Dr. Gerd Czycholl | Namibia
Juli 2009
Reisebericht Namibia-Rundreise vom 11.7.-2.8.2009 von Dr.Gerd und Brigitte Czycholl
1.Praktische Hinweise
zum Mietwagen:
Wir haben im Internet direkt bei AVIS (weil das Angebot da etwas günstiger war als bei Umfulana, aber trotzdem mit Hilfe von Frau Schloßmacher) einen Wagen der Klasse C bestellt und einen Toyota Corolla bekommen. Der Wagen war in Ordnung, die Übergabe und Rücknahme waren schnell und problemlos, die Kreditkartenabrechnung korrekt. In der Trockenzeit kommt man trotz einiger schlechter (C- und D-) Schotterstraßen mit einem normalen PKW aus und braucht keinen Allradwagen und auch keinen höher gestellten Wagen (Nissan X-Trail o.ä., welche gleich 600 € teurer sind). Wir sind ohne Panne 4450 km gefahren.
Tanken:
Tankstellen sind sehr rar, auch längs der asphaltierten Haupt-(B-)Straßen. Wir haben uns einmal darauf verlassen, dass auf der Karte eine weitere Tankstelle eingezeichnet war, und sind mit nicht mehr halb vollem Tank von Mariental weiter gefahren. Die eingezeichnete Tankstelle hatte aber geschlossen und 120 km vor dem nächsten Ort sprang unsere Anzeige auf Reserve, wir haben mit dem letzten Tropfen Benzin gerade noch eine Tankstelle in Keetmannshoop erreicht. Benzin ist für unsere Verhältnisse extrem billig, ca. 7 Namib$ (0,63 €) pro Liter. Tankstellen akzeptieren keine Kreditkarte.
zum Geldumtausch:
Problemlos ist das Abheben von Bargeld am Bankautomaten mit EC/Maestro-Karte nur bei der Standard-Bank, die Bankautomaten der übrigen Banken (Windhoek Bank etc.) akzeptieren entweder die Maestro-Card nicht oder haben einen geringen Höchstbetrag für Barabhebung. Filialen der Standard-Bank sind aber in jedem etwas größeren Ort.
zum Wetter und Klima:
Im Juli ist Winter und Trockenzeit in Namibia, es scheint tagsüber immer die Sonne (abgesehen von einem halben Tag Nebel an der Küste in Swakopmund), es herrschen angenehme Tagestemperaturen zwischen 19° und 25° und es gibt keine Mücken. Nach Sonnenuntergang (ca. 17:30 Uhr) kann es aber sehr schnell empfindlich kalt werden. Daher muss man warme Kleidung (Pullover, Jacken) für die Abende (insbesondere bei der Rückkehr von den Sundowner-Fahrten im offenen Geländewagen) dabei haben. Die meisten Quartiere sind nicht beheizbar, was speziell beim Duschen sehr unangenehm sein kann, daher ist auch warme Nachtwäsche oder Trainingsanzug zu empfehlen.
Anfahrt zu den Quartieren:
Alle Quartiere waren gut und schon in deutlichem Abstand (20-70 km entfernt) beschildert und meist auch auf der zum den Reiseunterlagen beigefügten Baedeker-Reiseführer gehörigen Straßenkarte eingezeichnet. Ein Navigationsgerät ist nicht erforderlich, diese Straßenkarte ist völlig ausreichend.
2. Reiseroute und Quartiere:
Erstes Quartier war die Anib-Kalahari Lodge bei Mariental. Wenn man morgens in Windhoek startet, ist man bis 14 Uhr da. Die Lodge ist sehr schön, der Empfang war sehr freundlich, die Küche ist sehr gut. Der Sundowner-(Game-)Drive ist das Highlight, wir sahen Strauße, Springböcke, Oryx-Antilopen, Steinböcke, Riesen-Trappen. Nach Sonnenuntergang (ca. 17:30 Uhr) wurde es extrem kalt, die Zimmer waren aber zum Glück etwas beheizbar (mittels der invers laufenden Klimaanlage). Ein Tag reicht aber in Mariental, am 2. Tag gab es dort nicht mehr allzu Spektakuläres zu unternehmen.
