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Ein grünes Chamäleon geht im Sand spazieren
©Ralf Schwindling
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Ralf Schwindling | Namibia

November 2008

Reisebeschreibung von Barbara und Ralf Schwindling Berlin:

04.-28.11.2008
1.,2.+3. Tag
In Windhuk am Flughafen Übernahme des PKW’s (VW Polo) von AVIS unproblematisch wenn auch nicht überfreundlich. Das 2. Reserverad ist wunschgemäß vorhanden, aber keine Fußmatten, egal, Pappe tuts auch! Wir starten gleich in Richtung Marienthal, da wir in der Stadt keine Zeit „verschwenden“ wollen. Müdigkeit und Linksverkehr fordern Konzentration, aber Windhuk ist schnell passiert und wir erleben die erste Leere, genannt B1.
Am Oanob Dam zum Frühstück außer Käsebroten Singhabichte, Weißbauchkormorane, Giraffen, Strauße, Zebras, später Großgreife auf der schotterigen D1268 zu einer Lodge bei Mariental, wo wir in ein Dünenchalet einziehen und über Freundlichkeit, Luxus und Landschaft staunen. Angefütterte Geparden streifen durch’s Gelände, Springbock und Oryx sind zahm. Wir freuen uns auch über kleine Vögelchen wie Rotkopffinken, Meisensänger oder Kronenkiebitze.

Ausflug zum Hardap Dam beschert uns die ersten Pelikane, Nilgänse, Mausvögel, Bergstare, Bienenfresser, Klippspringer und die Grenzen des PKW’S, wir bleiben in der größten Hitze im Sand eines Parkplatzes stecken und müssen uns rausschleppen lassen…die Jungs haben viel Spaß und freuen sich sehr über das Trinkgeld!

4..+5. Tag
Die Landschaft der Strecke zu einem Landgasthaus am Canyon (C10) ist eben und ausgedörrt, bietet aber einen juvenilen Kampfadler, Schildraben und Ohrengeier, später schöne Felsfornationen, Strauße, Köcherbäume. Damit wir nicht übermütig werden, platzt in der heißen Mittagszeit ein Reifen. Wir nehmen, nachdem wir die weggesprungene Radkappe eingesammelt haben, vorsorglich alle Radkappen ab und steuern die Lodge an. Herrlich, den Reifen einfach abgeben zu können, im Zimmer einen Wasserkocher mit Kaffee vorzufinden und beim Schlendern über den angrenzenden Campground etliche neue Vögelchen zu entdecken, die dazu führen, dass wir fast zu spät zum leckeren Dinner kommen.
Fish River Canon als touristisches Muß: grandiose Landschaft und Aussicht, wieder setzen die Schotterpisten unserem Wagen Grenzen, wir sind jetzt vorsichtiger.

6.,7.+8. Tag
Die Schotter- Einsamkeit lässt nach, wir werden fleißig von den 4WD’s überholt. Aber die stoppen auch nicht für jeden Vogel!
Rast am Naute Dam: herrlicher Blick auf glitzerndes Wasser mit schwarzen Felsblöcken, die zum Blockklettern rufen. In der Ferne heilige Ibisse, Graufischer, Schwarzkopfreiher, Nilgänse, Rotschnabelenten.
Idyllischer Campingplatz!
Dann endlos plattes Land, später wieder Felsen. Wir erreichen AUS, besuchen brav das Touristeninformationszentrum und ziehen dann in die Honeymoon Suite in einer Felsenlodge über der Wüste. Wir sind nahezu sprachlos ob des uns umgebenden Luxus in diesem liebevoll gestalteten Felsbungalow und freuen uns, dass wir im quirligen Restaurant nur 1x essen müssen, da wir fortan das „private Braai“(Grill am Haus) bei nahezu greifbarem Vollmond mit gutem Rotwein bevorzugen.
Wüstengeckos Streifenmäuse, Erdhörnchen, Hasen und Bergschmätzer sind unsere unmittelbaren Nachbarn, die Rotschopftrappen wohnen etwas weiter weg und der Fleckenuhu zeigt sich auf einem der Wanderwege. Trotz Hitze absolvieren wir Eagle und Geistertrail, treffen bei beiden Wanderungen nur fellige Primaten und in der Ferne Pferde: ob es wohl die Wilden sind??

