Winfried Mayer | Großbritannien
August 2008
Nach der Landung in Edinburgh begrüßt uns Schottland mit Nieselregen, der uns auf der Fahrt nach Stirling begleitet. Auf der Weiterfahrt nach Westen hellt sich der Himmel zusehends auf und das Hochland und seine typischen Lochs zeigen sich nur leicht verhangen. Am Ziel empfängt uns ein typisches Cottage mit sehr freundlichen Gastgebern.
An nächsten Morgen zeigt sich Schottland von seiner strahlenden Seite. Mit Dunstaffnage Castle steht die erste Burg auf unserem Programm. Von dort geht es zur lebendigen Hafenstadt Oban. Der Nachmittag fällt den engen schottischen Straßen zum Opfer, aber es bleibt bei Sachschaden.
Am dritten Tag sammeln wir viele Eindrücke auf der Fahrt nach Skye: Fort William, Caledonian Channel, Glen Shield, Loch Duich, Eileen Donan Castle und Kyle og Lochalsh, alles bei bedecktem aber trockenem Wetter. In Portree empfängt uns mit Viewfield House ein „Landhaus“ besonderer Art mit sehr freundlichen Mitarbeitern und umfangreicher Whiskyauswahl, die der Hausherr kenntnisreich präsentiert.
Die Halbinseln der Isle of Skye bezaubern mit abwechslungsreichen Naturschönheiten z. B. Dunvegan Garden, Neist Point, Kilmuir Skye Museum, Quiraing, Kilt Rock und Old Man of Storr sowie dem Ausblick auf Raasay. Den Tagesabschluss bildet ein prächtiger Sonnenuntergang über Portree.
Am nächsten Tag geht es auf dem Coastal Trail mit Blick auf Skye, Raasay und die äußeren Hebriden Richtung Ullapool. Nach dem Loch Maree bieten die Inverewe Gardens Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang. Je nach Jahreszeit wird man von hier sehr unterschiedliche Eindrücke mitnehmen. Vor Ullapool bilden die Falls of Measach einen weiteren Höhepunkt. Auf einer stark schwankenden Hängebrücke blickt man in die 70 m tiefe Schlucht. Danach hat man sich ein Abendessen in Ullapool verdient.
Die Fahrt geht weiter nach Nordwesten. Die Landschaft wir immer menschenleerer und das blühende Heidekraut zum ständigen Begleiter. Die Ruine Ardvreck Castle wird von einer Gruppe Schafe bewacht, die aber Besucher gutmütig dulden. Ein Abstecher auf die Stoer-Halbinsel findet seinen Höhepunkt am Stoerhead Lighthouse. Der weitere Weg nach Norden führt durch das eiszeitlich geprägte Hochland bis man Durness erreicht. Dort empfiehlt sich ein Besuch der nahe gelegenen Smoo Cave, doch leider kann man einen Teil des Höhlensystems nur besichtigen, wenn der Mann mit dem Gummiboot Zeit und Lust hat. Die Auskunft dazu in der Touristinformation lautet: “Sie müssen schauen, ob der Mann mit dem Boot vor Ort ist.“ Ein gutes Abendessen und angenehme Räumlichkeiten finden wir in dem Landhotel in Durness.
Entlang der Nordküste fahren wir nach Osten. Sonne und dunkle Wolken bieten ein abwechslungsreiches Schauspiel. Wer Lust und Zeit hat, dem sei ein Abstecher nach Strathnaver empfohlen. Wieder an der Küste lädt Strathy Point zu einem kurzen Spaziergang entlang der Klippen ein und ist ein schöner Ort für ein Picknick. Thurso, die graue Stadt am Meer, wechselt ihr Aussehen mit dem sich ändernden Licht. Stadt, Castle und die Ruine der Kirche St. Peter sind sehenswert. Durch das landwirtschaftlich geprägte Hinterland führt der schnellste Weg nach Wick/Thrumster.
Nach einem guten Frühstück am herrschaftlich gedeckten Tisch, treibt uns ein schottischer Regen in das sehr liebevoll gestaltete Wick Heritage Centre und die Old Pulteney Distillery. Nach dem Besuch lockt uns schönster Sonnenschein zu den Duncansby Stacks. Hier lohnt sich ein Spaziergang über die Klippen. Auf dem Rückweg öffnet die letzte Regenwolke ihre Schleusen. Ein kräftiger Regen, 90° von hinten für 5 Minuten und wir sind triefend nass. Wieder in trockenen Kleidern strahlt für den Rest des Tages die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Eine gute Gelegenheit das nahe archäologische Gebiet mit Camster Cairns, Yarrows, Hill o’ Many Stanes und Cairn o’ Get zu erkunden. Manchmal wären Gummistiefel nicht schlecht!
