Sizilien

Verfall und ewige Schönheit: Sizilien

Verfall und ewige Schönheit: Sizilien

Eine Insel, die polarisiert

Sizilien polarisiert. 
Sizilien – das sind blühende Landschaften und von Petrochemie verwüstete Landstriche, 
mediterrane, sinnliche Märkte und verfallende Stadtviertel, 
die griechische Tempelstadt von Agrigent und die monströsn Kulisse einer wuchernden Hochhaussiedlung, 
der Lärm der Städte und die erhabene Stille der Madonieberge.

Wer Sizilien besucht, muss sich teilweise auf chaotische Verkehrssituationen einstellen. Oft fehlen Beschilderungen, oder sie sind mehrdeutig. Verkehrsregeln haben nicht unbedingt die gleiche Bedeutung wie in Mitteleuropa. 
Abstoßendes und Faszinierendes, Verfall und Ewigkeit, Blühen und Verwelken, Erhabenes und Banales, Hässlicher Dreck und überirdische Schönheit, Mafia und Karfreitagsprozession: Sizilien ist immer beides.

Keinen jedoch lässt die Insel unberührt. Wer bereit ist, sich mit ein wenig südeuropäischer Gelassenheit darauf einzulassen, wird auf freundliche, hilfsbereite Menschen treffen und das Kennenlernen der Insel als Bereicherung erleben.



Sehenswürdigkeiten Sizilien


Enna

„Balkon Siziliens“

Die 28.000-Einwohner-Stadt liegt in der geografischen Mitte von Sizilien auf einer Höhe von fast tausend Metern. Wegen der phantastischen Aussicht bis zum Meer und zum Ätna wird es auch der Balkon Siziliens genannt. Das Castello di Lombardia, das neben dem Dom zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der antiken Stadt gehört, zeugt von der großen Bedeutung, die die Stadt wegen ihrer zentralen Lage von der prähistorischen Zeit bis zu den Staufern hatte. Mit ihm ist der achteckige Wohnturm des deutschen Kaisers Friedrich II durch einen unterirdischen Gang verbunden.


Villa Romana del Casale

Spätrömische Kunst- und Luxusvilla

Die 3.500 Quadratmeter große spätrömische Luxusvilla liegt in einem wasserreichen Tal bei Piazza Armerina. Dass sie heute noch so gut erhalten ist, verdankt sie einem Erdrutsch im 12. Jahrhundert. Erst in den 1950iger Jahren begann die Ausgrabung. Heute ist der Prachtbau eine der wichtigsten archäologischen Ausgrabungsstätten Siziliens und Welterbe der UNESCO. Besonders die Mosaiken sind außergewöhnlich in ihrer künstlerischen Qualität.


Monte Sambughetti

Durch das fruchtbare Hügelland der Nebrodi

Die Wanderung führt durch das fruchtbare Hügelland im Süden der Nebrodi-Berge. Höchster Punkt ist mit 1558 Metern der Monte Sambughetti, ein schöner Aussichtsberg. Für eine Rast eignet sich die Bank vor der Grotte di Nevalore. Die riesige Höhle in einem Kalksteinfelsen liegt am Rande des Waldes. (4 Stunden, 11,4 Kilometer, auf und ab: 420 Meter)

Umfulana Route:
www.komoot.de/tour/8038672


Valle dei Templi

Antike Tempelstadt

Das sogenannte Tal der Tempel liegt eigentlich auf einer Anhöhe. Es besteht aus einer einzigartigen Ansammlung antiker Tempel, die in zwei Gruppen zusammengefasst sind: Zur östlichen gehören der Tempel des Herkules (500 v. Chr.), die antiken und frühchristlichen Totenstädte um die Villa Aurea und der Concordiatempel, der deshalb gut erhalten ist, weil er über ein Jahrtausend als Kirche diente. Die zweite Tempelgruppe liegt weiter westlich. Dort beeindruckt der Tempel des Zeus – auch nach seiner Zerstörung durch ein Erdbeben: kolossale Trümmermassen aus Säulen und Steinblöcken zeugen von der kultischen und politischen Bedeutung dieses Heiligtums. Ursprünglich als römisches Siegesmonument gedacht, musste es natürlich größer als der konkurrierende Tempel von Selinunt sein. Die faszinierende Tempelstadt, in der die Mythen der Antike noch leben, ist im benachbarten Museo Archeologico Regionale hervorragend beschrieben und ausgestellt.