9.+10.Tag
Wehmütig verlassen wir unser Paradies und stellen uns wieder dieser ausgedörrten bergumrahmten Landschaft mit der wundersamen Tierwelt.
Immer wieder rätseln wir, wie die Viecher wohl satt werden. Der erste Sekretär löst Begeisterungsrufe aus, Singhabichte, Trappen und Strauße sind mittlerweile normal. Nicht normal erscheint uns, in Helmeringhausen im Laden in Deutsch die Biltongs erklärt zu bekommen! (Bisher waren die Kontakte in Englisch)
Am Sossusvlei erreichen wir die Lodge recht spät, zu viele Vogelstopps auf der 360 km langen Strecke! Müde werden wir ausführlichst vom netten, aber sehr geschäftstüchtigen Inhaber über die möglichen Touren informiert, bevor wir unseren rustikalen Bungalow beziehen dürfen.
Erwähnenswert ist hier das Heißwassersystem: von außen werden die Badeöfen jedes Bungalows tägl. ab 16:00 Uhr holzbefeuert!!
Nicht begeistert sind wir von der Essenszeit und dem 5 Gang Menue, zwar lecker, aber viel zu viel zu später Stunde.
Die Dünenlandschaft am Sossusvlei zieht uns gewaltig in ihren Bann, wir erwandern die Elimdüne, außer Toktokkies, Wüstengeckos, und Prinien nur 2 weitere Touristen. Auch im Sesriem Canon sind wir zuerst alleine. Den 4WD Parkplatz am Deadvlei erreichen wir so spät, dass wir nicht mehr rausfahren können, sondern nur kurz den Schildraben im wunderbaren Abendlicht Gesellschaft leisten. Rennvögel, Felsentauben, Düne 45 und schon müssen wir im stimmungsvollsten Abendlicht zurück.

Morgens wiederstehen wir der Anziehungskraft der roten Dünenwunderwelt und brechen in den NAUKLUFT-PARK auf, um wandern zu gehen.
OLIVE TRAIL heißt unser Ziel. Weiße Fußstapfen weisen den Weg über ein einsames Hochplateau und durch die Felsschluchten, ab und zu bizarre Bäume, Rosenköpfchen, Kudus nah (nein, was sind die schön!!), Paviane. Eine kettengesicherte Felspassage über einem Pool sorgt für einen kleinen Adrenalinschub, die Hitze für gehörigen Durst.
Auf dem Rückweg gehen wir noch am Tsauchabflüßchen birden, der deutschsprachige Farmer gab uns Tips. Wir sehen den Hammerkopf und einen Dreibandregenpfeiffer, später den Augurbussard.
Unser Terrassensundowner besteht in einem lauwarmen Windhuk Lager, das sich noch im Auto fand.

11., 12.+ 13.Tag
Die unzulängliche Checkkartenabrechnung verzögert die Abfahrt, dann lassen wir die Berge hinter uns und tauchen ein in die anstrengende platte Landschaft. Die Namib scheint grausam: flach, felsig, fast pflanzenlos. Trotzdem Oryx, Strauße, Springböcke, Zwergfalken und immer wieder Trappen. Schotter ist Hardcore für die Reifen, wir passieren etliche 4WD’s mit Platten. Endlich erreichen wir Walvis Bay, beziehen in der LAGOON LODGE ein Zimmer. Wasservögel locken, aber die Flamingos sind nicht so zahlreich vorhanden wie erwünscht. Säbelschnäbler, Raubseeschwalben, Stelzenläufer, Pelikane, Möwen. An der Brücke vor Swakopmund ein Brackwasser mit Kaplöffelenten, braunem Sichler, Regenbrachvögeln, Sultanspurpurhuhn, Waffenkiebitzen, Regenpfeiffern, Wellenastrilden, fast kommt die Stadtbesichtigung zu kurz, aber Buchladen und Post muß schon sein.

14. Tag
Wir freuen uns nach 3 durchwachsenen Tagen auf die Wüstensonne und treffen früh auf der Wildfarm am Hohenstein ein. Sehr freundlicher Empfang, einfache, zweckmäßige Zimmer, superbequeme Terrassenstühle und einen „Birdwalk“ durch ein Trockenflussbett mit Beobachtungsständen, der uns Perlkauz, Blauwangenspint, Lärmvögel, Mahaliweber, Tokos, Glanzstare und immer wieder Siedel-+ Maskenweber sowie Granatastrilde beschert. Umrahmt von braunen felsigen Bergen. Unnötig zu erwähnen, dass wir nie Zeit für die Swimmingpools in allen Lodgen haben…
Abendessen sehr lecker

15. Tag
Das BBB (before breakfast birding) beschert uns eine Dominikanerwitwe, dann suchen wir unterwegs erfolgreich die Strommasten ab nach Steppenfalken und Strichelracken, dürfen auch eine Gabelracke digitalisieren bevor wir in einer Wilderness Lodge bei Omaruru einfahren. Ein Luxuszelt wird unser Domizil und die runden Granitfelsen und Hügel ringsherum unser Auslauf. Vom Restaurant lassen sich gut Vögel und sonstiges Getier beoachten, nachts dominieren Klippschliefer und zwei Stachelschweine.
Edles Dinner und wie so oft toller Sternenhimmel, interessante Nachtgeräusche.

