Anna Fröhlingsdorf unterwegs in Schottland
Von sturmerprobten Schafen, Geistern und Business-Speeddating
Meine Dienstreise im April startete nicht mit einem sanften Gleitflug, sondern mit einem fliegerischen Ritt auf der Rasierklinge. Ziel Nummer eins: die Shetland-Inseln. Wer denkt, dass eine Landung auf dem Flughafen Sumburgh reine Routine ist, der war noch nicht bei typisch schottischem April-Sturm dort. Die Landebahn ist gefühlt so lang wie ein Handtuch, weshalb der Pilot nach der rasanten Bodenberührung sofort eine derartige Vollbremsung hinlegte, dass meine Kaffeetasse im Geist schon das Cockpit grüßte. Willkommen im Norden!
Die nächsten vier Tage standen im Zeichen eines FAM-Trips, perfekt koordiniert und humorvoll angeführt von Laurie. Als waschechte Shetländerin führte sie uns mit viel Witz durch ihre Heimat. Der rote Faden unserer Tour las sich wie ein Drehbuch: Wir wandelten nämlich auf den Spuren der bekannten Krimi-Serie „Shetland“. Passend zur düsteren TV-Atmosphäre peitschte uns bei der historischen Ausgrabungsstätte Jarlshof der Starkwind ins Gesicht. Aufwärmen und die Nerven beruhigen konnten wir uns danach zum Glück bei David und seiner „Handmade Fish Company“ in Bigton. Zwischen exzellentem Lachs-Tasting lauschten wir seinen packenden Geschichten. Ein kurzer Fotostopp am legendären St. Ninian’s Beach durfte trotz strömendem Regen natürlich nicht fehlen – wetterfest ist man nach dem ersten Tag ohnehin.
Kulturell und handwerklich ging es Schlag auf Schlag weiter. Im Hoswick Visitor Centre trafen wir drei lokale Designer, die uns mit feinstem Schmuck und Shetland-Wolle begeisterten. Ein Pflichtstopp für die Kehle folgte in der Lerwick Brewery, bevor es bei der „Silly Sheep Fibre Company“ zum absoluten Kontrastprogramm kam: Schafe streicheln! Die Tiere waren tiefenentspannt, was man von mir im anschließenden Hotel nicht behaupten konnte. Dort soll es nämlich spuken, was der Nacht einen herrlich schaurigen Touch verlieh. Unerschrocken tauchten wir am Folgetag im Tangwick Haa Museum in die Geschichte ein und erlebten die kreative Geschäftigkeit bei „Shetland Jewellery“. Ein echtes Highlight wartete bei Carol: die weltberühmten, herrlich flauschigen Shetland-Ponys. Nach einem informativen Abstecher ins Scalloway Museum ging es zum „Shetland Showcase“ im Cornerstone Cafe, wo wir beim lockeren Netzwerken lokale Betriebe kennenlernten. Den perfekten Abschluss der Insel-Tour bot das Sumburgh Head Lighthouse. Dort sicherten wir uns das ultimative April-Glück und sichteten die allerersten Puffins der neuen Saison.
Vom stürmischen Inselparadies ging es direkt in den geschäftigen Süden nach Glasgow. Zeit zum Durchatmen blieb nicht, denn das Travel Trade Event „VisitScotland Connect“ rief. Die zweitägigen Meetings liefen im absoluten Speeddating-Format ab. In Minutenschnelle hieß es: Supplier aus ganz Schottland von sich überzeugen, Verträge anbahnen und Kontakte knüpfen. Ein geschäftlicher Marathon, bei dem ich unfassbar viele alte Bekannte wiedersah und spannende neue Gesichter traf.
Zum Ausklang der Reise hängte ich noch drei Tage Urlaub in Schottland dran, um die Akkus aufzuladen. In Glasgow schlenderte ich durch die beeindruckende Necropolis und die Kelvingrove Art Gallery. Danach zog es mich in den Südosten, um eine für uns noch recht neue Unterkunft unter die Lupe zu nehmen: die charmante Knockinaam Lodge.
Den krönenden Abschluss bildete Edinburgh. Nach dem Pflichtprogramm in „The Scotch Whisky Experience“ – man muss ja schließlich fachgerecht prüfen, was das Land flüssig zu bieten hat – ging es an die frische Luft. Beim Wandern auf dem Calton Hill, dem majestätischen Arthur’s Seat und den Salisbury Crags ließ ich mir noch einmal den schottischen Wind um die Nase wehen. Eine Reise voller Kontraste: stürmisch, geschäftig, herzlich und absolut unvergesslich.
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