Heike Ondracsek | Großbritannien
Mai 2009
13 Tage: Reisebericht über unsere Schottlandreise vom 27. Mai bis 08. Juni 2009
Nachdem wir uns für eine Reise nach Schottland entschieden haben, wurden wir erst einmal rührig und haben uns über Land, Leute, Kultur und Geschichte informiert. Via Internet ist das relativ einfach. Aufgrund dessen hatten wir also bei unserer Reise nicht nur den unglaublich umfangreichen Schottlandreiseführer von Umfulana bei uns, sondern auch eine Straßenkarte (wir sind sehr gut mit der Straßenkarte Nr. 501 Regional [Großbritannien]Schottland von Michelin gefahren) und die Sonderausgabe „Schottland“ des Karfunkel-Magazins Codex-Nr. 5, das alle interessanten geschichtlichen Hintergrundinformationen bietet.
Jedem kulturinteressierten Reisenden würde ich dieses Magazin unbedingt empfehlen, da die Informationen vor Ort sehr subjektiv, oft einsilbig, geschönt und unvollständig sind. Wie gut der Karfunkel wirklich ist, konnten wir uns vor Ort direkt überzeugen, da wir oft viel mehr wussten, als die jeweiligen Infotafeln oder Audio-Guides her gaben.
Anreise via Holzstuhlklasse mit Ryanair von Frankfurt-Hahn nach Edinburgh; nonstop in zwei Stunden. Dort nahmen wir einen neuen Peugeot 207 in Empfang. Linksverkehr war ganz schnell kein Problem mehr. Umdenken auch nicht. Man muss ja nur „spiegeln“. Schwierig wird es beim schalten mit der linken Hand. Zuerst greift man mit rechts ständig in die Seitenablage der Tür. Hat man dann den Schaltknüppel gefunden, sind jedoch die Gänge NICHT gespiegelt. Also der 1. Gang ist nicht vorne zum Fahrer hin, sondern nach vorne, vom Fahrer weg. Dort nämlich, wo gespiegelt der 3. Gang zu finden wäre. Im 3. Gang anfahren macht auch ein Peugeot 207 nicht so gerne. – Obwohl: ICH habe ihn nie abgewürgt *grins*! (Also die Gänge sind genau so angeordnet, wie in unseren Autos.) Wir würden, des Komforts wegen, künftig jedoch einen Wagen mit Automatikgetriebe nehmen. Das ist auf jeden Fall entspannter.
Ankunft in Edinburgh: schottisches Wetter! Regen, Sonne, Regen, Sonne...
Die Übernachtungsstationen und die Reisezeit dorthin war von Umfulana so gewählt, dass wir uns prima auf dem Weg dorthin, alles Interessante ansehen konnten. Bequem und ohne Hetze. So machten wir einen Abstecher nach Dunnottar Castle. Das Wetter immer noch schottisch.
Aberdeenshire:
Unsere erste Station war Dinnet House. Die Toreinfahrt mit dem Torhaus, das aussieht wie eine kleine Burg, beeindruckte uns sehr. Danach fuhren wir, wie die Wegbeschreibung es vorsah, ca. 1,5 km durch einen kleinen Wald. Dann kamen wir zu einem viktorianischen Jagdschloss. In den Reiseunterlagen war es abgebildet, aber wir dachten, das sei eben dort in der Nähe und zum Angucken. So standen wir davor und staunten! „Nee, hier nicht. Wir müssen bestimmt weiter.“
Unschlüssig blieben wir im Wagen sitzen. Der Wegbeschreibung nach, die Umfalana uns gegeben hatte, musste es aber das hier sein. Den Weg weiter? Auch nur Wald. Während wir noch so überlegten, kam eine unglaublich freundliche Sabrina heraus, die uns versicherte, dass wir bei ihr richtig seien. (Ich nehme an, dass sie unsere Reaktion schon von anderen Reisenden her kannte).
Das riesige Zimmer mit großem Bad, das Frühstück, die Gastfreundschaft, alles war einfach unglaublich toll!
Sabrina und Marcus müssen wohl mit den Royals bekannt sein; es stehen unzählige Bilder mit Marcus und Prinz Charles beim Spaziergang, Sabrina und den beiden Söhnen von Charles und Diana, Marcus mit Prinz Charles und Camilla, Marcus mit Queen Elisabeth... im Haus. Auf die Anfrage hin war Sabrina sehr bescheiden und meinte „es sind ja fast unsere Nachbarn“.
