Okzitanien

Reich an Atmosphäre: Beziers im Languedoc

Reich an Atmosphäre: Beziers im Languedoc

Vielseitige Küste zwischen Pyrenäen und Rhône

Die Region an der Mittelmeerküste zwischen Rhône und Pyrenäen ist eine besonders vielseitige Region: an der Küste findet man endlose Sandstrände; im Hinterland ragen die Burgen der Katharer auf uneinnehmbaren Felsen empor, die von Carcassonne aus im 13. Jahrhundert besiegt wurden. Zwischen Frankreichs ältesten Weinbergen liegen an Atmosphäre reiche Städte wie Bezier, die Hauptstadt des Weins, und die quirlige Universitätsstadt Montpellier.



Sehenswürdigkeiten Okzitanien


Albi

Festungsartige Kathedrale mit blutiger Geschichte

Die 50.000-Einwohner-Stadt am Fluss Tarn wirkt heute provinziell. Dabei stand sie einmal im Fokus der Geschichte. Im Mittelalter verbreitete sich in Aquitanien die Bewegung der Kathararer (deutsch: „die Reinen“), die von der Kirche Armut und Demut verlangten. Einer der vier Katharer-Bischöfe hatte seinen Sitz in Albi, weshalb die Bewegung auch unter dem Namen „Albigenser“ bekannt wurde. Der Konflikt mit der Kirche gipfelte in den Albigenserkriegen von 1209 bis 1229, in denen die Stadt vollständig zerstört wurde. Als Demonstration der Macht ließ die Kirche anschließend eine mächtige Kathedrale errichten, die wie eine Festung wirkt und bis heute die Stadt beherrscht.


Andorra

Zwergstaat in den Pyrenäen

Andorra ist ein unabhängiger Zwergstaat im Osten der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Der bereits über 700 Jahre alte Staat ist weltweit der einzige, der zwei Staatsoberhäupter hat, die noch dazu im Ausland leben. Es ist der Präsident von Frankreich und der Bischof von Urgell. Zu mehr als einem Drittel befindet sich das Land über der Baumgrenze und hat feuchtes Gebirgsklima. Wegen besonderer Steuergesetze ist das Land ein Einkaufsparadies. 4800 Geschäfte bieten den zahlreichen Kauflustigen aus dem Ausland Schmuck, Elektronik, Tabak und Mode feil.


Carcassonne

Bedeutendste mittelalterliche Festung Europas

Carcassonne liegt an einem uralten Verkehrsweg vom Atlantik zum Mittelmeer. Bereits die Römer legten den Grundstein zur Befestigung des Ortes, den sie Carcasso nannten. Alle späteren Eroberer bauten an der Festung weiter: Westgoten, Araber, Franken, schließlich die Katharer und andere Ketzer gegen die römische Kirche. Im Hochmittelalter erhielt die Festung unter Philipp dem Kühnen ihre endgültige Gestalt. Später spielte die Festung eine zentrale Rolle bei der blutigen Verfolgung der Katharer, einer südfranzösischen Ketzerbewegung. Carcassonne wurde nie völlig zerstört und ist heute die bedeutendste mittelalterliche Festungsanlage in Europa. 

Nähere Informationen:
www.tourisme-carcassonne.fr


Cevennen

Wanderschäferei im Weltnaturerbe

Steile Schluchten, raue Karstgebirge und weite Hochebenen prägen die Landschaft zwischen dem Rhonetal im Osten und der Autobahn 75 im Westen. Die Cevennen sind die südlichsten Ausläufer des Zentralmassivs, das sich vor 350 Millionen Jahren aus dem Meeresboden erhoben hat. In der kargen Region ist Getreideanbau schwierig. Die Kastanie galt daher als der Brotbaum der Cevennen. Die Wander-Weidewirtschaft, eine halbnomadische Form der Schäferei, hat sich aus dem frühen Mittelalter bis heute erhalten. Um sie zu schützen, hat die UNESCO den schon zuvor bestehenden Nationalpark zum Welterbe der Menschheit erklärt.


La Couvertoirade

Mittelalterlicher Ort in den Cevennen

Der mittelalterliche Ort mit erhaltener Stadtmauer, Wehrtürmen und Bergfried gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Einsame Treppengassen führen zu einem Schloss und einer Kirche aus dem 14. Jahrhundert. La Couvertoirade gilt als Carcassonne en miniature, ist aber im Gegensatz zur großen Schwester touristisch kaum entdeckt.