Nähere Informationen:
www.valleyofthetemples.com


Giardino della Kolymbetra

Verwunschener Garten am Dioskurentempel

Am Dioskurentempel im Valle di Templi liegt der verwunschene Garten in einem fruchtbaren und wasserreichen Tal. Wo bereits vor 2000 Jahren Bewässerung durch Kanäle stattfand, wachsen heute Zitronen- und Orangenhaine. Dazwischen laden schattige Plätze zu einem Picknick ein.


Morgantina

Antike Stadt zwischen Wein und Oliven

Zwischen Weinbergen und Olivenhainen liegt die antike Stadt, deren Überreste viel weniger besucht werden als die benachbarte Villa Casale. Zwar sind nur noch die Fundamente der vorchristlichen Stadt zu sehen, aber man kann sich mit etwas Phantasie das Leben auf der Agora, dem Marktplatz, im Gymnasium oder in den Bädern vorstellen. Bedeutendster Fund ist die Statue der Aphrodite, die im Regionalmuseum vor Ort ausgestellt ist.


Santo Stefano di Camastra

Jahrhundertealtes Zentrum der Töpferei

Seit dem 17. Jahrhundert ist der Küstenort das Zentrum für Töpferei auf Sizilien. Überall im Ort finden sich Fliesen in kräftigen Farben. Auf dem Markt gibt es bunte Teller, Vasen und Krüge in unterschiedlichem Design – vom einfachen Bauernmuster bis zu künstlerischen Schöpfungen. Auch der Friedhof am Rande der Stadt ist mit zahllosen Kacheln dekoriert.


Corleone

Ursprung der Mafia

Camporeale liegt im fruchtbaren Hinterland von Palermo, wo einst riesige Latifundien existierten, die im 16. Jahrhundert vom spanischen König an Adlige vergeben wurden. Die Städte dieser Region stammen meist aus dieser Zeit und waren zweckmäßige Siedlungen für die Landarbeiter. Nicht zufällig ist eine von ihnen, Corleone, zur Hauptstadt der Mafia geworden. Die Organisation, die Verbrechen planmäßig zur Durchsetzung ihrer Interessen nutzt, entstand, als der Feudalismus Anfang des 19. Jahrhunderts auf Sizilien zu Ende ging. Damals bedienten sich die Landbesitzer skrupelloser Banden, um ihre Privilegien gegen staatliches Recht und die Landbevölkerung durchzusetzen. Sehr bald verselbständigte sich die Organisation und besetzte die Position der ursprünglichen Auftraggeber. Obwohl die Mafia heute international agiert und ihr Hauptbetätigungsfeld längst nicht mehr die Landwirtschaft ist, gilt das Hinterland von Palermo bis heute als ihr wichtigstes Steuerungszentrum.


Caltabelotta

Mittelalterlicher Dorfkern mit hebräischen und maurischen Quartieren

Auf den Mauern des antiken Triokala aufgebaut ca. 15 km vom Meer auf 870 m Höhe liegt Caltabellotta wie eingebettet in eine natürliche Muschel in den Bergen, deren Erscheinungsbild in manchen Gebieten an die Dolomiten erinnert. Der atemberaubende Blick vom Dorf aus auf die darunter liegenden Oliven- und Orangenhaine und schließlich das Meer beeindrucken jeden Gast.
Zurückgehend auf die Prähistorie finden sich Zeitzeugen aus allen Epochen. Der mittelalterliche Dorfkern mit verwinkelten Gassen und Höfen und seinen hebräischen und maurischen Quartieren ist dabei von besonderem Reiz. Gerade im Sommer zeichnet sich das wie eine raue Schönheit anmutende Dorf durch sein angenehm kühles und trockenes Klima aus, dagegen lockt der Frühling mit der unglaublichen Überfülle seiner Gebirgsflora zu ausgedehnten Wanderungen.
Durch die besondere Lage über Jahrhunderte hinweg von den Zeitzeichen abgeschnitten, hat sich Caltabellotta bis heute seinen ursprünglichen Charakter eines sizilianisches Gebirgsdorfes beibehalten. Die beinahe unberührte Natur um das Dorf herum muss wohl auch den Regisseur Michael Cimino derart für seinen Film „Der Sizilianer“ (mit Christopher Lambert in der Hauptrolle) fasziniert haben, dass er nahezu die gesamten Außenaufnahmen des Films in und um Caltabellotta drehte.


Capo Bianco

Leuchtend weißer Sand am Fuß des Kreidefelsens

Unterhalb der Ausgrabungsstätte von Eraclea Minoa, einer Tochterstadt von Selinunt, liegt der Capo Bianco zu Füßen eines Kreidefelsens. Der Strand mit leuchtend weißem Sand diente antiken Seefahrern als Orientierungspunkt und ist bis heute unverbaut. Ein schöner Weg führt an der Küste von Eraclea aus nach Südosten bis Torre Salsa. Zurück kann man oberhalb der Klippen gehen.


