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Ein Foto von einer Straße in tallinn mit einem Turm im Hintergrund
Weiße Nächte in Tallinn – ©Kerstin Bories
Eine Gruppe von Windmühlen in einem Feld
Saareema – ©Kerstin Bories
Muhu
Muhu – ©Kerstin Bories
Alleen nach Dikli
Alleen nach Dikli – ©Kerstin Bories
Zvarte-Felsen im Gauja-Nationalpark
Zvarte-Felsen im Gauja-Nationalpark – ©Kerstin Bories
Riga jenseits der Altstadt
Riga jenseits der Altstadt – ©Kerstin Bories
Nida
Nida – ©Kerstin Bories
Die große Düne bei Nida
Die große Düne bei Nida – ©Kerstin Bories
Vilnius im Abendlicht
Vilnius im Abendlicht – ©Kerstin Bories

Kerstin Bories | Baltikum

Juni 2008

Sehr geehrter Herr Bach,

der Alltag hat uns schon wieder zwei Monate fest im Griff, doch heute noch einmal danke für Ihre Nachfrage, wie es uns im Urlaub ergangen ist. Ja, es war ein höchst interessanter und kurzweiliger Urlaub. An dieser Stelle erst einmal herzlichen Dank für die umsichtige Vorbereitung unserer Reise, die Wahl der Hotels war in Ordnung bis große Klasse, der Mix aber in jedem Fall super. Heute also ein Feedback zu unserer Reise und den von Ihnen organisierten Leistungen.

Wir haben die Rundreise durch das Baltikum mit dem eigenen PKW gemacht (Nein, man muss keine Angst haben. Die Dichte von Luxuskarossen ist in den Hauptstädten größer als in München) und das ganze als Schnuppertour betrachtet (überwiegend 2 Nächte je Stopp), denn richtig kennen lernen kann man in dieser kurzen Zeit die recht unterschiedlichen drei Länder nicht. Der mitgelieferte Reiseführer Marco Polo ist für eine erste Orientierung gut. Wer mehr Wissen will, hat es nicht leicht, den richtigen Reiseführer zu finden, da kaum einer mit der rasanten Entwicklung in den drei Ländern mithalten kann. Der Lonely Planet Estland/Lettland/Litauen ist aus unser Sicht jedoch sehr empfehlenswert. Wer auch im Landesinneren unterwegs ist, braucht unbedingt gute Karten, z. B. die Karten vom Reise Know-How Verlag Rump (ca. 1:300.000, auch für Radler geeignet, da Schotterpisten verzeichnet sind) oder sonst besser vor Ort in den Buchläden. Toll war, dass es in jeder Stadt wenigstens eine Touristeninformation mit englisch sprechenden Leuten gibt, die viele Infos und gute Karten abgeben. Die von Ihnen mitgelieferten Beschreibungen für die letzten Kilometer zum Hotel waren meist gut. Schlecht zu finden war das Hotel Grotthus in Vilnius, da alles Einbahnstraßen sind (das Hotel hat eine gute Karte und genehmigt Ihnen sicherlich den Abdruck in Ihren Unterlagen) und beide Hotels (Pension Schwarzer Schwan und Schloss Wasowo) in Polen. An letzteren sind wir sicher nicht ganz unschuldig, da wir für die Rückreise durch Polen keine Detailkarte mithatten, aber die Polen sind sehr hilfsbereit und sind sogar vorausgefahren, als Sprachbarrieren die genaue Beschreibung unmöglich machte.

Kurzfassung unserer Reiseroute in 19 Tagen: Mit der Fähre von Rostock nach Tallinn, Insel Muhu (Saareema), Dikli (Gauja Nationalpark), Riga, Kurische Nehrung, Vilnius, Rückreise über Masuren und Wasowo (nähe Posznan) nach Berlin.

