Hermann Hartenstein | Neuseeland
Dezember 2009
Kleiner Reisebericht von unserer Reise nach Neuseeland und Australien via Singapur und Hongkong Dezember 2008 bis Februar 2009.
Der Flug in der Qantas von Frankfurt nach Singapur war anstrengend: jeder Platz in dem Flugzeug war besetzt. Wir hätten nicht gedacht, dass so viele Menschen sich am 29.12. auf eine so weite Reise begeben würden. Schlafen konnte man nur in dem begrenzten Raum, der einem zur Verfügung stand, wenn man ein Regenwurm war, der sich zusammenrollen konnte. Wir kamen recht erschlagen in Singapur an und wurden am Flughafen von einem äußerst freundlichen Fahrer zum Hotel gebracht. Der „Service with a smile“ hatte begonnen und hat uns auf der Reise immer begleitet.
Die riesigen moosbewachsenen Bäume, die den Straßenrand säumen, begrüßten uns auf unserer Fahrt in die Innenstadt. Wir bewunderten die verschiedensten, üppigsten und farbenfrohen Orchideen im Botanischen Garten. Es gibt Straßenzüge in denen die Inder noch ihre Tempel und kleinen Geschäfte haben, wo sie bedruckte Stoffe anbieten. Die Malaien und Inder sprechen alle Englisch; die größte Bevölkerungsgruppe sind aber die Chinesen.
Am 31. Dezember gingen wir abends in ein chinesisches Restaurant und aßen ein Menü, das mit „Vogelnest“ begann (es war zum Glück nur eine Nudelsuppe) Die Gerichte waren sehr interessant, ebenso die chinesischen Familien, die dort mit Kind und Kegel feierten.
Um 9 Uhr war das Lokal leer und wir betraten eine Katholische Kirche, deren Türen einladend offen standen, und erlebten dort einen schönen Gottesdienst auf Englisch mit einer guten Predigt und schöner Chormusik: die Gemeinde war ein Gemisch aus allen Bevölkerungsgruppen, die Kirche war voll.
Wir entschwanden rechtzeitig kurz vor Mitternacht und folgten den Menschen, die alle in eine bestimmte Richtung gingen und sich dort in einem öffentlichen Park niederließen. Um 12 Uhr erlebten wir aus nächster Nähe das schönste Feuerwerk, das ich je gesehen habe, begleitet von dem begeisterten „ah“ und „oh“ der Menschen. Wir hatten kein Gläschen Sekt in der Hand, auch unter den vielen Menschen gab es keinen mit einer Bierflasche: wir schauten alle nur bewundernd in den Himmel. Es war ein schöner Anfang für 2009!
Christchurch war unser erstes Ziel in Neuseeland. Der Flug war stürmisch, und stürmisch ist auch dort das Meer, und das Segeln entsprechend gefährlich. Wir bekamen letzteres nur aus den Erzählungen von unseren Gastgebern mit, die ein Segelboot besitzen: Regen und Sturm hatten wir gleich am ersten Tag. Ganz nach englischer Art wurden wir mit einem „Drink“ begrüßt –die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft war einmalig, die Gastgeber sehr natürlich und aufgeschlossen: so erlebten wir es 3 Wochen lang-- und auch in Christchurch zeugen viele Gebäude von der englischen Vergangenheit: die Kathedrale, das Art Centre...
Im botanischen Garten fand unsere Begeisterung über die riesigen Bäume kein Ende: Die Bäume haben wohl viel Regen aber auch genug Sonne. Die Landschaft auf der Südinsel ist wunderschön: man sieht viele Schafe, es gab herrliches Obst; im Hintergrund sieht man Berge und man fährt an vielen türkisfarbenen Seen vorbei, die vom Gletscherwasser gespeist werden. Im Fjordland regnet es wahnsinnig viel und deswegen gibt es dort den „Cold Rain Forest“ der sonst nur in Argentinien und in Chile vorkommt. Die riesigen Bäume wachsen im Moos und wenn sie den Halt verlieren, entstehen Baumlawinen. Man sieht viele Wasserfälle und es erinnert ein wenig an Norwegen, obwohl es nicht so gewaltig ist.
Dafür kann man hier Delphine sehen, wenn man Glück hat. Nach einer herrlichen Fahrt durch Queenstown, über einen Pass an einem Goldgräberort vorbei, aßen wir abends in unserer Bleibe an einem reißenden Fluss ein köstliche Essen mit Ian und Anne, mit denen man sich sehr gut unterhalten konnte.