Besonders schön fanden wir, dass wir immer zwei Nächte je Station hatten. Somit konnte man die Gegend im Nahbereich genauer erkunden und dennoch seinen Tag nach dem eigenen Rhythmus planen.
Das Schottische Wetter hatte uns bereits 3 Stunden nach unserer Ankunft verlassen und ist strahlend blauem Himmel und wärmer werdenden Temperaturen gewichen. Im durchschnitt hatten wir 24 Grad und leichten Wind.
Uquhart/Elgin/Inverness/Loch Ness
Die Anreise dorthin führte uns auf dem Whisky-Trail nach Dufftown und die Whisky-Destillerien. Wir haben nur Glenfiddich besichtigt. Aus Internetreiseberichten waren wir gewarnt, dass es eine Massenabfertigung sei. Wir empfanden das aber nicht als schlimm. Dadurch wurde alle 15 min eine Gruppe durch die Destillerie geführt. Fotos durfte man fast überall machen. Aufgrund der kompetenten, freundlichen und professionellen Führung war auch das eine angenehme Erfahrung. Besonders beeindruckt hat uns der Duft, der in der Luft der gesamten Umgebung lag. Einfach köstlich!
Auch eine Fassküferei haben wir besichtigt, konnten den Jungs bei ihrer Akkordarbeit zusehen und selber versuchen ein kleines Fass zusammen zu bauen.
An der zweiten Station waren wir entschieden zu kurz (da müssen wir noch mal hin)!
Es war die „Old Church of Uquart“. Ein winzig kleines Zimmerchen in einer winzig kleinen Kirche, die zu einem B&B umgebaut wurde, jedoch ihren Status als Kirche nie verlor. Dadurch werden heute noch Trauungen (wahrscheinlich im Wohnzimmer) abgehalten. Trotz des kleinen Zimmers genossen wir den Luxus, der dort geboten wurde: eine Mischbatterie und ein brandneues Badezimmers. Rückblickend das beste Frühstück unseres gesamten Urlaubs, unglaublich nette, deutsche, Gastgeber in einer unheimlich schönen Kombination aus alten und neuen Möbeln, liebevoll eingerichtet. Genauso liebevoll gehen Andreas und Kris auch mit ihren Gästen um. Wer möchte, der darf auf den Kirchturm krabbeln und hat von dort einen wunderbaren Rundblick. Das Mahl, das Andreas uns am zweiten Abend bereitete war gar köstlich. Wir saßen mit vier weiteren Gästen gemeinsam am Tisch und hatten einen wunderschönen, lustigen Abend.
Elgin, Inverness und Loch Ness. Für diese Umgebung benötigt man sicherlich mindestens 4 Tage. Zumindest war es uns dort viel zu kurz.
Von Andreas erfuhren wir auch von dem schottischen Rhododendronproblem. Irgendwann einmal eingeschleppt, ist diese, nicht schottische Pflanze, dort zur Plage geworden. Dennoch, um diese Jahreszeit sieht es dort besonders schön aus.
Tamarin/Ullapool
Ein Koffer voller warmer Pullis, so kamen wir bei strahlendem Sonnenschein, 31 Grad C und starkem Wind in Ullapool an. Die Sonne brannte und wir bezogen ein sehr schönes, helles Zimmer in einem neuen Haus, etwas außerhalb von Ullapool. Richard nahm uns gleich freundlich in Empfang. Eine moderne Einrichtung, die durch ihre schlichte Eleganz Behaglichkeit ausstrahlte. Neues Badezimmer, auch hier die Luxusausgabe einer Mischbatterie. Ausgehtipps und Unternehmungsempfehlungen folgten durch unsere Gastgeber und so war der folgende Tag bereits an dem ersten Abend verplant. Wir gingen auf eine Schifffahrt/Inseltour. Zwei Delfine und fünf Seehunde haben wir gesehen. Sonnenbrand und Sonnenallergie waren die Folgen. Aber die nahmen wir gerne in Kauf, denn das Wetter war einfach zu herrlich! Später die Strecke noch einmal via Auto. Einsame Straßen und unglaublich süsse Lämmchen in einer gigantischen Landschaft machten den Tag am Ende richtig perfekt.
