Christine Casper | Großbritannien
Mai 2009
Von unserer Rundreise durch das nördliche Schottland sind wir letzte Woche zurückgekehrt, und sind rundum begeistert. Ein wunderschönes Land mit immer wieder neu beeindruckender Landschaft und unzähligen Sehenswürdigkeiten, dazu die netteste Bevölkerung, die wir jemals in einem Urlaub kennengelernt haben. Der folgende Reisebericht konzentriert sich allerdings hauptsächlich auf Umfulana-spezifische Aspekte, das Land entdeckt man am besten selbst.
Tag 1+2: Aberdeenshire
Unsere Ankunft in Edinburgh verlief problemlos, desgleichen die Übernahme des Peugeot 207 am neuen Mietwagen-Center des Flughafens. Reichlich nervös aufgrund von rechts-lenken und links-fahren fädelten wir uns Richtung Norden in den Verkehr ein, unser Weg führte aber glücklicherweise schnell in (verkehrstechnisch) ruhige Gegenden, so dass man sich gut an die Eigenheiten des Straßenverkehrs gewöhnen konnte. Bereits mittags gelandet, nahmen wir auf dem Weg zur ersten Unterkunft schon einige Sehenswürdigkeiten mit, und erreichen am Abend unsere erste Unterkunft, ein kleines Hotel in Aberdeenshire unweit von Balmoral Castle, dem Landsitz der Königsfamilie. Dort wurden wir sehr freundlich empfangen und bekamen auch ein sehr schönes Zimmer mit Aussicht über das Tal. Das Frühstück am nächsten Morgen überzeugte gleichermaßen, nach Auswahl vom Menü frisch zubereitet und serviert in einem sehr hellen, freundlichen Zimmer mit Blick in den Garten. Sodann liessen wir uns von der Chefin einige Tipps für unser Tagesprogramm geben (Eine Technik, mit der wir generell gute Erfahrungen gemacht haben: Die Gastgeber vor Ort wussten immer alle prima Bescheid, und ersparen einem das Reiseführer-wälzen) und machten uns auf.
Tag 3+4: Easter Ross
Am nächsten Morgen riefen wir unser nächstes Quartier an und einigten uns auf eine relativ späte Ankunft, wollten wir doch die Fahrt wiederum für Besichtigungen nutzen. Letztlich ging es an Inverness vorbei noch ein Stück nach Norden, bis wir unser Quartier am Abend erreichten. Das letzte Stück der Anfahrt verunsicherte uns zunächst, fuhren wir doch – von GPS geleitet – auf Single-Track-Roads durch einsame Felder, die lediglich mal von einem verfallenen Bauernhof flankiert wurden. Zu guter letzt übersahen wir dann das Hinweisschild für das B&B und fuhren zu weit. Als wir aber angekommen waren, erwartete uns die beste Unterkunft von allen. Christine&Stuart, unsere Gastgeber, waren einfach unglaublich nett und freundlich, wir haben uns auf der Stelle richtig wohl gefühlt. Den restlichen Abend verbrachten wir dann auch prompt mit den beiden im Wohnzimmer bei Tee und Kuchen. Am nächsten Tag, den wir unter anderem bei einer Delfinsafari verbrachten (Tipp: www.ecoventures.co.uk, vorbuchen!), waren wir richtiggehend traurig, dass wir erst so spät wieder zurück zu Christine&Stuart kamen, dass diese sich schon zurückgezogen hatten. Das Frühstück war erneut sehr gut, das angepriesene Dinner liess sich leider nicht einrichten, werden wir aber beim nächsten Schottland-Urlaub nachholen – denn Christine&Stuart besuchen wir auf jeden Fall wieder!