Land der Katharer

Rückzugsgebiet für verfolgte Ketzer

Die Katharer (von griechisch: Katharós – rein) waren die größte christliche Glaubensbewegung des Spätmittelalters. Sie hatten in Okzitanien, also dem im heutigen Süden Frankreichs, ihren Ursprung. Sie nannten sich selbst „veri christiani“ (wahre Christen) oder „boni homines“ (gute Menschen). Ihre Lehre war vom Dualismus von Gut und Böse, Welt und Gott geprägt. Während die römische Kirche lateinische Messen abhielt, predigten sie in den Landessprachen, was ihnen große Popularität brachte. Als die Bewegung wuchs, reagierte die römische Kirche auf die unerwünschte Konkurrenz mit Inquisition und Verfolgung. So zogen sich die Katharer in das schwer zugängliche Gebiet am Rand der Pyrenäen zurück. Im sogenannten Albigenserkreuzzug, der von der Festung Carcassonne aus geführt wurde, wurden die Katharer schließlich vollends vernichtet. Geblieben ist nur ihr Name, der sogar Eingang in die deutsche Sprache gefunden hat: Das Wort „Ketzer“ bezeichnet bis heute jemanden, der von der reinen Lehre abgewichen ist.


Méze

Musikfestivals und frische Austern

Am nördlichen Ufer des Étang de Thau die Stadt mit einer starken Mittelmeeridentität. Sie wurde im 8. Jahrhundert vor Christus von phoenizischen Seefahrern gegründet. Das Mittelmeerklima, das charakteristische Flair und kulinarische Genüsse ziehen viele Besucher an, besonders im Sommer zum Fest des heiligen Petrus (Juni), zum Festival de Thau mit afrikanischer Musi (Juli) und zum Schalentierfest (August). Die Einwohner leben vorwiegend von der Austern- und Miesmuschelzucht, die frisch zubereitet in den Restaurants am Meer angeboten werden. Moules und Frites finden sich auf fast jeder Speisekarte. Im Hinterland wird Wein angebaut.


Montpellier

Lebhafte Studentenstadt am Golf de Lion

Die 250.000-Einwohner-Stadt ist eine der wenigen ohne antiken Hintergrund an der französischen Mittelmeerküste. Eine Siedlung entstand erst 740 nach Christus unter den Franken. Dennoch ist die Stadt eine Reise wert: Es gibt eine lebhafte Altstadt rund um den Place de la Comédie. Die Universität mit über 60.000 Studenten ist eine der größten in Frankreich und macht das Stadtbild bunt und weltoffen.


Nîmes

Römische Arena als mittelalterliches Armenviertel

Seit sich die Stadt 121 v. Chr. den Römern ergab, wuchs ihre Bedeutung als Handelsstadt zwischen Italien und Spanien. Die in das Hügelland der Cevennen eingebettete Stadt ist besonders reich an antiken Bauwerken. Am bedeutendsten ist zweifellos die Arena. Von den rund 70 römischen Arenen, die heute bekannt sind, ist die von Nimes zwar nicht die größte, aber die am besten erhaltene, obwohl sie später zu anderen Zwecken benutzt wurde. Die Westgoten bauten sie als Festung um, im Mittelalter diente sie als Ritterburg und später als Wohnviertel für 2.000 Menschen. 


Pic de Cannigou

Aussichtsberg der Ostpyrenäen

Der östlichste Berggipfel der Pyrenäen hat eine Höhe von 2.784 Metern und galt lange als höchster Berg Kataloniens. Meist ist er bis in den Frühsommer hinein schneebedeckt und weithin sichtbar. Von oben hat man an klaren Tagen eine grandiose Aussicht. Zum Ausgangspunkt der Wanderung führt eine Piste, die aber auch ohne Allradantrieb zu befahren ist. Die Ersteigung des Canigou ist kein Spaziergang, sondern eine fünfstündige Bergwanderung. 600 Höhenmeter sind zu überwinden, aber es gibt nur wenige steile Anstiege und kaum technische Schwierigkeiten. Auch die Orientierung macht keine Probleme. 


Pont du Gard

Römische Wassebrücke über das tiefe Gard-Tal

25 Kilometer nordöstlich von Nimes befindet sich ein antikes Wunderwerk: die höchste Aquäduktbrücke des römischen Reichs. Die Pont du Gard war Teil einer römischen Wasserleitung nach Nimes und überbrückt das tiefe Tal des Gard. Mehr als 500 Jahre lang flossen täglich 20.000 m³ Wasser über das 45 m hohe Aquädukt. 