Am nächsten Tag setzen wir mit der ersten Fähre von Gill’s Bay nach Orkney über. Auf der Überfahrt begleiten uns Seevögel und Seehunde. Auf South Ronaldsay erzählen die Mitarbeiter des kleinen Museums begeistert über „the Tomb of the Eagle“. Hier kann man 5000 Jahre Geschichte mit Händen greifen, und der Besuch der Grabanlage bereitet richtig Vergnügen. Auf einem Rollbrett liegend geht es hinein und hinaus. Auf dem anschließenden Klippenspaziergang kann man Vögel und Seehunde beobachten, bevor der Besuch des eisenzeitlichen Hauses ansteht. Von South Ronaldsay geht es über die Churchill Barriers zur Italian Chapel, einem ungewöhnlichen Zeugnis aus vergangenen Nachkriegstagen. Auf Mainland angekommen führt uns der erste Weg zur Halbinsel Deerness mit Mull Head. Anschließend geht es nach Kirkwall, wo Stadt, Kathedrale und Paläste uns erwarten. Am Ende des Tages wartet ein gemütliches Abendessen im Country House bei Evie auf uns, und zum Ausklang genießen wir in aller Ruhe noch einen Whisky.
Nach verregneter Nacht und einem ordentlichen Frühstück lacht die Sonne schon wieder über dem Broch of Gurness. Die Gezeiten liegen günstig und erlauben uns einen Besuch auf der Insel Birsay mit ihren interessanten Ausgrabungen verschiedener Epochen. Bei schönstem Wetter spazieren wir noch über die Insel bevor wir nach Birsay selbst zurückkehren. Hier werfen wir einen Blick in die St.. Magnuskirche und den Earl’s Palace. Die Straße führt entlang der Küste über St. Peter’s Kirk in Sandwick nach Skara Brae, dem gut erhaltenen Steinzeitdorf. Ein Ort, der wohl von jedem Orkneyreisenden besucht wird. Die freigelegten Häuser legen ein eindrucksvolles Zeugnis der Steinzeit ab, ebenso wir der Ring of Brodgar und die Standing Stones of Stennes. Insbesondere bei den Steinkreisen hängt die Stimmung sehr vom Licht ab. Zum Abschluss nehmen wir an einer abendlichen Führung im Ganggrab Maeshowe teil. Kenntnisreich stellt unser Führer diesen Ort in den Kontext der prähistorisch geprägten Umgebung. Im Innern zeigen die Runen der Wikinger, dass „Graffiti“ keine Erfindung der Neuzeit ist und dass exaktes Mauern auch ohne Mörtel und computergesteuerte Hilfsmittel möglich ist.
Bevor wir am nächsten Tag bei Nieselregen und leichtem Seegang wieder auf das Festland übersetzen, besuchen wir noch Stromness. Auf der Küstenstraße geht es nach Dunbeath, Badbea und Dunrobin Castle. Ein Besuch des Gartens ist besonders lohnenswert auch wenn keine Darbietungen der Falknerei mehr stattfinden. In Nigg auf der Fearn-Halbinsel erwarten uns in einem Highland B&B aufgeschlossene Gastgeber.
Der nächste Tag führt uns auf die Spuren der Pikten. Erstes Ziel ist Nigg Old Church mit einem gut erhaltenen Piktenstein. Anschließend besuchen wir Durnoch und die Falls of Shin, wo die Lachse springend die Kaskaden überwinden. Durch das violett leuchtende Hügelland geht es auf die Black Isle. Im kleinen Museum Rosemarkies treffen wir wieder auf die Pikten. Clootie Well mutet wie ein Platz des Aberglaubens aus alten Zeiten an. Hier hängt die Hoffnung in Form von Stoffresten in den Bäumen. Die „2-Car-Ferry“ bringt uns von Cromarty wieder auf die Fearnhalbinsel. In der Abenddämmerung liegen noch weitere piktische Zeugnisse, wie z.B. Shandwick Stone, an unserem Weg.
Den vorletzten Tag beginnen wir mit einem Abstecher zu Loch Ness und Urquhart Castle. Am Loch Ness darf natürlich der „Piper“ im Kilt nicht fehlen. Auf unserem Weg nach Süden passieren wir den Drumochter Pass bevor wir nach Blair Atholl und Blair Castle abbiegen. In Blair Castle findet gerade eine Hochzeitsfeier statt und die Gäste werden von einem „Piper“ und ihren Gastgebern standesgemäß im Kilt empfangen. Am Ende des Tages besuchen wir noch Dunkeld mit seiner sehenswerten Kathedrale. Dann empfängt uns das Castle bei Edinburgh für die letzte Nacht in Schottland. Über eine Wendeltreppe gelangen wir in unsere Turmgemächer und die Große Halle, die für diesen Abend unser Wohnzimmer ist. Nach dem Abendessen in einem gemütlichen Inn, machen wir es uns vor dem Kamin bequem.
Nach einem letzten herrschaftlichen Frühstück und einem Plausch mit unseren Gastgebern geht es über die M9 und den Firth of Forth zum Flughafen Edinburgh. Will man sich die interessanten Brücken über den Firth anschauen, muss man Landstraßen fahren, da es leider am Motorway keine Haltemöglichkeit gibt.
Damit geht eine ungewöhnlich sonnige Reise durch das schottische Hochland und Orkney zu Ende. Eine Reise mit vielfältigen und interessanten Unterkünften und ausgesprochen freundlichen Gastgebern. Da kommt man gerne wieder.