Richard Jannes und Ulla Schübeler-Jannes | Kanada
September 2015
Indian Summer in Ostkanada
Reise vom 29. September bis 20. Oktober 2015
Ulla Schübeler-Jannes und Richard Jannes
Unsere dreiwöchige Kanadareise durch die Provinzen Québec und Ontario war eine wunderbare Kombination aus dem Besuch der fantastischen Metropolen Montréal, Québec, Toronto und Ottawa und den unvergesslichen Naturerlebnissen Saguenay-Fjord, Sankt- Lorenz-Strom, Thousand Island, Niagara-Fälle und Algonquin-Park. Wer den Indian Summer in Kanada erleben möchte, fährt am besten zwischen Mitte September und Mitte Oktober. Wir hatten Glück, dass der Herbst später als gewöhnlich einsetzte, so dass wir überall die zauberhafte bunte Färbung der Bäume erleben konnten. Die Temperaturskala reichte von 26 Grad in Montréal bei der Ankunft bis zu Minusgraden und dem ersten Schnee an den letzten Tagen im Algonquin-Park.
Für die perfekte Vorbereitung unserer siebten Reise mit Umfulana und die vorzügliche Auswahl der B&B möchten wir uns bei Brinka Hellak und dem Team herzlich bedanken.
Im Folgenden wollen wir nicht den Reiseführer wiederholen, sondern nur einige persönliche Erfahrungen und Tipps weitergeben.
Die GastgeberInnen der B&B (couette et café auf québecois) haben uns alle sehr freundlich empfangen und viele gute Tipps geben können. Die Gespräche mit anderen Gästen (in Québec viele Franzosen und in Ontario ausschließlich Kanadier bzw. US-Amerikaner) waren sehr anregend. Bei einem üppigen Frühstück haben wir viel über Land und Leute erfahren.
Unsere Reise begann in Montréal. Wer, wie wir, zwei Tage Zeit hat, die Stadt zu erkunden, sollte sich bei gutem Wetter für einen halben Tag ein Fahrrad mieten (www.caroulemontreal.com) und die herrliche Strecke am Kanal Lachine entlangfahren und dann von den Inseln aus das unvergessliche Panorama von Montréal genießen, natürlich nicht ohne auf der Insel Notre-Dame auf dem Formel 1 Circuit Villeneuve eine Runde gedreht zu haben. Der Rückweg führt über die atemberaubend hohe Cartier-Brücke wieder zurück ins Vieux Montréal.
Von Montréal geht es auf dem Highway nach Norden und erst in Trois-Rivières führte uns der Chemin du Roy (L 138) als Uferstraße zu wunderschönen Orten mit vielen Blicken auf den Sankt-Lorenz-Strom. Unseren Besuch in der Stadt Québec haben wir im 31. Stock des Observatoire de la Capitale (www.observatoirecapitale.org) in 220 m Höhe begonnen, wo wir einen tollen 360-Grad-Blick über die Stadt und Region hatten und die Ankunft der Queen Mary 2 beobachten konnten. Ein Ausflug zu den Montmorency-Wasserfällen sowie eine Rundfahrt auf der Ile d’Orléans lohnen auf jeden Fall. Im Herbst findet man in diesem Obst- und Gemüseparadies neben unzähligen Äpfel- und Cidreständen einen riesigen Kürbis-Markt – Sonderangebot: eine Schubkarre mit diversen Kürbissen für 40 CAD!
Die Weiterfahrt nach Tadoussac haben wir nur bis Baie-Saint-Paul auf der Küstenroute unternommen und sind dann ins Landesinnere nach La Baie und Saguenay weitergefahren, um auf der nördlichen Fjordroute nach Tadoussac zu gelangen. Dort sollte man außer der Walbeobachtung unbedingt den Küstenweg (sentier de l’estuaire) hinunter zum Strand und zu einem Aussichtspunkt gehen, von wo der Blick auf Küste und die riesigen Sanddünen besonders beeindruckt. Eine Wanderung am Fjord von Saguenay (sentier du Fjord) bietet ein fantastisches Panorama auf den Fjord. Da Anfang/Mitte Oktober bereits einige Fähren über den Sankt-Lorenz-Strom eingestellt sind (z. B. Forestville-Rimouski), haben wir uns für die Überfahrt von Escoumins, 30 km nördlich von Tadoussac, nach Trois-Pistoles entschieden. Der Strom ist hier 22 km breit und die lohnende Überfahrt dauert 100 Minuten. Auf dieser Uferseite ist der Parc côtier Kiskotuk bei Rivière-du-Loup (www.tourismeriviereduloup.ca) ein Muss, nicht nur für die Vogelliebhaber: Wir haben Tausende von Flug- und Schneegänsen beobachtet. Im Frühjahr und Herbst machen die Zugvögel hier Station, um im Watt Nahrung für den Weiterflug zu finden. Das wunderschöne und geschmackvoll gestaltete Gästehaus Aboiteaux bietet eine Küche zur Selbstversorgung, aber auch das Bistrot de la Mer in Kamouraska, die Poissonnerie Lauzier, ist mit vorzüglichen Fischgerichten in einfacher, rustikaler Atmosphäre zu empfehlen. Es ist nicht ratsam auf dem schnellsten Weg, sondern auf der schönen ‚Route des Navigateurs‘ (L 132) bis Trois-Rivières weiterzufahren. Dort haben wir Zwischenstation gemacht. In Kingston haben wir im Secret Garden gewohnt, zentral gelegen, und die sehenswerte Stadt zu Fuß erobert. 30 km nördlich liegt Rockport, von wo wir mit dem Schiff durch die zauberhafte Inselwelt der Thousand Islands gefahren sind (www.rockportcruises.com).