Die Anreise mit der Fähre ist zwar lang (2 Nächte), jedoch Entspannung pur, da kein Anreisestress den ersten Urlaubseindruck beeinträchtigt. Seit dem Beitritt der baltischen Länder zum Schengen-Raum braucht man die Fähre auch nicht mehr in Helsinki verlassen (wie noch auf Ihrer Internetseite und den Unterlagen vermerkt ist).
Die Altstadt Tallinn ist bezaubernd und übersichtlich, aber von Touristen überflutet. Sehr schön ist ein spätabendlicher Streifzug, da es zu dieser Jahreszeit fast nicht dunkel wird, gelingen dann auch tolle Fotos. Das Hotel Taanilinna ist gut gewählt, da von hier aus direkt alles zu Fuß erkundet werden kann. Wer sich jedoch länger im Hotel aufhalten will, ist sicher von der etwas schmuddeligen Atmosphäre auf der Rückseite enttäuscht. Hier halten sich Jugendliche und Stadtstreicher auf, die sich mit Bier aus dem Supermarkt nebendran versorgt haben. Viel besser verbringt man aber seinen Abend draußen vor einem der vielen tollen Bars/Cafes/Restaurants und schaut dem quirligen Treiben zu. Da wir nicht weiter in Landesinnere fahren konnten, haben wir das estnische Freiluftmuseum besucht: Eine sehr großzügiger Park/Wald direkt an der Ostsee mit Bauten des ländlichen Estland. Interessant ist die Fahrt dorthin mit dem öffentlichen Bus, so sieht man, wie die Tallinner wirklich leben.
Auf dem Weg zur Insel Muhu haben wir einen Abstecher nach Paldiski, ehemals verbotene Stadt, Trainingszentrum für U-Bootbesatzungen nuklearbetriebener U-Boote gemacht. Uns trieb die Neugier, wie mit dem gruseligen Erbe der Sowjetunion umgegangen wird – es ist noch gruselig.
Die Fähre zur Insel Muhu fährt alle Stunde (Fahrpläne ändern sich schon mal). Nach 6 km Schotterpiste waren wir auf Pädaste Manor, dem zum Luxushotel ausgebauten Herrenhaus angelangt. Die Erwartungen waren hoch, es war auch wirklich klasse: Sehr aufmerksamer und diskreter Service, tolles Zimmer im fertig gestelltem Herrenhaus mit Prinzessin-auf-der-Erbse-Bett, riesigem Badezimmer und viel technischem Schnickschnack, alles was fehlte, wurde sofort organisiert, das Essen sehr fein, hervorragende Weine und es war eine gute Idee, das Dinner mitzubuchen, da die nächste Gelegenheit doch mindestens 30 km entfernt ist und der nächste Supermarkt noch 15 km (aber wer will sich im Luxushotel schon selbst versorgen?). Auch wenn die Hauptinsel Saareema einiges zu bieten hat, Muhu hat seinen eigenen Charme (die Bewohner sind hier nicht so distanziert wie in Tallinn und erzählen sehr gerne).
Nach soviel Luxus ging’s weiter nach Pärnu (als „Sommerhauptstadt“ der Tallinner ziemlich voll, Kurort eben) auf der schönen Küstenstraße über die Grenze nach Lettland in das Dorf Dikli. Die Anfahrt aus Norden ist etwas abenteuerlich, da alle Wege über Schotterpisten führen. Da wir unsere Ankunft auf Diklu pils (Schloss Diklu) telefonisch angekündigt hatten, erhielten wir noch Hinweise, welche der Pisten noch am besten wäre. Diese unbefestigten Strassen waren jedoch alle gut ausgeschildert und befahrbar, teilweise sehr schöne Alleen. Schloss Diklu hat wirklich Stil, wir haben uns sehr königlich gefühlt. Das Personal ist sehr aufmerksam, leider hat das etwas abgelegene Schloss nur wenige Gäste, sodass, wenn keiner essen möchte, schon mal das Restaurant geschlossen wird (für durstige Kehlen öffnet die Rezeption aber noch einmal die Bar). Sind allerdings die großen Säle gebucht, ist es mit der idyllischen Ruhe vorbei. Das Frühstück ist etwas mickrig und wird bei wenigen Gästen auch nicht als Buffet angeboten. Uns hat’s nicht gestört, das Ambiente, die Lage sind einfach toll. Von hier aus haben wir Valmiera (na ja) und Cesis (gemütlich) angesehen und einen Ausflug in den Gauja-Nationalpark unternommen. Für nicht tagesfüllende Wanderungen lohnt sich der Start einer Wanderung am Zvarte-Felsen. Riga ist nicht weit, also sind wir erst einmal nach Sigulda gefahren. Das lohnt für einen kurzen Trip nur am Wochenende, wenn die Bobbahn nicht nur besichtigt, sondern auch berodelt werden kann und die grandiose Ausblicke auf den Nationalpark versprechende Seilbahn nicht nur 4 x täglich fährt (Fahrzeiten werden wohl an den Bedarf angepasst). Ein richtiges Stadtzentrum gibt es nicht, aber als Ausgangspunkt für einen Wander- oder Wasserwanderurlaub ist die Stadt ideal.