16.+17. Tag
Unbekannte Morgengeräusche: schon vor Sonnenaufgang lärmen Frankoline.
Richtig ungewohnt, auch diese Lodge schon nach einer Nacht verlassen zu müssen! Wir fahren ins flache Damaraland und haben den Eindruck, dass alles Getier hier versteckt wird. Die TWYFELFONTEIN COUNTRY LODGE wirkt schon beim ersten Eindruck viel zu busy und das bestätigt sich schnell. Busseweise werden Touristengruppen ausgeladen. Wir flüchten in die Landschaft, trotz eindringlicher „ Waldelefantenwarnung“. Wir entdecken mehrere Welwetschia Gewächse und eine kleine Wasserstelle, wo aber nur Kapsperlinge und Blutschnabelweber herumsitzen, stellen uns dem Tourismusbetrieb notgedrungen zum Dinner.
Morgens starten wir den Aufstieg in die Felslandschaft hinter den Bungalows und geraten auf den „Lions Walk“, der über die Höhen zum Weltkulturerbe der Felsmalereien führt. In der Mittagshitze bestaunen wir brav die uralten Tiere, haben aber insgeheim mehr Spaß an den Felsagamen und später am Bergstarengesang am Pool. Hier könnte man professionell Sterne gucken oder Waldelefanten suchen, aber wir sind zu müde.

18.+19.
Nach rustikal leckerem Frühstück, das uns fast täglich erfreut, nehmen wir einen Angestellten ein Stück des Weges mit, mit sonstigen Trampern sind wir zurückhaltend, erfahren ein bisschen über die Arbeitsbedingungen und sind ab Khohirax wieder alleine. In OUTJO gehen wir shoppen und starten in den grünen Norden mit den weißen Wattewolken am tiefblauen Himmel.
Im Etosha Park Camp beziehen wir einen Bungalow in Wasserloch Nähe und sind erst mal enttäuscht, dass dort so wenig los ist.
Aber weniger ist oft mehr, später genießen wir die zögerlichen Annäherungen der Tiere, Oryx, Zebras, Schabrackenschakale, Springböcke, Giraffen geben sich im Zeitlupentempo die Ehre. Stars der Nacht sind: Milchuhu, Ziegenmelker und Spitzmaulnashörner. Die Beobachtungsplätze sind alle belegt, das Camp ist gut besucht. Die Organisation ist überraschend gut, ebenso das Essen, nur erinnert das Treiben im Restaurant sehr an ein Hofbräuhaus.

Mit einer Tasse Kaffee finden wir uns um 06:00 Uhr am Wasserloch ein, nachts galt der Besuch nur dem Milchuhu, jetzt tummelten sich so viele durstige Gesellen dort, dass wir fast das Frühstück verpassten.
Die Etosha Strecke zum Geisterwald wird uns unvergessen bleiben, da ein Sekretär direkt neben dem PKW seinem Jagdtrieb nachging und majestätisch von einem Busch zum nächsten schritt um energisch die Echsen darunter hervorzulocken. Elefanten, Riesentrappen, Riesenglanzstare, Marabu, Rotbauchwürger, Baumhopfe, Geier. Unglaubliche Artenvielfalt trotz eintöniger Landschaft. Abends herrliche Gewitterstimmung, Rhino und Uhu.

20.+21. Tag
Zweiter Tag Etosha beschert uns einen ruhigen Morgen, die Tiere trinken woanders. Auf der Strecke gen Osten fahren wir alle Wasserlöcher an und durch alle Wasserlöcher der Schotterstraße und sind begeistert. Wir sehen Paradieskraniche, Ohrengeier, Riesentrappen im Akazienschatten oder Gackeltrappen, die uns anschreien, alle Felltiere des Vortags und erreichen die Bush Lodge am Etosha Park bei Namutomi mit völlig verdrecktem PKW. Wieder versinken wir im Luxus, haben jetzt allerdings keine Bedenken mehr, die edle Durchdrückkaffeekanne zu benutzen, deren Reinigung uns im Desert Vista als zu wasserverschwenderisch erschien…Sehr schöner Garten, Spazierwege übers Farmgelände, großer Pool, leckeres Essen, superfreundliches Personal.
Dritter Tag Etosha führt uns um die „Fisher’s Pan“, nachdem ein weiterer Platten geflickt ist. Schwarzbrustschlangenadler auf schwarzem Grund, Gaukler (juvenil, männl.,) und Geier im Aufwind, Rotschnabelfinken zu Abertausenden, neugierige Giraffen, überraschende Schildkröten, später am Namutomi Fort Amethystglanzstare, hellblaue Finken und Brillenwürger. In gewittriger Stimmung ein letztes Wasserloch: Little Namutomi mit einem Geier und Reihertreff, sehr malerisch.