Wir gingen in einem Regenwald am Fuße des Franz-Josef Gletschers spazieren, fuhren an der Westküste entlang, schlängelten uns in einer paradiesisch schönen Fahrt an einem Fluss entlang durch das Inland bis an die Nordspitze der Südinsel. Im Abel Tasman Gebiet, das man nur vom Boot aus erreicht, sahen wir 40 Delphine in greifbarer Nähe um unser Boot herum schwimmen und als das Boot davonfuhr, sprangen sie meterhoch aus dem Wasser um uns zu imponieren: wir schrien auch prompt vor Entzücken auf. Das Meerwasser leuchtet auch dort herrlich türkisblau.
Von Wellington aus begann unsere Fahrt auf die Nordinsel. Erst sieht man die riesigen Vulkane, leicht mit Schnee bedeckt, dann kommt man in das Gebiet, in dem die Erde blubbert und in allen Farben qualmt, Vulcanic Valley. Es war sehr beeindruckend. Zuletzt waren wir noch oben am Meer (Coromandel) in einer sagenhaft schönen Unterkunft. Wir brauchten nur über die Straße zum Strand gehen: das Wetter war leider etwas windig, aber die Strände luden zum Spazierengehen ein. Wir aßen frische Avocados und andere leckere Sachen an einem Tisch mit Blick auf das Meer. Unsere Gastgeber waren wieder sehr freundlich und interessiert: man unterhält sich auch mit den anderen Gästen. Die Menschen, die einem eine so schöne Unterkunft für den Urlaub bieten, waren immer wieder die zuvorkommensten Gastgeber in den B & B.
Von Auckland aus flogen wir nach Sydney. Von unserem alten viktorianischen Hotel aus konnten wir zum Opernhaus durch den „Royal Botanic Garden“ laufen: beides ist sehenswert. In den hohen Bäumen hausen Dutzende von Fledermäusen, die mit riesigen Schwingen sich Luft zufächeln und mit dem Kopf nach unten hängen und kreischen.
Im Opernhaus genossen wir die Führung und abends die „Zauberflöte“: tolle Sänger, ein schönes Bühnenbild und interessante Einfälle: Papageno und Papagena rollten sich bei ihrem Duett auf der Erde, immer der, der gerade sang, lag oben auf dem anderen. Als sie alle geläutert waren nach ihren Prüfungen, trugen Tamino und Pamina weiße Gewänder und Papageno und Papagena weiße Bademäntel!
In Melbourne erlebten wir die größte Hitze seit 100 Jahren und zwar 46 Grad. Es war nicht zum Aushalten: im Haus und draußen unerträglich heiß, die Bettwäsche glühte wenn man sich abends hinlegte und man war entsprechend in Schweiß gebadet. Die großen Platanen in der Bryson Street ließen ihre Blätter fallen, als sei es Herbst. Ja, und überall wurde auf die Brandgefahr aufmerksam gemacht. Mit Freunden erlebten wir das „Australian Open“ mit Federer, sahen viele Koalabären, die als kleine Bündel in den Astgabeln saßen und auch Pinguine, die bei Sonnenuntergang aus den Wellen kamen um ihre Jungen an Land zu füttern. Sie spazierten gemeinsam den Hügel hoch und dann ging jeder Pinguin zu seinem Nest wo ein hungriges Junges wartete. Dieses Schauspiel wurde von etwa hundert Leuten, die alle auf einer Tribüne saßen und Popcorn aßen, abgewartet. Wir fuhren an der „Great Ocean Road“ entlang und konnten zum ersten mal bei herrlichen Wellen im Meer baden.
In Hongkong vereinen die dort lebenden Chinesen westliche Welt mit chinesischer Tradition: die Menschen leben in wahren Wolkenkratzern, weil die Insel so klein ist, gut gekleidet und vergnügt laufen sie auf den Straßen herum oder sitzen in den Restaurants, aber es gibt kleine Buden, primitive Essenslokale und alte Fischerboote....... Wir fühlten uns wohl dort, aßen „Süß-Saure Prawns“ etc in kleinen, aber nicht so primitiven Restaurants. Es gibt überall dort Chinesen, die kein Wort Englisch sprechen.
Der Flug nach London war halb leer und wir konnten uns ausstrecken und schlafen..herrlich.
Wir waren froh, als wir wieder hier in Deutschland waren. Die frische Luft, die Kälte haben uns gefallen. Aber es war eine herrlich Reise.