Riga ist eine richtige Metropole, hier brodelt das Leben. Die tolle Stadt mit vielen verschiedenen Gesichtern hat uns in Ihren Bann gezogen. Die Altstadt von Riga ist für Pkws nur mit einer Art Maut befahrbar, aber Sie hatten vorsorglich in Ihren Unterlagen darauf hingewiesen, vor Ankunft im Hotel anzurufen. Das hat super geklappt und so stand unser Auto unter den Überwachungskameras des Domplatzes. Das Hotel Gutenbergs ist ein guter Ausgangspunkt für die Erkundungen in der Stadt, die Dachterrasse zwar schick, aber uns hatten es die vielen Kaffees/Restaurants im Freien mit Musikanten und Schaufensterfaktor doch mehr angetan. Das Rezeptionspersonal ist hier ziemlich unaufmerksam (z. B. waren die Zimmer nicht fertig, das wurde uns beim Einchecken aber nicht mitgeteilt, so dass man erst einmal im ungemachten Zimmer steht). In Riga lohnt sich eine Stadtrundfahrt zur ersten Orientierung oder der Gang in die Touristeninformation, hier bekommt man einen Plan mit empfohlenen Stadtwanderungen. Wer Jugendstil liebt, kommt hier voll auf seine Kosten, wir wären gerne länger geblieben. Als nächste Etappe hatten wir die Kurische Nehrung mit einem etwas längeren Aufenthalt (4 Nächte) angesteuert. Nach soviel Sightseeing wollten wir etwas Ausspannen mit Radfahren, Dünen schauen, Boot fahren und Baden. Aber vorher haben wir uns den Tag der Anreise noch richtig voll gepackt: Ein Abstecher nach Jurmala (schöner Strand, romantische Sommerhäuser aus Holz), kurz vor der Grenze nach Litauen Schloss Rundale (die Außenfassade wird gerade renoviert, toller Garten) angesehen und den Berg der Kreuze (Wallfahrtsort bei Siauliai in Litauen) besucht.
Nach Nida auf der Kurischen Nehrung gelangt man mit der Fähre von Klaipeda aus (Fahrschin gilt hin und zurück). Nach Zahlung der Naturschutzgebühr und weiteren 48 km (Vorsicht, man muss immer mit Wildschweinen rechnen. Leider haben die keine Angst vor den Autos, weil einige Touristen für ein paar Fotos die Wildschweine aus dem Auto heraus füttern.) waren wir am Ziel in Nida und wurden sehr herzlich von Grazina in der Pension Prie Mariu empfangen. Die Zimmer zur Haffseite mit Balkon sind klasse, die Gastgeber ebenfalls. Wir wurden sehr verwöhnt … Das letzte Ziel im Baltikum war Vilnius. Hin ging’s über die eine der zwei einzigen Autobahnen (kurios: mit Bushaltestellen und Wendemöglichkeiten) im Baltikum ganz zügig, aber in der Altstadt von Vilnius ging die „Suche“ nach dem Hotel Grotthus dann los, da Einbahnstraßen vorherrschen. Das Hotel ist gut gelegen, die Zimmer sehr großzügig geschnitten und stimmig eingerichtet, die Ausstattung der Zimmer und Bäder, mit allem was Gast mal brauchen könnte, war hier absolut perfekt (sogar besser als Pädaste Manor). Wichtig für Leute mit Handicap, es gibt keinen Fahrstuhl. Das Frühstück auf der Terrasse im Innenhof ist ein schöner Start in den Tag. Vilnius hat einen ganz besonderen Charme, die Stadt wirkt sehr offen und bummeln macht richtig Spaß. Der Ausflug nach Trakai war nicht nur unsere Idee, hier sind wohl die meisten Touristen in Litauen anzutreffen.
Unser Rückweg durch Polen führte uns zuerst nach Rydzewo in den Masuren. Die Pension zum Schwarzen Schwan (Gospoda pod Czarnym Labedziem) ist sehr rustikal eingerichtet, das Essen ist einfache bodenständige Küche, die Zimmer liegen über dem Gastraum und sind damit nichts für Lärmempfindliche. Wir hatten leider kein warmes Wasser, der Strom fällt auch hin- und wieder mal aus, aber der herzliche Empfang und die traumhafte Lage am Löwentinsee hinterlassen doch tiefere Eindrücke. Der Weg nach Wasowo wurde lang und nervig. Die Landstraßen sind überfüllt mit LKW in beiden Richtungen, viele Baustellen, tiefe Spurrillen auf den Straßen, hässliche Stadtumfahrungen durch die Industrie- und Plattenbautenrandgebiete um Olsztyn, Ostroda und Torun haben uns mit Wehmut an den Duft der Wälder in den vergangenen Tagen denken lassen. Das würden wir ein nächstes Mal sicher anders machen: Keine Autofahrt durch Polen, sondern auch die Rückreise mit der Fähre z. B. von Klaipeda. Schloss Wasowo hat uns dann aber entschädigt. Ein schöner Park, wir hatten ein hochherrschaftliches Zimmer im Palast von Sczanieckis und das Essen war auch ganz ausgezeichnet.
Fazit: Es war eine Reise voll mit Eindrücken. Wir sind weiter neugierig, nicht alles, was wir sehen wollten, war in dieser Zeit möglich. Es wird wohl ein nächstes Mal geben.
Umfulana empfehlen wir gerne weiter.
Viele Grüße aus Berlin

Bernd und Kerstin Bories