Am 3. Tag (14.7.) fuhren wir zunächst in den Köcherbaumwald bei Keetmannshoop, dann zum Canon Village nahe dem Fish River Canyon. Canon Village (und Canon Lodge) bestehen aus schön am Felsrand in die Landschaft integrierten Bungalows. Nach Sonnenuntergang war es wieder extrem kalt und die Bungalows waren leider nicht beheizbar, im Restaurant konnte man sich am offenen Kamin aufwärmen. Am 15.7. haben wir auf eigene Faust die verschiedenen Aussichtspunkte am Canyon angefahren und sind von diesen aus am Rim entlang gewandert mit sehr schönen Ausblicken ins Canyon, das wirklich eine etwas kleinere Ausgabe des Grand Canyon ist.
Am 5. Tag (16.7.) ging es nach Aus. Das Eagle’s Nest, von dem sonst alle schwärmen, war leider ausgebucht, so dass wir im – dem gleichen Besitzer gehörenden – Desert Horse Inn unser Quartier hatten. Am Nachmittag haben wir eine nicht allzu spektakuläre Wanderung durch die Felslandschaft der Umgebung gemacht. Nach Sonnenuntergang blies ein heftiger und kalter Wind über die Berge und das Zimmer war nicht beheizbar (im Gegensatz zum Eagle’s Nest, wo es ja Kamine geben soll). Ohne Eagle’s Nest lohnt sich Aus nicht so sehr und wir wären besser gleich nach Lüderitz weiter gefahren und da 2 Nächte geblieben.
Am nächsten Morgen haben wir zunächst kurz Halt gemacht an der Aussichtsplattform 20 km westlich von Aus, wo man nahe einer Tränke wilde Pferde (vermutlich Nachkommen von Pferden der deutschen Schutztruppe) beobachten kann; es waren tatsächlich einige Pferde in der Nähe. Dann ging es weiter nach Lüderitz, wo wir zunächst die Geister-/Diamanten-Stadt Kolmannskuppe anfuhren. Anschließend ging es auf die Lüderitz-Halbinsel, wo es schöne zerklüftete Küsten, Strände und Blicke auf den Atlantik gibt. Danach fanden wir in der Stadt Lüderitz die noch gut erhaltenen wilhelminischen Häuser und die evangelische Kirche interessant. Unterkunft hatten wir im Nest-Hotel in Lüderitz, welches ein modernes ****-Standard-Hotel mit zeitgemäßem Komfort ist (auch Heizung, die man aber im warmen Lüderitz nicht brauchte); alle Zimmer haben Meerblick, der Service im Restaurant ließ etwas zu wünschen übrig.
Der nächste (7.) Tag brachte mit 500 km die längste Fahrtstrecke, davon fast 400 km über Schotter-Straßen; insbesondere die Straße C27 (D826) ist streckenweise in einem sehr schlechten Zustand (Querrillen, die einen durchschütteln, loser Sand oder Schotter, auf dem der Wagen ins Schlingern geraten kann), so dass man nur sehr langsam fahren kann (50-60 km/h), daher kamen wir erst kurz nach 17 Uhr in der Little Sossus Lodge an. Unterbringung und Verpflegung in der Little Sossus Lodge waren gut, die Bungalows allerdings wieder nicht beheizbar, es war aber warm genug.
Am 19.7. haben wir eine geführte Allradtour in den Namib-Nationalpark gemacht; schon um 5:45 Uhr ging es los und wir waren um 6:20 Uhr das 2.Auto am Park-Eingang, der bei Sonnenaufgang (6:30 Uhr) öffnete. Wir machten halt am Dead Vlei und gingen über Dünen in dieses hinein. Auch hier mitten in der Wüste sahen wir Springböcke, Oryx und Strauße. Für die letzten Kilometer braucht man dann den Allradwagen, der Fahrweg führt durch hohen Sand. bis zum Sossusvlei, wo wir Frühstückspause machten. Auf der Rückfahrt machten wir an der 180 m hohen Düne 45 halt und bestiegen diese, was wegen des losen Sandes recht anstrengend war. Vor dem Herausfahren aus dem Nationalpark fuhren wir noch das Sesriem Canyon an, das der aus dem Naukluft-Gebirge kommende Fluss Tsauchab ins Gestein gegraben hat. Bei der Little Sossus Lodge hätte man auch Ballon-Flüge über die Namib-Wüste buchen können, was aber mit ca. 350 € pro Person arg teuer ist; außerdem wurde es an unseren Aufenthaltstagen wegen zu starken Winds ohnehin abgesagt.