Nähere Informationen:
www.pontdugard.fr


Promenade du Peyrou

Promenade am höchsten Punkt von Montpellier

1668 wurde die Promenade auf dem höchsten Punkt von Montpellier zu Ehren von Ludwig XIV. angelegt. Sie wird von dem Saint-Clément-Aquädukt durchquert, der das Wasser zum Wasserschloss leitet. Die beiden 22 Meter hohen Arkadengeschosse wurden dem römischen Pont du Gard bei Nimes nachempfunden. Samstags findet unter den Bögen ein Flohmarkt statt. Von der oberen Terrasse der Promenade hat man einen herrlichen Blick auf die Garrigue, die Cevennen, das Meer und, bei klarer Sicht, auf den Canigou.


Rocamadour

Wallfahrtsort in wilder Schlucht

Seit dem Mittelalter strömen Pilger zum Felsen des Heiligen Amadour. Der wundertätiger Eremit aus frühchristlicher Zeit soll mit dem biblischen Zöllner Zachäus identisch gewesen sein. Ziel der Pilger war eine wundertätige Marienfigur, die der Heilige  aus einem Baumstamm geschnitzt haben soll. Vielen Wallfahrer war die Pilgerfahrt von weltlichen Gerichten als Buße auferlegt worden. Der Bußwallfahrer hatte nach der Ankunft in Rocamadour ein Kleid aus grobem Stoff und Ketten an Hals und Armen anzulegen. Dann musste er auf Knien die große Treppe zum Heiligtum zu einem Pranger hinaufsteigen. Vor dem Altar der Kapelle erflehte er Vergebung, worüber ihm eine Bescheinigung ausgestellt wurde. Dann konnte er das bleierne Pilgerabzeichen erwerben. 
Die drei Ebenen, auf denen Rocamadour liegt, sind jede für sich sehenswert. Ganz unten befindet sich das Dorf, dessen mittelalterliche Häuser sich an die steilen Abhänge über der Schlucht des Flusses Alzou schmiegen. Von dort können die Besucher die Große Treppe zur heiligen Stadt (Sanctuaire) aus dem 12. Jahrhundert hinaufsteigen. Auf zweiten Ebene befinden sich sieben Gotteshäuser. Ganz oben thront eine Burg aus dem 14. Jahrhundert.

Mehr Info:
www.france-voyage.com


Saint-Gilles

Benediktinerkloster am Jakobsweg

Die Abteikirche Saint-Gilles, St. Äegidius, wurde in den Jahren 1125 bis 1150 erbaut und gehörte zu einer Klosteranlage der Benediktiner. Wegen des Grabes des Heiligen Ägidius ist sie bis in die Gegenwart eine bedeutende Etappe auf der Via Tolosana, einem der französischen Abschnitte des Jakobsweges nach Santiago de Compostela. Seit 1998 gehört die Kirche zum Weltkulturerbe der UNESCO.


Toulouse

Südfranzösisches Flair und Weltraumtechnik

Südfranzösisches Flair verbindet sich in der „Ville rose“ mit dem Geist der Technik und Wissenschaft. Toulouse ist das wichtigste Zentrum der europäischen Luft- und Raumfahrt. Mittelpunkt der Stadt ist der atmosphärische Place du Capitole mit seinen Arkaden und dem prächtigen Rathaus. Nicht weit davon entfernt steht die romanische Kathedrale St. Sernin, die eine der wichtigsten Pilgerkirchen auf dem Jakobsweg ist.


Uzès

Provencalisches Mittelalter zwischen Hinterhöfen und Herzogspalast

Der Ort in der kargen Landschaft von Garrigue atmet noch die Luft des provencalischen Mittelalters. Idyllisch ist der Place aux Herbes mit seinem plätschernden Brunnen besonders am Samstag, wenn dort der Wochenmarkt stattfindet. Ringsumher führen Gassen und schattenspendende Arkaden durch das Häuser- und Hinterhofgewirr zu einem Herzogspalast oder zur Kathedrale.


Viaduc de Millau

Preisgekrönte Brücke über Cevennenschlucht

Auf der Strecke von Paris nach Barcelona führt die Autobahn A7 über das Viaduc de Millau. Die 2004 eröffnete Brücke ist ein technisches Wunderwerk: Mit 2.460 Metern ist sie die längste Schrägseilbrücke weltweit. Sie besitzt sieben Pfeiler, die über 340 Meter voneinander entfernt sind. Der höchste von ihnen würde mit 343 Metern den Eiffelturm überragen. Das ästhetische Bauwerk, das mehrere Architekten- und Ingenieurspreise gewonnen hat, überspannt das Tal des Tarn, der flussaufwärts durch eine malerische Schlucht in den Cevennen donnert.




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