Nebrodi-Berge

Artenreiche Eichenwälder, immergrüne Macchia

Die Nebrodi-Berge bilden mit der Madonie im Westen die Fortsetzung des Apennin auf Sizilien. Im Norden fallen die Berge zum Tyrrhenischen Meer ab, im Süden werden sie durch das Ätna-Massiv begrenzt. Charakteristisch sind die besonders üppige Vegetation und die Feuchtgebiete, weshalb die Araber die Gegend „Nebrodi“ (Insel auf der Insel) nannten. Artenreiche Eichenwälder, immergrüne Macchia und saftige Bergwiesen wechseln einander ab und werden von Schildkröten, Wildkatzen und Stachelschweinen bewohnt.


Selinunte

Megapole der Antike

Olivenhaine, blaues Meer, Weinberge und eine der glanzvollsten Tempelgruppen im mediterranen Raum: Das Ausgrabungsfeld von Selinunt gehört zu den faszinierendsten archäologischen Stätten Siziliens. In den vergangenen Jahrzehnten wurden große Teile der Stadt freigelegt. Die Akropolis mit vier Tempeln, Terrassen und Befestigungen zeugt davon, dass Sizilien in vorchristlicher Zeit eine von Griechen besiedelte Insel war. Archäologen schätzen, dass Selinunt während der Blütezeit im 5. und 6. Jahrhundert vor Christus über 100.000 Einwohner hatte, also eine Megapole für antike Verhältnisse war. Der Niedergang begann, als die Stadt zwischen die Fronten von Rom und Karthago geriet. 409 v. Chr. wurde die Stadt nach einem blutigen Krieg mit 16.000 Toten zum ersten Mal zerstört. Nach der zweiten Zerstörung 250 v. Chr. durch die Römer wurde die Stadt, die gerade ein Alter von 400 Jahren erreicht hatte, endgültig geräumt.


Catania

Bunte Stadt im Schatten des Ätna

Die bunte Stadt in der Ebene zwischen Ätna und Meer ist mit 650.000 Einwohnern die zweitgrößte auf Sizilien. Sie wurde im 8. Jahrhundert von griechischen Siedlern gegründet. Ihren Aufstieg verdankt sie dem Hafen und den fruchtbaren Lavaböden. 1669 wurde die Stadt vom Etna begraben und durch ein Erdbeben vollständig zerstört. Danach wurde es im spätbarocken Stil wiederaufgebaut. Heute gehört die Altstadt zum Welterbe der UNESCO. Sehenswert sind der Dom und der Elefantenbrunnen aus schwarzem Lavastein.


Cave di Cusa

Vor 2400 Jahren verlassene Baustelle

Ganz in der Nähe der griechischen Tempel von Selinunte liegt der Steinbruch, wo das Baumaterial für die antike Stadt gewonnen wurde. Als 409 v. Chr. die Karthager sich mit Kriegsschiffen der Stadt näherten, ließen die Sklaven alles fallen und flohen halsüberkopf. Heute, nach 2.400 Jahren, liegt alles noch genauso da: die Blöcke, von denen einige noch unbearbeitet sind, andere schon für den Abtransport fertig waren. Auch wenn damals ein Massaker drohte – heute ist der Tatort von Frieden und Schönheit umhüllt.


Grabhöhlen von Pantalica

5000 Gräber, über 3000 Jahre alt.

Wo der Fiume Anapo eine tiefe Schlucht in die Monte Ibli gegraben hat, liegt Pantalica, eine der großen Nekropolen Siziliens. Mehr als 5.000 Gräber wurden vor über 3.000 Jahren in den weichen Fels gehauen. Ihre Erbauer waren die Sikaner, die um jene Zeit von Siedlern vom Festland zurückgedrängt wurden. In frühchristlicher Zeit müssen die Höhlengräber bewohnt gewesen sein. Unterhalb der Felsen führt ein Wanderweg durch die immergrüne Natur. Er führt zu einer byzantinischen Felskirche und dem Anaktoron. Allerdings braucht man gute Schuhe, Proviant und Wasser. (hin und zurück: 3 Stunden, 8,8 Kilometer, auf und ab: 270 Meter)

