uns in einer leeren Disco – aber mit geschmacklich sehr gutem Essen. Wir verständigten uns mit Buch, Händen und Füßen. Leider mussten wir das Frühstück am nächsten Morgen in der Bar Naxos am Markt von Plastiktellern einnehmen, was dem ganzen ein wenig Abbruch tat.

Dieser 3. Radtag war ein Kampf gegen den Wind – 68 km, vorwiegend an der Küste entlang, nach Gallipoli. Aber die Landschaft entschädigte uns für die Anstrengung. Die Unterkunft erfolgte hier in einem Hochhaus am Hafen. Wir waren die einzigsten Gäste in diesem 12geschossigen Hotel und hatten im 7. Stock ein Appartement von enormer Größe mit Blick auf den Hafen für uns. Ebenso standen uns abends und morgens im Hotelrestaurant 2 Kellner zur Seite. Ein etwas merkwürdiges Gefühl, aber wir wurden sehr freundlich bedient. Die Altstadt von Gallipoli ist ebenfalls sehr sehenswert, viele Kirchen, interessante Häuser, die Fischverkäufer, gutes Eis…

Am 4. Fahrradtag fuhren wir an die Spitze des Stiefelabsatzes von Apulien nach Santa Maria die Leuca. Hier treffen das Ionische Meer und die Adria zusammen. Wir übernachteten in einem „Urlauberhotel“ direkt an der Meerespromenade. Wir stiegen die über 200 Stufen zum Leuchtturm hinauf, erfuhren, dass wenige Tage zuvor der Pabst an diesem Platz eine Messe hielt und wanderten wie jeden Abend durch die Straßen des Ortes. Sehenswert ist auch der Hafen. Das Hotel war von den Zimmern her in Ordnung, leider war das Essen nicht von besonderer Qualität.

Zum Glück wussten wir noch nicht, dass wir an dem nächsten Morgen diesen steilen Berg Richtung Leuchtturm auf der Straße mit unseren Fahrrädern erklimmen müssen. Wir rechneten jetzt auch mit Rückenwind, der sich leider nicht einstellte. Dies war eine richtige Bergetappe. Allerdings hatten wir dafür wunderbare Ausblicke von der Steilküste und die Landschaft war einfach überwältigend. Die Rennradfahrer waren auch wieder beim Training und immer wurden wir mit einem lauten Hallo und Winken begrüßt. In Otranto angekommen, bezogen wir unser Zimmer in einem Hotel, nahe der Altstadt und des Stadtstrandes gelegen. Sehr zu empfehlen das fast daneben liegende Restaurant Osteria la Pesia by Mario. Die Altstadt mit Stadtmauer, den bekannten kleinen Gassen, Kirchen, Restaurants und Geschäften lädt zur Besichtigung und zum Bummeln ein.

Der letzte Radfahrtag führte uns dann in die Barockstadt Lecce. Es war fast als Erholung zu bezeichnen, diese Etappe zu radeln. Vielfach fuhren wir durch riesige Olivenbaumwälder, an den Alimini-Seen vorbei, besichtigten auf dem Weg noch kleine Dörfer und versuchten, den neu angelegten Radweg ausfindig zu machen. Das ganze lief ein wenig chaotisch ab, da die Beschreibung von Hikbik für diesen Tag wirklich nicht ausreichend war. So verlief die Fahrt ein wenig im Zickzack, aber dennoch war es eine schöne Tour mit wieder wechselnder Landschaft. In Lecce angekommen, wurden die Räder sofort abgeholt und ins Depot gebracht und wir bezogen ein sehr schönes Zimmer. Lecce ist absolut sehenswert und so blieben wir noch bis Samstagnachmittag da, um möglichst viel von den Palästen, Kirchen und weiteren Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

Unsere nächste Station war nun mit dem Mietwagen eine Masseria, 3 km außerhalb von Otranto gelegen. Diese Masseria ist ein umgebautes Kloster. Alle Zimmer haben direkten Gartenzugang, die Zimmer sind klein aber sehr stilvoll eingerichtet, ebenso die Bäder. Ein Swimmingpool ist vorhanden und über dem Ganzen weht schon ein leichter Hauch von Luxus. Der Service war perfekt und freundlich. Allerdings fanden wir den Preis für das angebotene Abendmenü zu hoch, zumal es keinerlei Wahlmöglichkeit gab. Deshalb fuhren wir abends nach Otranto – es war „pink day“ – ähnlich den weißen Nächten. In den alten Gassen waren überall rosa Schirme aufgespannt, es waren Bühnen aufgebaut mit Livemusik und vom Baby bis zur Großmutter war alles auf den Beinen. Wir genossen lecker Fisch im Restaurant Il Pagnato – ein Tipp aus dem Reiseführer. Bei dem anschließenden Stadtbummel ließen wir uns von der südländischen Stimmung einfangen und genossen diesen warmen Sommerabend. Von hier aus kann man auch schöne Badebuchten erreichen. Ein Auto ist dafür allerdings Voraussetzung. Wir nutzten den folgenden Tag zum Baden und Ausruhen und fuhren gegen Abend nach Maglie ins Landesinnere. Hier gibt es viele Shoppingmöglichkeiten und die Stadt an sich ist auch sehenswert.