22.+23. Tag
Morgens wieder ein Platten, diesmal nicht reparabel, so erstehen wir im nächsten Ort einen neuen Reifen. Wir nähern uns dem Waterberg Plateau und genießen das Grün und das Bergmassiv, verfahren uns, entdecken dadurch aber mitten auf der Straße ein knallgrünes Chamäleon.
Die seit 1908 in deutscher Hand befindliche Gäste – und Rinderfarm der Familie Diekmann empfängt uns mit Kaffee und Kuchen und einer liebenswerten Neugier. Wir tratschen mit Blick in den palmenbestandenen Garten, wo Paradiesschnäpper und Rüppelpapageien umherfliegen. In den Palmen wohnen Palmsegler, an unserer Terrasse brüten Sichelhopfe, am Wasserreservoir sitzt eine Glanzgans und es fliegen Pirole umher. Fast erscheint es uns zuviel, diesmal auch noch eine Ausfahrt inclusive zu haben, sind wir doch mit dem Garten zufrieden.
Aber Wilhelm besteht darauf und schnell freuen wir uns über die Aussicht vom Jeep und die Möglichkeiten eines 4WD’s. Wir passieren historische Stätten, laden Salzblöcke für die Tiere ab, lernen den Luderplatz für die Geier kennen, sehen Gnus, Impalas, Zebras, Giraffen, Wasserböcke, Adler, Lappenstare und sind zum Sonnenuntergang am großen Damm. Schöne Landschaft, schlechtes Licht, kühles Bier, spätes Abendessen.

Morgens begeistern mich die Rüpppellpapageien, wir gehen nur spazieren und relaxen. Sehen Schleiereule, Nimmersatt und Hottentottenenten und kurven spätnachmittags wieder lange im Jeep über die Farm, bewundern den Monteirotoko und die Brahmmanenrinder. Abendessen mit tausenden von Käfern (ekelig) und Rotwein(lecker) in Gesellschaft von Wilhelm und Frauke.

23.,24.+25. Tag
Mit frisch geputztem Auto verlassen wir die netten Diekmanns und fahren ohne nachzudenken die geplante Route zum Mt. Etjo, obwohl Wilhelm schon gewarnt hatte, daß ich alle Senken auf der Strecke würde durchwaten müssen, da es im Norden so viel geregnet hätte. Nun ja, 47 km Schotter mit unzähligen Schlammsenken, das Auto hat es gerade so geschafft, meine Füße stanken, die Schuhe auch. In der MOUNT ETJO LODGE erfahren wir sofort, dass die westliche Strecke über Kalkfeld besser sei. Dann checken wir ein in ein Zimmer mit Jacuzzi, genießen den wunderbaren riesigen Garten am Wasserreservoir.
Nach dem Nachmittagskaffee driften die Greife zu Dutzenden über uns hinweg, Segler und Strichelschwalben jagen durch den Garten, Löffler und Nimmersatte stehen am anderen Ufer, die zahmen Flamingos werden von Nilgänsen geärgert. Um 16:00 Uhr steigen wir zu Richard in den Mahindra und bekommen eine mehrstündige Privatsafari zum Schnäppchenpreis. Richard quält den Jeep über Hügel und Senken um uns alles zu zeigen, was das Gebiet hergibt. Rappenantilopen, Weißschwanzgnus, Blessböcke, Flusspferde, Breitmaulnashörner, Kuhantilopen sind neu für uns. Richard verzweifelt, weil ich mich mit der Auskunft: „da sitzt ein Adler“ nicht zufrieden gebe…Toller Sonnenuntergang in der herrlichen Landschaft.
Stilvolles Abendessen am Holzkohlenfeuer.

Juchhu, die Lodge hat einen Wanderweg! Vom 3km entfernten Campingplatz kann man zum „Dinosaurierfußabdruck“ laufen. Wir tun das in gewohnter Hitze und Einsamkeit, nur die Paviane sind anfangs etwas aufdringlich.
Später entdecken wir Bücher im Gepäck, aber ich muß dauernd in den Himmel schauen, damit ich keinen Greif verpasse…
Abendessen draußen bei Petroleumlicht.

Schon ist der letzte Tag gekommen, wir genießen den Garten, erleben einen einschwebenden Marabu und fragen uns, wo die Zeit geblieben ist.

26. Tag.
Rückfahrt nach Windhuk, dort Besuch des Craftzentums, dann unproblematische Abgabe des Wagens und warten auf den Abflug.
Endlich passt der Text der Graulärmvögel: „Go Away!!“