Am 20.7. sind wir die D854 nach Osten ca. 70 km entlang gefahren und dann eine kleine Straße Richtung Naukluft Camp links hereingefahren ca. 10 km ins eigentliche Naukluft-Gebirge hinein, wo man sehr schöne Wanderungen unternehmen kann. Vom Camping-Platz aus gibt es einen ca. 17 km langen Rundwanderweg, für den man allerdings 6-7 Stunden braucht. Da wir erst am frühen Nachmittag ankamen, war es dafür schon zu spät, wir sind daher den Weg nur 5 km lang gegangen und dann auf der gleichen Strecke zurück. Dort ist es sehr schön, da auch zur jetzigen Trockenzeit Bächlein sprudeln mit kleinen Wasserfällen und kleinen Teichen; wir sind auch auf eine Horde von Pavianen gestoßen. Anschließend fuhren wir ein Stück die D854 zurück und sind später links abgebogen auf die D850, die zur Zebra River Lodge führt. Diese liegt ganz einsam noch 5 km von der D850 entfernt und ist nur über einen etwas abenteuerlichen Privatweg zu erreichen. Die Verpflegung dort war sehr gut, die Bungalows wieder schön in die Berge eingepasst, wieder nicht beheizbar, zeitweise auch ohne jeglichen Strom. So gab es auch Abendessen bei Kerzenschein. Am 21.7. haben wir eine ca. 13 km lange Rundwanderung über die Berge der Umgebung gemacht. Hier hätte man auch (relativ preiswerte, ca. 90 € pro Person) Rundflüge machen können (über die Namib-Wüste, Sossusvlei bis zur Küste), am 21.7. war der Flug aber schon ausgebucht (nur 4-Sitzer) und am 22.7. wären wir in Anbetracht der wieder recht langen Fahrtstrecke erst zu spät losgekommen.
Auf dieser Weiterfahrt war die letzte Tankmöglichkeit für fast 300 km in Solitaire. Landschaftlich waren der Kuiseb-Pass, das Kuiseb-Canyon und der Vogelfederberg interessant. Das Central Guest House in Swakopmund haben wir schnell gefunden, die deutschstämmige Gastgeberin war sehr hilfsbereit bei Reservierungen von Restaurants und Ausflügen. Wir waren in „Erichs Restaurant“ essen, das sehr gut ist (insbesondere die Fischgerichte). Für den nächsten Vormittag haben wir eine Bootsfahrt ab Walvis Bay reservieren lassen, die aber nicht so spektakulär war wie erhofft, da (abgesehen von ein paar Tümmlern nahe am Ufer) sich keine Delfine und keine Wale sehen ließen; aber Robben, Pelikane und Flamingos bekamen wir zu sehen. Nachmittags haben wir die Tour zum ca. 60 km entfernten Welwitschia Trail (und zur sog. Mondlandschaft) gemacht; Cape Cross haben wir ausgelassen, weil wir schon bei der Bootstour am Vormittag einer sehr großen Robbenkolonie ganz nahe kamen und Cape Cross für etwas ähnliches nur noch größer gehalten haben.
Am 24.7. ging es zur Epako Game Lodge; wir haben am frühen Nachmittag von der Terrasse aus das Wasserloch beobachtet, wo sich nacheinander Gnus, Impalas, Kudus, Warzenschweine, etc. einfanden. Um 15 Uhr startete der Game Drive über das riesige zur Lodge gehörige Gelände, und wir bekamen viele Tiere (Giraffen, Zebras, Gnus, Oryx-Antilopen, Impalas, 4 Nashörner) zu sehen..