Umfulana Route:
www.komoot.de/tour/8032045


Noto Antica

Thymian-Düfte über einer Ruinenstadt

1693 wurde das alte Noto von einem Erdbeben zerstört. Während die Stadt weiter unten im Barockstil wieder aufgebaut wurde, eroberte sich die Natur die alten Mauern zurück. Heute sind nur noch wenige Reste zu sehen. Dafür ist es dort still und duftet nach Salbei und Thymian. Wer durch die Mandelbäume von Noto Antica nach Südosten geht, kommt durch ein Bachtal zur Abbruchkante der Hochebene. Dort tut sich ein Blick über das neue Noto bis hin zur Südostspitze Siziliens auf. (hin und zurück: 3:30 Stunden, 12 Kilometer, auf und ab: 320 Meter)

Umfulana Route:
www.komoot.de/tour/8033411


Erice

Mittelalterliches Bergstädtchen mit Aussicht aufs Meer

Das uralte, von Phöniziern gegründete Bergstädtchen thront 750 Meter hoch über dem Meer. Seine Lage und das mittelalterliche Stadtbild machen es zu einem der schönsten Orte Siziliens. In der Antike befand sich hier ein Heiligtum, das nacheinander der phönizischen Göttin Eryx, der Astarte der Karthager, der griechischen Aphrodite und schließlich der römischen Venus geweiht war. Aus den Überresten des Tempels wurde im 14. Jahrhundert die Chiesa Matrice gebaut. Vom Platz des Aphroditentempel, wo heute das Venusschloss steht, hat man einen gewaltigen Ausblick über Trapani und die anderen westlich vorgelagerten Inseln.


Savoca

Malerisches Felsennest im Schatten einer Normannenburg

Das malerische Felsennest duckt sich im Schatten einer Normannenburg. Berühmt wurde der Ort hoch über dem Tyrrhenischen Meer als Drehort im legendären Film „Der Pate“ von Francis Ford Coppola mit Marlon Brando. Damals war er gespenstisch und verlassen, heute ist Savoca schön restauriert – vor allem rund um die Kirche. 


Noto

Häuserfassaden mit Nixen und Dämonen

Durch ein Erdbeben 1693 wurde die Stadt südlich von Syrakus vollständig zerstört und danach einheitlich im Barockstil wieder aufgebaut. Die Kreativität der Künstler muss überschäumend gewesen sein: Nixen und Dämonen, Engel und geflügelte Pferde und grimassierende Monster zieren die Häuserfassaden und Balkone. Heute ist Noto eine der schönsten Städte Siziliens – vor allem am Nachmittag, wenn die Sonne diesen Garten aus Stein in goldgelbes Licht taucht.


Salzgärten von Trapani

Essen wie die Salzarbeiter im Museumsrestaurant

Jahrhundertelang wurde bei Trapani Salz aus dem Meer gewonnen. Heute ist in einer alten Mühle ein Museum eingerichtet, das von der alten Tradition der Salzgewinnung erzählt. Mittags kann man in einer Lagerhalle aus dem 17. Jahrhundert das „Mittagessen eines Salzarbeiter“ probieren, bestehend aus Bruschetta, Sardinen, Käse und Wein, und dabei über die Salinen bis zu den Egadischen Inseln schauen.


Marsala

Dessertwein nach alten Methoden

Die alte Stadt Marsala ist bekannt für ihren Dessert-Wein, der bis zu 20% Alkohol enthält. Ein Marsala Fine muss mindestens ein Jahr in Holzfässern reifen. Ein Geheimtipp unter den Marsala-Gütern ist die Azienda di Marsala von Marco De Bartoli, wo noch nach alten Methoden gekeltert wird. Besichtigung nach Voranmeldung. Tel: 09 23 96 20 93.

Nähere Informationen:
www.marcodebartoli.com/en


Riserva naturale orientata Oasi

Füchse, Stachelschweine und Sumpfschildkröten an der Tellaro-Mündung

Zuerst sollte eine Raffinerie entstehen. Als es Proteste gab, wurden Pläne für eine große Feriensiedlung entwickelt. Schließlich gelang es, das 1.450 Hektar große Feuchtgebiet 1983 zum Naturreservat zu erklären. Mit kleinen Seen und Küstendünen beheimatet es Füchse, Kaninchen, Stachelschweine und Sumpfschildkröten. Für Zugvögel ist es einer der wichtigsten Rastplätze im Mittelmeerraum. Im Sommer ist der Sandstrand südlich der Tellaro-Mündung ein beliebter Badeort der einheimischen Bevölkerung. Sehenswert ist der Torre Sveva, ein Befestigungsturm aus dem 15. Jahrhundert. Vom Parkplatz hinter der Haupteinfahrt in den Park kann man einen schönen Strandspaziergang nach Norden machen.




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