Birgit Ullrich | Botswana
März 2008
Namibia-Botswana Reise im März 2008
Wir haben jetzt nach Neuseeland in 2007 und Namibia-Botswana in 2008 gerade unsere 3. Umfulana-Reise für 2009 nach Vietnam-Kambodscha gebucht und stellen in der ganzen Vorfreude jetzt fest, dass wir über 2008 noch gar nicht berichtet haben. Das wollen wir jetzt noch nachholen, denn die Eindrücke waren unvergesslich.
Samstags haben wir zu Hause noch gemütlich Geburtstag gefeiert, saßen dann im Nachtflug nach Windhoek, und sind am nächsten Mittag im roten Sand der Kalahari spazieren gelaufen. Es war richtig unwirklich. Von Windhoek ging es 250 km nach Süden in die Anib Lodge und wir wurden dort von einem Begrüßungskommitee mit einem kalten Getränk empfangen. Ankommen, akklimatisieren (es war doch 25 Grad wärmer als am Vortag in Deutschland), und genießen. Abends gab es ein tolles Menue unter freiem Himmel mit Essensansagen in buschmännischen „klackklack-Lauten“. Es war ein toller Einstieg in den Urlaub!
Weiter ging es am nächsten Tag über die Maltahöhe zum Desert Home Stay nahe Soussouvlei, unterwegs trafen wir auf manchen Straßen gerade ein paar Autos, dafür aber jede Mengen Antilopen und Giraffen. Toller Bungalow, nette Gastgeber, supertolles Menü, zum Dessert kam das gesamte Küchenpersonal singend herein, dazu ein irres Farbspiel im Sonnenuntergang. Tags drauf wurde „Big Daddy“, mit ca. 800 m die höchste Düne der Welt, bestiegen. Puh, 2,5 Stunden Aufstieg mit 3 l Wasser zu zweit im tiefen Sand, wir waren fix und alle, aber das Gefühl und die Aussicht da oben: als wären wir die einzigen Menschen auf der Erde....
Zurück nach Windhoek, dort eine Nacht auf der berühmten Heinitzburg, unglaublich toll und ein Dinner, das weltweit seinesgleichen sucht! Bei der Ankunft und auch hier erlebten wir die Hauptstadt Windhoek als gemütliche Kleinstadt, aber nach 3 Wochen dieses weiten und teilweise rar besiedelten Landes, Botswana ist ja noch viel extremer, hielten wir Windhoek auch für eine Großstadt.
Von dort ging es an den Waterberg, unsere Lodge der Familie Rust war ein kleines Paradies mitten in unendlich weiter Landschaft. Ein bushwalk mit Abben, einem der vielen guten schwarzen Geister, der uns auf beeindruckendste Weise in die Tier- und Pflanzenwelt einführte. Unglaublich, wieviele Akaziensorten es gibt und wozu die jeweiligen Rinden und Blätter alles gut sind. Oder dass man einen giftigen Schlangenbiss mit einem giftigen Spinnenbiss in seiner Wirkung verlangsamen kann, um dann 1 Tag Zeit zur Erreichung eines Arztes zu haben. Sehr beruhigend, wenn wir auch nicht scharf darauf waren, eine Spinne mit uns zu führen. Gamedrives mit dem allseits beliebten sundowner rundeten den Aufenthalt ab.
Weiter ging es in den Etosha, gewohnt haben wir in der Marusha Lodge außerhalb. Ebenfalls sehr zu empfehlen. Etosha selbst fanden wir jetzt im Vergleich zum Krüger Park in Südafrika nicht so toll, haben aber auch außer den üblichen Antilopen nicht wirklich viele Tiere gesehen an 2 Tagen. Auf dem Weg in und durch den Caprivistreifen hatten wir eine wegen der Distanz nötige Zwischennacht in Rundu, das war eher scheußlich und schmuddelig und passte so gar nicht in die anderen Lodge-Erlebnisse. Aber wir waren vorgewarnt und haben es überlebt, aber diesen Pestizidgeruch habe ich heute noch in der Nase, wenn ich daran denke, das ging echt nicht mehr aus den Klamotten.
Der Caprivistreifen ist ein Traum: die vielen traditionellen Runddörfer, einmal kreuzte echt ein Elefant direkt vor uns die ewig lange und kerzengerade Straße, und wir haben den ganzen Tag keinen einzigen Weißen gesehen. Viele Kinder vor den Hütten mit Bällen aus Lumpen und anderen einfachsten Spielsachen ließen uns etwas essbares einkaufen gehen und vor einem solchen Runddorf halten mit dem Wunsch die Kinder zu beschenken. Zuerst rannten die Kinder erschreckt davon, kamen dann aber neugierig näher, und ruckzuck umringte das ganze Dorf unserer Auto und viele viele Hände streckten sich kreischend durch unsere Fenster und Erwachsene stießen die Kinder weg. Wir haben das dann doch sehr schnell beendet, es war vielleicht keine so gute Idee, besser schenkt man einem solchen Dorf wohl eine Milchziege, von der alle etwas haben, oder etwas ähnlich Vernünftiges. Wir dachten, wir waren gut vorbereitet, aber in einer dermaßen fremden Welt ist man dann doch unsicher, wie man sich richtig verhält.