Tag 5+6: Durness
Nach einer augenzwinkernden Warnung von Stuart („you drive 200 miles, and then – nothin'“) vor der Ödnis des äußersten Nordens machten wir uns schweren Herzens auf zum nächsten Quartier. Und tatsächlich schien Stuart sehr lange recht zu behalten, die schier endlose Fahrt auf den einsamen Straßen des Nordens (Single-Track, also kein Problem mit rechts-oder-links) führte offenbar in die Ödnis. Umso positiver überrascht waren wir von der schroffen Schönheit der Klippen und Strände von Durness, und genauso vom Empfang und der Austattung des (einzigen, soviel zu „erstes Haus am Platz“) Hotels. Jedes Zimmer ausgestattet mit reich beladenem I-Pod und Flachbildfernseher nebst DVD-Player – das sieht man nicht alle Tage, und dort oben würde man es gewiss nicht erwarten. Die Anfahrt war diesmal wieder problemlos, wenn auch die Google-Maps in der Reisebeschreibung die Lage der Union Street in Wick zeigen – glücklicherweise haben wir uns auf die Adresse bzw. die GPS-Koordinaten verlassen. Trotzdem – das müsste nicht sein, und wäre ziemlich ärgerlich gewesen, hätten wir uns an den Bildern orientiert. Die Gastgeber waren erneut sehr freundlich, und organisierten uns noch einen Tisch im eigentlich ausgebuchten Restaurant, gleichfalls war das Frühstück wieder sehr gut. (Eigentlich war das Frühstück immer gut, reichlich, und mit großer Auswahl, deshalb wird es ab jetzt nicht mehr ständig erwähnt)
Tag 7+8: Ullapool
Die Fahrt an der westlichen Küste nach Süden markiert unseren letzten Tag mit schlechtem Wetter, ab jetzt wurde es stetig besser und stabiler, bis es uns zwischendurch schon beinahe zu warm war. Unser nächstes Quartier war ein ziemlich neu gebautes, schickes B&B kurz ausserhalb von Ullapool. Nach unseren Erfahrungen in Easter Ross waren unsere Erwartungen so hoch, dass man sie eigentlich kaum erfüllen konnte – dementsprechend waren wir ein bißchen enttäuscht, als es hier bei unserer Ankunft deutlich geschäftsmäßiger und weniger gesellig zuging. Das Zimmer mit eigenem Balkon war aber ohne Frage geräumig, hell und ansprechend eingerichtet, so dass es nichts Objektives zu bemängeln gibt. Und die obligatorische Programm-Beratung mit dem Herrn des Hauses am nächsten Morgen war dann auch wieder sehr nett und hilfreich. Und doch noch ein Punkt zum Frühstück: Mrs. Smith macht einen hervorragenden Obstteller. Nachmittags hatten wir leider etwas Pech mit dem Auto und saßen mit der hinteren Stoßstange auf einem Felsen fest, was uns zunächst den Tag gründlich verdarb. Dann aber telefonierte Julia, Bewohnerin des nächstgelegenen Hauses, mit dem halben Dorf, um jemandem zu Hilfe zu holen. Marian, zu Gast in Julias Ferienhaus, lud uns derweil zu Tee und Kuchen ein, und schliesslich erschien Phil und zog uns mit seinem Pick-Up und einigen geübten Handgriffen wieder auf die Straße. Das Auto hatte letztlich nur ein paar Kratzer abbekommen, und so fuhren wir unserem rettenden Engel hinterher in den Pub, wo wir noch eine vergnügliche Stunde verbrachten. Moral von der Geschicht': Keine Angst vor Autopannen.
Tag 9+10: Skye
Unser nächstes Ziel war Syke, wo wir erneut mit hohen Erwartungen hinfuhren, hatten doch fast alle bisherigen Gastgeber von Skye richtiggehend geschwärmt, und wir hatten jetzt ideales Wetter. Als wir nach langer Fahrt die Einfahrt zu unserem nächsten Quartier hochfuhren, hätte es uns fast umgehauen – das ist kein „Haus“, das ist eine Villa, ein Schloss! Leider war der Empfang etwas seltsam: Am Abend sollte eine große Dinnerparty stattfinden, wodurch einerseits ein Teil des Hauses blockiert wurde, und andererseits das Personal ziemlich gestresst war. Trotzdem war die Unterkunft einfach beeindruckend, das Interieur gab einem das Gefühl, in einer Art Schloss-Museum zu wohnen. Ein bißchen repräsentiert das allerdings auch die Atmosphäre des Hauses: Es beeindruckt, aber es bleibt alles ein bißchen distanziert, und man erscheint sich irgendwie ein kleines bißchen fehl am Platz. Das kann auch der Hausherr nicht ändern, der sich abends kurz zu uns setzte, aber allzu offensichtlich nur, um seine Pflicht zu tun, und dann wieder zur Party zurückkehrte. Auch unser behindertengerechtes Zimmer war nicht ganz ideal. Eine Dusche ohne Einstiegshürde ist ja grundsätzlich in Ordnung, aber dann muss sie so konstruiert sein, dass das Wasser trotzdem abläuft und nicht das Bad flutet. Aber trotzdem: Der Aufenthalt war etwas besonderes, dass wir nicht missen möchten.