Isle of Skye/Portree
Es wurde etwas kühler, nur noch so 24 Grad aber immer noch strahlend blauer Himmel. Ein netter Mr. McDonald empfing uns in einem ebenfalls im viktorianischen Stil erbauten Haus. Mehr Hotelatmosphäre, viel Personal und auch am späteren Abend noch eine freundliche Bedienung am Kamin. Offene Eingangstüren, wie in allen vorherigen Unterkünften auch.
Wir persönlich sind von ausgestopften Tieren nicht so sehr zu beeindrucken, daher erschien uns diese Vielzahl ein wenig zu überladen. Dennoch machte man es uns sehr angenehm und gemütlich in den großzügigen Zimmern.
Einen Besuch der Talisker-Destillerie haben wir uns noch gegönnt. Auch sonst ist die Insel sehr schön und es gibt viel interessantes zu entdecken. Das Grab von Flora McDonald, ein kleines Freilichtmuseum, ein Broch und Schafe, Schafe, Schafe.
Zwischen Fort Wiliam und Oban
lag dann unsere vorletzte Station. Ein kleines Cottage mitten in der Einsamkeit. Hier kann ich den Reisenden aus Karlsruhe teilweise recht geben. Auch wir würden das Quartier nicht wieder aufsuchen. Es gab dort den besten Kaffee, wir wurden freundlich empfangen und der angebotene Tee wurde liebevoll mit selbstgebackenem Shortbread, Haferkeksen, Kuchen und Gurkensandwiches serviert (der Ofen stand übrigens im Wohnzimmer rechts in der Ecke). Mit den Worten: „Go when you want and come when you want“ ließ Mr. Broadbent uns alleine. Auch uns hat es irritiert, dass unsere Gastgeber beim Tee nicht zu entdecken waren. So sind wir nach Oban. Es war ein wunderschöner Abend. Wir gingen nach dem Essen in ein Lokal, in dem Live-Musik gespielt wurde. Akkordeon, Dudelsack, Sängerin und schottischer Volkloretanz zum mitmachen. Es hat sehr viel Spaß gemacht und so wurde es 23 Uhr, bis wir uns auf den Heimweg machten. Da die Unterkunft jedoch 30 min Fahrt von Oban entfernt lag, kamen wir um 23:30 h dort an. Ein echauffierter Mr. Broadbent stand in der Tür, deutete auf die Uhr und meinte, er ginge immer um 22:00 Uhr zu Bett. Er habe nicht damit gerechnet, dass wir so spät kämen. Der Schlüssel, den wir bei unserer Anreise bekamen, war nur für unser Zimmer, nicht aber für die Haustür. Am nächsten Tag bekamen wir den Haustürschlüssel.
Das Badezimmer war auch unser Problem. Nicht so sehr die Höhe, damit kamen wir zurecht. Der Duschkopf funktionierte nicht. Es wurde zwar kühler (nur noch so um die 24 Grad), aber duschen und Haare waschen war nicht möglich; die Wasserhähne zu nah am Rand, um den Kopf darunter zu bekommen. Außerdem, eine Seite heiß, die andere kalt, das fänden wir auch nicht prickelnd, wenn der Kopf da hin gepasst hätte.
Das empfohlene Dinner haben wir nicht testen können, denn die Familie möchte es nicht 48 Std vorbestellt haben, wie in den Umfulanaunterlagen angegeben, sondern 7 Tage im voraus, da sie nur einmal wöchentlich einkaufen würden. Der Weg zum nächsten Supermarkt ist einfach zu weit.
Viel Gegend, bisschen öde und langweilig, bis auf Oban, wo wir die (meiner Ansicht nach) schönste Destillerie besucht haben. Den Oban-Whisky habe ich schon immer als einzigsten Whisky getrunken (mein Mann ist da auch offen für andere Sorten). Ganz kleine, sehr individuelle Führung, genau wie die Erläuterungen. Das im Eintrittspreis enthaltene Whisky-Glas werde ich in Ehren halten.
Die Brücke über den Atlanik haben wir natürlich auch besichtigt. Ich bin sogar ausgestiegen und darüber gelaufen. Unglaublicher Ausblick und unglaublich geschichtsträchtiger Ort.