Nächstes Etappenziel vor Botswana war die Lianshulu Lodge, wieder ein absoluter Traum. Tolle Hütten direkt am dicht bewachsenen Flußufer, die nächtliche Geräuschkulisse war atemberaubend, die Hippos waren direkt an den Balkonen und das „Hauskrokodil“ Nandy ließ sich meist einmal am Tag blicken und mit Muffins füttern. Eine traumhafte Kulisse zum relaxen und den ein oder anderen Bootstrip oder gamedrive zu machen, tolles Essen, perfekter Service. Abends wurde man vom Personal an der Hütte abgeholt und zum Haupthaus begleitet, wegen der Schlangen, die uns aber zum Glück nicht begegnet sind. Dort in der Nähe kamen wir auch in den Genuß eines „traditional villages“, wo wir uns mit Tänzen mit dem Medizinmann, mit Wasserkaraffen auf dem Kopf balancierend, mit den Frauen Getreide stampfend, und vielen tollen Erklärungen zur „traditionellen Lebensweise“ in eine andere Zeit versetzt gefühlt haben. Natürlich ist das für Touristen gemacht, aber sehr liebevoll und real, zudem waren wir die Einzigen im Dorf, so dass wir uns eher wie ins Dorf eingeladen fühlten, und die geringe Gebühr kommt den dort engagierten Schwarzen zu Gute, die direkt daneben in ihrem „echten“ Runddorf leben.
Der Grenzwechsel nach Botswana wurde hier ja schon beschrieben, ist beim ersten Mal ja noch lustig mit alle über so versuppte Matten laufen und alle Schuhe aus dem Gepäck holen und darein drücken, mit dem Auto durch eine brachige Pfütze fahren, viele Formulare ausfüllen,....und die Grenzer wollen dann meist noch Geld tauschen. Man muß auf alles gefaßt sein, wir haben aber keine einzige brenzlige Situation erlebt, alle waren immer sehr freundlich.
Erster Stop in Botswana war die Chobe Safari Lodge, eine etwas größere Anlage, da die kleineren wohl ausgebucht waren, so dass wir dort dann auch mit der ein oder anderen Reisegruppe konfrontiert wurden, was wir so nicht kannten, War aber in Ordnung, der dort gemachte gamedrive war erstklassig weil viel gesehen, und von dort sind wir auch nach Simbabwe an die Victoria Fälle als Tagesausflug.
Weiter ging es nach Nata, auf der schlimmsten Straße der ganzen Tour (von den 300 km bestanden 250 km nur aus Schlaglöchern, aber von der Güteklasse, wie sie in deutschen Gärten einen Teich abgeben), in die Nata-Lodge. War gut, aber nichts spektakuläres, weil wir die umliegenden Salzseen auch nicht wirklich erkundet haben. Unser nächstes Ziel war Maun, das Auto samt Gepäck wurde im Hinterhof von Ker&Downey sicher verstaut, und mit 2 Reisetaschen ging es in einer kleinen Cesna, in der einer der 5 möglichen Passagiere (ich!) auf dem Copilotensitz saß, in einem ca. 30 minütigen Flug mitten ins Okavango Delta, zum Shinde Camp. Irre. Und was für ein geradezu dekadenter Luxus mitten in der Wildnis. Riesenzelte auf Holzböden, mit massiver Holzeingangstür, einem modernen Badezimmer, Orientteppichen, massiven Möbeln, und Bademantel und Frotteepuschen im Schrank wie in einem großstädtischen Sterne-Hotel. Unglaublich. Dazu der absolute Verwöhnservice: der erste Kaffee oder Tee wird ans Bett gebracht, es folgt ein frühes üppiges Frühstück, Lunch, teatime, Dinner, sundowner. Die Elefanten sind nachts schon mal am Zelt, die gamedrives sind super, man sieht wirklich viele Wildtiere, eine Fahrt im Einbaum, oder ein bushwalk im mannshohen Gras mit Führer und geladener Großwaffe sind nur einige der unvergleichlichen Erlebnisse. Und die insbesondere nächtliche Geräuschkulisse dieser geballten Natur glich vom Lärmpegel schon fast Großstadtlärm, aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich gebe zu, ich hatte ein paar Male ganz schön Schiss, auf dem bushwalk habe ich fast nur meinen eigenen Herzschlag gehört, und beim ersten gamedrive haben wir den Jeep im Sumpf versenkt, der Fahrer saß zum Schluss auf dem Dach, umgeben von Wasser, und wir standen zu fünft (auf Kommando des Fahrers abgesprungen) etwa 100 m weit weg in der Abenddämmerung im wirklich hohen Gras bei zunehmender tierischer Geräuschkulisse, wir haben uns schon alle als Löwenfutter gesehen. Zudem waren alle Kameraausrüstungen und bei uns auch die Pässe etc, die wir im Tagesrucksack dabei hatten, mitsamt Jeep in den Sümpfen versenkt. Irgendwie wurde alles wieder geborgen, aber das war eine Aktion, von der werde ich noch meinen Enkeln erzählen … Natürlich ist nichts passiert und alle unsere Führer waren in jeder Situation absolut souverän. Aber solche Erlebnisse prägen sich natürlich ein. Ein solches Camp im Okavango Delta ist die absolute Krönung und wirklich für 2-4 Tage sehr zu empfehlen!