Bei allem Trubel – es war Thanksgiving Day – waren die Niagara-Fälle ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Nach dem Besuch der Wasserfälle kann der Ausflug von Niagara-on-the-Lake über den wunderschönen Parkway Niagara weiter nach Fort Erie am Erie-See fortgesetzt werden und sollte nicht ohne den Besuch des 43 km langen Welland-Kanal enden. Riesige Containerschiffe überwinden in 8 Schleusen den 100 m Höhenunterschied vom Eriesee zum Ontariosee und werden später über den Atlantik fahren (www.stcatharines.ca).
In der spannenden Metropole Toronto haben wir im ruhigen und malerischen Stadtteil Cabbagetown gewohnt, nicht weit von downtown. Mit einer Tageskarte für Bus, Tram und subway sind alle Sehenswürdigkeiten und die einzelnen neighbourhoods, wie Chinatown, Kensington Market, Little Italy oder Greektown gut zu besuchen. Ein Besuch der City Hall (1965 von Revell entworfen) sollte nicht ausgelassen werden. Eine Oase, nicht weit von der quirligen de Yonge Street, ist der Allan Garden, eine Orangerie mit Gewächshäusern von 1900. Wer noch mehr Grün in der Stadt sucht, fährt mit der Tram 506 zur Endstation und findet im High Park eine wunderschöne Grünanlage im Westen der Stadt. Auf der anderen Seite, jenseits des Don Valley wurde 2014 das Aga Khan Museum mit seiner großzügigen und beeindruckenden Architektur (www.agakhanmuseum.org) eröffnet.
Von Toronto sind wir nicht direkt in den Algonquin-Park gefahren, sondern haben einen Abstecher ins Mennonitenland, nach Kitchener und St. Jacobs, gemacht. Ein Museum in St. Jacobs informiert sehr gut über das Leben und die Verbreitung der Mennoniten (www. St.jacobs.com/mennonite-story). 3 km außerhalb findet donnerstags und samstags ein Farmers Market statt, wo die Bauern der Umgebung ihre Produkte anbieten, auch eine gute Gelegenheit marple sirop einzukaufen. Nicht nur Größe und Vielfalt des Marktes sind einmalig, sondern besonders seine berühmten Viehauktionen (www.stjacobs.com/farmersmarket). Von einer Empore in einer riesigen Halle aus kann der Besucher beobachten, wie tausende Tiere einzeln oder in Gruppen zu den Versteigerungen geführt werden.
Zwei Fahrstunden weiter nördlich unweit des Huron-See, in der Nähe von Midland, liegt Sainte-Marie-among-the-Hurons, wo in einer rekonstruierten Anlage über das Leben der Siedler, hier einiger französischer Jesuiten, und ihr Verhältnis zu den Wendat-Indianer (auch Huronen genannt) gut informiert wird (www.saintemarieamongthehurons.on.ca). Von diesem sehenswerten Museumsdorf aus geht es weiter nach Osten Richtung Algonquin-Park zur Stouffer Mill. Das wunderschöne Haus liegt 2 km von der Straße entfernt und bietet einen traumhaften Blick auf einen der unzähligen Seen dieser Gegend. Auch wenn es hier lohnende Wanderpfade gibt, die der Gastgeber angelegt hat, so fahren wir aber in den 60 km entfernt gelegenen Algonquin Park. Von den vielen gut gepflegten Trails ist der Booth Rock Trail besonders zu empfehlen (2 bis 3 Stunden). Von etwas höher gelegenen Felsen hatten wir einen unvergesslichen Blick auf die Seen und die immer noch bunten Bäume des Parks, auch wenn der Peak des Indian Summer bereits überschritten war. Am Abend hatte unsere reizende Gastgeberin (am Samstag kocht Jessie für die Gäste) ein fantastisches 4-Gänge-Dinner am Kamin für uns zubereitet. Die kommende Nacht sollte den ersten Frost und auch den ersten Schnee bringen – ein Erlebnis!
Vor unserem Rückflug aus Montréal haben wir noch die Hauptstadt Ottawa besucht und dort im zentralgelegenen Swiss-Hotel übernachtet. Eine Besichtigung der Stadt an zwei Halbtagen ist ideal, wobei ein Rundweg mit Überquerung des Ottawa-Flusses wegen des tollen Panoramas auf den Parliament Hill und die Hauptstadt nicht fehlen sollte. Die National Art Gallery und das kanadische Nationalmuseum für Geschichte sind nicht nur architektonische Meisterwerke, sondern auch mit ihren Sammlungen mehr als sehenswert. Der Besuch des Musée canadien de l’histoire bildete mit seinen seltenen Exponaten der First People und weltgrößten Sammlung von Totempfählen für uns einen idealen Abschluss unserer unvergesslichen Ostkanadareise.