Edinburgh, 21 India St.
Hier war die Haustüre dann abgeschlossen. Zandra in Urlaub, aber der Sohn und dessen Freundin haben sie würdigst vertreten. Als Clanchef der McPhersons war er ein sehr guter Gastgeber. Am meisten haben meinen Mann die beiden Kanonen, die auf denjenigen der die Tür öffnet gerichtet sind, beeindruckt. Ich fand das Haus ein wenig überladen. Dennoch hat mich das Bett und das riesige Badezimmer sehr beeindruckt. Mittlerweile waren die Temperaturen auf 16 Grad gesunken und im Badezimmer leider keine Heizung an. Super ist hier die Lage des Hauses in der New-Town von der aus die Altstadt zu Fuß in 10 – 15 min zu erreichen ist.
Edinburgh ist eine Stadt, in der man sich wohlfühlen kann. Zwar sind dort alle Häuser grau in grau, aber durch die vielen jungen Menschen (Universitätsstadt), haben die süssen Kneipen und kleinen Bars einen ganz eigenen Charakter. Dank der Empfehlung von Zandras Schwiegertochter haben wir den ersten Abend in einer wunderbaren Brasserie verbracht und das Edinburgher Nachtleben kennen lernen dürfen.
Am nächsten Tag machten wir sehr früh Edinbugh-Castle unsicher. Das würden wir auch jedem empfehlen es sehr früh zu tun, ab 11 Uhr mutet es fast an wie Neuschwanstein im Hochsommer. Anschließend haben wir Old-Town über der Erde und auch unter der Erde erkundet. Beides ist ein Erlebnis.
Es war ein wunderschöner Urlaub und als wir schließlich mit dem Taxi zum Flughafen fuhren, war ich richtig traurig. Gerne wäre ich noch geblieben.
Wir waren auch noch:
Dunnottar Castle, Stonehaven
Balmoral Castle, Aberdeenshire
Kildrummy Castle, Aberdeenshire
Ault Kirk of Ballater, Aberdeenshire (sehr schönes Lokal)
Stone Circles, Tarland (frühe Steinzeit)
Glenfiddich-Destillerie, Dufftown
Cooperige, Dufftown
Lossiemouth Strand (einfach nur so rumgelegen)
Elgin Cathedral, Elgin
Culloden Battlefield
Urquhart Castle, Loch Ness
Loch Ness Visitor Centre
Fort George
Falls of Rogie (gepicknickt)
Bootstour zu den Summer Islands
Autotour nach Brae of Achnahaird (Enard Bay)
Glen Torridon (durchquert)
Eilean Donan Castle
Portree (nette Hafenkneipen)
Kilt Rock (kleines Museum empfehlenswert)
Grabmal der Flora MacDonald
Freilichtmuseum in Kilmuir
Talisker-Destillerie, Isle of Skye
Broch, Bracadale
Dunvegan Casle
Glenfinnan Monument
Dunstaffnage Castle
Oban (Stadtbummel)
Oban-Destillerie
Bridge over the Altantic, Seil Island
Easdale (historische Altstadt), Seil Island
Fort William
Agyll-Rundfahrt
Kilchurn Castle
Glen Coe
Stirling Castle
Edinburgh Castle
Edinburgh Old Town
Mary Kings Close, Edinburgh
Fazit:
Die Organisation war unwahrscheinlich gut. Die Stecken sehr exakt auf unsere Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten, leichte Erklärungen und (fast) nur die besten Häuser vor Ort. Alle Strecken waren so geplant, dass genügend Zeit für Besichtigungen und Ausflüge blieb. Wir sind ca 2.000 km gefahren und hatten keine Zeitnot oder Hektik an den einzelnen Ausflugzielen.
Mit ruhigem Gewissen und gerne werden wir eine Reise, von Umfulana organisiert, auch in unserem Bekanntenkreis empfehlen.
Bitte an Umfulana:
Die Unterkunft in Fasnacloich ist nur für Menschen zu empfehlen, die viel Ruhe, Einsamkeit und Erholung (frühe Bettruhe) in ihrem Urlaub wünschen. Für Rundreisende, die möglichst viel von Land, Leuten und Kultur mitbekommen möchten ist eine Unterkunft näher am Zentrum von Oban oder Fort William günstiger.