Die Fahrt am nächsten Morgen führte zur Twyfelfontein Country Lodge, inmitten von roten Felsen gelegen. Am Nachmittag haben wir einen Game Drive mitgemacht, wobei speziell nach Wüsten-Elefanten gesucht wurde, aber nur ein einzeln gehender Bulle gefunden wurde. Am nächsten Vormittag haben wir eine Führung zu den Fels-Reliefs und Zeichnungen und zu den „Orgelpfeifen“ und „verbrannter Berg“ genannten Bergen bzw. Steinformationen mitgemacht, am Nachmittag des 26.7. sind wir auf eigene Faust zum ca. 56 km entfernten Petrified Forest gefahren, der zwar ganz interessant, von der Zahl der versteinerten Bäume her aber etwas enttäuschend ist, wenn man den gleichnamigen Petrified Forest in Arizona kennt. Bei der Fahrt sind wir am Rand der Straße auf die am Vortag vergeblich gesuchte Elefantenherde gestoßen.
Auf der Fahrt zum Etosha National-Park am 27.7. machten wir einen kurzen Abstecher zur Felsformation „Fingerklippe“. Nach Ankunft und Einchecken im Okaukuejo-Camp haben wir lange nur einfach am Wasserloch gesessen (in der Nähe unseres Bungalows) und die Tiere beobachtet, riesige Herden von Springböcken, Zebras, u.v.a. Später kamen nacheinander die Elefanten-Bullen, zum Sonnenuntergang dann die große Elefantenherde aus Kühen und Jungtieren zum Trinken. Nach dem Dinner waren die Giraffen am Wasserloch. Am 26.7. sind wir verschiedene Wasserlöcher angefahren zur Tierbeobachtung, ehe wir im Halali-Camp eingecheckt haben. Das dortige Wasserloch ist nicht so lohnend wie viele andere, auch das Restaurant war etwas einfacher (eher kantinenmäßig). Wir sind noch mal rausgefahren bis an den Rand der eigentlichen Etosha-Pfanne, dabei wieder auf Elefanten gestoßen und auch auf Löwen. Am nächsten Vormittag haben wir noch eine Löwin gesehen und riesige Springbock- und Zebra-Herden und Elefanten, die die Straße kreuzten.
Nächstes Etappenziel war die Mount Etjo Safari Lodge, eine sehr schöne und gute Lodge; im Schlafzimmer stand ein elektrischer Ölradiator zum Heizen (wenn es nachts zu kühl würde) zur Verfügung; diesen Service möchten wir den anderen, oben erwähnten Lodges auch empfehlen! Das gute Dinner gab es in der Lapa, in deren (nach oben offener) Mitte ein Lagerfeuer entzündet war. Am Abend haben wir die Löwenfütterung beobachtet, am nächsten Morgen einen Game-Drive durch das große Wildreservat mitgemacht und dabei nochmals Zebras, Giraffen, Elefanten und (Spitzmaul)-Nashörner gesehen.
Am 31.7. ging es als letzte Etappe zurück nach Windhoek, wo wir im Tamboti-Gästehaus Quartier hatten, welches am sparsamsten von allen Lodges hinsichtlich Ausstattung mit Handtüchern, Seife, etc. und Auswahl beim Frühstück war. Nachmittags haben wir Windhoek besichtigt, welches keine schöne Stadt ist, es gibt nicht viel Sehenswertes (abgesehen von alter Festung, Reiterdenkmal, deutscher evangelischer Kirche und Realschule), ein halber Tag in Windhoek ist völlig ausreichend. Abends gab es ein gutes Essen im NICE-Restaurant. Am Vormittag des 1.8. sind wir zum Daan Viljoen Game Park rausgefahren. Es war zwar ganz nett aber nicht viel los, auch hinsichtlich Wild hatten wir schon viel Besseres (und viel mehr) gesehen. Zurück in Windhoek machten wir einen kurzem Abstecher zur Heinitzburg (Blick über die Stadt) und Schwerinsburg, danach wussten wir in Windhoek nichts mehr anzufangen und sind schon gegen 15 Uhr (und damit mindestens 2 Stunden zu früh) zum Flughafen rausgefahren.
Der Rückflug war (genauso wie der Hinflug) problemlos und pünktlich, auch die Zugfahrt mit Rail-and-fly-Ticket.
Somit war es insgesamt eine gelungene und lohnende Reise, die wir vorbehaltlos weiterempfehlen können. Es war unsere dritte Reise mit Umfulana (nach Australien 2006 und Baltikum 2007), aber wahrscheinlich nicht unsere letzte.
Gerd Czycholl