Die letzte Etappe unserer Reise führte uns an der Küste entlang nach Montegrosso zur einer wieteren Masseria . Auf dem Weg dorthin machten wir noch Stopps in Polignano a Mare, ein wunderschöner kleiner Ort mit Steilküste und Trani, wo wir als erstes die Kathedrale besichtigten und an einer Hochzeit teilnehmen durften. Dies war für uns sehr beeindruckend, da die Hochzeitsgesellschaft fast die ganz Kathedrale ausfüllte. Die Hochzeitszeremonie war geprägt von viel Musik und Fröhlichkeit – es war ein Erlebnis. Danach mussten wir uns beeilen, um noch pünktlich in unserer Masseria einzutreffen. Mitten im Nichts, auf einem Hügel, umgeben von Weinfeldern und Olivenbäumen liegt dieses Landgut. Nach der kühlen Eleganz der vorangegangenen Masseria war dies wie ein kleiner Kulturschock für uns. Aber nach einigen Minuten Eingewöhnungszeit fühlten wir uns sehr wohl. Die Zimmer sind groß mit alten Kaminen, die Wände mit Erdfarben gestrichen. Der Besitzer empfing uns voller Herzlichkeit und wir spürten deutlich die Verbundenheit zu seinem Landgut und mit wie viel Liebe er alles herrichtet. Auf der Terrasse genossen wir ein Abendessen, was typisch ländlich italienisch war. Wenn die Gäste es wünschen, können sie auf Anmeldung hier abends essen, gekocht wird wie in einer italienischen Familie. Wenige Tage zuvor fand in dieser Masseria eine Weinverkostung statt, zu der auch Journalisten geladen waren und wir profitierten noch von den geöffneten Flaschen. Das Frühstück war auch super lecker, jeden Tag bekamen wir Bruschetta, Käse selbst hergestellt, frisch gepflücktes Obst, selbst gekochte Marmelade – einfach köstlich. Von dem Gut aus hat man einen weiten Blick bis zum Meer, zum Gargano und über die Weinplantagen. Es herrscht eine himmlische Ruhe vor, einfach total entspannend. Auf dem Hof wohnten zu unserer Zeit Steineulen mit ihren Jungen, wir hörten sie in der Nacht. Im Bad hatten wir einen kleinen Lurch als Mitbewohner, was sich als nützlich erwies, da er Mücken vertilgt. Und so tauchten wir in wenigen Tagen in ein völlig anderes Leben ein. In der Masseria sind auch Fahrräder vorhanden. Aber angesichts der bereits zurückgelegten Kilometer und der sehr hügeligen Landschaft verzichteten wir darauf und machten Touren mit dem Auto. Wir besichtigten das Castel del Monte, ein monumentaler, sehr interessanter Bau, fuhren nach Giovinazzo und Molfetta und natürlich nochmals nach Trani. Viel zu schnell vergingen auch diese letzten drei Tage und am Abreisetag besichtigten wir noch die im Bau befindlichten Suiten in der Masseria. Schweren Herzens fuhren wir nach Bari, wo wir bis zum Abend noch die Stadt besichtigten, was auch lohnenswert ist.

Insgesamt gesehen war dies ein sehr erholsamer Urlaub für uns.
Wir hatten Glück mit dem Wetter, sammelten viele neue Eindrücke, fuhren durch wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaften, lernten viele freundliche Leute kennen und zehren noch von den Erlebnissen. Die Tagesetappen der Fahrradtour waren gut beherrschbar, die Unterkünfte immer sauber und sehr gut gelegen. Nach jeder Tour konnten wir in wenigen Minuten die historische Altstadt zu Fuß erreichen bzw. waren bereits mittendrin. Die vorsorglich gebuchte HP wäre nicht nötig gewesen. Lediglich die Routenbeschreibung von HIKBIK ließ manchmal zu wünschen übrig. Das war für uns allerdings kein Problem, da wir uns noch mit Karten und Navi ausgestattet hatten. Es kam auch vor, dass wir einen Italiener nach dem Weg zum Hotel fragten und da wir uns in italienisch nicht verständigen konnten, fuhr er kurzerhand mit dem Auto vor uns her und zeigte den Weg.
Es war auch die Reise der Hochzeiten und Kirchen. Noch nie sahen wir in einem Urlaub derart viele Kirchen – Lecce hat wohl schon ca. 40 Stück – und so viele Hochzeitspaare, die diese traditionellen Stätten aufsuchen.

Während hier die letzten Zeilen geschrieben werden, denken wir bereits über eine neue Reise mit Umfulana nach…

Viele Grüße

Sabine und Ulrich Becker