Tag 11+12: Oban
Als nächstes erreichten wir – Quartier-technisch – den deutlichen Tiefpunkt der Reise. Das B&B lag völlig ab vom Schuss an einem alten Waldweg, die Wegbeschreibung dorthin war auf den letzten Metern leider auch nicht mehr ausreichend, sodass wir erneut suchen, und letztlich fragen mussten. Der Empfang war sehr freundlich, aber distanziert, uns wurde zwar Tee angeboten, die Gastgeberin verschwand aber stets sofort wieder, sobald sie ihr Tablett abgestellt hatte. Das blieb auch beim – allerdings sehr leckeren – Dinner genauso. Der in der Reisebeschreibung angepriesene Whisky am offenen Kamin scheiterte nicht nur am nicht vorhandenen Kamin – auch auf ausdrückliche Einladung unsererseits (mit Hilfe einer Flasche Wein) blieben unsere eigentlich sympathischen Gastgeber lieber unter sich (und ihrer eigenen Flasche). Unser Zimmer war winzig, bestand beinahe ausschliesslich aus Dachschräge, und mit 1,90m Körpergröße aus einer Badewanne zu klettern, bei der die Zimmerdecke 50 Zentimeter über dem Badewannenrand anfängt, erfordert schon einige Verränkungen. Regelrecht gestört hat uns auch, dass die Hausherrin offenbar jedes Mal sofort in unser Zimmer ging, um es aufzuräumen und die Handtücher zu tauschen, wenn wir das Haus verliessen. Dazu muss man erklären, dass es während unseres Aufenthalts sehr sonnig, warm und schwül war, so dass uns zu großen Unternehmungen die Energie fehlte, wodurch wir in der Gegend blieben und zwischendurch zurückkehrten. Etwas mehr Privatsphäre wäre angenehmer gewesen, auch ohne so viele frische Handtücher. (Anmerkung: Kann Umfulana nicht generell den Unterkünften eine Handtuch-Wiederverwendung vorschlagen, wie sie glücklicherweise in einigen bereits praktiziert wird? Die Devise „Nur Handtücher auf dem Boden werden ausgetauscht“ würde auf jeden Fall zum Umwelt-Gedanken der Agentur passen.)
Tag 13+14: Edinburgh
Der letzte Auto-Tag nach Edinburgh war nochmal ein Erlebnis. Edinburgh wird grade an vielen Stellen umgebaut, wodurch es viele lustige Straßensperrungen, geänderte Verkehrsführungen und ähnliches gibt, das ein SatNav nicht wissen kann. Wir waren heilfroh, als wir das Auto endlich bis zur Abgabestation gesteuert hatten und den Schlüssel aus der Hand geben konnten. Ein Erlebnis ganz anderer Art war dafür unser letztes Quartier. Lady Glentruim („I don't use the title very often, please call me Zandra“) wohnt in einem alten Reihenhaus in New Town, in dem man nichts besonderes vermuten würde – bis sich die Tür öffnet, und man in einen Flur blickt, aus dem zwei Kanonen („in perfect working order“) zurückblicken. Das ganze Haus ist voller Antiquitäten, von Waffen und Silber über Familienportraits und Standarten bis hin zu Himmelbetten und sonstigen Möbeln, dabei aber geschmackvoll und nicht überladen. Leider war Zandra selber mit Reisevorbereitungen beschäftigt und hatte daher wenig Zeit, trotzdem war sie überaus nett, und zeigte, fragte und kümmerte sich so gut es eben ging, am nächsten Tag übernahm dann nach ihrer Abreise ihr Sohn (Lord Glentruim, Zandras Mann ist leider verstorben, weshalb sie wohl auch das Familienschloss aufgeben mussten) mit seiner Frau und dem Hausmädchen die Bewirtung. Unser Zimmer war einfach super, von der Art der Einrichtung ein bißchen ähnlich wie auf Syke, aber viel gemütlicher. Und grade im Vergleich mit der Zwei-Quadrameter-Nasszelle in Oban war das riesige Bad (nochmal so groß wie das Wohn-/Schlafzimmer) eine echte Wohltat.
Fazit
Unser Schottland-Urlaub war richtig schön, und abgesehen vom Quartier in Oban würden wir überall wieder hinfahren, zu allererst zu Christine&Stuart und Zandra. Zu sehen gibts es unglaublich viel, und jede Ecke Schottlands ist auf eine eigene Art schön und interessant. Um all diese Ecken zu sehen, mussten wir allerdings sehr viel fahren: 1300 Meilen, also circa 2000 KM, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 50 Meilen pro Stunde. Diesen Zeitaufwand haben wir vor der Reise klar unterschätzt, und letztlich war es uns zuviel – aber das ist wohl der kaum vermeidbare der Preis für die große Abwechslung der Reise. Danke an Umfulana für die gute Organisation, die übrigens auch von den Gastgebern positiv empfunden wird. Eine erneute Buchung für ein anderes Reiseziel können wir uns gut vorstellen.