Zurück in Maun ging es weiter nach Ghanzi. Mitten im Nirgendwo rannte uns eine Ziege vors Auto. Ohjeoje. Sie regte sich nicht mehr, unser Auto war vorne entsprechend beschädigt. Als wir noch ganz ratlos da saßen, denn von Handyempfang konnte keine Rede sein, erschienen wie aus dem Nichts lauter Schwarze und wir dachten schon, jetzt gibt’s echt Ärger. Und was passierte? Vier von denen schnappten sich die Ziege an den Beinen, alle winkten uns lachend zu und trotteten wieder ins Nirgendwo, es war echt kein Dorf zu sehen. Was schlossen wir daraus? Es war wahrscheinlich eine Ziege vom Nachbardorf und die herbei geeilten freuten sich nun auf’s Abendessen. Beim Auto abgeben gab es übrigens keinerlei Probleme, die Versicherung hat alles gedeckt. Wir hatten von der abendlichen Lodge dann beim Autovermieter angerufen, wie wir uns verhalten sollen. Da das Auto noch fuhr und wir ja schon ziemlich am Ende unserer Fahrerei waren, behielten wir das Auto, ein Tausch wäre aufgrund der Entfernungen zu aufwendig gewesen. Und die Grenzkontrollen fragten zwar, was passiert sei, zuckten dann aber nur die Schultern.
Die Teutona Lodge in Ghanzi hat auch schon bessere Zeiten gesehen, wurde sie doch 2002 vom Botswanischen Präsidenten eingeweiht. Aber seitdem scheint man nicht mehr allzu viel gemacht zu haben. Es ist eine etwas größere Ferienhaussiedlung, einfach kein Vergleich mit den meist Inhabergeführten kleineren Lodges. Das Frühstücksbuffet bestand aus 18 Boxen im Wasserbad mit Nieren, Fischstäbchen, Würsten, Hash Brownies,und einigen anderen Dingen, nach denen uns beim Frühstück nicht unbedingt der europäische Sinn stand, aber zum Glück kann man sich ja fast überall ein paar Spiegeleier braten lassen. Weiter ging es, wieder eine Grenzüberquerung, zurück nach Namibia, mit den üblichen Formalitäten.
Das Goche Ganas Nature Reserve außerhalb von Windhoek, ein einmaliger Wellnesstempel mit designermäßigen Unterkünften auf einer Anhöhe mit 360° Panoramablick, war ein gelungener Abschluss unserer 5.242 km langen Auto-Rundreise. Schon einmal eine Safari-Massage probiert mitten in der Natur? Dieser Luxus war natürlich nach all dem Erlebten noch einmal ein wahnsinniger Kontrast, aber wir haben es trotzdem genossen. Vielleicht nach all dem Erlebten aber auch wieder mehr wertgeschätzt.
Das Fazit: Eine unvergessliche Reise, perfekt vororganisiert, die meisten Unterkünfte sind wie bei Umfulana gewohnt nicht nur eine Übernachtung sondern ein Erlebnis. Die in 3 Wochen gefahrenen 5.242 km waren sehr bequem zu schaffen, so wie die Reise zusammengestellt war. Vielen Dank Umfulana! An den meisten Orten erlebt man ein weißes Management und schwarzes Personal, das einen überwiegend fröhlich und sehr freundlich umsorgt. Insbesondere den vielen Guides kann man nur höchsten Respekt zollen: sie sind wandelnde Lexika der Tier- und Pflanzenwelt, Heilkundler, Jeepfahrer, Fährtenleser, geduldige Touristenbespaßer aller Nationen, und zwischendurch sieht man sie trotzdem noch beim Rasen mähen oder ähnlichen Dingen, dabei meist singend und lachend. Unser Tip zum Abschluss: In Botswana empfiehlt sich eher die VISA-Karte als Mastercard oder ec-Karte, um sich am Geldautomat versorgen zu können, in den abgelegenen Gebieten hatten wir zweimal ganz schön viel unnötigen Zeitaufwand um an Bargeld zu kommen. Handyempfang hat man in Namibia ganz gut, zumindest entlang der größeren Straßen, in Botswana sieht das aber etwas anders aus. Auf der Karte eingezeichnete Orte bestehen eventuell nur aus ein paar Häuschen und einer verrosteten Tanksäule, da ist nichts mit Handyempfang. Und tanken sollte man da übrigens auch voraus schauend (und zwar mit Bargeld!), aber da weist auch Umfulana in der Reisebeschreibung darauf hin.